Christine Volny mag die Abwechslung, die ihr die Arbeit im Hygienezentrum bietet. © PID/Christian Jobst
Das Hygienezentrum der Stadt befindet sich in Simmering. © PID/Christian Jobst
Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter hat ihre beziehungsweise seine persönliche Schutzausrüstung wie zum Beispiel einen gebläseunterstützten Atemschutz, Overall und Gummistiefel. © PID/Christian Jobst
Der Rettungswagen steht zur Desinfektion bereit. © PID/Christian Jobst
Auf der Entlausungsstation werden die Haare mit einem Mittel auf Silikonölbasis eingesprüht. Dieses wird nach einer kurzen Einwirkzeit ausgewaschen © PID/Christian Jobst
Christines Garderobe ist nicht nur mit Berufskleidung gefüllt. © PID/Christian Jobst

Ein Tag unter Hygienezentrum-MitarbeiterInnen: "Reinheit ist hier oberstes Gebot."

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten Hygienezentrum-Mitarbeiterin Christine Volny einen Tag lang bei ihrer Arbeit. Sie und ihr Team sorgen für ein möglichst keim- und lausfreies Wien.

Nichts als Nebelschwaden sind im Rettungswagen zu sehen. Sie umhüllen die in den Seitenwänden eingelassenen Schränke, die Rettungsliege, die Sitze, die Sicherheitsgurte, die Haltegriffe und alle elektronischen Apparate mitsamt ihren Kabeln. Christine Volny, Mitarbeiterin im Simmeringer Hygienezentrum der Stadt, desinfiziert mit einem Wasserstoffperoxid-Gerät ein Rettungsauto. Sie trägt einen Schutzanzug, einen Atemschutz und gelbe Gummistiefel. Christine: "Die Desinfektion ist nach dem Transport hochinfektiöser Patientinnen und Patienten notwendig. Bevor das Fahrzeug wieder auf die Straße darf, muss es keimfrei sein."

Geöffnete Schränke, Taschen, Koffer, Laden: Das Inventar des Rettungswagens muss für die Desinfektionsmitteldämpfe zugänglich sein. © PID/Christian Jobst

Gerät neuester Generation

Bevor das Gerät seine Arbeit verrichtet, hat Christine alle Schränke und Laden im Inneren des Wagens geöffnet und Materialien, die sich mit Flüssigkeit vollsaugen könnten, entfernt. Diese müssen separat desinfiziert werden. Der Apparat ähnelt von der Größe her einem Büro-Rollcontainer und bietet Platz für einen zehn Kilogramm schweren Behälter mit Desinfektionsmittel. Er wird in das Rettungsauto gestellt, eingeschaltet und versprüht dann für rund eine Stunde einen Reinigungsnebel. So lange dauert der Desinfektionsprozess. Währenddessen widmet sich Christine der nächsten Aufgabe: Es geht ans Entlausen.

Im Hygienezentrum ist auch die Entlausungsstation der Stadt untergebracht. Unter der Woche kommen in der Hochsaison, wie knapp nach dem Schulstart im September, vormittags bis zu 60 Kinder oder Erwachsene, um sich wegen Läuse behandeln zu lassen. Jährlich sind es im Schnitt rund 6.000 Personen.

Die Haare von Laura und ihrer Mutter werden von Christine mit einem Kamm auf Nissen und Läuse kontrolliert. © PID/Christian Jobst

Auf der Entlausungsstation

Auf der Entlausungsstation erwartet sie schon eine aufgeregte Mutter mit ihrer Tochter, die sie mit Verdacht auf tierischen Befall vom Kindergarten abholen musste. "Viele Menschen ekeln sich vor Läusen. Das ist aber total fehl am Platz. Die sind nur lästig, aber leicht in den Griff zu bekommen. Wichtig ist, dass Betroffene gleich reagieren, sonst verbreiten sie sich immer weiter." Das erklärt sie auch der Mutter. Aufklärungsarbeit ist in Christines Job das A und O. Genieren muss sich nämlich niemand, nur weil er sich Läuse eingefangen hat. Das kommt vor allem im Kindergarten und der Volksschule häufig vor. Wichtig: Nicht verheimlichen, sondern im Kindergarten oder der Schule melden. Nur so können sich das Personal in Schule oder Kindergarten und die Kinder im Umfeld auf eine etwaige Übertragung einstellen und gegebenenfalls auch einer Entlausung unterziehen. "Läuse sind kein Zeichen für Unsauberkeit, das möchte ich klarstellen", sagt Christine.

"Die Laus fliegt nicht, sie springt nicht und sie geht nicht spazieren. Sie ist ein reiner Blutsauger. Umgibt sie nicht das richtige Milieu, dann ist sie nach kürzester Zeit entweder erfroren, ausgetrocknet oder verhungert. Sie braucht den warmen Kopf und die Luftfeuchtigkeit", erklärt Christine und besprüht nach kurzer Kontrolle das Haar des Mädchens mit einem Präparat auf Silikonölbasis. Dieses dringt in die Atemöffnungen der Läuse ein und verschließen sie, sodass die Parasiten absterben. "Das Mittel lassen wir jetzt kurz einwirken. Danach ist alles wieder gut, Nissen und Läuse sind erstickt." Christine empfiehlt der Mutter noch, in den eigenen vier Wänden ordentlich zu saugen, auch die Stofftiere und das Sofa, und das Bett frisch zu überziehen. Ob Christine selbst schon Läuse hatte? "Aber ja. Bestimmt sechs Mal in den letzten Jahren. Ich bin mit meinem blonden langen Schopf ein Lunchpaket für die Tierchen. Ich habe mir angewöhnt, vor dem Nach-Hause-Gehen den Nissenkamm zu benutzen. Aber ganz davor gefeit bin ich natürlich nicht.

Ein Mal pro Woche kommen Matratzen zum Beispiel aus Spitälern in die Dampfdesinfektion. © PID/Christian Jobst

Vom Reiten und Fischen

Die Desinfektion des Rettungswagens ist inzwischen beendet. Nach der Ausgabe des entkeimten Rettungswagens muss sich Christine erneut umziehen. Dieses Mal sind es ein gelber Overall aus Stoff und blaue Latex-Handschuhe. Damit schiebt sie eine Matratze aus dem Kaiser-Franz-Josef-Spital in die große Dampfdesinfektionsmaschine. Diese entkeimt saugende Materialien, die zum Beispiel nicht mit Wasserstoffperoxid oder anderen Desinfektionsmitteln bearbeitet werden können. In der Formaldehydkammer können Gegenstände, die Temperaturen von 75 oder 105 Grad Celsius nicht standhalten, mit Formaldehyd oder Wasserstoffperoxid desinfiziert werden. Dazu zählen auch Fischerei- oder Reitutensilien etwa vor einer geplanten Reise nach Island. "Wer dieses Land zum Reiten oder Angeln besuchen möchte, ist dazu verpflichtet, maximal 48 Stunden davor Gerte, Angel & Co zu uns zu bringen. Ohne unser Zertifikat gibt es keine Einreiseerlaubnis."

Ab durch die Schleuse

Das Gebäude, in dem Christine arbeitet, ist in zwei Zonen unterteilt. Es gibt den reinen Bereich, in dem die Gangwände blau gestrichen sind, und einen gelben, den unreinen. Die Desinfektionskammern im Obergeschoß werden auf der unreinen Seite befüllt und auf der reinen entleert. Wie bei einer Schleuse. Bevor eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter die sauberen Räume betritt, muss sie oder er sich in den dazwischen liegenden Waschräumen reinigen. Apropos waschen: Auf Christines Tagesplan steht noch die Schmutzwäsche. 

Täglich kümmert sich Christine um die Wäsche des Teams. © PID/Christian Jobst

Wäsche waschen 

"So banal es klingt, aber die Wäsche des Teams zu waschen, ist eine bedeutende Angelegenheit bei uns", sagt Christine. Aus hygienischen Gründen tragen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Berufskleidung. Diese ist im Innendienst, wie gerade eben, weiß und im Außendienst blau-rot. "Jede und jeder von uns hat eine komplette Kleidungsausstattung zur Verfügung. Was auch praktisch ist: Um modische Belange kümmert sich hier niemand", sagt Christine, während sie eine der vier Waschmaschinen befüllt und eine andere entleert. "Glücklicherweise muss man kaum etwas bügeln. Im faltenfreien Aufhängen bin ich Profi", lacht Christine, die im Privatleben keinen Sauberkeits- oder Ordnungstick hat. "Man muss sich nur meinen Garderobenschrank ansehen, dann man weiß gleich: Ich bin ein Mensch wie jeder andere."

Reinigen und desinfizieren

Auch Desinfektionsmaßnahmen in Schulen, Küchen oder Hotels gehören zu ihren Aufgaben. Christine: "Viele glauben, dass wir für sie putzen. Aber wir entkeimen nur. Ums Ordnunghalten kümmern wir uns nicht." Außerdem nehmen sie Vorhänge oder Teppiche zum Desinfizieren mit. "Fürs Bügeln und Zusammenlegen haben wir keine Kapazitäten", sagt Christine.

Christine und ihr Mann Kurt sind das Dream-Team im Haus. © PID/Christian Jobst

Ein Paar im Team

"Wir sind ein super Team", sagt Christine. "Und das Beste daran: Auch mein Mann Kurt arbeitet hier. Es ist schön, sich ab und an am Tag zu begegnen und kurz plaudern zu können." Sie und ihr Mann kommen wie alle hier ursprünglich aus einem ganz anderen Bereich. Christine ist eigentlich gelernte Glasgraveurin, ihr Mann Metalldrücker. "Wer hier arbeitet, muss einen erlernten Beruf haben und dann die Ausbildung zur Desinfektionsassistenz machen", erklärt Christines Chef, Andreas Flaschner. Er selbst kommt aus der Tischlerzunft, musste aber das Fach wechseln, als er eine Holzstauballergie entwickelte.

"Was ich als Mutter von drei mittlerweile erwachsenen Kindern gelernt habe, ist, immer Ruhe zu bewahren. Das hilft mir jetzt beim Ausüben meines Jobs", sagt Christine, die privat leidenschaftliche Weltenbummlerin ist. "Südafrika, Japan oder Sri Lanka. Je weiter weg, desto besser. Das ist für meinen Mann und mich der perfekte Ausgleich."

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