Werkmeister Christian Bachtrod von der MA 29 (Brückenbau und Grundbau) im Unterbau der Friedensbrücke. Die Brücke zwischen dem Alsergrund und der Brigittenau wird aktuell in Stand gesetzt. © PID/Christian Fürthner

Ein Tag unter BrückenbauerInnen: Gegen den Zahn der Zeit

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. CLUB WIEN begleitet Werkmeister Christian Bachtrod einen Tag lang bei der Arbeit. Er und seine KollegInnen von der MA 29 – Brückenbau und Grundbau halten Wiens Brücken in Schuss.

Sommerlicher Morgenverkehr auf der Friedensbrücke über den Donaukanal im 9. Bezirk. Motorengeheul, Hupen, der übliche Straßenlärm. Darunter: das laute Brummen und Zischen eines Sandstrahlers im Industrieformat, der seine Arbeit verrichtet.  Bereits seit Tagen werden dort jene Stellen der Friedensbrücke mit Hochdruck gereinigt, die der Zahn der Zeit in rotbraunen Rost verwandelt hat.

Christian Bachtrod neben dem Staubsack des Hochdrucksandstrahlers beim Einstieg zur Friedensbrücke. © PID/Christian Fürthner

Brückenbau-Experte der MA 29 und Werkmeister für Hoch- und Tiefbau Christian Bachtrod möchte sich selbst ein Bild vom Fortschritt der Arbeiten machen. Er schlüpft in seine orange-gelbe Schutzkleidung mit Reflektor-Streifen und klettert über ein Metallgitter in das enge, dunkle Innere des Bauwerks. Platz- oder Höhenangst zwischen den mächtigen Stahlträgern kennt er nicht.

Einige Radfahrerinnen und Radfahrer fahren am Donaukanal-Radweg unter der Brücke durch, ohne die Baustelle über ihren Köpfen zu bemerken. Nach wenigen Minuten steigt Christian Bachtrod völlig verschwitzt aus dem Bauch des der Brücke. Er fährt sich durch sein angegrautes, kinnlanges Haar und lacht. "Eine Affenhitze. Und eine furchtbar staubige Angelegenheit."

Im Bauch der Friedensbrücke achtet Christian Bachtrod auf jedes Detail. Er untersucht den Innenraum auf Beschädigungen in Form von Rissen oder Roststellen. © PID/Christian Fürthner

Wartung und Instandhaltung

Christian Bachtrod ist sichtlich zufrieden mit den Arbeiten. Alles läuft wie geplant. Rost und Schmutz sind fast restlos entfernt, schon bald kann der neue Korrosionsschutz aufgetragen werden. Dieser schützt den Stahl gegen Wind, Wasser und andere Naturgewalten. Nach diesen Arbeiten ist die Brücke wieder instandgesetzt. Der erfahrene Werkmeister, der seit 1995 bei der MA 29 ist, legt die orange Schutzjacke ab, klopft sie ab und verstaut sie im Auto. Die gelbe Überhose lässt er an.

Die MA 29 kümmert sich um mehr als 820 Brücken in Wien. Dazu zählen auch 60 Kilometer Stützwände, drei Kilometer Lärmschutzwände und sogenannte Schilderbrücken, die auf Hauptverkehrsrouten den Weg weisen. "Ich glaube, ich habe sie alle schon gesehen", sagt er. Außerdem sind da noch die 26 "Sonderobjekte": zum Beispiel das große Zeltdach der Hauptbibliothek am Urban-Loritz-Platz oder die denkmalgeschützte Strudlhofstiege.

Die Auftragsvergabe zur Entfernung von Graffiti gehört auch zu den Aufgaben von Christian Bachtrod. © PID/Christian Fürthner

Lehre statt Fußball-Kariere

Es geht weiter in Richtung Hütteldorf, und zwar zur Auhofbrücke, die den Wienfluss überspannt. Schon früher war Christian Bachtrod regelmäßig in Hütteldorf: In seiner Jugend hat er nämlich für Rapid Wien gespielt. Er war mit Vereinslegende Rudi Weinhofer bei den Junioren und der U21 in derselben Mannschaft. Für die große Fußballkarriere hat es nicht gereicht, er bereut das aber keineswegs: "Ich bin in meinem Job sehr glücklich. Das können nicht viele sagen." Zur Stadt Wien kam Christian im Jahr 1978. Er absolvierte eine Lehre als Bautechnischer Zeichner und half beim Bau vieler U-Bahn-Stationen mit. Später machte er den Werkmeister für Hoch- und Tiefbau. Dass er einmal bei der MA 29 anheuern würde, war so gar nicht geplant, sagt Christian. Die Abteilung suchte gerade Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Christian nutzte die Chance und hat sich beworben. 

Das ist rückblickend für den Floridsdorfer ein Glücksfall. An seinem Job liebt er vor allem die Abwechslung: "Ich bin bei einem Brückenprojekt immer vom Anfang bis zum Ende dabei. Von der Schadensmeldung bis zur endgültigen Instandsetzung. Und zu sehen, dass etwas durch meine Arbeit fertig wird, bereitet mir immer noch große Freude und Genugtuung."

Unterwegs im Auftrag der Stadt

Heute ist auf Wiens Straßen weniger Verkehr – ein Umstand, der für Christian Bachtrod angenehm ist, denn zwei Drittel seiner Arbeitszeit verbringt er am Steuer. Täglich legt er mit dem Auto bis zu 60 Kilometer zurück. Vorteil des vielen Fahrens: Mittlerweile ist er "Experte für Schleichwege": "Ich könnte locker den Taxischein machen", ist er überzeugt.

Seine Arbeit beginnt er immer um sechs Uhr früh beim Brückeneinsatzzentrum der MA 29 in Grinzing. "Ich bin ein Morgenmensch und schon hellwach bei der morgendlichen Besprechung. Da erörtern wir den Tagesablauf, die speziellen Probleme auf den Baustellen." Nach der Sitzung legt er seine heutige Baustellen-Route fest. Diese bleibt aber nicht immer so, wie Christian Bachtrod sie geplant hatte. Wenn es einen akuten Schaden gibt, muss er seine Tour unterbrechen und die betroffene Brücke überprüfen. Zu den dringlicheren Schäden zählen etwa Korrosion an einem Stahlträger oder Frostschäden am Beton. Auch brüchige Holzgeländer müssen im Sinne der Sicherheit rasch ausgetauscht werden.

Am Unterbau der Friedensbrücke befinden sich Graffitis. Es gehört zu den Aufgaben der MA 29, diese zu entfernen. © PID/Christian Fürthner

Christian Bachtrod wechselt den Gang und beschleunigt sanft den Dienstwagen. "Die größte Herausforderung bei meiner Arbeit ist, dass ich mir ständig viele Gedanken machen muss – über die Abwicklung des Baus, damit das Vorhaben kostengünstig bleibt, schnell erledigt ist und trotzdem die gewünschte Qualität hat." Sein Betätigungsfeld ist breit, die Herausforderungen sind groß und schnelle Lösungen gefragt. "Das braucht Kreativität, Flexibilität, Sachverständnis und Entscheidungsfreudigkeit." Sowie eine gute Menschenkenntnis. Denn Christian Bachtrod hat mit vielen Menschen zu tun, egal ob Kollegenschaft oder von externen Firmen. "Kommunikation ist mein Schlüssel zum Erfolg. Ich finde schnell zu allen einen guten Zugang." Der erfahrene Werkmeister pflegt stets einen kollegialen, respektvollen Ton.

Paradies für Schlangen

Der 55-jährige Brückenbauer biegt beim Wienflussweg links ab. Idyllisch liegt die Auhofbrücke in einer üppigen Wildnis. "Jetzt, im Sommer, ist das ein Paradies für Schlangen. Die Arbeiter haben mir von Nattern von fast zwei Metern erzählt." Einer von ihnen steht auf einem riesigen Netz mit Alurahmen. Das hängt von der Brücke herab. Ein fixes Gerüst wäre auf diesem schwer zugänglichen Flussgelände ständig durch Hochwasser bedroht. Christian klettert zu ihm hinunter, um mit ihm die weiteren Arbeiten an der Brücke zu besprechen. Die Schweißarbeiten an der Unterseite der Brücke sind bereits erledigt. Es stehen noch Arbeiten zum Korrosionsschutz aus.

Christian Bachtrod bei der Auhofbrücke. Hinter ihm ist ein Hängenetz das als Gerüst dient, zu sehen. Es kann bei Hochwasser schnell hochgezogen werden. © PID/Christian Fürthner

Vorteil durch Technik

Danach lässt er sich von einem anderen Arbeiter mit einer Hebebühne über die Brücke bugsieren. Dort überprüft er mit einem Messgerät die Stärke des grünen Korrosionsschutzes. Das geht ganz einfach: Er muss nur den Sensor des Geräts an den Stahl der Brücke halten, und das Gerät gibt auf der digitalen Anzeige die Dicke der Schutzschicht an. "180 Mikrometer dick muss die Schutzschicht sein." Das entspricht einer Stärke von rund 0,2 Millimetern. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist durchschnittlich vier Mal dünner.

Der Werkmeister misst die Stärke des Korrosionsschutzes der Auhofbrücke. Ist er nicht mehr dick genug, muss nachgebessert werden. © PID/Christian Fürthner

Die Arbeit hat sich für Christian im Laufe der Jahre durch die technische Entwicklung stark verändert. "Vieles geht mit Hilfe digitaler Geräte viel effizienter und schneller. Jetzt kann ich viele Baustellen zur selben Zeit betreuen." Mit dem Handy ist er überall erreichbar. Und mit dem Smartphone kann er von einem Schaden Bilder machen und sie schnell an Kolleginnen und Kollegen verschicken. Denn Fotos verdeutlichen ein Problem oft besser als ein noch so ausführlicher Bericht.

Das Handy klingelt. Christian soll zur Kielmannseggbrücke kommen. Sie ist ganz in der Nähe der Auhofbrücke. Seine Expertise ist dringend gefragt. Er muss die Qualität der Schweißarbeiten kontrollieren. Auf der Brücke angekommen, beugt sich Bachtrod zu einem Arbeiter hinunter, der beim Pfeiler der Brücke wartet. Der Zugang zur Baustelle ist nicht klar ersichtlich. Der Werkmeister fragt den Arbeiter: Es gibt zwei Möglichkeiten, durch das knietiefe Wasser oder einige Hundert Meter weiter über einen schlecht befestigten Uferweg. Christian wählt die trockene Variante.

Korrosion: der Feind der BrückenbauerInnen. Christian Bachtrod bespricht sich mit dem Arbeiter vor Ort, welche Teile erneuert werden müssen. © PID/Christian Fürthner

"Bei einer Brücke, die über einen Bach führt, haben wir stets mit der MA 45, Wiener Gewässer, zu tun. Sie hilft uns etwa bei schwierigem Gelände, damit wir mit dem Klein-Lkw das schwere Gerät, wie etwa Schweißtechnik, unter die Brücke bringen können." Was die MA 45 zum Beispiel tun kann, ist Erde aufzuschütten, um eine ebene Fahrbahn zu gewährleisten.

Manchmal muss der optimale Zugang zur Brücke erst gesucht werden. Hier ist ein Uferweg die beste Lösung. Darauf parkt Christian Bachtrods Auto. © PID/Christian Fürthner

Fitness ist gefragt

Christian steigt über eine Leiter auf den Brückenpfeiler, um die Schweißarbeit zu begutachten. Der Aufstieg dorthin ist für den Sportfan ein Kinderspiel: "Eine gewisse Grundfitness braucht man für diesen Job schon. Ich spiele zum Beispiel gerne Tennis und mache generell viel Sport. Am liebsten in der Gruppe, alleine finde ich es langweilig." Eine Brücke brachte aber auch ihn an seine Grenzen: "Auch wenn man es nicht glaubt: der komplizierteste Zugang zu einer Baustelle war, der zur Hohen Brücke über den Tiefen Graben bei der Wipplingerstraße. Da steigt man über einen Rollladen ein und kriecht auf dem Bauch auf Holzpfosten in das tatsächliche Tragwerk."

Christian Bachtrod und ein Arbeiter bei Schweißarbeiten an der Kielmannseggbrücke. © PID/Christian Fürthner

Christian Bachtrod hat die Schweißarbeit kontrolliert und noch die Aufgaben der nächsten Tage mit dem Vorarbeiter besprochen. Dann fährt er zurück zum Stützpunkt, doch sein Arbeitstag ist noch nicht vorbei. Das Protokollieren steht an, und die Berichte brauchen ihre Zeit. "Sie sind für die Transparenz jedoch von großer Bedeutung. Jeder Schritt muss nachvollziehbar sein." Er setzt seine Brille auf und beginnt zu tippen, bis sein Dienst um 16 Uhr endet. Seinen Feierabend verbringt er zwar nicht mehr aktiv auf dem Fußballplatz, aber dennoch gern mit seinem Lieblingshobby: "Am Wochenende spielt Rapid, das schau ich mir im Fernsehen an."

Christian Bachtrod beim Berichte schreiben nach der Baustellen-Tour vor seinem Arbeits-PC. © PID/Christian Fürthner

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