Michael Heinrich vor dem dunkelgrünen Einsatzwagen von Wien Kanal. Zu seinen wichtigsten Werkzeugen gehören der "Krampen" und die Taschenlampe. © PID/Christian Jobst

Ein Tag unter Kanalarbeitern

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten Michael Heinrich beim Beheben von Kanalverstopfungen und Bergen von Schlüsseln. Er arbeitet seit 29 Jahren mit vollem Körpereinsatz bei Wien Kanal.

Bei Sonne, Schnee und Regen: Um sieben Uhr beginnt der Arbeitstag von Michael Heinrich. Der Hobby-Fußballer arbeitet seit 29 Jahren bei Wien Kanal. Zu seinem Beruf ist der 49-jährige Heinrich über das Kicken gekommen: "Nach der Lehre zum Automechaniker und dem Bundesheer habe ich überlegt, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Ein Freund aus meinem Fußballverein hat mir vorgeschlagen, mich bei Wien Kanal zu bewerben. Sechs Wochen später war ich Teil des Teams." Und das versteht sich prächtig. Lautstark wird Heinrich von seinen Kollegen in der Wien Kanal-Außenstelle Süd im 23. Bezirk begrüßt. Noch immer ist Kanalarbeiter ein männerdominierter Beruf. Ein paar Kolleginnen sind aber in der Planungs-, in der Bauabteilung und in der Chemiegruppe im Einsatz.

Anschließend geht es zur ersten Station jedes Tages, der Umkleidekabine. Dort zieht er sein Arbeitsgewand an: graue Latzhose, grauer Kittel und sichere Arbeitsschuhe sowie eine neongelbe Jacke. Bis zur Abfahrt um 7.30 Uhr müssen Heinrich, sein Kollege Hans König und das dunkelgrüne Einsatzfahrzeug startklar sein.

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Ordnung muss sein

Für jeden Ernstfall gerüstet ist der Einsatzwagen, in dem sich Pumpen, Düsen und Werkzeuge aller Art befinden. © PID/Christian Jobst

Zehn Minuten später prüfen Heinrich und sein Kollege auf dem weitläufigen Parkplatz der Außenstelle Süd ihr Auto und die Ausrüstung. Wasserschläuche werden zusammengerollt, Pumpen und Hochdruckdüsen überprüft und nach genauem Plan geordnet. Den größten Platz im Bauch des Einsatzfahrzeugs nimmt der Tank ein, in den so viel Wasser passt wie in vier Badewannen und der hinter verschiedensten Geräten und Werkzeugen versteckt liegt. Bevor es zum ersten Einsatz geht, muss dieser Tank befüllt werden.

Schnell Wasser tanken

Wie die Feuerwehr ist auch Wien Kanal bei Einsätzen auf reichlich Wasser angewiesen. Es dient aber nicht dem Löschen von Flammen, sondern dem Lösen von Verstopfungen in Hauskanälen. © PID/Christian Jobst

Ab jetzt ist Körpereinsatz gefragt. Es erfordert Kraft, um den grauen Wasserschlauch an den Hydranten anzuschließen. Dann vergehen nur Sekunden, bis der Tank mit seinen 900 Litern Fassungsvermögen voll ist. Damit der Schlauch nicht weggedrückt und kein Wasser verschwendet wird, muss er fest angeschraubt werden. Eine kleine Aufwärmrunde vor dem eigentlichen Einsatz. Pünktlich um 7.30 Uhr ist Heinrich auf dem Weg zum ersten Einsatzort. Der Kanal eines Hauses in einem Kleingartenverein ist verstopft und muss gereinigt werden. So ein Problem kann beim 24-Stunden-Notruf unter der Telefonnummer 01 4000-9300 genauso gemeldet werden wie ein Schlüssel, der durchs Kanalgitter gefallen ist.

Über Stock und Stein

Nicht jeder Hauskanal ist leicht zugänglich. Manchmal muss der Schlauch durch Zäune und Vorgärten gelegt werden. © PID/Christian Jobst

"Wie der Name schon sagt, ist der Raum in einer Kleingartensiedlung eher eng dimensioniert. Wir können nicht zum Haus zufahren und müssen uns etwas einfallen lassen", erklärt Heinrich. Der kürzeste Weg zum Haus ist schnell gefunden. Der Schlauch, an dem die Hochdruckdüse hängt, wird durch die Umzäunung der Siedlung, einige Hecken und den im Umbau befindlichen Garten des Hauses gelegt. Ein 150 Kilogramm schwerer Betondeckel ist die letzte Hürde, die den Zugang zum Kanal versperrt. Mit einem Ruck hebt Heinrich den Deckel an und schiebt ihn geräuschvoll zur Seite. Dann steigt der 1,82 Meter große Mann in den Zugang und platziert die Düse im Kanal. Per Fernbedienung wird die Pumpe gestartet und ein starker Wasserstrahl spült die Verunreinigungen aus dem Rohr. In wenigen Minuten ist die Verstopfung behoben.

Rund um die Uhr

Vollen Körpereinsatz geben die Kanalarbeiter, um die schweren Kanaldeckel zu heben und wieder an gewohnter Stelle zu platzieren. © PID/Christian Jobst

Die Verstopfung in der Kleingartensiedlung war ein eher unkomplizierter Einsatz. Das ist nicht immer so. "Manchmal ist der verstopfte Kanal noch schwieriger zu erreichen und wir müssen lange nach einem Weg suchen. Oder die Verstopfung ist besonders hartnäckig und wir müssen Verstärkung holen."  

Täglich im Einsatz

Bei Verstopfungen hilft das Einsatzteam von Wien Kanal schnell und zuverlässig. Unzählige Male rufen Bürgerinnen und Bürger an und suchen Hilfe bei Wien Kanal. Das Team der Außenstelle Süd ist für Einsätze in allen 23 Bezirken zuständig. Vier Wochen dauert der Dienst im Einsatzwagen für das Zweierteam. Jeweils an zwei oder drei Tagen sind die Kanalarbeiter von sieben bis 17 Uhr unterwegs. Sie sind auch am Wochenende im Einsatz. Im Zeitraum von 17 bis sieben Uhr früh ist ein Team in Bereitschaft. "Die Einsatzfahrzeuge sind 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr unterwegs", fasst Heinrich zusammen.

Sofort Ergebnisse sehen

Glückliche KundInnen sind mit ein Grund, warum Michael Heinrich schon seit 29 Jahren bei Wien Kanal arbeitet. © PID/Christian Jobst

Trotz immer neuer Herausforderungen mag Heinrich den Dienst im Einsatzfahrzeug gerne: "Weil man sofort das Ergebnis der Arbeit sieht." Zufriedene Kundinnen und Kunden sind eine schöne Motivation, die körperlich anstrengende Arbeit auf sich zu nehmen. Auch heute verabschiedet der Hausherr Heinrich und seinen Kollegen mit einem erleichterten Lächeln. Die Verabschiedung fällt aber kurz aus, denn der nächste Einsatz wartet schon.

Hinab in den Untergrund

Sicherheit geht vor beim Einstieg in den engen und dunklen Kanal. © PID/Christian Jobst

Ein Schlüssel ist in den Kanal gefallen. Ein kleiner Albtraum für die Frau, die sich verzweifelt am Telefon meldet. Michael Heinrich kann auch in diesem Fall helfen. Normalerweise wird der Schlüssel meist durch das fließende Abwasser weggeschwemmt. Eine weitere Möglichkeit ist, dass der Schlüssel in einer Ausnehmung unter dem Gitter eines Wasserlaufs, der sich neben dem Gehsteig befindet, hängen bleibt. Diesmal hat die Hietzingerin Glück, der Schlüssel liegt in einem trockenen Regenwasserkanal zwischen Spinnweben, Kies und Laub.

Nun kommt der "Krampen" zum Einsatz. Eine Spitzhacke, die Heinrich in eine Öffnung im runden Kanaldeckel rammt. Mit einem Schwung hebt er die schwere Scheibe an und schiebt sie zur Seite. Es knarrt und ächzt. Der Kanalarbeiter erklärt: "Die runden Kanaldeckel sind schwerer zu heben als die eckigen. Die eckigen Kanalgitter haben Scharniere und müssen letztlich einfach nach oben geklappt werden." Im Winter gestaltet sich die Aufgabe aufwendiger. Oft sind die Deckel zugefroren und die Kanalarbeiter müssen mit Hammer und Meißel das Eis lösen.

Der Einstiegsschacht

Platzangst und Spinnenphobie müssen bei der Arbeit im Kanal draußen bleiben. © PID/Christian Jobst

Nicht jede Schlüsselbergung erfordert das Absteigen in den Kanal. Wenn der Schlüssel in einen Wasserlauf fällt und günstig liegt, kann er auch mit einem Magneten herausgefischt werden. In diesem Fall muss Heinrich aber hinunter in die Kanalisation und bereitet sich für den Abstieg vor.  

Bevor Heinrich hinabsteigen kann, muss er zuerst den Klettergurt angelegen, der an das Dreibein angehängt wird. Sollte er auf der nassen Leiter ausrutschen oder das Gleichgewicht verlieren, würde ihn die Vorrichtung auffangen und einen Sturz verhindern. Sein Kollege assistiert Heinrich beim Abstieg. Es gilt, Unfälle in den engen, tiefen und oft rutschigen Kanälen zu vermeiden. Von der sonnigen Straße geht es hinunter in den einen Meter hohen und 70 Zentimeter breiten Kanal, das sogenannte 1er-Profil. Das ist der kleinste begehbare Kanal. Als Heinrich vor 29 Jahren das erste Mal in ein 1er-Profil geklettert ist, dachte er noch: "Das halte ich keine Woche aus."

Ein echtes Schlüsselerlebnis

Glück gehabt: In einem trockenen Regenwasserkanal können verloren gegangene Schlüssel schnell gefunden und geborgen werden. © PID/Christian Jobst

Eng und dunkel ist es im Kanal. Es riecht aber nicht unangenehm. "Ein ordentlich gewarteter Kanal riecht wie ein nasser Keller", so Heinrich. Außerdem sind Spinnen, Ratten und Würmer die üblichen Gastgeber bei jedem Besuch im Wiener Untergrund. "Nach einer Woche gewöhnt man sich aber an die weniger ansehnlichen Dinge im Job und weiß die schönen Seiten, wie etwa das tolle Team und die Abwechslung, zu schätzen. Außerdem erkennt man, dass man etwas macht, das für eine funktionierende Großstadt unglaublich wichtig ist. Da ist man auch stolz drauf!", so Heinrich. Die Dankbarkeit der Kundinnen und Kunden ist ein zusätzlicher Bonus. Und der ist zum Greifen nah, glänzt doch der verloren gegangene Schlüssel tatsächlich in der Kanalrinne.

Auf zum nächsten Einsatz

Viel Zeit zum Durchschnaufen bleibt nicht, das Team der Außenstelle Süd ist für Verstopfungen und Notfälle in allen 23 Bezirken zuständig. © PID/Christian Jobst

Nach dem Abstieg wird Heinrichs Jacke von seinem Kollegen von den Spinnweben befreit, die Schuhe werden abgeklopft und es geht weiter. Das Einsatzfahrzeug fährt zurück zur Außenstelle Süd, wo die nächsten Aufgaben auf das Zweierteam warten. Im Büro im zweiten Stock holt Heinrich die Details zur anstehenden Aufgabe. Noch schnell die knallgelbe Jacke übergezogen und hinein in den Einsatzwagen zum nächsten Einsatz. Was Heinrich nach Feierabend um 17 Uhr machen wird? "Ich werde vielleicht eine Runde joggen oder Fußball spielen gehen. Wenn man Kanalarbeiter ist, muss man sich fit halten, auch in der Freizeit."

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