Ein Tag unter TierpflegerInnen: "Kaninchen und Co brauchen artgerechte Lebensräume"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. CLUB WIEN begleitet Katharina Auer einen Tag lang bei ihrer Arbeit. Katharina und ihre KollegInnen vom TierQuarTier Wien pflegen heimatlose Tiere und helfen, ein neues Zuhause zu finden.

2015 stellte die Eröffnung des TierQuarTiers Wien die Tierversorgung der Stadt auf neue Beine. Auf fast 10.000 Quadratmetern bekamen in der Stadt Wien entlaufene, heimatlose, beschlagnahmte und abgenommene Hunde, Katzen und Kleintiere einen Ort, an dem sie artgerecht und bei liebevoller Pflege auf ein neues Zuhause warten können. Bis dato konnten im TierQuarTier Wien mehr als 6.200 Tiere vermittelt werden. Katharina Auer war von Anfang an mit dabei und half mit, den Kleintierbereich aufzubauen.

"Ich hatte schon immer den Wunsch, mit Tieren zu arbeiten. Ich liebe es, für unsere Tiere einen Lebensraum zu gestalten und zu sehen, wie wohl sie sich bei uns fühlen", sagt Katharina. Im Kleintierbereich finden sich Kleintiere wie Kaninchen, Chinchillas, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse, Ratten und Degus. Sehr viele Tiere, die hierherkommen, wurden ausgesetzt. "Viele wurden frei laufend gefunden, andere auch in Kartons bei Mülleimern ausgesetzt." Im TierQuarTier Wien bekommen sie alle die Chance auf ein schöneres Leben.

Fütterungszeit im Kleintierbereich

Ihren Arbeitstag startet Katharina damit, die Tiere zu füttern. Hierbei wird besonderes Augenmerk auf die individuellen Fütterungsbedürfnisse der einzelnen Tiere gelegt.

Der nächste Punkt auf der Tagesordnung ist die laufende Kontrolle der Tiere. "Im Gegensatz zu Katzen oder Hunden zeigen Kleintiere wie Kaninchen oft keine so klaren Signale, ob mit ihnen alles in Ordnung ist oder nicht", sagt Katharina. Man braucht ein geschultes Auge. Schlafen sie mehr als üblich, fressen sie weniger oder ziehen sich die Tiere mehr als üblich zurück, kann das auf gravierende gesundheitliche Probleme hinweisen. Eine Darmverstopfung zum Beispiel kann schnell lebensbedrohlich werden.

Katharina schaut sich die Kaninchen in der Arche, wie das oben offene Gehege im Zentrum des Kleintierbereichs genannt wird, genauer an. Bei der scheuen Mathilde fällt Katharina auf, dass ihr Auge tränt. "Kaninchen sind anfällig für Augenentzündungen, darum kontrolliere ich das gleich." Katharina schnappt sich Mathilde und kann schnell Entwarnung geben. "Da ist vermutlich etwas Einstreu reingekommen, kein Grund zur Beunruhigung." Mit einem Tuch entfernt Katharina die Einstreu und nutzt die Gelegenheit, das Kaninchen zu wiegen. "Wir achten sehr darauf, dass das Gewicht unserer Tiere passt. Auch da gibt's bei Mathilde keine Probleme, sie hat ihr Idealgewicht."

Artgerechter Lebensraum muss sein

Nach der Kontrolle mistet Katharina die Ställe und Käfige aus. Auch die Gestaltung der Gehege fällt in Katharinas Verantwortungsbereich. "Wir legen viel Wert darauf, dass alles so artgerecht wie möglich ist. Das fängt dabei an, dass wir keine Plastikkäfige oder -teile verwenden und auch den künftigen Tierhalterinnen und Tierhaltern davon abraten", sagt Katharina.

In den Gehegen ist wichtig, dass die Tiere nirgendwo abrutschen oder herunterfallen können und dass sämtliche Einzelteile aus nicht giftigen Materialien bestehen. "Wie der Name schon sagt, nagen Nagetiere gerne alles an." Wasser und Essen sollen leicht zugänglich sein. Und: Kleintiere brauchen Rückzugsräume. "Wenn ich zum Beispiel vier Ratten in einem Gehege habe, brauchen sie alle ein eigenes Versteck, auch wenn sie die meiste Zeit gemeinsam verbringen."

Katharina berät auch Menschen, die Tiere zu sich nehmen, in Sachen Lebensraum. "Marder können in Außengehege einbrechen. Darum ist es wichtig, etwas Dickeres als das übliche Kaninchengitter zu wählen."

Die Kaninchenexpertin

Katharina berät Interessentinnen und Interessenten bei der Vergabe der Tiere. Wer sich für ein Kleintier begeistert, sollte auch genügend Platz dafür haben und wissen, wie man einen artgerechten Lebensraum gestaltet. 

"Die Tiere sind sehr sensibel, gerade bei Neuzugängen", sagt Katharina. Darum ist die Vergesellschaftung der Tiere ein wichtiger Bereich ihrer Arbeit. "Man muss verstehen, wie sich die Tiere in soziale Gruppen einfügen. Zwei dominante Kaninchen zum Beispiel werden mit hoher Wahrscheinlichkeit aneinandergeraten. Daher ist ein behutsames Näherbringen sehr wichtig", sagt Katharina.

Kundinnen und Kunden empfiehlt sie, Kaninchen immer auf neutralem Grund bekannt zu machen. Wenn der Wunsch da ist, ein Tier zu adoptieren, muss die Tierhalterin beziehungsweise der Tierhalter in spe noch ein paar Fotos vom geplanten Lebensraum vorbeibringen. Sofern die Unterbringung artgerecht ist, darf er das Tier am nächsten Tag abholen. "Wir achten sehr genau darauf, wer unsere Tiere mitnimmt und wohin."

Abschied tut manchmal weh

Das Schwerste an ihrem Job ist, sich von den Tieren zu trennen. "Gerade wenn wir sehr viel Pflege in die Tiere investiert haben, sind wir schon emotional", sagt Katharina, die seit drei Jahren glückliche Besitzerin von zwei Ratten ist. "Die kamen als nackte, blinde Babys zu uns und ich hab sie großgezogen. Dann konnte ich sie einfach nicht loslassen", sagt Katharina.

Solche Fälle sind aber die Ausnahme. "In der Regel freuen wir uns sehr, wenn die Tiere ein neues Zuhause finden, denn ein liebevoller Platz für heimatlose Tiere ist unsere Mission."