Andreas Kurz (45) bei seiner Arbeit als MA 48 Aufleger in der Kärntner Straße in der City. © PID/Christian Houdek

Ein Tag unter MA 48 Auflegern: Knochenjob im Dienst der WienerInnen

Wer hält die Stadt am Laufen? Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Wien. inwien.at begleitet die Aufleger der MA 48 auf ihrer Tour. Sie sorgen dafür, dass Wien eine der saubersten Städte Europas bleibt und die City nicht im Mist versinkt.

Morgens um halb sechs ist die Kärntner Straße in der Inneren Stadt noch fast menschenleer. Die letzten Nachtschwärmer schlendern zur U-Bahn-Station am Stephansplatz oder bei der Oper. Für Andreas Kurz beginnt jetzt der Arbeitstag. Der 45-Jährige arbeitet als Aufleger bei der MA 48. Sein Job ist es, die teilweise 20-40 Kilo schweren Tonnen aus den Müllräumen oder Innenhöfen der Häuser entlang des wohl nobelsten Pflasters der Innenstadt rund um die Kärntner Straße zwischen Graben, Burggarten und Seilerstätte zu holen. 

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Trödeln ist Tabu

Im Stützpunkt in der Johannesgasse zieht sich Andras sein "Orangenes" an. Nach einem Kaffee und einer kurzen Lagebesprechung im Büro des Aufsehers geht es pünktlich um sechs Uhr los. Nicht mit dem Müllauto, sondern vorerst zu Fuß. „Der LKW kommt später. Wir stellen jetzt die Tonnen raus, damit es dann umso rascher geht.“ Seit mehr als 20 Jahren ist er bei den 48ern: "Ich mag meine Arbeit. Ich könnte mir inzwischen gar nicht mehr vorstellen, was anderes zu machen", sagt Andreas. "Die Arbeit ist mein Training", sagt er. Der Familienvater hat bei einem Fußballverein im Unterhaus gekickt, danach galt seine Leidenschaft dem Thai Boxen. Das Boxen hat er nach einer Verletzung aufgegeben. "Außerdem hat es meine Frau nicht so gern gehabt. Jetzt hält mich die Arbeit fit", sagt Andreas.

Der Arbeitstag bei den 48ern beginnt um sechs Uhr früh. Vor seiner Tour trinkt Andreas Kurz noch einen Kaffee in der Unterkunft in der Johannesgasse. ©PID/Christian Houdek

Aufleger arbeiten im Team. Trödeln ist Tabu. Heute ist Andreas als "Vorträger" unterwegs, gemeinsam mit Kollegen Manfred. Sie leisten Vorarbeit für das Müllauto und den "Kipper". Der steht beim Müllauto und spannt die Mülltonne ein, die dann mit einem Greifer nach oben befördert und entleert wird. Im Anschluss werden Manfred und Andreas als "Leerträger" entleerte Mülltonnen wieder an ihre Stelle bugsieren. Auf ihrer Tour legen sie gut und gerne mehr als 15 Kilometer zurück.

Mülltonnen statt Hanteln

Das Müllauto ist in der Remise in Margareten stationiert und ist bereits Richtung Innenstadt unterwegs. Deshalb heißt es für die Männer in der Johannesgasse jetzt "anzah‘n". "Der Fahrer, der Gerhard, ist gerne pünktlich. Außerdem wollen wir die Straßen nicht zu lange blockieren." Die Mülltonnen stehen in den Innenhöfen oder in Müllräumen. In den Altbauten müssen die Tonnen über mehrere Treppen geschleppt werden. Hier ist Kraft gefragt, aber auch die richtige Technik.

Andreas Kurz holt als "Vorträger" die vollen Mülltonnen auf die Straße. Auf seiner Tour legt er bis zu 15 Kilometer zurück. ©PID/Christian Houdek

"An meinem ersten Tag, da habe ich mir gedacht, ich bin ziemlich kräftig, das schupf‘ ich locker. Dann habe ich meinen Kollegen gesehen. Der war alles andere als auftrainiert. Trotzdem hat er mich ziemlich schnell alt aussehen lassen", sagt Andreas. "Am Anfang hat er mich schwitzen lassen, aber ältere Kollegen lassen die Neuen nicht dumm sterben. Es ist leichter, die Tonne zu bewegen, indem man ihren Schwerpunkt geschickt nutzt. Wenn man sich mit Hüfte oder Ellbogen gegen die Tonne stemmt, geht es auch leichter, weil man so seine Kraft besser einsetzen kann."

Andreas im Innenhof eines Gründerzeitbaus. Die vollen Mülltonnen wiegen zwischen 20 und 40 Kilo. Um sie über die Treppen nach draußen zu bringen braucht es die richtige Technik. ©PID/Christian Houdek

Im Gebiet von Andreas liegt das noble Hotel Sacher ebenso wie mehrere großbürgerliche Gründerzeitbauten mit eingemieteten Anwaltskanzleien oder Botschaften. "Ich kenne inzwischen jedes Stiegenhaus auf meiner Route. Am Anfang war es gar nicht so leicht, jeden Müllraum zu finden." Und nicht jedes Haus wird auf jeder Tour angefahren. "Wie oft die Tonnen in einem Haus geleert werden, hängt vom Müllaufkommen und vom vorhandenen Platz für die Behälter ab. Bei manchen leeren wir täglich, bei anderen nur ein- oder zweimal die Woche." Das steht im Gebiets-Plan. Falls ein Vorträger ein Haus auf der Route vergisst, muss der Behälter vom Kipper geholt werden. Das kostet Zeit, die beim Entleeren benötigt wird. Wenn so etwas passiert, dann hat das Team die Regel, dass der Vorträger in die gemeinsame Kaffeekassa einzahlt. "Da kommt nicht viel ‘zamm", sagt Andreas. "Wir arbeiten sehr ordentlich."

Wann die Tonnen in einem Haus geleert werden, hängt von der anfallenden Müllmenge an. Vergisst ein Vorträger auf seiner Tour ein Haus, muss er in eine Kaffeekasse einzahlen. Das kommt aber selten vor. ©PID/Christian Houdek

640 Aufleger entleeren täglich 100.000 Mülltonnen

Aufgrund der Urlaube sind die Behälter im Sommer nicht ganz so schwer. "Richtig hart ist die Arbeit im Winter und zu Weihnachten. Da macht uns einerseits Schnee und Kälte zu schaffen, und anderseits wird rund um die Feiertage mehr weggeschmissen", sagt Andreas. 100.000 Müllbehälter pro Tag werden in Wien von mehr als 640 Müllauflegern geleert, 259 Müllautos sind in der Stadt unterwegs. Pro Jahr fallen 500.000 Tonnen Restmüll und 350.000 Tonnen Altstoffe, inklusive jener von den Mistplätzen, an.

Das Müllauto auf der Kärntner Straße. 259 Müllautos sind in der ganzen Stadt im Einsatz. Der Wagen für die City rollt aus der Remise in Margareten an. ©PID/Christian Houdek

Müllauto lenken ist Millimeterarbeit

Langsam erwacht die Kärntner Straße. Es wird geschäftiger: Die ersten Lieferfahrzeuge steuern die Geschäfte an, bei den Personaleingängen der Hotels stehen Portiere, die ihre Zigarette nach dem Nachtdienst rauchen. Das Servicepersonal der Kaffeehäuser in den Seitengassen bereitet die Schanigärten vor. Inzwischen ist Gerhard mit seinem LKW in der Kärntner Straße angekommen.

Fahrer Gerhard hinter dem Steuer seines Müllwagens. Das Manövrieren des LKWs in der Stadt ist Millimeterarbeit. ©PID/Christian Houdek

In seinem Fahrerhaus hat Gerhard den Überblick: Eine Kamera hat die Schüttung im Blick. Die wird vom "Kipper" bedient. Um Platz auf der Ladefläche zu sparen, wird der Abfall im Müllauto mit einem Verdichter zusammengepresst. "Früher war alles analog, jetzt ist in jedem Ding ein Computer drin", sagt Gerhard. Die Technik dient dazu, den Job leichter und sicherer zu machen. Hinten bei den Trittbrettern können die Müllmänner Signale geben, auch einen Not-Stop gibt es. "Der wird gedrückt, wenn etwas in der Tonne war, das die Trommel des Verdichters blockieren könnte", erklärt Gerhard. "Das kann passieren, wenn jemand unerlaubterweise Holzlatten oder Metall-Stangen im Restmüll entsorgt." Gibt es eine Blockade, dann muss er seinen Wagen kurz herunterfahren und neu starten - oder im schlimmsten Fall in die Werkstatt fahren. Das kostet wertvolle Zeit und Nerven für die Autofahrer, die hinter dem Müllauto warten müssen. Auch Baustellen oder Falschparker können das Müllauto blockieren. "Ich verstehe, dass sich die Leute aufregen, wenn sie im Stau stehen, aber dafür können wir nichts. Ich kann mich mit dem LKW ja nicht in Luft auflösen."

Im Fahrerhaus befindet sich die Steuerung für die Technik des Müllautos. Über einen Monitor hat der Fahrer alles im Blick, der Verdichter auf der Ladefläche des LKWs wird per Knopfdruck gesteuert. Ein Sensor zeigt an, ob ein Aufleger am Trittbrett steht. Blockiert etwas den Verdichter, dann leuchtet ein Alarm am Display auf. ©PID/Christian Houdek

Nachdem die Tonnen geleert sind, stellen sie die "Leerträger" wieder zurück an ihren Platz. Damit das "Werk’l" auch rennt, wenn ein Springer dabei ist, werden Behälter auch mit Hausnummern beschriftet, damit die leeren Tonnen auch an ihren angestammten Platz zurückkommen.

Andreas spannt eine Mülltonne in die Kippvorrichtung des Müllautos ein. Pro Tag werden in der Stadt mehr als 100.000 Tonnen geleert. ©PID/Christian Houdek

"Stellen Sie sich vor, der Mist bleibt einen Tag liegen…"

Andreas würde seine "schwere Innenstadt-Tour", wie sie im 48er-Fachjargon heißt, niemals mit einer vielleicht leichteren Route am Stadtrand tauschen. "Klar, da hast du vielleicht keine Stiegen und musst nicht schleppen. Aber dafür arbeite ich da, wo andere als Touristen herkommen. Das kannst du mit nix aufwiegen", schwärmt Andreas.

Andreas (links) mit Aufleger-Kollege Manfred (rechts) und Kipper Reini (mitte, beim Müllauto). ©PID/Christian Houdek

Das Müllauto wird so lange befüllt, bis die Anzeige im Führerstand anzeigt, dass der Laderaum voll ist. Dann fährt Gerhard den Wagen zum Entleeren zur Müllverbrennungsanlage Spittelau. Andreas, Manfred, Reini und seine Kollegen machen inzwischen weiter. Um 10 Uhr gibt es eine kurze Pause, bis 14 Uhr dauert die Schicht.

Morgen wird Andreas wieder unterwegs sein. "Stellen Sie sich mal vor, der Mist bleibt liegen..."

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