Auf dem Grillplatz nahe der Brigittenauer Brücke ist Yasin Sahin der Chef. Bei den FreundInnen der Grillkunst ist er ein gern gesehener Gast. © PID/Christian Jobst

Ein Tag unter Grillplatzmeistern: "Bei uns sind alle willkommen!"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten Grillplatzmeister Yasin Sahin einen Tag lang bei seiner Arbeit. Er und seine Kollegen kümmern sich darum, dass bei der Brigittenauer Brücke nichts anbrennt.

"Hallo! Lust auf Tee oder Kaffee?" Unter dem Pavillon der Grillplatzmeister wird Gastfreundschaft großgeschrieben. Yasin Sahin, Grillplatzmeister, und seine Kollegen sind die guten Geister auf dem Platz bei der Brigittenauer Brücke in Floridsdorf. "Bei uns können jederzeit alle vorbeischauen. Ganz egal, welches Anliegen, wir freuen uns, wenn wir Kontakte knüpfen können", sagt Yasin. Ob Fragen zur Platzierung des Grillers oder ein kurzer Plausch: Der Austausch mit den Menschen ist hier genauso wichtig wie die Einhaltung von Regeln. "Falls jemand mal ein bisschen Salz oder Zucker braucht, helfen wir auch gerne aus." Auf der Donauinsel sind insgesamt zehn Grillplatzmeister unterwegs, neun davon mit Migrationshintergrund.

Mit einem selbst gekochten Tee kommt Yasin gut in Schwung. © PID/Christian Jobst

Vorschriften sind einzuhalten

"Auf diesen Platz kommen meistens Familien", erklärt Yasin, während er seinen Teekocher anheizt. "70 Prozent der Leute kommen mehrmals im Monat. Viele kenne ich seit Jahren und das Verhältnis ist ausgezeichnet." Vom Pavillon aus hat Yasin den Grillplatz bestens im Blick. Muss er auch, schließlich ist es keine Seltenheit, dass an einem heißen Sommertag bis zu 6.000 Menschen vorbeikommen. Oberstes Gebot ist die Einhaltung der Regeln. Die wichtigsten Vorschriften: Grillen nur an erlaubten Stellen, kein Feuer auf dem Boden und keine Gasgriller. "Nur mit Grilltasse arbeiten, keine Zelte, Generatoren oder Musikverstärker nutzen und die Asche korrekt entsorgen: Wer sich daran hält, kann hier nach Herzenslust grillen."

Yasin und sein Kollege Nassir aus Afghanistan bei einer Tour über den Grillplatz. © PID/Christian Jobst

Yasin ist seit mittlerweile zwölf Jahren als Grillplatzmeister im Einsatz. Die oberste Maxime des Wieners mit türkischen Wurzeln lautet: Höflichkeit. "Wenn man positiv auf die Menschen zugeht, dann bekommt man auch Positives zurück." Jeden Tag legt er um die 30 Kilometer auf seinen Rundgängen zurück und zeigt, wie man dieses Credo in die Tat umsetzt. Für jede und jeden hat er ein freundliches Wort übrig, erkundigt sich, ob alles passt, und pflegt seine guten Beziehungen. Die wichtigsten Werkzeuge beim Grillen sind Anzünder und Zange. Yasins wichtigstes Arbeitswerkzeug ist ein Lächeln. "Hallo, wie geht's?", begrüßt er eine Familie und plaudert über das Wetter und die Kinder.

Diese Familie aus dem Irak freut sich auf selbst gemachte Kebabs. © PID/Christian Jobst

Grillmeister unter sich

"Oft kommen Leute aus anderen Ländern vorbei, die erstaunt sind, wie positiv die Stimmung hier ist, und darüber, dass es kaum Beschwerden gibt. Dann sage ich immer: 'Bei uns ist das normal!'" Tatsächlich sieht man auf dem Grillplatz nur lachende Gesichter, ein Beweis für das gute Management. "Natürlich kommt es manchmal vor, dass jemand ein Bodenfeuer legt, weil er keinen Griller hat", sagt Yasin. In solchen Fällen bittet er darum, das Feuer auf einer der mit Steinen geschützten Stellen zu machen. Am Boden müssen mindestens zehn Zentimeter Abstand zwischen der Grillfläche und der Wiese sein. Probleme beim Durchsetzen der Regeln hat er nicht. "Die Leute hier sind sehr entgegenkommend, wenn man nett auf sie zugeht. Auch wenn die Musik mal zu laut ist und man ihnen sagt, sie sollen sie leiser machen, ist das kein Problem."

Um Grillplatzmeister zu werden, muss man begleitende Schulungen absolvieren. Die wichtigsten Voraussetzungen für den Job sind ein gesunder Hausverstand und soziale Kompetenz. Ein gutes Konfliktmanagement und die gesetzlichen Grundlagen rund um Grillplätze werden in diversen Kursen vermittelt. Diese werden von der MA 17 (Abteilung für Integration und Diversität) gemeinsam mit dem Verein UmweltBildungWien organisiert. Ebenso wie das Projekt "Muttersprachliche GrillplatzmeisterInnen", das zudem noch unter dem Schirm der UmweltBildungAustria - Grüne Insel, der MA 42 (Wiener Stadtgärten), der MA 45 (Wiener Gewässer) und der MA 49 (Forst- und Landwirtschaftsbetrieb) steht.

Der Griller muss raus aus dem kleinen Waldstück. © PID/Christian Jobst

Bei einem Rundgang Richtung Donauufer fällt Yasin auf, dass eine Familie den Holzkohlegrill in ein kleines Waldstück gestellt hat, um der Hitze zu entkommen. "Das ist nicht gut, da Kohle Gift für die Bäume ist. Der Rauch steigt hoch und wird von den Blättern aufgenommen." Schnell schreitet Yasin ein. "Hallo Leute! Seid doch bitte so nett und tragt den Griller an den Rand der Bäume. Da gibt's immer noch Schatten und ihr schadet dem Wald nicht." Die Familie kommt dem Wunsch nach. Yasin nutzt die Gelegenheit, sich vorzustellen und lässt alle wissen, dass er und sein Team gerne für alle Fragen und Anliegen zur Verfügung stehen.

Boban kommt mit seiner Familie zwei Mal im Monat zum Grillen auf die Donauinsel. © PID/Christian Jobst

Unter der Woche arbeitet Yasin bei der UmweltBildungWien im NationalparkCampLobau in Großenzersdorf. Dort bringt er Kindern den Umgang mit der Natur bei. Seine pädagogische Ausbildung kommt ihm auch bei seinem Job als Grillplatzmeister zugute. Yasin weiß, wie man auf Menschen zugeht und gute Stimmung verbreitet. "Ob Montag bis Freitag mit den Kindern oder am Wochenende mit den Erwachsenen, spielt keine Rolle. Beide Jobs haben eines gemeinsam: Man muss Menschen lieben, dann macht man seine Arbeit auch gut. Anders klappt es nicht."

Raus aus der heißen Wohnung

Nächste Station ist der Grill von Boban und dessen Familie. Das Fleisch brutzelt schon und verströmt einen verführerischen Duft. Die Kinder spielen nebenan Fußball, um den Appetit noch etwas anzuheizen. "Ich komme zwei Mal im Monat her", sagt Boban. "Das ist unser liebster Platz. Hier herrschen Ruhe und Frieden, alle verstehen sich." Das Fleisch auf dem Grill ist bunt gemischt. Bauchfleisch und Lamm braten über der Holzkohle. Als Beilage warten diverse Salate auf dem Campingtisch. In einer Kühlbox warten Limonaden auf ihren Einsatz, während der verführerische Duft die ganze Familie zum Griller lockt. Über die Grillplatzmeister hat Boban nur Positives zu berichten. "Sie sind sehr freundlich und hilfsbereit."

Diese selbst gemachten Würste beeindrucken sogar Grill-Profi Yasin. © PID/Christian Jobst

Mittags ist schon recht viel los, am Abend erwartet Yasin aber noch mehr Besucherinnen und Besucher. "70 Prozent der Familien hier haben türkische Wurzeln. Die restlichen 30 Prozent sind bunt gemischt, von österreichischen Familien bis zu Menschen von den Philippinen."

Der Grillplatz neben der Brigittenauer Brücke wird fast ausschließlich von Familien aufgesucht. © PID/Christian Jobst

Yasins Funkgerät brummt. Die Funkgeräte hat er selbst für sein Team organisiert, um die Kommunikation zu erleichtern. Sein Kollege Nassir aus Afghanistan meldet grünes Licht, alles in Ordnung von der anderen Seite des Grillplatzes. Auch Yasin beendet seine Runde. Auf dem Rückweg wird er von vielen Familien eingeladen, mit ihnen zu essen. Doch der Grillplatzmeister grillt am liebsten selbst.

Die Grillplatzmeister sind für alle da

Wenn Yasin selbst grillt, legt er am liebsten Rindersteaks und türkische Köfte auf. Das sind kleine Bällchen aus Faschiertem. Einen Tipp für Grill-Anfängerinnen und -Anfänger hat er auch noch: "Ich mache immer ein kleines Tipi aus Holzspänen und verteile die Kohle drum herum. So kriegt man ein schönes Feuer." Bei besonders hohen Temperaturen greift er aber lieber zu Melonen und Trauben. "Bei 35 Grad ist mir gegrilltes Fleisch eigentlich zu schwer."

Nach dem Mittagessen kehrt Ruhe ein. Die Bäuche sind voll und nicht selten wird nun ein Verdauungsschläfchen gemacht. Yasin ist wieder in seinem Pavillon. Eine Touristin aus Deutschland kommt vorbei und fragt nach dem Weg zum Donauturm. Er weist der Dame den Weg zum Wiener Wahrzeichen. "Was soll ich sagen? Bei uns sind alle willkommen! Egal ob man grillt oder nicht, wer eine Frage hat, den lade ich herzlich zu uns Grillplatzmeistern ein."

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