Jutta Dorothea Huber ist Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin beim Fonds Soziales Wien. Auch nach 30 Jahren ist das noch ihr Traumjob. © PID/Markus Wache

 

Ein Tag unter Diplomierten Gesundheits- und KrankenpflegerInnen: "Ein Lächeln ist der schönste Lohn"

Wer hält die Stadt am Laufen? MitarbeiterInnen der Stadt Wien wie zum Beispiel Jutta Dorothea Huber. Sie und ihre KollegInnen sorgen dafür, dass Menschen in den Tageszentren des Fonds Soziales Wien (FSW) beste Pflege und Betreuung erhalten.

"Guten Morgen Frau Scheynost, darf ich Ihnen vielleicht aus der Jacke helfen?" Jutta Dorothea Huber ist morgens immer zur Stelle, um den Kundinnen und Kunden, die mit dem Fahrtendienst eintreffen, behilflich zu sein. Die Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin erfüllt ihren Job im FSW-Tageszentrum Liesing mit einer Extraportion Hingabe.

 

Noch vor dem Frühstück begleitet Jutta Frau Scheynost ins Pflegezimmer. Die Dame hat sich vor einiger Zeit den Fuß bei einem Friseurbesuch angestoßen, der Heilungsprozess ist langsam. Jutta massiert die Wundheilsalbe in den Fuß ein. "Die Wärme hilft bei der Durchblutung", erklärt sie der Kundin. Die Behandlung gefällt auch Frau Scheynost. "Das tut sehr gut", sagt sie. Im Anschluss bereitet Jutta eine Bandage aus Viskose vor. Das Material unterstützt die Heilung und damit soll es Frau Scheynost bald besser gehen. Jutta bandagiert das Bein sorgfältig und hilft der Dame wieder in den Schuh. Alles sitzt bequem und damit ist die Behandlung für heute abgeschlossen. Beim nächsten Besuch wird Jutta kontrollieren, wie der Heilungsverlauf aussieht.

Individuelle Betreuung

Nach der Behandlung geht Frau Scheynost in den Speisesaal. Denn zu morgendlicher Stunde interessiert die Gäste aber vor allem eines: das Frühstück. Jutta hat in ihrem Büro schon die diversen Medikamente für die Kundinnen und Kunden hergerichtet. "Viele der Tabletten werden in der Früh genommen, teils noch vor dem Frühstück", sagt Jutta. "Hier zum Beispiel haben wir den Plan von Frau Geier. Sie muss ihren Magenschutz vor dem Frühstück nehmen. Ein Kaffee dazu ist aber okay." Auch die restlichen Tabletten bereitet sie gemäß ärztlicher Vorgabe für Frau Geier vor, darunter ein Blutverdünner und etwas zum Entwässern.

Verabreicht werden die Tabletten von den Pflegeassistentinnen und -assistenten. Während die Kundinnen und Kunden frühstücken, kümmert sich Jutta im Büro um die Dokumentation. Auch wenn sich Jutta am liebsten persönlich mit den Menschen austauscht, ist die Büroarbeit wichtig. "Das ist vielleicht nicht immer so spannend wie das direkte Gespräch, die Krankengeschichte einer Kundin oder eines Kunden zu kennen, ist aber essenziell, denn nur so kann ich ganz individuell auf jede und jeden eingehen."

Ihr Job ist herausfordernd und verantwortungsvoll, aber auch abwechslungsreich und erfüllend. "Ich mache den Beruf mittlerweile seit 30 Jahren und es ist immer noch mein Traumjob", sagt sie. "Hier beim FSW kann ich mein ganzes Fachwissen einsetzen und für viele Menschen wirklich etwas bewegen. Ich liebe es, mit den Menschen zu arbeiten und für sie da zu sein. Das schönste Geschenk in dem Beruf ist, den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern." Beispiele dafür gibt es viele. "Wenn ich etwa einer Person wie Frau Scheynost regelmäßig den Verband wechsle und miterleben darf, wie sie dank des Heilungsprozesses von Termin zu Termin mehr aufblüht, weil sie sich wieder besser fühlt, dann macht mich das auch glücklich." Der Wunsch, anderen zu helfen, war für sie der Hauptgrund, diesen Karriereweg zu beschreiten.

Zeit für die Menschen

Vor allem die Vielfalt ist für Jutta attraktiv. "Ob Alt oder Jung, ob Krankenhaus, Tageszentren oder die Mobile Hauskrankenpflege: Dieser Job ist spannend und vielseitig. Schon zu Beginn der Ausbildung kann man von der Geburtenstation bis zur Geriatrie unglaublich unterschiedliche Erfahrungen sammeln." In den Tageszentren genießt Jutta vor allem, dass sie sich richtig viel Zeit für die Menschen nehmen kann. "Im Akutbereich, etwa im Krankenhaus, ist das manchmal schwierig. Bei uns stehen der Mensch und die Ganzheitlichkeit sowie die Wünsche und Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden im Vordergrund. Wenn die Leute mit einem Befund kommen, dann wollen sie Unterstützung und Information. Und ich kann mir Zeit nehmen, sie zu beraten und ihnen Sicherheit zu geben, auch über einen längeren Zeitraum. Ich wollte schon als kleines Kind Krankenschwester werden und der Job erfüllt mich auch heute noch. Ich liebe meinen Beruf", sagt Jutta.

Teamarbeit ist Trumpf

In den Tageszentren wird interdisziplinär gearbeitet. Der Austausch zwischen Krankenpflegerinnen und -pflegern sowie Therapeutinnen und Therapeuten ist ganz wichtig. Jutta ist bestens mit der Krankengeschichte ihrer Kundinnen und Kunden vertraut und kann dementsprechend Tipps für die ergo- und physiotherapeutischen Angebote geben. Am Gang trifft sie Therapeutin Klara und bespricht mit ihr einen gemeinsamen Kunden. "Bei Herrn Weitzer ist die Mobilität im Fuß momentan nicht so gut. Ich denke, er sollte sich beim Gleichgewichtstraining eher auf die leichteren Übungen konzentrieren", sagt Jutta. Die Gruppenangebote helfen den Kundinnen und Kunden, fit zu bleiben. "Es ist wichtig, dass man im Alter aktiv bleibt. An unseren Angeboten haben die Leute wirklich Spaß." Heute stehen etwa noch Kegeln, Wurfspiele und eine Rätselrunde auf dem Programm.

Auch Mittagessen wird serviert. Heute gibt es Kürbiscremesuppe, Putenrollbraten, Gemüsereis, Endiviensalat und Beerenkompott. "Bei uns spielt natürlich auch gesunde Ernährung eine Rolle und es kann aus den unterschiedlichsten Menüs und Kostformen gewählt werden", sagt Jutta. Der Speisesaal ist gut gefüllt. Hungrig von Physiotherapie und Co stärken sich die Seniorinnen und Senioren für das spannende Nachmittagsprogramm.

Ein erfüllender Beruf

Jutta kümmert sich auch um sämtliche Neuaufnahmen. Dabei liest sie sich in Patientenbriefe ein, nimmt nach Bedarf Kontakt mit Hausärztin, Hausarzt oder Angehörigen auf und studiert die Anamnese, also die gesamte medizinische Vorgeschichte. Das ist für ihre Untersuchungen besonders wichtig. Und auch wenn es sich nur um Routinekontrollen handelt, geht Jutta immer sehr gewissenhaft vor. So auch bei Herrn Thun, bei dem sie eine Blutdruckkontrolle vornimmt. "Wie hat sich ihr Blutdruck entwickelt? Ist der Hausarzt zufrieden?", fragt Jutta den Kunden. Der war schon länger nicht mehr beim Hausarzt, woraufhin ihm Jutta zu einem Besuch rät. Der Blutdruck ist mit 155:65 allerdings im Rahmen und Jutta gratuliert dem Mann zu seinem Wert. "Sehr schön, das ist ein guter Wert. Sie können zufrieden sein."

Jutta verstaut ihr Messgerät und trägt die Werte in die Pflegedokumentation ein. "Für mich ist es ein tolles Gefühl, wenn es den Menschen besser geht und wenn ich meinen Teil dazu beitragen konnte. Das erfüllt mich auch nach 30 Jahren noch mit Freude."

Die FSW-Tageszentren haben Montag bis Freitag geöffnet und bieten den Gästen umfassende Betreuung durch Personal, das in verschiedensten Fachrichtungen ausgebildet ist. Zudem gibt es drei Tageszentren, die auch an Wochenenden und Feiertagen geöffnet sind. Die Zentren sind Orte der Begegnung und der Aktivität. Täglich gibt es ein breites Kursprogramm, das den Seniorinnen und Senioren mit Ergotherapie, Gedächtnistraining, Physiotherapie, aber auch Musik und Tanz dabei hilft, die eigene Lebensqualität zu verbessern. Und nicht nur das: Ganz nebenbei wird die Selbstständigkeit gefördert, damit ein Leben in den eigenen vier Wänden noch lange möglich ist.