Gegen sieben Uhr betritt Lehrerin Cornelia Scholz das Schulgebäude. © Bohmann/Rene Wallentin

Ein Tag unter LehrerInnen: "Alles für die Kids"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten eine Volksschullehrerin einen Tag lang zwischen LehrerInnenzimmer, Klasse und Turnhalle.

Um 5.30 läutet der Wecker. Das ist die Uhrzeit, zu der Cornelia Scholz, 30, unter der Woche aufsteht, um in Ruhe zu frühstücken und sich für den Arbeitstag herzurichten. Cornelia ist in ihrem sechsten Jahr an der Offenen Volksschule am Simmeringer Herderplatz 1 Lehrerin mit absoluter Hingabe. Ab diesem Herbst begleitet sie ihre Klasse durchs dritte Schuljahr: "Malrechnen, schreiben, dividieren und vieles mehr: In diesem Jahr widmen wir uns neuen, spannenden Herausforderungen."

Vom PR-Profi zur leidenschaftlichen Lehrkraft

Als Jugendliche hatte Cornelia eigentlich nicht den Plan, Lehrerin zu werden. "Beide meiner Eltern waren Lehrkräfte. Selbst unterrichten schien nichts für mich zu sein", sagt Cornelia. Schließlich studierte sie nach der Matura Publizistik und arbeitete dann einige Zeit in einer PR-Agentur: "Bis in mir plötzlich, quasi aus dem Nichts, der Wunsch aufkeimte, Kindern Wissen zu vermitteln und ich das dreijährige Bachelorstudium an der Pädagogischen Hochschule Wien belegte". Bereut hat sie diese Entscheidung bislang noch nie: "Wer sich ehrlich und hingebungsvoll mit Kindern beschäftigt, bekommt einfach wahnsinnig viel zurück."

Cornelia im LehrerInnenzimmer. © Bohmann/Rene Wallentin

Morgenstund' hat Gold im Mund

Gegen sieben Uhr betritt Cornelia das Schulgebäude. Im großen, lichtdurchfluteten, historischen Schulgebäude sind 13 Klassen beherbergt, umgeben von jeder Menge Grün. Cornelia ist meist etwas früher da, um sich optimal auf den Tag vorbereiten zu können. "Mein erster Weg führt mich ins LehrerInnenzimmer. Dort kann ich noch Unterlagen für die Kinder kopieren", sagt sie. Wenn keine Gespräche mit jenen Eltern anstehen, die nachmittags beziehungsweise zu den regulären Sprechstunden keine Zeit haben, geht es danach direkt in ihre Klasse. Heuer in die 3a. Dort liegt der Wochenplan, den sie regelmäßig vorab erstellt, bereits auf ihrem Schreibtisch. Das ist wichtig: Sollte Cornelia nämlich einmal krank sein, weiß die Ersatzlehrkraft genau, was mit den Kindern zu tun ist.

"Wir sind die Elefantenklasse", erklärt Cornelia. © Bohmann/Rene Wallentin

Elefantenklasse

"Wir sind die Elefantenklasse", erklärt Cornelia. An der Tür zum Klassenzimmer ist der bunt karierte Elefant Elmar aus dem gleichnamigen Kinderbuch von David McKee angebracht. "Jede Klasse im Haus hat ihr eigenes Maskottchen, das sich die Lehrkräfte selbst aussuchen können." Auf den ergonomischen Klassenstühlen liegen rote oder gelbe Sitzpölster, auf ihren Plätzen selbst gebastelte Schreibtischunterlagen: "Die Kinder malen auf A3-große Papierbögen, was ihnen gefällt oder sie bewegt und ich foliere dann das Ergebnis am Anfang des Schuljahres damit es auch das ganze Jahr lang hält." Mehr fröhliche Zeichnungen und Bastelarbeiten schmücken die Wände. Ein Abakus und anderes buntes, spielerisches Lernmaterial, von Domino bis zu großen Buchstaben-Puzzlesteinen, ist in einem offenen Regal beziehungsweise einigen Einbauschränken untergebracht. In einer Ecke warten zwei Computer auf ihren Einsatz. "Es ist wichtig, den Kindern auch den Umgang mit den neuen Medien zu vermitteln. Ohne PCs geht das nicht", sagt Cornelia.

Cornelia bleibt auch in manchen Pausen in der Klasse. © Bohmann/Rene Wallentin

Die erste kurze Lernpause steht um neun Uhr an. Jetzt packen die Kinder ihre Jausenboxen aus. Auch Cornelia verbringt diese Pause mit ihren Schülerinnen und Schülern. "Danach geht es auch schon weiter, bis schließlich die große Mittagspause ansteht. Natürlich unterbrochen von kurzen Jausen-, Spiel- oder Bewegungspausen. Die sind für die Steigerung der Konzentrationsfähigkeit entscheidend."

Spielerisches Lernen mit Buchstabenpuzzlesteinen. © Bohmann/Rene Wallentin

"Bewegte" Schwerpunktklasse

Lehrerinnen und Lehrer bilden sich laufend fort, Cornelia ist da keine Ausnahme. Dank ihrer Ausbildung rund ums "Bewegte Lernen" kann sie ihre Klassen als "bewegte" Schwerpunktklasse führen. Das heißt: In allen Unterrichtsfächern setzen die Kinder auch ihren Körper zum aktiven Lösen von Lernaufgaben ein. "Beispielsweise haben wir kleine Rollbretter, mit denen die Kinder auf dem Bauch liegend durch die Gänge fahren und Rechenaufgaben lösen. Dabei wird unglaublich viel gelacht. Und ganz nebenbei Mathematik trainiert", sagt Cornelia. Darüber hinaus kann sie auch eine zusätzliche Stunde in der Woche Turnunterricht anbieten.

Innerhalb des Schulhauses ist Cornelia zudem als Lesekoordinatorin im Einsatz und besucht in regelmäßigen Abständen Fortbildungen. Was sie sich dabei an Know-how zu den neuesten Lesestrategien aneignet, gibt sie an ihre Kolleginnen und Kollegen weiter. "Das Silbenklatschen zum Worterfassen ist eine einfache, wirksame Methode zur Sprach-Schreib-Vermittlung. Zusätzlich haben wir im Haus einen Lesekompetenzkurs im Angebot und ein Mal pro Woche freiwillige, meist bereits pensionierte Lesepatinnen oder -paten, die ins Haus kommen und gemeinsam mit einzelnen Kindern lesen."

Cornelia unterrichtet neben den Haupt- und Sachfächern auch Turnen und Technisches Werken. © Bohmann/Rene Wallentin

Übungen zum Runterkommen

Neben dem Lesekompetenzkurs gibt es noch einige andere Kurse, die von den Schülerinnen und Schülern nachmittags besucht werden können. Da die Volksschule Herderplatz als Offene Volksschule geführt wird, bleibt nach dem Pflichtunterricht um 14 Uhr bis zum Nachhausegeh-Moment der Kinder meist noch etwas Zeit zur Verfügung. "Angeboten werden Schach, Jazzdance, Fußball, Tennis und seit heuer auch, von mir umgesetzt, Yoga, das ich sanft auch gerne in meinen alltäglichen Unterricht einfließen lasse. Da gibt es herrliche Übungen zum Runterkommen für die Kleinen. Denn neben dem Lernen und Bewegen ist das Ruhen und Zusichkommen wichtig", sagt Cornelia. So macht sie manchmal für eine Minute das Fenster auf, alle sollen ganz still sein, und spricht dann mit den Kindern über das Gehörte. Oder sie lässt still im Sitzkreis ein Teelicht herumgehen. "Mein Beruf ist Berufung. Den kann nur jemand ausüben, der es liebt, mit Kindern zu arbeiten. Man muss jedoch stets darauf achten, dass man sich selbst weiterentwickelt. Das hat den Vorteil, dass kein Tag langweilig wird und man der Lehrverantwortung gegenüber den Kindern besser gerecht wird", sagt Cornelia.

Außerdem wäscht und bügelt sie über den Sommer alle Hausschuhsackerl der Kinder. © Bohmann/Rene Wallentin

Ressourcengestärkt im Einsatz

Innerhalb der Kollegenschaft, ob andere Lehrkräfte oder Direktorin, herrscht gute Stimmung und man unterstützt einander gerne. So werden im Team im Laufe des Schuljahres Schulbücher für das nächste Jahr ausgewählt und Lernziele in den Hauptfächern besprochen. Cornelia: "Das hat den Vorteil, dass wir uns gegenseitig besser vertreten können, wenn es nötig ist."

Sachthemen überlegt sich Cornelia mithilfe von Plattformen aus dem Web 2.0 wie Pinterest, tauscht sich über Lehrerinnen- und Lehrerforen mit Kolleginnen und Kollegen aus oder greift auf Fachbücher zurück. Meist passiert das in den beiden Sommermonaten, die sie darüber hinaus auch zum neuerlichen Auftanken ihrer Energien gerne nutzt. Vor den Ferien ist nämlich stets noch jede Menge zu tun. Schwache Kinder müssen nochmals richtig motiviert, Elterngespräche abgehalten, Zeugnisse vorbereitet, Ferienhefte gebastelt, die Kästen des Klassenraumes gewischt und alles für die Grundreinigung im Sommer geräumt werden. In der letzten Woche vor Schulbeginn ist Cornelia dann wieder ressourcengestärkt im Einsatz, wäscht und bügelt alle Hausschuh-Sackerl der Kinder, bereitet den Klassenraum und die Unterlagen, vom Klassenbuch bis zu den Mitteilungsmappen, vor, dekoriert, beschriftet mithilfe einer Kollegin die Tafel und freut sich auf "ihre Kinder".

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