Herbert Kurzreiter ist mit Leib und Seele Feuerwehrmann. © PID/Christian Jobst

Ein Tag unter Feuerwehrleuten: "Wir löschen nicht nur Brände"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten Berufsfeuerwehrmann Herbert Kurzreiter bei der Arbeit in der Zentralfeuerwache Am Hof.

Die große Fahrzeughalle der Zentralfeuerwache Am Hof im ersten Bezirk. Eine Gruppe Kinder, die mit ihrer Volksschullehrerin eine Führung macht, lauscht gespannt den Worten von Herbert Kurzreiter. Der 31-jährige Berufsfeuerwehrmann erklärt ihnen gerade, was sie im Notfall tun sollen. 

Die Präventionsarbeit beginnt schon bei den Kindern.© PID/Christian Jobst

"Ihr müsst nicht selber löschen können, sondern bloß rasch um Hilfe rufen. Am besten die Feuerwehr unter der Telefonnummern 122." Herbert Kurzreiter schaut fragend in die Runde: "Wie ist die Nummer der Feuerwehr?" Die Kinder antworten im Chor: "122". Herbert Kurzreiter hat sichtlich Spaß und grinst zufrieden. Doch eine Lautsprecherdurchsage lässt seine Miene ernst werden: "Kellerbrand im Wirtschaftsministerium."

30 Sekunden Zeit

Kurzreiter hat jetzt gerade mal 30 Sekunden, um einsatzbereit zu sein. Immer mehr Feuerwehrleute kommen in die Fahrzeughalle gelaufen und schlüpfen routiniert in die Einsatzmontur. 

Feuerwehrleute haben am Tag 30 Sekunden und in den Nacht eine Minute Zeit, um in die Fahrzeughalle zu laufen, die Ausrüstung anzulegen und ins Auto zu springen. © PID/Christian Jobst

Rein in die Schuhe. Überhose hochziehen, Hosenträger über die Schultern. In die Jacke geschlüpft. Mit Helm und Handschuhen unter dem Arm in den Einsatzwagen.

Bevor auch Herbert Kurzreiter in den Feuerwehrwagen springt, ruft er der Lehrerin zu: "Die Führung ist leider vorbei." Die Motoren werden angelassen, die Sirenen heulen auf, fünf Einsatzwägen rasen los zum Brandort. Die Kinder stehen da mit offenem Mund. Diesen Tag werden sie nie vergessen.

Die Wägen der Zentralfeuerwache fahren zu allen Einsätzen innerhalb des Gürtels. © PID/Christian Jobst

Um 10.51 Uhr ist der Einsatz beendet. Herbert Kurzreiter ist wieder tiefenentspannt. Er trinkt stilles Wasser als Durstlöscher. "Mein Beruf ist voller Abwechslung. Jeder Tag sieht anders aus, jeder Tag hat andere Herausforderungen. Das gefällt mir." Herbert Kurzreiter lebt seinen Traum. "Ich wollte bereits als Kind Feuerwehrmann werden. Mein Vater war bei der Freiwilligen Feuerwehr in Retz. Das ist am Land so. Die Leidenschaft liegt im Blut."

Das Werkzeug muss vollständig und einsatzfähig sein. Die Kontrolle erfolgt täglich. © PID/Christian Jobst

Der Oberfeuerwehrmann ist seit sechs Jahren in der Feuerwehrzentrale Am Hof stationiert. Sein nächstes Berufsziel ist, Löschmeister zu werden. Ihm fehlt nur mehr ein Kurs. "Das Lernen ist bei einem 24-Stunden-Dienst hart, denn bei der Menge an verlangtem Wissen muss ich auch an meinen freien Tagen lernen."

Immer im Team

In der Feuerwehrzentrale leisten täglich 100 Feuerwehrkräfte, darunter auch einige Frauen, ihren 24-Stunden-Dienst. Übergabe ist zwischen 6 und 7 Uhr. "Erst wenn ich meinen Kollegen ablöse, darf er gehen." Bereits davor richtet Herbert Kurzreiter seine Einsatzmontur in der Fahrzeughalle her. "Ich muss ab der ersten Sekunde bereit für den Einsatz sein. Ich weiß nie, wann es losgeht."

Die Einsatzkleidung muss bereits vor Dienstbeginn hergerichtet sein. © PID/Christian Jobst

Die Stiefel stecken bereits in der vorbereiteten Überhose, Jacke, Helm und Handschuhe hängen gleich daneben. Jeder ist am Dienstplan einem Wagen zugeordnet. Immer sechs Personen pro Wagen. Gemeinsam erledigen sie in der Früh am Feuerwehrwagen Wartungs-, Vorbereitungs- und Kontrollarbeiten. Ein Mal in der Woche steht eine intensivere Kontrolle am Programm. "Da werden ausnahmslos alle Geräte - von Atemschutz über Motorkettensäge bis Pumpen - in Betrieb genommen und auch gereinigt."

Einsätze schweißen zusammen

Rund 1.000 Anrufe gehen in der Zentrale pro Tag ein. Das führt zu über 90 Einsätzen in Wien. Einige sind überaus gefährlich. So wie in den frühen Morgenstunden, als eine Explosion in einem Wohnhaus in Hernals ein Brandinferno auslöste. Dabei gab es einen Toten und mehrere Schwerverletzte.

Auf einem Feuerwehrwagen sind immer 6er-Teams im Einsatz. © PID/Christian Jobst

Die Gefahr ist ein täglicher Begleiter von Herbert Kurzreiter. "Jeder hat Respekt vor der Gefahr. Doch da wir immer zu sechst auf einem Feuerwehrwagen sind, bin ich im Einsatz nie alleine. Ich habe immer einen hinter mir stehen. Wenn der sieht, dass ich Unterstützung brauche, hilft er mir damit ich weiterkomme. Oder umgekehrt: Wenn ich merke, dass einer im Einsatz unsicher ist, stelle ich mich vor ihn hin."

Teamgeist ist das A und O

Besondere Einsätze schweißen zusammen. Auf dem Weg zum Mittagessen erzählt Herbert Kurzreiter ein für ihn unvergessliches Erlebnis.

"Vor fünf Jahren gab es einen Wohnhausbrand in der Gumpendorfer Straße. Als wir mit dem Schlauch zum Brandort eilten, ist irgendwo im Haus eine Fensterscheibe geborsten. Die plötzliche Luftzufuhr löste eine Explosion aus. Und uns ist eine aus den Angeln gerissene Tür entgegengeflogen."

Natürlich gibt es auch harmlose Aufträge. Herbert Kurzreiter hat auch schon verängstige Katzen von Baumwipfeln gerettet. "Solche Einsätze mag ich nicht besonders. Denn die Katzen sind undankbar", sagt er grinsend. Feuerwehleute versorgen sich selbst. In der Kantine sitzen schon ein paar Kolleginnen und Kollegen. Es gibt Lasagne. 

Herbert Kurzreiter hat bei der Feuerwehr kochen gelernt. © PID/Christian Jobst

Die Portionen fallen mehr als üppig aus. Herbert Kurzreiter hat dafür eine simple Erklärung. "In diesem Beruf weißt du nie, wann du das nächste Essen bekommst." Essen ist Gemeinschaftssache. Zwar hat die Zentralwache einen ausgezeichneten Küchenchef, aber ein wechselndes Team von Freiwilligen hilft ihm. "Wenn ich im 24-Stunden-Dienst Zeit finde, arbeite ich in der Küche mit." Das hat ihm nicht geschadet. "Alle lernen bei der Feuerwehr kochen. Aber es ist komplett anders als zu Hause. Denn im Dienst sind es rund 130 Portionen." Seine Spezialität sind Ripperl und Schweinsbraten. Das schätzt auch seine Frau. Durch den Schichtdienst ist er jeden zweiten Tag zu Hause, und kann auch im Haushalt helfen.

Es kann aber auch passieren, dass die Küche kalt bleibt. Denn auch der Küchenchef ist zu allererst Feuerwehrmann und muss genauso ausrücken. Jedoch sind er und seine Kollegen das letzte Team am Dienstplan. Die Feuerwehrleute versorgen sich selbst.

Die Gründe liegen auf der Hand. Ein Catering birgt immer die Gefahr, dass bei fehlerhafter Zubereitung der Speisen plötzlich die Mannschaft einer gesamten Wache ausfällt. Oder bei einem lange andauernden Einsatz in der Nacht muss die Mannschaft vor Ort verpflegt werden können. Da darf man sich nicht auf externe Zulieferer verlassen. 

Nach dem Essen ist vor dem Essen. Herbert Kurzreiter beweist seine Teamqualitäten in der Küche. Kartoffelschälen. "Ich mache Arbeiten von alleine, die andere nicht immer gerne machen. Ich mach eigentlich alles mit einer gewissen Leidenschaft. Ich liebe meinen Job." 

Der Schmäh rennt. Auch Herbert Kurzreiter bekommt sein Fett weg. "Da man nicht nur schöne Erlebnisse im Dienst hat, hilft der Schmäh untereinander. Wir sind hundert Leute auf der Wache, nicht immer dieselben arbeiten im Schichtdienst. Mit 30 Leuten habe ich täglich intensiver zu tun. Und da ist der Teamgeist super."

Hobby Freiwillige Feuerwehr

Herbert Kurzreiter muss noch drei Mal raus. Er hat heute keine Zeit, in der Bibliothek für seine Prüfung zu lernen. Der Einsatz nach Mitternacht stellt sich als Fehlalarm heraus. 

Die Bergeschere kommt etwa bei Autounfällen zum Einsatz. © PID/Christian Jobst

Trotzdem müssen die Feuerwehrleute ausrücken, um sich vor Ort selbst ein Bild zu machen. Mit dem Schlafmangel kann Herbert Kurzreiter umgehen. "Wenn ich abschalte, reichen mir an einem freien Tag fünf Stunden Schlaf." Zum Entspannen bastelt er gerne. Er hat Tischler gelernt. In zwei Stunden wird er abgelöst und kann nach Hause nach Retz fahren. "Am Nachmittag schaue ich dann bei der Freiwilligen Feuerwehr vorbei." Er kann nicht anders. Herbert Kurzreiter ist Oberfeuerwehrmann aus Leidenschaft. Ein Feuerwehrmann mit Leib und Seele.

Video: Feuerwehr Am Hof

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