Gerald Treitler ist seit vier Jahren Lebensmittelinspektor bei der MA 59. Die Märkte, wie hier der Viktor-Adler-Markt, sind eines seiner vielen Einsatzgebiete. © PID/Markus Wache

Ein Tag unter LebensmittelinspektorInnen: "Bei Hygiene gibt es keine Kompromisse"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten Lebensmittelinspektor Gerald Treitler einen Tag lang bei seiner Arbeit. Er und seine KollegInnen sorgen für den KonsumentInnenschutz in Wien.

Der Viktor-Adler-Markt in Favoriten ist am Vormittag bestens besucht. Hunderte Menschen kaufen Paradeiser, Steinpilze, exotische Früchte und auch Fleisch. Mittendrin: Gerald Treitler, Lebensmittelinspektor bei der MA 59 - Marktservice und Lebensmittelsicherheit. Er kennt Wiens Märkte wie seine Westentasche. Gerald und seine Kolleginnen und Kollegen tragen mit ihren Lebensmittelkontrollen einen Teil dazu bei, dass die Wienerinnen und Wiener bei den Leckereien auf den Marktplätzen genussvoll zugreifen können.

Die Lebensmittel auf dem Viktor-Adler-Markt entsprechen den Vorschriften des Marktamts. Das frische Gemüse überzeugt Gerald. © PID/Markus Wache

Die KonsumentInnenschutzbehörde Wiens

Ihr Job ist es sicherzustellen, dass in Wien nur einwandfreie Lebensmittel verkauft werden. Ihre Arbeit geht weit über die Märkte hinaus. Sämtliche Lebensmittel fallen in den Zuständigkeitsbereich des Teams. "Dass wir nur auf den Märkten sind, ist ein Irrglaube. Es gibt 19.000 Lebensmittelbetriebe in Wien und wir kontrollieren alle. Unser Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser." Die MA 59 wirft ihr wachsames Auge auf Cafés, Supermärkte, Restaurants und spannt den Bogen bis hin zu großen Industriebetrieben. Die Qualität der Produkte in Wien ist sehr hoch. Die MA 59 sorgt dafür, dass das auch so bleibt.

"Übrigens fallen auch Kosmetik und Spielwaren in das Lebensmittelgesetz, auch hier prüfen wir. Bei Kosmetik sind zum Beispiel immer wieder Allergene oder Schwermetalle Thema. Auch der Nichtraucherinnen- und Nichtraucherschutz wird von uns überprüft", sagt Gerald. "Wir sind die Konsumentinnen- und Konsumentenschutzbehörde Wiens." Die Maß- und Eichgesetze, sprich der korrekte Umgang mit Einheiten von Kilo über Liter bis Volt, sind ebenfalls Einsatzgebiet der Abteilung.

Hygiene verpflichtet: Neben einem Mantel sowie Überschuhen streift Gerald auch eine Haube über. © PID/Markus Wache

Auf Herz und Nieren geprüft

Gerald durchquert den Markt und geht zu einer nahe gelegenen Bäckerei mit angeschlossenem Café. Dort ist heute eine Hygienekontrolle geplant. Vor Ort gibt er sich mit seiner Dienstmarke zu erkennen. Zuerst überprüft Gerald, ob die Allergene auf der Speisekarte korrekt angegeben sind. Danach begibt er sich in einen der hinteren Räume, um sich auf den Einsatz vorzubereiten. Schritt eins: Die Montur wird angelegt. Neben einem weißen Mantel und einer Haube sowie Handschuhen zieht er auch Überschuhe an. So stellt er sicher, dass er nicht selbst die Lebensmittelproben verunreinigt.

"Jetzt schauen wir uns einmal den Kühlschrank an", sagt Gerald. "Hier muss die Temperatur passen und wir checken alle Teile auf Schimmelbefall, besonders den Einblasventilator." Es darf auch nicht alles zusammenliegen. "Gefährlich wird es, wenn rohes Fleisch neben Salatgemüse liegt. Das Fleisch wird vor dem Verzehr noch erhitzt, eventuelle Keime werden abgetötet. Der Salat wird allerdings roh gegessen. Würden zum Beispiel in einem Restaurant Hühnerkeulen offen direkt neben Salat liegen, hätten wir ein Problem. Das sollte man auch bei privaten Kühlschränken immer beachten."

Gerald untersucht den Kühlschrank der Bäckerei. Mit der Taschenlampe leuchtet er sämtliche Ritzen nach Schimmelbefall aus. © PID/Markus Wache

Im Kühlraum der Bäckerei ist alles nach Vorschrift. Das ist aber nicht immer so. Gerald erinnert sich mit Schaudern an einen Einsatz, bei dem er tote Ratten vorfand. "Wenn man dann noch bedenkt, mit welchem Gift die getötet wurden, weiß man, dass Gefahr im Verzug ist. Der Betrieb wurde noch in derselben Stunde geschlossen." Solche Dinge sind aber die Ausnahme. "Die allermeisten Wiener Betriebe arbeiten sauber." Kleinere Beanstandungen gibt es aber doch bei fast jeder Kontrolle. "Wir nehmen das ernst und sind sehr genau. Es gibt aber natürlich nicht immer gleich hohe Strafen. Wenn zum Beispiel eine Wandfließe gesprungen ist, strafen wir nicht gleich. Ist sie aber bei der Nachkontrolle immer noch kaputt, greifen wir ein." Die Hygienebestimmungen sind so streng. Wenn sie eingehalten werden, ist auch das Endprodukt in Ordnung, außer es wird absichtlich daran hantiert oder falsch behandelt.

Gerald tütet die Kardinalschnitten ein. Sie werden später im Labor untersucht. © PID/Markus Wache

Die Krapfen kommen mit

Als Nächstes steht die Entnahme von Proben auf dem Programm. Gerald hat genaue Richtlinien, an die er sich hält. Bei den Krapfen zum Beispiel nimmt er sechs Stück mit. "Die Zusammensetzung von Krapfen ist im österreichischen Lebensmittelbuch genau geregelt. Es muss eine bestimmte Menge Marillenmarmelade drin sein und auch das Verhältnis von Eidotter im Mehl für den Teig ist festgelegt. Den Kundinnen und Kunden steht ein flaumiges Erlebnis zu, auch darauf achten wir." Und auch die Kardinalschnitten müssen einwandfrei sein, deshalb kommen sie ebenfalls mit. Welche Lebensmittel wie oft getestet werden, richtet sich nach der Regel: "Je heikler, desto öfter". Fischbrötchen, Fleisch und Geflügel etwa stehen auf der Liste ganz oben. Auch Wasser und Kaffee werden geprüft. "Bei Gastgewerbekaffeemaschinen aus Metall höre ich oft, dass dann ja auch im Espresso Schwermetalle zu finden sind. Das ist aber ein Mythos. Unhygienische Kaffeemaschinen gibt es aber definitiv."

Die Proben packt Gerald in seine Kühltasche. Sie werden entweder in der MA 38 - Lebensmitteluntersuchung in Landstraße, der AGES in der Donaustadt oder der Lebensmittelversuchsanstalt in Niederösterreich geprüft. Bei Verdachtsfällen erhält Gerald das Resultat noch am selben Tag. Darum sind die einzelnen Lebensmittelinspektorinnen und -inspektoren auch täglich bis zumindest 21 Uhr im Dienst. Proben werden für die Testung vollständig verwendet. Neben organoleptischen Tests - sprich Riechen, Schmecken oder Erhitzen - gibt es auch mikrobiologische Prüfungen, besonders bei Verdacht auf Lebensmittelvergiftung. Chemische Analysen zeigen eventuelle Pestizide, Physiktests überprüfen die Probe auf Fremdkörper. Am Ende ist von den Proben nichts mehr übrig.

Das Infrarotthermometer misst die Kühlung der Waren. Fisch sollte zwischen null und zwei Grad aufweisen, Fleisch vier bis sechs Grad, Milchprodukte bis zu neun Grad Celsius. © PID/Markus Wache

Erfolgreicher Einsatz

Gerald geht in den Verkaufsraum. Ganz wichtig ist hier, dass die Lebensmittel durch ein Trennglas, einen sogenannten Spuckschutz, geschützt sind. Es sollte auch niemandem möglich sein, sie einfach so anzugreifen. Die Kühlung spielt auch hier eine Hauptrolle. Mit seinem Infrarotthermometer misst Gerald die Temperatur. Alles im grünen Bereich. "Das Gerät misst mit zwei Laserstrahlen, das ist sicherer als einer. Unsere Ausrüstung wird laufend verbessert. Quecksilberthermometer etwa sind Geschichte. Dafür haben wir elektrische Stich- und Umgebungsthermometer."

Die Größe der Luftkammer eines Eis verrät, ob das Produkt noch in Ordnung ist. Je größer, desto schlechter. Die leistungsstarke Taschenlampe lässt das auf einen Blick erkennen. © PID/Markus Wache

Die Ergebnisse notiert Gerald auf seinem Block. Jetzt kommt ein besonders treuer Begleiter zum Einsatz: die Taschenlampe. Mit ihr sieht er unter Kästen, wirft einen Blick in sämtliche Ritzen und Ecken. Vor allem Schimmel sucht er, heute vergeblich. Gerald benutzt die Taschenlampe auch dazu, Eier zu durchleuchten. "So sehe ich gleich, wie groß die Luftkammer drin ist. Je größer, desto eher ist das Ei hinüber."

Die intensive Kontrolle ist abgeschlossen. Zu beanstanden hat Gerald nichts. Neben dem Know-how als Lebensmittelfachmann ist vor allem Fingerspitzengefühl gefragt. "Wir kommen zu den Betreiberinnen und Betreibern und betreten ihr Reich. Wir müssen dafür sorgen, dass alle bei der Kontrolle mittun. Mit der Brechstange geht da gar nichts, stattdessen braucht man Geschick und Menschenkenntnis."

Egal ob Lebensmittel- oder Gewerbekontrollen: Wenn Gerald seine Dienstmarke vorzeigt, stehen ihm Wiens Betriebe offen. © PID/Markus Wache

Nach der Lebensmittelkontrolle steht noch eine Gewerbekontrolle auf dem Programm. Egal ob Baumeisterin oder Baumeister, Fotografin oder Fotograf, Friseurin oder Friseur, alle werden von den Lebensmittelinspektorinnen und -inspektoren der MA 59 überprüft. Er macht sich auf den Weg zu einem nahe gelegenen Elektrogeschäft. Gerald ist mittlerweile seit vier Jahren in der Abteilung. Die abwechslungsreiche Arbeit gefällt ihm. "Das wir dafür sorgen, dass Menschen sicher einkaufen können und dabei nicht übervorteilt werden, nehme ich schon mit Stolz mit." Eine "Berufskrankheit" hat er allerdings. "Egal wo ich privat einkaufen gehe, der Inspektor geht immer mit, das ist ganz schlimm", lacht Gerald. Entspannen kann er sich beim Sport. Entweder spielt er Tennis oder geht mit den Kolleginnen und Kollegen von der MA 59 auf den Fußballplatz. "Bei uns gibt es einen tollen Teamzusammenhalt, obwohl wir im Feld eigentlich immer alleine sind."

Im Elektrogeschäft ist es Geralds Aufgabe, die Preisauszeichnung der Produkte zu überprüfen. © PID/Markus Wache

Auch Preisauszeichnung ist Geralds Aufgabengebiet

Die Gewerbekontrolle beginnt vor der Tür des Unternehmens. Der Name und die Art des Geschäfts müssen gleich für die Kundinnen und Kunden erkennbar sein. Im Schaufenster müssen sämtliche Preise angegeben sein. "Die Kundin oder der Kunde soll nicht gezwungen sein reinzugehen und zu fragen. Das gilt übrigens auch bei Dienstleistern wie Friseuren." Im Geschäft prüft Gerald, ob der Betrieb das richtige Gewerbe auch angemeldet hat, und andere gewerbliche Bestimmungen, unter anderem ob sich die gewerberechtliche Geschäftsführerin beziehungsweise der Geschäftsführer entsprechend im Betrieb betätigt.

Im Inneren nimmt er die Preisauszeichnung unter die Lupe. "Wenn ich als Privatperson eine Lampe um einen Euro kaufe, darf ich sie um einen Euro verkaufen, kein Problem. Wer allerdings selbstständig, mit Gewinnabsicht und regelmäßig verkauft, braucht einen Gewerbeschein. Auch darauf achten wir bei unseren jährlichen 25.000 Gewerbeordnungskontrollen." Neben Geschäften überprüft die MA 59 auch Reisebüros, Versicherungen oder Vermögensberaterinnen und -berater. "Unser Job ist auch darauf zu schauen, dass niemand um sein Geld umfällt oder durch unzuverlässige Reiseveranstalter auf irgendeiner Insel festsitzt und nicht mehr nach Hause kommt, weil ein Bankrott aufgetreten ist."

Die MA 59 ist für alle da

Die Gewerbekontrolle hat das gleiche Ergebnis wie die Lebensmittelkontrolle: nichts auszusetzen. Geralds letzter Weg führt ihn zum Gebäude des Marktamts auf dem Viktor-Adler-Markt. Hier legt er die Proben in den Kühlschrank. Später werden Dienstfahrer mit Autos, die mit Kühlgeräten ausgestattet sind, diese abholen und zu den Laboren bringen.

Ein Anliegen hat Gerald noch. "Wir kontrollieren sehr genau und sind täglich im Einsatz. Dennoch können wir nicht überall sein. Anrufe, Beschwerden und Hinweise sind daher bei uns sehr willkommen. Ich möchte alle Wienerinnen und Wiener dazu ermutigen, sich gleich an uns zu wenden, gerade wenn sie den Verdacht haben, bereits verdorbene Lebensmittel verkauft oder serviert zu bekommen. Wir arbeiten gerne mit den Bürgerinnen und Bürgern zusammen." Auch für Pilzbestimmungen kann man sich jederzeit an die Abteilung wenden.

Die Lebensmittel-Hotline der MA 59 ist unter 01 4000-8090 werktags bis 18 Uhr, samstags bis 17 Uhr und sonn- und feiertags bis 15 Uhr zu erreichen.

Nach dem Einsatz verstaut Gerald die Proben im Kühlschrank im Marktamtsgebäude. Von hier aus treten sie schließlich die Reise ins Labor an. © PID/Markus Wache

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