Anna Großsteiner beim Rasenmähen im Matzner Park in Penzing. Sie ist Garten- und Grünflächengestalterin bei der MA 42 - Stadtgärten. Die Parks und Grünflächen der Stadt Wien sind ihr Einsatzgebiet. © PID/Christian Houdek

Ein Tag unter StadtgärtnerInnen: "Bäume und Pflanzen sind meine Leidenschaft"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. CLUB WIEN begleitet Gärtnerin Anna Großsteiner einen Tag lang bei der Arbeit. Sie und ihre KollegInnen bringen den 14. Bezirk zum Erblühen.

Einsatzort Penzing: Schon frühmorgens liegt der Geruch von frisch geschnittenem Gras und feuchter Blumenerde in der Luft. Anna Großsteiner und ihre Kolleginnen und Kollegen treten jeden Tag um sieben Uhr den Dienst im 14. Bezirk an. In einem schmucken Holzhaus beim Matzner Park herrscht Hochbetrieb. Der Geräteschuppen gehört der MA 42. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schleifen Klingen von Heckenscheren und schärfen Kettensägen. Im Hof werden die Großflächenmäher betankt. Anna Großsteiner betankt einen selbstfahrenden Mäher. Das 100 Kilogramm schwere Gerät wiegt fast doppelt so viel wie die sportliche Garten- und Grünflächengestalterin der Wiener Stadtgärten (MA 42). "Ich bin schon seit fünf Uhr auf", sagt Anna. "Jeden Morgen gehe ich vor der Arbeit eine Runde joggen."

V. l. n. r.: Miki Gizic, Leiter Thomas Stingl, Katharina Hirtl und Anna bei der Aufgabeneinteilung. © PID/Christian Houdek

Traumjob gesucht und gefunden

Bevor sich das Team aufmacht, steht die Diensteinteilung an. Leiter Thomas Stingl weist die Aufgabenbereiche zu. Ein Team wird für die Unkrautentfernung eingeteilt, ein anderes zum Heckenschneiden. Anna ist zum Rasenmähen im Matzner Park eingeteilt. Seit 2010 ist die gelernte Floristin bei der Stadt angestellt. "Ich wollte einfach weg aus dem Verkauf und die Stelle bei der MA 42 war perfekt für mich." Zur Gartenpflege kam Anna eher zufällig. "Ich war eine Schulabbrecherin und habe dann meinen Traumjob gefunden. Den ganzen Tag draußen zu sein und körperlich im Grünen zu arbeiten, ist genau mein Fall", sagt Anna. Auch privat liebt sie Blumen, vor allem violette Rosen.

Die MA 42 betreut in Wien über 950 Parkanlagen, die eine Gesamtfläche von 17 Millionen Quadratmetern haben. Außerdem prüft die Abteilung 450.000 Bäume auf deren Gesundheit und verwaltet 640 Spielplätze sowie 330 Ballspielplätze. Die MA 42 bringt Wien mit insgesamt 980 Blumen- und Staudenbeeten zum Erblühen.

Anna bereitet den selbstfahrenden Rasenmäher vor. Das Gerät wiegt rund 100 Kilogramm. © PID/Christian Houdek

Rasen mähen im Matzner Park

Nach der Besprechung schiebt sie den Rasenmäher vom Geräteschuppen in den Park und legt los. Um das ganze, rund 30.000 Quadratmeter große Areal zu mähen, braucht ein Team mit zwei Großflächenmähern und drei kleineren Geräten, wie dem Selbstfahrer, in etwa einen Arbeitstag. Während Anna mäht, erzählt sie von der Ausbildung zur Gärtnermeisterin, die sie letztes Jahr abgeschlossen hat. "Das war eine intensive Zeit. Bei der Abschlussprüfung musste ich neben einer schriftlichen und mündlichen Prüfung 36 Quadratmeter Garten gestalten." In nur 15 Stunden galt es, Mauern zu bauen, Wege zu machen und Pflanzen zu setzen. "Ich habe wirklich bis zur Erschöpfung gearbeitet." Mit Erfolg: Sie schloss die Prüfung als Beste ab. "Vor allen Männern", sagt Anna augenzwinkernd. Was eine Meisterin ausmacht, ist für sie klar: "Die Liebe zur Arbeit. Sonst würde man, glaub' ich, nicht so viel Mühe und Zeit investieren. Aber wenn man es gerne macht, fällt es einem auch nicht so schwer."

Mit diesem Transporter fährt Anna von einem Einsatzort zum nächsten. © PID/Christian Houdek

Das Mähen im Park schreitet zügig voran. Das Wetter ist hochsommerlich und schon am Vormittag brennt die Sonne. Die Hitze kann für die Gärtnerinnen und Gärtner eine große Herausforderung sein. "Ich vertrage sie recht gut und bin auch ein bisserl eine Sonnenanbeterin. Trotzdem ist es hart. Ich trinke während der Arbeit alleine vier Liter Wasser und gut eincremen ist sehr wichtig." Anna kommt es zugute, dass sie als leidenschaftliche Sportlerin auch privat die Sonne gewohnt ist. "In der Freizeit liebe ich Joggen, Schwimmen, Inlineskaten und Wandern. Ich wohne auch im 14. Bezirk und es zieht mich meist zum Wienfluss oder auch mal auf die Donauinsel."

Anna entfernt das Unkraut in einem Blumenbeet in Mariabrunn. © PID/Christian Houdek

Dem Unkraut geht es an den Kragen

Das abgemähte Gras wird in großen Haufen zusammengerecht und für den späteren Abtransport auf die Ladeflächen von Kleintransportern geladen. Normalerweise widmen sich die Gärtnerinnen und Gärtner den ganzen Tag einer bestimmten Aufgabe, etwa dem Mähen. Heute hat Anna aber noch andere Aufgaben. In Mariabrunn am Rande des 14. Bezirks wird sie bei der Unkrautentfernung gebraucht. "Wir pflanzen jeden Mai die Sommerblumen ein, meistens gleich nach den Eisheiligen. Im Juni gilt es dann, die Beete vom Unkraut zu befreien."

Video: 360-Grad-Baumpflege

Auf dem Weg dorthin erzählt Anna, dass sie früher als stellvertretende Objektleiterin die Verschönerung des vor der Stadthalle gelegenen Märzparks für den Song Contest koordinierte. Das war aber hauptsächlich ein Bürojob, darum zog es die Niederösterreicherin wieder raus aufs Feld. "Ich habe einfach die Arbeit in den Parks vermisst. Es war eine tolle Erfahrung im Büro, aber ich habe mich dann darum beworben, wieder diesen Job zu machen. Ich hab's einfach vermisst", sagt Anna. 

Vor der Kirche Mariabrunn gibt es mehrere Beete, in denen die Blumen schon prächtig blühen. Neben Verbena rigida, auch bekannt als Steifes Eisenkraut, und der Verbena bonariensis, besser bekannt als Patagonisches Eisenkraut, wurde hier Canna gepflanzt, ein indisches Blumenrohr. Diese Pflanzen findet man in den meisten Sommerbeeten. Die Verbenen sind violett und sehen einander recht ähnlich. Die Blüte der Canna hat einen orangen Farbton. Das Unkraut dazwischen ist leicht auszumachen und wird mit einer Drehbewegung samt Wurzel aus der Erde gezogen.

Beim Heckenschneiden braucht man ein gutes Auge. Das Wichtigste ist, ganz gerade zu schneiden. © PID/Christian Houdek

Im Anschluss macht sich Anna bereit, mit der Schere eine Hecke auf dem kleinen Platz vor der Kirche zu stutzen. Dazu streift sie eine spezielle schnittfeste Hose über, zieht Handschuhe an und setzt eine Schutzbrille auf. Weil die Heckenschere sehr laut ist, gehören auch Ohrstöpsel zur Schutzausrüstung. "Die Hose ist ziemlich warm. Nicht perfekt fürs Freibad, aber beim Heckenschneiden ziehe ich sie gerne an", scherzt Anna. Das Heckenschneiden beherrscht Anna aus dem Effeff. Sie nimmt kurz Augenmaß und schneidet in geraden Bewegungen den Überwuchs weg, einmal oben, dann von allen Seiten. Im breitbeinigem Stand bewegt Anna die Schere aus der Hüfte heraus durch die Hecke. Mit den Armen und den Schultern hält die das Gerät, das einige Kilos wiegt, in der Luft. Ein Muskelkater ist danach keine Seltenheit.

Anna im Blumenbeet in Mariabrunn. Auch privat beschäftigt sich die Stadtgärtnerin viel mit Pflanzen und liest gerne botanische Fachbücher. © PID/Christian Houdek

Achtung, Baum fällt!

Das Telefon läutet. Anna bekommt einen Anruf von Thomas Stingl. In der Parkanlage Cossmanngasse, ganz am Ende bei der Deutschordenstraße, muss eine Birke gefällt werden. "Der Baum hat nicht genug Nährstoffe aus der Erde bekommen und hat es leider nicht geschafft", erklärt Anna. Für Bäume hegt sie eine große Leidenschaft. "Die strahlen einfach etwas Besonderes aus, ganz viel Kraft. Ich habe auch ganz viele Bücher über Bäume zu Hause." In Wien besucht sie besonders gerne eine riesige alte Eiche in ihrem Lieblingspark, dem Auer-Welsbach-Park. "Dort bin ich gerne mit Freundinnen und Freunden, um zu slacklinen oder zu picknicken."

Die Birke hat keine Zukunft mehr. In wenigen Minuten macht Anna daraus Kleinholz. © PID/Christian Houdek

Anna kommt in der Cossmanngasse an und weiß sofort, welcher Baum gemeint ist. Neben einem drei Meter hohen Strauch steht eine Birke. Ihre Blätter sind welk, sie neigt ihren Stamm zur Seite. Dieser Baum, das sieht die Expertin, hat keine Zukunft mehr. "Das ist schade, aber so kann ein neuer Baum die Chance bekommen, hier zu wachsen", sagt Anna und wuchtet die Kettensäge von der Ladefläche. Die Fallrichtung ist aufgrund der starken Neigung schnell bestimmt. "Ich werde jetzt in der Fallrichtung einen Keil ausschneiden und dann von der anderen Seite durchsägen. Dann fällt er dahin, wo ich es will." Zwei Kollegen achten darauf, dass niemand den Weg entlangläuft.

In weniger als fünf Minuten hat Anna den Baum mit der Kettensäge gefällt und in kleine Teile zerschnitten. Anna bemerkt, wie sie von Passantinnen und Passanten beobachtet wird. Die stehen mit weiten Augen da und staunen, wie zügig Anna die Birke zerlegt. Anna ist diese Blicke gewöhnt. Was auf andere beeindruckend wirkt, ist für sie Routine. "Bei so einem kleinen Baum dauert das nicht lange. Wir bei der MA 42 wissen ja schließlich, was wir tun." Die Reste werden auf den Kleinlaster geladen und zurück in die Basis in der Goldschlagstraße gebracht. Im weiterer Folge wird das Holz zu Spänen verarbeitet.

Nicht schlecht, das Gartenhäuschen. Das Gebäude beim Matzner Park dient Anna und ihren KollegInnen als Basis. © PID/Christian Houdek

Mittlerweile ist es fast 15 Uhr, der Arbeitstag neigt sich dem Ende zu. Im Matzner Park laufen Kinder, Hunde, Joggerinnen und Jogger über die frisch geschnittene Wiese oder entspannen sich im Schatten der Bäume. Parks sind die grünen Lungen unserer Stadt und dank Anna und den vielen anderen Gärtnerinnen und Gärtnern in Wien sind sie ein Aushängeschild für die Lebensqualität in Wien. "Hier ist die Qualität der Parks schon enorm hoch, finde ich", so Anna. "Wenn man das mit anderen Großstädten vergleicht, muss man schon sagen, dass wir es hier richtig fein haben."

Zum Abschluss kommen die Geräte zurück in den Schuppen. Morgen in der Früh muss alles wieder einsatzbereit sein. © PID/Christian Houdek

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