Hans Horvath ist Brandschutzbeauftragter von Wien Kanal und weiß, wo etwaige Brandherde lauern. © PID/Markus Wache

 

Ein Tag unter Brandschutzbeauftragten von Wien Kanal: "Die Feuerlöscher müssen funktionieren"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. CLUB WIEN hat den Wien Kanal-Brandschutzbeauftragten Hans Horvath bei der Arbeit begleitet. Er erarbeitet Fluchtwege und sorgt dafür, dass Brände im Kanal gar nicht erst entstehen können.

Schauplatz Girardipark beim Karlsplatz, Eingang zur heuer aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht mehr stattfindenden "Dritte Mann Tour" im Kanal. Hans Horvath hält ein Gerät in der Hand, das ähnlich wie ein altes Handy aussieht. Es piepst lautstark. Sehr laut sogar. Und das ist gut so, denn wenn der Apparat unten im Kanal tatsächlich anschlägt, muss er auch an der Oberfläche gut zu hören sein. "Eines unserer wichtigsten Teile ist dieses mobile Gasspürgerät", verrät Hans.

Gasspürgerät im Einsatz

Im Moment bedeutet das besagte laute Piepsen lediglich, dass das Gasspürgerät in Betrieb genommen und eingemessen wurde. Sobald es aufgehört hat, vor sich hin zu pfeifen, kann es von der Partie, die gerade im Einsatz ist, mit einem Strick in den geöffneten Schacht an die Oberfläche des Kanals hinuntergelassen werden. "Der Strick wird eine halbe Minute unten gelassen, um die dortige Atmosphäre zu messen", sagt Hans. "Ist der Kanal 'befahrbar', also begehbar, geht die Partie runter. Zwei Personen müssen unten, eine muss oben sein. Wenn etwas passieren sollte, kann die Erste die unten retten. Der oder die Erste führt immer das Gasspürgerät mit sich an seinem Gurt." Wer dabei an die Praxis denkt, einen Weinkeller mit einer brennenden Kerze zu betreten, um sicherzugehen, keinen Gärgasen ausgeliefert zu sein, liegt nicht falsch.

 

Warum uns Hans Horvath das so ausführlich erklärt, bevor wir uns sieben Meter in die Tiefe begeben? Er ist Brandschutzbeauftragter von Wien Kanal. Als solcher arbeitet er unter anderem die für Wien Kanal geltenden Brandschutzordnungen aus. "Dabei wird auf jedes Objekt mit den jeweiligen Begebenheiten eigens eingegangen", erklärt er. "Es sind Maßnahmen wie Fluchtwege für den Brandfall zu planen. Betreut werden neben der Zentrale und den Außenstellen auch unsere Schlosserei, die KFZ-Werkstätte und die 100 Pumpwerke die wir haben".

Eine besonders sensible Arbeitsstelle unter Tag sind die Schotterfänge. Sie dienen dazu, dass sich mitschwimmendes Material gezielt in Gruben absetzt. Das geschieht, in dem das Abwasser langsamer über diese Stellen fliest und sich so Schotter, Sand und grobes organisches Material in den Vertiefungen sammelt. Wird so ein Schotterfang ausgeräumt, können gefährliche Gärgase austreten. Davor werden die Kanalarbeiter durch das Gaswarngerät geschützt.

Lebensrettender Sauerstoff

Feuerwehrpläne befinden sich zum Beispiel bei der "Dritten Mann Tour" zu ebener Erde, noch vor dem unter einem Sterndeckel verborgenen Eingang. Bevor sie den Kanal betreten, müssen sich Hans Horvaths Kolleginnen und Kollegen vergewissern, dass auch das nächste Schachtgitter frei und nicht etwa zugeparkt ist. Sollte es zu einer Gasentwicklung oder einem Brand kommen, müssen sie auf diesem Weg ins Freie gelangen können. "Zusätzlich wird den Arbeiterinnen und Arbeitern seit zwei Jahren ein Sauerstoffselbstretter vorgeschrieben. Sobald jemand in einen Kanal einsteigt und sich mehr als zehn Meter vom Gitter wegbewegt, muss sie oder er diesen Sauerstoffselbstretter mit sich führen. Der wiegt fast drei Kilogramm, kann für die Flucht aus dem Kanal aber lebensrettend sein." Schließlich versorgt das Gerät einen Menschen mindestens eine halbe Stunde lang mit Sauerstoff.

Für die "Dritte Mann Tour" gibt es einen eigenen Schaltkasten für Lautsprecher, Licht und Notbeleuchtung. "Das ist die einzige Brandlast, die einzige brennbare Gefahrenquelle,  die wir hier haben, es ist ja doch ein technischer Raum. Deswegen gibt es hier einen Rauchmelder. Dieser ist so laut, dass er oben gehört wird. Fängt es hier an zu brennen, kann man über den Wienfluss flüchten."

Hans Horvath ist 1989 als Bauwerkmeister zu Wien Kanal gekommen und seit zehn Jahren hauptberuflich der einzige Brandschutzbeauftragte. Außerdem ist er Ansprechpartner für die Feuerwehr Wien und Katastrophenschutzbeauftragter. Sämtliche Brandschutzordnungen und Richtlinien wurden von ihm ausgearbeitet. "In der Früh plane ich meinen Einsatz durch. Ich weiß, wo ich hinfahre und schau mir dort die Gegebenheiten an. Ob das Gefahrenstofflager in Ordnung ist, ob Brandschutztüren versperrt, verkeilt sind oder reibungslos arbeiten, ob die Brandmeldeanlagen funktionieren."

Normen und Standards

Bei Hans' Arbeit sind Normen und Standards von großer Bedeutung. Das fängt beim Gasspürgerät an und hört bei der Schutzbekleidung nicht auf. Zum Tragen kommen dabei diverse ÖNORMEN und die Kriterien von Austrian Standards. Austrian Standards ist die österreichische Organisation für Standardisierung und Innovation, die heuer ihren 100. Geburtstag feiert. Begangen wird das mit einer Ausstellung, deren Besuch sich lohnt - unter Einhaltung der Corona-Regelungen, versteht sich. "Normen sind dafür wichtig, dass man einheitliche Richtlinien hat", so Hans. "Sie gewährleisten auch die Qualität einzelner Dinge. Ich sage bewusst 'Dinge', es ist nämlich so ziemlich alles genormt: Von einer Schraube über ein Kabel bis hin zu einer komplexen Brandmeldeanlage unterliegt alles einer Norm."

In den Kanälen selbst hat es noch nie gebrannt. Aber Wien Kanal hat ja auch viele andere Betriebsstätten. "In anderen Betriebsgebäuden ist es sehr wohl zu Kleinbränden gekommen, Fahrzeugbrände hatten wir auch schon." Sie alle sind gut gehandhabt worden und glimpflich ausgegangen.

Abwasser durchs Pumpwerk Donauinsel

Szenenwechsel. Wir begleiten Hans zum Pumpwerk Donauinsel im 22. Bezirk. Von der imposanten Leitwarte aus wird die gesamte Kanalnetzbewirtschaftung gesteuert und überwacht, und das rund um die Uhr. "Die gesamten Abwässer vom 21. und 22. Bezirk sowie von Langenzersdorf, Strebersdorf und Gerasdorf werden hierhergepumpt, mit Pumpenleistung unter der Donau durchbefördert und fließen in die Kläranlage", erklärt Hans. "Das passiert alles durch zwei Röhren. Dabei ist eine immer durchflossen, die andere frei und entlastet." In der Mitte dieser Röhren, die von einer großen Röhre mit etwa zwei Metern Durchmesser umgeben ist, befindet man sich 13 Meter unter der Donausohle. Die gesamte Röhrenlänge beträgt dabei etwa 500 Meter, man kann also unter der Donau durchmarschieren. Geschützt wird man von Wänden aus 60 Zentimeter starkem Beton.

1974 errichtet, wurden hier erst 2017 sämtliche Brandschutzmaßnahmen runderneuert. Durch die große Röhre fließen Abwasser, Trinkwasser, Starkstrom und Lichtwellen. In regelmäßigen Abständen befinden sich Feuerlöscher, die mindestens alle zwei Jahre kontrolliert werden. Im gesamten Pumpwerk gibt es naturgemäß viele Kabel. "Deswegen haben wir zusätzlich ein Wärmedifferentialmeldekabel eingebaut", erläutert Hans. "Das bedeutet: Alle sieben Meter befindet sich ein Chip, der die Temperatur misst. Käme es abrupt zu einem Temperaturunterschied, meldet das dieses Kabel an die Brandmeldeanlage und diese schlägt Alarm. Das haben wir deswegen so gemacht, weil es hier immer wieder zu Feuchtigkeit kommt und normale Melder korrodiert sind." Ein weiteres Mittel, um einen Brand wegen eines Blitzes durch Überspannung der Kabel zu verhindern: Sie wurden in eine Folienmatte eingepackt, die bei Hitze aufquillt und einen Schaum bildet. Auch sie ziehen sich in einer Betonröhre unter der Donau durch.

Vom Feuerwehrkommandanten zum Brandschutzbeauftragten

Hans weiß genau, was er als Brandschutzbeauftragter tut. Doch wie ist er eigentlich dazu gekommen? "Brandschutzbeauftragte oder -beauftragter wird man, wenn man etwa einen Feuerwehrhintergrund hat. Bei mir hat das zugetroffen", verrät Hans. "Ich bin bis vor einem Jahr Kommandant einer Freiwilligen Feuerwehr gewesen. Über die Jahre habe ich natürlich immer wieder Kurse gemacht und Vorträge besucht." Sein Wissen zum "Befahren von Behältern", also dem Arbeiten im Kanal, gibt er in Form von praktischen Unterweisungen ein Mal im Jahr an Kolleginnen und Kollegen weiter. "Das sind Trainerinnen und Trainer, die wiederum andere unterweisen. Wir haben 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das würde ich alleine nicht schaffen. Aber die normale Brandschutzunterweisung mache ich in jedem Betrieb, in jeder Außenstelle mit praktischer Löschübung. Dabei wird die Handhabung der Feuerlöscher geübt." Hans Horvath ist jedenfalls immer mit Feuer und Flamme bei der Arbeit.