Michaela Schneider ist Straßenkehrerin bei der MA 48. Seit sechs Jahren schaut sie darauf, dass in der Schlossallee alles sauber ist. © PID/Christian Houdek

Ein Tag unter StraßenkehrerInnen

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten eine Straßenreinigerin der MA 48 bei ihrem Dienst.

"Bei dieser Arbeit musst du schon ein bisschen ein Workaholic sein", sagt Michaela Schneider. Sie arbeitet als Straßenkehrerin bei der MA 48 in Penzing. Zu ihrer Route gehören die Penzinger Straße, die Äußere Mariahilfer Straße und die noble Schlossallee in der unmittelbaren Nachbarschaft zu Schönbrunn. "Ich würde meine Route nie tauschen. Ich gebe zu, ich bin ein bisserl Fan der Kaiserzeit. Als Kind habe ich immer die Sissi-Filme angeschaut. Schon toll, dass ich hier arbeiten kann", sagt Michaela.

Michaela mit ihrem Handkarren in Penzing. Sie hat einen wenig geliebten Job im Einzelhandel gegen die Arbeit bei den "Orangen" getauscht. © PID/Christian Houdek

Seit elf Jahren ist die Mutter eines 15-jährigen Sohnes bei den 48ern, seit sechs Jahren ist sie für die Schlossallee zuständig. Nach einer Friseur-Lehre und Jobs im Einzelhandel ist sie zur MA 48 gekommen. "Immer im Geschäft, hinter einem Verkaufstisch stehen oder an der Kassa, das war nichts für mich. Ich bin viel lieber im Freien. Egal ob es Sommer ist oder Winter, ich bin gerne draußen und in Bewegung", sagt Michaela. Mehrere Dutzend Kilometer legt sie mit ihrem Kehrwagen zurück, wie viele genau kann sie nicht sagen. "Du schaust, was zu tun ist, du arbeitest deine Route ab. Und am Ende hast du das schöne Gefühl, etwas geleistet zu haben."

Voller Service für den Mistkübel

Die Aufgaben der Straßenkehrerinnen und -kehrer sind vielfältig. Auf ihrer Tour kehrt Michaela Staub und Unrat zusammen, außerdem leert sie die Mistkübel und füllt die Sackerl-fürs-Gackerl-Spender nach. Für das Entfernen von Unkraut hat Michaela eine eigene Klinge dabei. "Bei Kopfsteinpflaster bleibst schon ein bisserl länger hängen", sagt Michaela.

Zum Job einer Straßenkehrerin gehört nicht nur das Zusammenkehren von Laub. Im Sommer kommt auch das Entfernen von Unkraut dazu. Michaela entfernt das Gras mit einer eigenen Klinge. © PID/Christian Houdek

Mit ihrer orangen Uniform und ihrem Wagen gehört Michaela inzwischen zum "Inventar" des Grätzels. Anrainerinnen und Anrainer sowie Geschäftsleute grüßen die Straßenkehrerin, geben Hinweise und sind auch nicht mit Lob sparsam. "Ich würde meine Passantinnen und Passanten gegen keine anderen tauschen wollen. Es ist hier ein bisschen wie in einem Dorf. Jeder kennt jeden, jeder grüßt, viele nehmen sich auch Zeit für ein kurzes Gespräch", sagt Michaela. Nach einem Krankenstand wurde Michaela von einem älteren Paar angesprochen. Wie es ihr gehe, man habe sie vermisst. "Das ist schon etwas Besonderes, da ist man stolz." Sie wohnt selbst in Penzing. Trotzdem ist sie nie ganz privat in ihrem Gebiet unterwegs. "Wenn ich beim Spazierengehen etwas bemerke, dann notiere ich mir das. Im Dienst schaue ich dann vorbei. Man könnte sagen, ich bin ein bisserl eine Streberin", lacht Michaela.

Teamwork mit Kehrmaschine

Am meisten Arbeit fällt für die Straßenkehrerin im Herbst an. Dann ist das Laub in der Schlossallee zusammenzukehren. Mehrere Kolleginnen und Kollegen arbeiten der Kehrmaschine zu, die die Blätter einsaugt. "Auch das Nachtleben am Wochenende merkt man - und vor allem Neujahr. Dann kommt viel z'amm." Glasflaschen, Scherben und explodierte Kracher und Piraten müssen entfernt werden. "Scherben gehen gar nicht. Die können für Hunde und Menschen gefährlich sein. Wenn da wer stürzt und es liegen Scherben herum, das geht schlimm aus."

Am meisten Arbeit hat Michaela im Herbst und zu Silvester. Dann arbeitet die Straßenkehrerin der Kehrmaschine zu, die das Laub zusammensaugt. © PID/Christian Houdek

Auch nach einem Sturm ist auf der Straße Aufräumen angesagt. "Ich kenne inzwischen die Stellen ganz gut, wo viel liegen bleibt. Das sind hauptsächlich die Windecken", sagt Michaela. Nicht selten landet auch einiges im Mistkübel, das da nicht hingehört. "Ich habe schon einige Male Schlüsselbunde entdeckt." Ein weggeworfenes Tiergarten-Schönbrunn-Souvenir hat Michaela einen ordentlichen Schreck eingejagt. "Vor dem Entleeren werfe ich immer einen Kontrollblick in den Kübel. Da habe ich die Spinnenbeine gesehen, dann den Körper. Im ersten Moment bin ich zurückgeschreckt. Erst in einem zweiten Augenblick habe ich dann erkannt, dass die Spinne nicht echt ist."

Komplettservice für den Kübel: Michaela leert den Mist aus. Außerdem kontrolliert sie, ob das Aschenrohr verstopft ist und ob noch ausreichend Sackerl fürs Gackerl im Spender sind. © PID/Christian Houdek

Tschick nicht ausdämpfen, geht gar nicht

Ein No-Go im Mistkübel sind brennende Zigaretten. "Viele dämpfen ihre Zigaretten nicht richtig aus und lassen sie in das Aschenrohr am Mistkübel fallen. Dadurch können die Reste der Zigaretten im Rohr zum Rauchen anfangen. Zu Hause dämpfen die Leute die Tschick auch aus, warum dann nicht in der Stadt?", meint Michaela. Und für Hausmüll ist die Tonne an der Straßenecke auch nicht gedacht. "Ich hatte eine Tonne, die immer gleich voll war. Als ich die Dame angetroffen habe, die da ihren Hausmüll entsorgt hat, habe ich sie zur Rede gestellt und aufgeklärt." Was Michaela auch zur Weißglut bringt: "Wenn jemand achtlos die ausgerauchten Tschick aus dem Aschenbecher im Auto auf die Straße kippt. Das muss nicht sein. Dann suche ich auch das Gespräch und weise sie darauf hin, dass das nicht sehr schlau ist, da man andere verletzen kann."

Am Ende der Tour tauscht Michaela bei der Sammelstelle ihren vollen Kübel gegen einen leeren. Die Tonne wird dann, wie täglich 100.000 andere in Wien, von den Auflegern auf ihrer Tour geleert. © PID/Christian Houdek

Am Ende ihrer Runde bringt sie ihren Wagen zur Sammelstelle zurück. Volle Tonnen werden mit dem 48er-Logo nach vorne eingestellt, leere mit dem Logo nach hinten. "So kann der Müllaufleger erkennen, welche er mitnehmen muss", sagt Michaela. Morgen wird sie wieder unterwegs sein. "Ein Tag ohne Arbeit, das ist für mich nicht vorstellbar. Außerdem gibt es immer was zu tun."

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