Manfred Ganser (22) ist Forstfacharbeiter bei der MA 49 - Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien. Der Beruf wurde ihm in die Wiege gelegt. Schon Opa und Vater des gebürtigen Steirers waren Forstarbeiter. © PID/Markus Wache

Ein Tag unter ForstarbeiterInnen: "Achtung, Baum fällt!"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten Forstfacharbeiter Manfred Ganser einen Tag lang bei seiner Arbeit. Er und sein Team pflegen die Wälder in und rund um Wien, damit die WienerInnen dort sicher Erholung finden.

Es ist kurz vor sieben. Außer dem bunten Vogelgezwitscher herrscht noch absolute Ruhe rund um den Forststützpunkt von Forstfacharbeiter Manfred Ganser auf den Steinhofgründen in Penzing. Diesen Arbeitsplatz hier, am Rande des Wienerwalds, in augenscheinlicher Idylle zwischen saftigen Wiesen und dichten Wäldern, würden viele gerne gegen ihren eigenen eintauschen. Aber nur so lange, bis sie genauer wissen, wie ein Tag in Manfreds Berufsalltag abläuft. Denn, egal ob bei 40 Grad im Schatten oder bei minus 20 Grad klirrender Kälte, die Forstarbeiterinnen und Forstarbeiter der MA 49 - Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien sind immer im Einsatz.

"Könnte ich es mir aussuchen, hätte ich am liebsten das ganze Jahr Winter", sagt der 22-Jährige. Schon verschwindet die idyllische Vorstellung vom entspannten Arbeiten in der Natur. Es ist schweißtreibende, harte Arbeit, und sie ist nicht ungefährlich. Aber Manfred hat die Forstarbeit quasi mit der Muttermilch aufgesogen. "Mit fünf Jahren bin ich das erste Mal auf dem Traktor gesessen und habe meinem Opa beim Baumfällen zugesehen. Das half mir später in der Lehre und bis heute natürlich immens." Wo er herkommt, aus Liezen in der Obersteiermark, waren beide Elternteile sowie sein Onkel und sein Opa in der Forstarbeit tätig. Dort hat Manfred auch für die MA 49 zu arbeiten begonnen. Im Quellschutzgebiet Hochschwab bewirtschaftet und verwaltet die Stadt Wien zum Schutz des Wiener Wassers ein Gebiet von rund 14.400 Hektar.

Um sieben Uhr morgens ist Dienstbesprechung. Forstaufseher Herbert Unterweger zeigt Manfred Ganser auf dem Plan, wo dringend kranke Eschen gefällt werden müssen. © PID/Markus Wache

Ein neuer Tag in Wiens Wäldern beginnt

Kurz nach sieben Uhr sitzt Manfred bei der Tagesbesprechung. Was ist heute zu erledigen? Wie dringend ist diese oder jene Arbeit, und wer fährt mit wem wohin? Herbert Unterweger ist Forstaufseher und hat den Überblick, was dringend zu erledigen ist. Heute müssen möglichst rasch kranke Eschen gefällt werden, die sich am Rande eines Kinderspielplatzes im Ottakringer Wald befinden. Die morschen Äste könnten abbrechen und Kinder beim Spielen verletzen. Daneben stehen noch ein paar kleinere Arbeiten auf dem Programm. "Wir arbeiten bei jedem Wetter, außer bei schweren Stürmen", sagt Manfred, während er in der Werkzeughalle seine Ausrüstung vorbereitet.

(Fast) alles, was Manfred braucht, ist griffbereit im Gürtel verstaut. Der Traktor samt Seilwinde ist für das kontrollierte Baumfällen wichtig. © PID / Markus Wache

Zur Standardausrüstung zählt sein Gürtel, zu dem immer ein Maßband, verschiedene Spaltkeile, aber auch ein Verbandspäckchen gehören. "Wegen der Verletzungsgefahr arbeiten wir nur im Team, wir müssen uns hundertprozentig aufeinander verlassen können."Gehörschutz und Helm sind natürlich unerlässlich, ebenso Schnittschutzhose und -schuhe. "Unsere Hosen bestehen aus einem speziellen 16-lagigen Material mit reißfesten Kevlar Fasern. Diese wickeln sich um das Antriebsritzel und würgen die Motorsäge ab", erklärt Manfred. Schnittverletzungen an den Beinen können dadurch verhindert werden. "Gott sei Dank blieb mir aber der praktische Test, ob das wirklich so funktioniert, bisher erspart." Die Motorsäge bekommt noch einen letzten Schliff, ein Benzinkanister wird eingepackt, und auf geht’s mit dem Traktor ins etwa 20 Minuten von der Forststation entfernte Einsatzgebiet im Ottakringer Wald.

Nachdem sich die Forstarbeiter Zugang zum kranken Baum verschafft haben, wird er mit einer Kette so fixiert, dass er später kontrolliert in eine Richtung fällt. © PID/Markus Wache

Kinderspielplatz in Gefahr? Rasches Handeln ist gefragt

Manfred und sein Kollege Hermann Walter kennen ihr rund 1.400 Hektar großes Forstrevier, das sich über Purkersdorf, Hadersdorf und Ottakring erstreckt. Dementsprechend schnell finden sie auch den vorher am Plan besprochenen Einsatzort und die erkrankten Eschen. Die befinden sich unmittelbar neben dem Waldspielplatz am Erholungsgebiet Paradies. Äste oder ganze Bäume, die durch Krankheit oder Sturmschäden brüchig und damit zur Gefahr für Passantinnen und Passanten werden, müssen zurechtgeschnitten oder gefällt werden. Es ist eine der Hauptaufgaben der Förster, die gefahrlose Naherholung in den Wiener Wäldern zu ermöglichen. Sogenannte Sicherungsschnitte gehören zu den Lieblingsaufgaben Manfreds: "Denn jeder Baum ist eigen und muss anders gesichert und angeschnitten werden, um ihn kontrolliert zum Sturz zu bringen. Es braucht viel Erfahrung, um zu erkennen, wie sich der Baum beim Fällen verhält. Trotzdem ist es manchmal nicht vorhersehbar. Insbesondere dann, wenn der Baumstamm innen bereits ausgehöhlt ist."

Mit gezielten Sägeschnitten und einem großen Erfahrungsschatz wird der Baum zu Fall gebracht, ohne dass er gesunde Bäume in der Umgebung verletzt. © PID/Markus Wache

Nachdem sich Manfred mit seinem Kollegen Hermann kurz besprochen hat und der angrenzende Wanderweg gesperrt wurde, geht es ganz fix. Zuerst sichern sie den Baum mit einem Seil, das zur Seilwinde des in einiger Entfernung stehenden Traktors führt. So kann der Baum kontrolliert zu Fall gebracht werden. Mit Motorsägen setzen sie nun gezielt Schnitte, bis der Baum genau in die gewünschte Richtung fällt. Anschließend schneiden sie ihn in vier Meter lange Einzelteile. Dafür nimmt Manfred sein Maßband vom Gürtel. Die gleich langen Stücke können später leichter mit dem Lkw abtransportiert werden.

Nachdem der Baum gefällt ist, wird er in gleich lange Stücke zerschnitten, um besser ins Sägewerk abtransportiert werden zu können. Dort werden zum Beispiel Spanplatten daraus gemacht. © PID/Markus Wache

Schweißtreibende, aber vielseitige Arbeit

Kurze Pause, und die nächste Esche ist dran. Dass sie krank ist, erkennt man an den dürren Astspitzen mitten im Sommer. Die Eschen daneben sind im Gegensatz dazu voller Blätter, also noch gesund. Obwohl die Bäume ruckzuck gefällt sind, zeigt sich nun, wie schweißtreibend sein Job ist. "Man gewöhnt sich daran, so was wie einen Muskelkater kenn ich eigentlich nicht mehr. Ich bin es halt von klein auf gewohnt."

Dem geschulten Auge entgeht nicht, dass es auch auf dem angrenzenden Waldspielplatz noch was zu tun gibt. An einer Baumumzäunung hat sich ein Stück Holz gelockert und könnte Kinder beim Spielen verletzen. "Die Spielgeräte selbst warten wir nur bedingt, diese werden aber von einer Fachfirma regelmäßig gewartet und überprüft. Wir kümmern uns vor allem um das Rundherum auf den Spielplätzen in unseren Wäldern. Zum Beispiel wenn der Rindenmulch bei den Spielgeräten getauscht werden muss." Nachdem das Holzstück befestigt ist, geht’s zurück zum Revier-Stützpunkt auf den Steinhofgründen, um erst Mal eine kleine Stärkung zu sich zu nehmen.

Auch drei Waldspielplätze in Manfred Gansers Rayon werden von der MA 49 betreut und bei Bedarf repariert. Hier wird zum Beispiel eine neue Baumumzäunung aufgestellt. © PID/Markus Wache

Damit die WienerInnen sich gut erholen können in der Natur

"Mir gefällt die Arbeit in der Natur und die Vielfalt meiner Tätigkeiten", sagt Manfred Ganser bei der gemeinsamen Jause mit Kollegen Hermann Walter. Im Winter schlägern er und seine Kollegen gut und gerne 20 ausgewachsene Bäume pro Team und Tag. Im Rahmen der Kultur- und Jungwuchspflege muss nämlich ausgewählt werden, welche Bäumchen weiterwachsen sollen und welche nicht. Der Jungwald wächst somit gezielt und gesund auf. "Die Wälder in und um Wien haben einen wichtigen Erholungswert für die Stadtbewohnerinnen und Bewohner und tragen zur Lebensqualität bei. So gesehen sind wir auch ein wenig stolz auf unsere Tätigkeit", sind sich die beiden einig undverdrücken ein Stück Gugelhupf.

Vor allem viel trinken ist in den Pausen wichtig. Im Sommer schwitzt man besonders stark unter der Sicherheitskleidung. Von Müdigkeit keine Spur! © PID/Markus Wache

"Schwere Mahlzeiten zwischen unseren Tätigkeiten sind nicht optimal, aber viel trinken ist wichtig." Ein normaler Arbeitstag geht von sieben bis 15 Uhr. Heute muss noch eine Wiese ganz in der Nähe im Hoeschpark gemäht werden. Was für manche als Schwerstarbeit durchgehen würde, geht Manfred ganz locker von der Hand. Und im Handumdrehen ist der Hoeschpark wieder zur allgemeinen Erholung freigegeben.

Auch Rasen wird gemäht. Was im städtischen Umfeld GärtnerInnen machen, erledigen in den Wiener Wäldern die ForstarbeiterInnen. Eine eher erholsame Tätigkeit für Manfred Ganser. © PID/Markus Wache

"Allergien oder einen Reinheitsfimmel sollte man bei uns nicht haben, das ist klar, und auch körperlich muss man fit sein. Aber ansonsten gibt es kaum Einschränkungen. Wir haben auch ältere Kollegen dabei. Und oftmals sind Erfahrung und Technik wichtiger als bloße Muskelkraft", sagt Manfred und freut sich an warmen Tagen zu Dienstende vor allem auf eines: "Dass ich endlich aus der dicken Schnittschutzhose raus kann und rein in die kurze." Ein kleiner Trost: Der nächste Winter kommt bestimmt.

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