Alles im Blick: Norbert Bogner ist Baustellenaufseher von Wiener Wasser und dafür verantwortlich, dass 110 Jahre alte Rohre ordnungsgemäß ausgetauscht werden. © PID/Markus Wache

 

Ein Tag unter BaustellenaufseherInnen von Wiener Wasser: "Wir schauen, dass es immer Wasser gibt"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. CLUB WIEN hat Norbert Bogner von Wiener Wasser bei der Arbeit begleitet. Als Baustellenaufseher sorgt er dafür, dass alle Wiener Haushalte mit Wasser versorgt sind.

Dass das Wasser nicht einfach aus dem Wasserhahn kommt, sondern einen weiten Weg hinter sich hat, lernen Wiener Kinder schon in der Volksschule. Die Stadt wird bekanntlich flächendeckend mit kristallklarem Nass aus den Alpen versorgt. Dabei findet es seinen Weg über die I. und II. Hochquellenleitung in die Stadt und von dort in einen von 32 Wasserbehältern. Zu guter Letzt strömt es durch ein 3.000 Kilometer langes Rohrnetz und wird in weiterer Folge in die Haushalte verteilt.

Bis zu 110 Jahre alte Rohre

Dieses Rohrnetz muss mit der Zeit freilich erneuert werden. In Wien-Döbling ist zwischen Pötzleindsdorfer Straße und Peter-Jordan-Straße deshalb die Ludwiggasse derzeit aufgegraben - eine Großbaustelle. "Die alten Rohre sind aus dem Jahre 1910, also 110 Jahre alt. Doch schon ein bisserl ein Alter", erklärt Norbert Bogner, Baustellenaufsicht bei Wiener Wasser und einer der Oberaufseher für den 18. und 19. Bezirk, warum die Straße hier überhaupt geöffnet wurde. "Das neue Rohr soll die Arbeit des bestehenden übernehmen. Während das alte also noch Wasser führt, wird das neue verlegt. Die große Herausforderung besteht darin, das neue Rohr einzusetzen, ohne dass das alte beschädigt wird. Man benötigt eine doppelt so breite Trasse für die beiden Rohre. Die Künette, also die Baugrube, ist zweieinhalb Meter breit und bis zu gut viereinhalb Meter tief."

 

Der Bereich, in dem trotz leichten Regens gerade fleißig gearbeitet wird, ist nur ein Abschnitt eines größeren Projekts. Immerhin wird hier die dritte Hauptleitung neu gelegt. "Das betrifft den Bereich von der Wurzingergasse über die Pötzleinsdorfer Straße, dann in die Ludwiggasse nach oben über das Plateau. Darauf folgt die ganze Glanzinggasse bis zur Krottenbachstraße. Den jetzigen Abschnitt nennen wir Ring vier. Dann wird mit Ring drei und Ring fünf gearbeitet. Es soll wieder ein geschlossenes System werden", so Norbert Bogner. "Wir arbeiten nicht chronologisch die Abschnitte eins, zwei, drei, vier ab. Wir haben im August mit Ring vier angefangen, weil er der schwierigste, der arbeitsintensivste ist." Schwierig und arbeitsintensiv deshalb, weil dazwischen besagte Ludwiggasse liegt, eine von vielen extrem steilen Gassen im 19. Bezirk. Fertig soll dieser vierte Abschnitt voraussichtlich Ende Mai 2021 sein.

Große Rohre in patentiertem Blau

Verzögerungen gibt es nur durch schlechte Wetterbedingungen, etwa wenn es zu starkem Dauerregen kommt. "Wenn das Material aufweicht, kann das dazu führen, dass sich Teile lösen. Um dem entgegenzuwirken, wird dann ein Baustopp verhängt. Wenn das Material hingegen im Winter gefroren ist, muss man im Winter mit den entsprechenden Maschinen arbeiten."

Die verlegten Rohre selbst gehören mit einem Durchmesser von 700 Millimeter zu den ganz großen, die innerhalb der Stadt verlegt werden. Das Wasser beziehen sie aus den Wasserbehältern in der Czartoryskigasse am Schafberg und am Hungerberg. Gefertigt werden die in patentiertem Blau gehaltenen Rohre aus Sphäroguss in Tirol. Das ist ein sehr hartes, aber dennoch flexibles Material, innen verfügt es über einen Mörtelmantel. So kommt das Wasser nie wirklich mit Metall in Berührung. Das Ganze ist natürlich rostfrei und steril.

Seit einem Vierteljahrhundert bei Wiener Wasser

"Im Verhältnis zu anderen Baustellen ist diese hier mächtig. Schon allein von den Rohren her. Ein 700er-Rohr zu verlegen, zu überwachen, zu betreuen, das ist nichts Alltägliches", erzählt Norbert Bogner. Großbaustellen hat er schon einige betreuen dürfen, etwa die in der Währinger Straße oder diverse am Gürtel. Bei Wiener Wasser, der MA 31, ist er seit 1994, seit über einem Vierteljahrhundert. "Ich habe Installateur gelernt, dann die Werkmeisterschule absolviert und mich daraufhin bei der MA 31 beworben, wo ich sehr schnell genommen wurde."

Norbert Bogner ist ein Frühaufsteher, um halb sechs beginnt er im Büro in der Hardtgasse im 19. Bezirk, wo er Papierkram erledigt. "Von dort aus geht es um sieben zur Baustelle, wo ich normalerweise zuerst eine Begehung mache, ob alles in Ordnung ist. Dann widme ich mich im Container weiteren Schreibarbeiten: Was war am Vortag, was ist mir aufgefallen, gibt es Beanstandungen, haben sich Leute aufgeregt? Dann das, was den ganzen Tag so anfällt: Gespräche mit Anrainerinnen und Anrainern, den Wiener Linien, E-Werken, Wiener Netzen, diversen anderen Stellen. Es ist den ganzen Tag etwas los."

Sterile Materialien für sauberes Wasser

Die ersten Rohre wurden schon verlegt, fürs Erste wurden 200 Stück in unterschiedlichen Längen bestellt, es sollen aber noch mehr werden. Das Wasser, das durch die Leitungen geführt wird, muss natürlich stets klinisch sauber sein. Dementsprechend wird nur mit sterilen Materialien gearbeitet. "Jedes Rohr hat auf beiden Seiten eine Abdeckung. Dann wird das Rohr abgesenkt und erst kurz vor der Verbindung wird der Deckel abgenommen. So kommen keine Verunreinigungen ins Rohr. Wenn das Rohr fix und fertig verbunden ist, wird es gespült und mit Wasserstoff gereinigt." Auch eine Wasserprobe wird genommen und im hauseigenen Labor untersucht, um zu gewährleisten, dass es frei von Bakterien und Keimen ist.

Bei einer Baustelle dieser Größenordnung spielen Standards und Normen selbstverständlich eine große Rolle. Zum Tragen kommen dabei diverse ÖNORMEN und die Kriterien von Austrian Standards. Austrian Standards ist die österreichische Organisation für Standardisierung und Innovation, die heuer ihren 100. Geburtstag feiert. "Standards sind insofern sehr wichtig, da die Arbeiten schnell gehen sollen", so Norbert Bogner. "Man braucht immer dieselben Dimensionen und dieselben Materialien. Da ist es auch wichtig, dass man einen gewissen Ablauf der Arbeit intus hat."

Nächtliche Grabungen unter Gleisen

Zu geregelten Abläufen gehört auch, dass in der Nacht gearbeitet wird. Im Fall der Pötzleinsdorfer Straße, in der die Straßenbahnlinie 41 unterwegs ist, müssen die Rohre unter die Gleise gezogen werden. "Unter den Straßenbahngleisen wird in der Nacht gegraben. Zunächst werden Vollschutzrohre aus isoliertem Stahl verlegt, durch die dann die Wasserrohre durchgezogen werden", so Norbert Bogner. "Die unterirdische Grabung passiert nur in der betriebslosen Zeit, also zwischen 1 und 5 Uhr. Das sind nur vier Stunden, dafür sind mehrere Nächte notwendig." Notwendig sind auch Sperren des Wasserzugangs. Norbert Bogner beruhigt: "Niemandem wird auf die komplette Bauzeit das Wasser abgedreht, nur stundenweise, maximal tageweise. Man versucht das so zu koordinieren, dass die Zeit der Sperre so kurz wie möglich ist."

Norbert Bogners Arbeit ist letztlich auf Nachhaltigkeit und vorausschauendes Handeln ausgerichtet. "Für die Zukunft gesehen ist unser Job für die Grundversorgung mit Wasser sehr wichtig. Wien wird immer größer, es werden immer mehr Leute. Im Zuge dessen muss man natürlich schauen, dass die Wasserversorgung gewährleistet ist. Dafür wird auch diese Arbeit hier gemacht. Man schaut, dass nichts ins Stocken kommt, dass es immer Wasser gibt und dass die Versorgung auch dann gewährleistet ist, wenn es irgendwo zu einem Gebrechen kommt." Dementsprechend stolz ist er auf seine Arbeit: "Wenn man weiß, man macht etwas für viele, dann ist das ein gutes Gefühl. Und dass man bei einer Großbaustelle wie dieser sagen kann: Hier war auch ich dabei."