Ines Hahn ist Freizeitpädagogin an der Ganztagsvolksschule Florian-Hedorfer-Straße. © PID/Christian Fürthner

 

Ein Tag unter FreizeitpädagogInnen: "Sind die Kinder fröhlich, bin ich es auch"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. CLUB WIEN hat Freizeitpädagogin Ines Hahn einen Tag lang bei der Arbeit begleitet. In der GTVS Florian-Hedorfer-Straße hilft sie Kindern, spielerisch die Welt zu entdecken.

Fast könnte man die Köpfe rauchen sehen. Im Mathematik-Unterricht in der Simmeringer Ganztagsvolksschule Florian-Hedorfer-Straße sind die Kinder mit vollem Einsatz bei der Sache. Mittendrin statt nur dabei ist Ines Hahn, Freizeitpädagogin bei der BiM - Bildung im Mittelpunkt, die im Auftrag der Stadt das freizeitpädagogische Angebot an öffentlichen Schulen in Wien organisiert und gestaltet. Während der Schulstunde widmet sich Ines den Schülerinnen und Schülern, die sich mit dem aktuellen Stoff, Dividieren und Multiplizieren, schwertun. Mit einem ermutigenden Wort und dem kleinen Extra an Aufmerksamkeit hilft Ines vielen Kindern dabei, Hürden zu überwinden.

Ein Ausgleich zum Schulalltag

"Im Gegensatz zum Hort ist die Freizeitpädagogik bei der schulischen Tagesbetreuung nicht von der Schule getrennt", sagt Ines. "Ich bin am Vormittag schon in den Klassen unterwegs und wirke unterstützend im Unterricht mit, wenn Kinder Hilfe brauchen. Das ist definitiv ein Teil des Jobs, der mir sehr gut gefällt. Wenn die Kinder sich beim Stoff leichter tun, sieht man ganz unmittelbar den Erfolg der Arbeit."

Nach der Mathe-Stunde hat Ines etwas Zeit, die Freizeitaktivitäten vorzubereiten. "In den Freistunden versuchen wir den Kindern einen Ausgleich vom stressigen Schulalltag zu bieten. Das kann durch Gestalten, Zeichnen, Sport oder einfach nur Plaudern geschehen", sagt Ines. Heute stehen ein Trommelworkshop und eine Bastelstunde auf dem Programm, zwei von Ines Lieblingsaktivitäten. "Ich als Hobbyköchin koche auch sehr gerne mit den Kindern."

 

Ziel von Ines Arbeit ist, den Kindern ein Umfeld zu geben, in dem sie nicht nur besser lernen, sondern auch Spaß haben, sich sozialisieren und gemeinsam die Welt entdecken. "Gemeinsamkeit ist bei mir ganz wichtig. Spielen, sich bewegen und Neues entdecken sind die Eckpfeiler des Programms. In der Gruppe holen wir mehr aus den Freistunden raus und unterstützen die Kinder dabei, auch sich selbst und die eigene Identität zu entwickeln."

Dazu zählt auch das gemeinsame Essen, bei dem Ines stets mithilft. Wiener Schnitzel mit Reis und Erbsen ist bei den vom Lernen hungrigen Kindern der Hit. Genau darum hat Ines ein Auge darauf, dass die Augen nicht größer werden als der Appetit. Umgekehrt achtet sie auch darauf, dass die Kinder nicht zu wenig essen. "Wir schauen hier sozusagen darauf, dass die Balance auf dem Teller passt", sagt Ines. Beim Mittagessen wird Energie getankt, denn jetzt geht es ab in die Freistunde.

Eine herbstliche Kreativrunde

Als Auftakt ruft Ines die Kinder zum kreativen Gestalten. "Das Gestalten ist ein fixer Bestandteil bei mir, da ich es sehr wichtig finde, die Kreativität zu fördern und die Fantasie anzuregen", sagt Ines. "Außerdem gibt es den Schülerinnen und Schülern die Chance, nach dem Unterricht wieder ein bisschen zur Ruhe zu kommen." Generell ist die Meinung der Kinder immer gefragt. "Wir versuchen die Kinder da abzuholen, wo sie gerade sind. Das heißt, wir zwingen ihnen nicht auf, was wir wollen, sondern versuchen ein Programm zu gestalten, bei dem die Kinder frei aus verschiedenen Aktivitäten wählen können und das auch ihren Persönlichkeiten und Bedürfnissen entspricht."

Beim Gestalten geht es heute herbstlich zu. Das orangene Papier liegt bereit, Thema des Tages sind Kürbisse. "Wer braucht eine Schere, wer einen Bleistift?", fragt Ines in die Runde. Die Kinder sind gleich wieder voll konzentriert, fast so wie in der Mathe-Stunde, obwohl das Gestalten natürlich schon etwas mehr Spaß macht. "Achtung Thomas, du weißt wie wir die Schere halten, schau mal her, ich zeige es dir", sagt Ines, die stets ein Auge auf die gesamte Runde hat.

"Wir falten das Papier jetzt zum Quadrat und dann können wir ganz vorsichtig die Vorlage ausschneiden." Mit viel Inbrunst wird gefaltet und geschnitten. Gestalten geht eben immer, wie Ines aus Erfahrung weiß. Sie ist seit 2012 bei der BiM - Bildung im Mittelpunkt angestellt. Früher war Ines in der Flüchtlingsbetreuung tätig, Kinder waren bei ihr eigentlich nie so ein großes Thema. Doch das änderte sich schlagartig, als sie selbst Mutter wurde. Schnell reifte der Entschluss, mit Kindern zu arbeiten, und Ines studierte Pädagogik an der Universität Wien und absolvierte den Lehrgang Freizeitpädagogik an der Fachhochschule.

Die BiM - Bildung im Mittelpunkt GmbH ist ein wichtiger Teil der Wiener Schullandschaft. Die Einrichtung hat in der ganzen Stadt mehr als 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die an 116 Standorten aktiv sind. Insgesamt werden über 25.000 Kinder betreut. Die FreizeitpädagogInnen absolvieren außerdem pro Jahr 24.000 Fortbildungsstunden.

Aktiveinheit im Turnsaal

Sobald die ersten Werke fertig sind, werden die Kinder unruhig. Ines weiß genau, was das heißt. "Kinder lassen einen immer wissen, was sie denken und wünschen. So ein ehrliches Feedback bekommt man in keinem anderen Job. Ich liebe das. Jetzt wollen sie sich einfach auspowern und darauf sind wir auch vorbereitet." Wenn das Wetter schön ist, geht Ines gerne mit den Schülerinnen und Schülern nach draußen, um dort zu spielen. An einem kalten Herbsttag wie heute ist aber der Turnsaal die bessere Variante.

Dort angekommen, bilden die Kinder einen Kreis. Alle bekommen zwei schlumpfblaue Drumsticks in die Hand. Sobald alle sitzen, startet Ines einen Trommelrhythmus, den die Kinder nachmachen. Ein Rhythmus, der leicht an "We Will Rock You" erinnert, wird mit besonderer Begeisterung nachgeahmt. Das kreative Krachmachen macht sichtlich Spaß. Die Freizeitpädagogik ist auch dazu da, die individuellen Talente der Kinder zu fördern. Da viele musikalische Kinder in der Gruppe sind, ist der Trommelworkshop perfekt geeignet.

Nach der Musikeinheit gibt es noch immer einen Energieüberschuss und Ines setzt kurzerhand eine Spieleinheit an. Wieder bilden die Kinder einen Kreis, diesmal bleibt Ines aber stehen und startet das Spiel. Sie tippt einem Mädchen auf den Rücken und läuft los. Jetzt kommt es darauf an, ob sie die Runde schneller laufen kann als das angetippte Kind. Wer zuerst wieder auf dem Platz ist, darf sich setzen.

Ines ist einen Hauch flotter und setzt sich. Das Mädchen tippt jetzt selbst einer Freundin auf den Rücken und kann in der Tat die zweite Partie für sich entscheiden. Nach einer Viertelstunde sind die Kinder dann so richtig außer Atem. Den Rest der Nachmittagsbetreuung, die letzten Kinder werden um 17.30 Uhr abgeholt, wird Ines ganz ruhig angehen. "Vielleicht plaudern wir noch ein bisschen über die Schule, vielleicht lese ich etwas vor. In jedem Fall ist Erholung angesagt, denn morgen ist in der Schule schon wieder volle Konzentration gefragt."