Bademeisterin Martina hat von ihrem Platz beim großen Becken alles gut im Blick. © Bohmann/Bubu Dujmic

Ein Tag unter BademeisterInnen: "Sekunden können entscheidend sein!"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten eine Bademeisterin. Sie sorgt für Sicherheit während die WienerInnen einen schönen Badetag genießen. Es heißt, aufpassen statt in der Sonne liegen!

Erste Sonnenstrahlen berühren die Wasseroberfläche. Das große Schwimmbecken des Laaerbergbades im zehnten Wiener Bezirk glänzt im Morgenlicht. Das liegt aber nicht nur an den günstigen Lichtverhältnissen. Schließlich wird es jeden Tag vor Öffnung gründlich geputzt. Ja, auch das gehört zum Job einer Bademeisterin, verrät uns die 38-jährige Martina. Sie ist eine der Saison-Bassinaufseherinnen in Wiens Sommerbädern.

Bereits um 7 Uhr früh hat es 25 Grad Celsius. Man spürt, dass es ein heißer Tag werden wird. "Das bedeutet viele Badegäste und natürlich wie immer maximale Konzentration für mich", erklärt Martina. Seit sechs Jahren sorgt sie in Wiens Bädern für Sicherheit und Ordnung. Im Winter gibt sie im Amalienbad zusätzlich Schwimmunterricht für Kinder. "Eine Aufgabe mit viel Verantwortung!"

Das Sportbecken des Laaerbergbades wartet frisch geputzt auf die ersten Badegäste. © Bohmann

Zwischen Putzschwamm und Trillerpfeife

Dienstbeginn ist zwei Stunden, bevor das Bad öffnet. Es ist eines von insgesamt 17 städtischen Sommerbädern in Wien und wird von der MA 44, Wiener Bäder verwaltet. Das Laaerbergbad möchte sich täglich von seiner besten Seite zeigen. Dafür muss einiges getan werden. "Zimperlich darf man in diesem Job nicht sein. Hier ist Hands-on-Mentalität gefragt", sagt Martina, während sie sich Latzhose und Gummistiefel überzieht. "Chic, nicht?", sagt sie. Auch wenn man sie nun für eine Gärtnerin halten könnte, so gehört dieses Outfit zum Alltag einer Bademeisterin.

Mit Schwamm und Putzkübel bewaffnet, geht es hinaus.

Beim putzen der Duschen überprüft Martina sie gleich auch auf ihre Funktionstüchtigkeit. © Bohmann/Bubu Dujmic

Besonders die Sanitäranlagen und vor allem die Duschen müssen gründlich geputzt werden. Aber nicht nur das. "Wir kontrollieren dabei auch die Funktionstüchtigkeit. Eine Duscharmatur im Freien muss einiges aushalten. Da kann es schon mal zu Verschleißerscheinungen kommen. Bemerken wir so etwas, wird das entsprechende Teil sofort ausgetauscht", erzählt Martina.

Lagebesprechung

Dass Martina nicht immer selbst zu Zange oder Schraubenzieher bei den Wartungsarbeiten greift, ist klar. "Man kann nicht alles können", lacht die junge Frau. Für die diversen Reparaturen gibt es in jedem Bad eigene Technikerinnen und Techniker." Die Bademeisterinnen und Bademeister arbeiten eng mit dem ganzen Team zusammen.

"Unser Hauptjob ist, die Augen offen zu halten. Und zwar in jeder Hinsicht. Bemerken wir zum Beispiel bei einem Kontrollgang einen kleinen Riss im Sprungbrett, wird das gleich an die Technik weitergegeben. Die überprüfen das dann genauer", erklärt Martina. Diese und weitere Beobachtungen werden im Rahmen kleiner Besprechungen festgehalten.

Bei den Besprechungen werden tagesaktuelle Aufgaben geklärt. © Bohmann/Bubu Dujmic

Vom kühlen Nass zum satten Grün

Das Laaerbergbad verfügt über einen großen Wiesenbereich. Auch Sportanlagen wie Fußball- oder Basketballplätze sind hier zu finden. Da reicht der kleine Handrasenmäher natürlich nicht aus. Mit schwerem Gerät wird jeder Winkel vorzeigbar gemacht. "Die Badegäste sollen sich ja wohlfühlen", sagt Martina. Mit den groben Garten- und Reinigungsarbeiten wird darum auch bereits im April begonnen. Das bedeutet, die Bademeisterin ist schon vor Saisonbeginn aktiv im Einsatz. "Da helfen alle mit", lacht sie.

Wieder umgezogen in klassisch weißer Bademeisterinnen- und Bademeister-Kluft, überprüft Martina zum Abschluss ihres morgendlichen Rundgangs noch die Filter in der Überlaufrinne der Becken. "Hier sammelt sich oft Gras von der Wiese. Aber auch Haargummis, Eispapierl oder Pflaster habe ich schon herausgefischt."

Die Filter der Überlaufrinne werden von Martina und ihrem Team täglich gereinigt. © Bohmann/Bubu Dujmic

Augen auf, Ohren auf

Tagsüber ist die Beckenaufsicht Martinas Hauptaufgabe. "Da müssen tausend Dinge beachtet werden. Zum Beispiel, ob kleine Kinder von den Eltern unbeaufsichtigt im Schwimmbecken spielen. Da kann schnell etwas passieren. Vor allem, wenn Kinder mit Schwimmreifen im Becken sind, ist Vorsicht geboten. Sie können leicht hindurchrutschen." Deshalb ist auch das Turmspringen mit Schwimmbehelfen nicht erlaubt.

Aufgrund ihrer Erfahrung kann die Bademeisterin mögliche Gefahrensituationen gut einschätzen. "Ich schaue mir die Leute im Schwimmbecken immer genau an und kann erkennen, wann es für eine Person besser wäre, das Wasser zu verlassen und sich auszuruhen", erzählt Martina. Bei Erschöpfung, Überhitzung oder Unterkühlung kann es zu Krampfanfällen kommen. "Als Bademeisterin hat man eine riesengroße Verantwortung. Da können bereits Sekunden entscheidend sein!"

Wenn Martina einen Regelverstoß beobachtet greift sie erstmal zum Pfeiferl. © Bohmann/Bubu Dujmic

Feinfühlige Streitschlichterin

Zwei Uhr nachmittags. Die Sonne steht hoch am Himmel und die Temperaturen haben den Tageshöchstwert erreicht. An besonders heißen Tagen erhitzen da auch schon mal die Gemüter der Badegäste. "Ich bin zwar keine ausgebildete Therapeutin, dennoch muss ich so manches Mal als Streitschlichterin fungieren", sagt die Bademeisterin, während sie mit schnellen Schritten zum Sprungturm marschiert. Mit ruhiger Stimme erklärt sie zwei Badegästen, weshalb das Einmetersprungbrett heute ausnahmsweise geschlossen ist.

In einem ruhigen Gespräch erklärt Martina den beiden Badegästen, warum das Sprungbrett geschlossen ist. © Bohmann/Bubu Dujmic

"Als Bademeisterin musst du auch ohne abzutauchen immer einen kühlen Kopf bewahren", schmunzelt sie. An Spitzentagen besuchen rund 6.000 Badegäste das Laaerbergbad.

Auch bei anderen Anliegen der Badegäste ist Martina zur Stelle. Meist sind es Fragen wie "Wo finde ich die Duschen oder Kästchen?", "Wo kann ich mir einen Sonnenschirm ausborgen?" oder "Wann beginnt das nächste Wellenbad im Becken?"

Raus aus der Hitze

Obwohl es unter dem Dach des Aufsichtsplatzes beim großen Schwimmbecken angenehm schattig ist, muss ab und zu eine kleine Pause eingelegt werden. Schließlich hält sich Martina, seit wir sie begleiten, kaum auf ihrem Bademeisterinnen-Sessel auf. Ständig ist sie in Bewegung, kontrolliert, gibt Auskunft und warnt vor Gefahren. Da tut eine Auszeit unter der Dusche im Personalbereich gut. "Auch wenn die Versuchung groß ist, sich zwischendurch in der Pause im Becken abzukühlen, so mach ich das nicht. Einerseits geht sich das in der halben Stunde Freizeit kaum gescheit aus, andererseits gibt man als Bademeisterin die Verantwortung auch in der Pause nicht ab", meint Martina.

Bademeisterin zu sein, bedeutet Rundum-Betreuung

Erholt und erfrischt kommt Martina zurück. "Das hat jetzt gut getan", sagt sie und setzt sogleich wieder ihren Beobachtungsblick auf. Neben dem Becken liegt eine leere Glasflasche. Die muss sofort entsorgt werden! "Stellen Sie sich vor, die zerbricht und jemand schneidet sich an den Scherben."

Kleinere Verletzungen wie Schürf- oder Schnittwunden sind in einem Bad nichts Ungewöhnliches. Ein Kind läuft über die Fliesen im Beckenbereich, schaut nicht, ob sie nass sind, und rutscht aus. Oder jemand geht barfuß über die Wiese und tritt auf eine Biene. "Wir kümmern uns sofort um die Verletzten und versorgen sie im Sanitätsraum im Rahmen unserer Möglichkeiten. Leute mit Kreislaufproblemen können sich hinlegen und ihren Kopf kühlen, kleinere Wunden werden verbunden. Sollte einmal etwas Gröberes wie beispielsweise ein Armbruch beim Ballspielen oder so passieren, wird die Rettung gerufen. Während meiner Schichten ist zum Glück noch nichts Ernsteres geschehen", sagt Martina

Damit derartigen Vorfällen so weit wie möglich vorgebeugt wird, gilt es, die Baderegeln zu befolgen. In Wien sorgen heuer insgesamt rund 130 Bademeisterinnen und Bademeister für Sicherheit.

Nach dem Badetag werden die Sonnenliegen von Martina zusammengestellt. © Bohmann/Bubu Dujmic

"Z'ammgeräumt wird am Abend"

Jeder schöne Badetag neigt sich einmal dem Ende zu. Für Martina ist wichtig, danach sagen zu können "Gut gegangen, nix geschehen!". Das ist nicht selbstverständlich. "Passieren kann im Schwimmbad immer etwas. Deswegen sind wir als Bademeisterinnen und Bademeister da, um die Gefahren so gering wie möglich zu halten. Obwohl mein Job vollste Konzentration bedeutet, bin ich sehr zufrieden damit. Es gibt jeden Tag neue Herausforderungen zu bewältigen. Die Abwechslung macht's", meint Martina.

Und auch beim Liegenzusammenstellen und Mistkübelausleeren hat die Bademeisterin immer noch ihr Lächeln auf den Lippen. Denn sie weiß: "Heute hatten viele Badegäste dank mir einen unbeschwerten Badetag. Das will ich ihnen morgen auch ermöglichen. Da bleib ich oft auch gern ein bisschen länger", sagt Martina und platziert die letzte Sonnenliege geschickt ganz oben auf dem Stapel.

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