"Den Leuten das Auto zu nehmen, macht uns keinen Spaß. Doch bei rücksichtslosen Parkern hält sich das Mitleid auch in Grenzen", sagt Roland Kolb, stellvertretender Leiter der Abschleppgruppe der MA 48. © PID/Christian Jobst

Ein Tag unter AbschlepperInnen: "Wir sorgen für Ordnung auf Wiens Straßen"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten Abschlepper Roland Kolb einen Tag lang bei seiner Arbeit. Er und sein Team halten unsere Straßen frei von Verkehrsbehinderungen.

Mühelos hebt der Kran das Auto in die Höhe. Geradezu grazil schwebt es vom Abschlepp-Lkw hernieder auf den Parkplatz. Zwei Metallbalken sind unter die Reifen geklemmt und auf diesen sinkt der Wagen sanft ab. Heute Morgen war das Auto noch am Hernalser Gürtel abgestellt und blockierte einen Fahrstreifen. "Parken darf man dort von 21 Uhr bis sieben Uhr morgens", sagt Roland Kolb, stellvertretender Leiter der Abschleppgruppe der MA 48 - Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark. "Danach stellen parkende Autos am Gürtel ein Sicherheitsrisiko dar und werden abgeschleppt." Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen stellt Roland den Wagen auf dem Parkplatz der Abschleppgruppe in der Simmeringer Haide ab. Hier bleibt er so lange, bis seine Besitzerin oder sein Besitzer ihn abholt. 

"Uns ist wichtig, dass wir die Autos immer mit Respekt behandeln. Es macht uns ja auch keinen Spaß, die Autos der Menschen abzuschleppen", sagt Roland. Die Alternative: "Wenn alle parken, wo und wie sie möchten, dann versinkt der Verkehr im Chaos und es wird auch gefährlich. Wir als Abschlepper tragen unseren Teil zu sicheren Straßen in Wien bei." 

Fließender Verkehr ist nicht nur für das schnelle Fortkommen in der Stadt nötig. Er ist auch für die Sicherheit unerlässlich. Rettung, Feuerwehr oder Polizei müssen im Ernstfall rasch und ungehindert ans Ziel kommen. Nach einem tragischen Todesfall im Jahr 1974, bei dem die Feuerwehr eine brennende Wohnung wegen eines falsch abgestellten Autos zu spät erreichte, wurde die Abschleppgruppe gegründet.

Wenn Autos abgestellt werden, legt Roland auch Hand an. In der Abschleppgruppe ist Teamwork sehr ausgeprägt. © PID/Christian Jobst

Zahl der Abschleppungen ist rückläufig

Die Abschleppgruppe wird immer dann aktiv, wenn eine polizeiliche Anzeige gegen ein Fahrzeug vorliegt. Bürgerinnen und Bürger brauchen sich daher nicht an die Abteilung zu wenden. "Bei uns gibt es im Wesentlichen zwei Schienen. Zum einen schleppen wir Falschparkerinnen und Falschparker ab", sagt Roland. Das sind Fahrzeuge, die in Ladezonen, Behindertenzonen, Einfahrten, auf Radwegen oder sonst in einer verkehrsbehindernden Position stehen. "Das zweite Gebiet bezieht sich auf Autos ohne Kennzeichen." Den Wagen abzumelden und einfach ohne Taferl auf einer öffentlichen Fläche stehenzulassen, ist in Wien illegal und wird nach Paragraf 89A der Straßenverkehrsordnung mit Abschleppung geahndet. 

Pro Jahr schleppen Roland und seine Kollegen mehr als 24.000 Autos ab. "Ich habe 1996 als Abschlepper angefangen, damals schleppten wir 36.000 Autos im Jahr ab", erinnert sich Roland. Obwohl es immer mehr Autos in Wien gibt, wird die Disziplin der Autofahrerinnen und Autofahrer immer besser, und auch Parkraumbewirtschaftung und Info-Kampagnen der 48er lassen die Zahl der abgeschleppten Autos zurückgehen. 

"Das Auto vom Gürtel hat eine Nummerntafel. Das erleichtert uns die Arbeit, denn wir können feststellen, wem es gehört", sagt Roland. Die Besitzerin oder der Besitzer wird informiert, dass das Auto in Simmering steht, und kann ihr beziehungsweise sein Auto Tag und Nacht abholen. Besetzt ist die Abschleppgruppe immer, auch an Feiertagen. "Wir teilen uns die Dienste in einem Rad auf. Ich mache auch zweimal im Monat Nachtdienst." Rolands Hauptaufgabe ist die Leitung des Behördenreferats. Die Abteilung hat 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, im ganzen Haus sind es rund 50. Zu seinen Aufgaben zählen Ermittlungen am Wagen, Feststellung der Lenkerinnen oder Lenker und daraus resultierende behördliche Aufgaben. 

Dazu zählen Kostenvorschreibungen, Behandlung von Einsprüchen, Aktenbearbeitung, Einvernahmen, Rechtsfragen und auch gelegentliche Gerichtswege. Auch für die Dienstpläne ist er verantwortlich. Vor einigen Jahren war Roland auch federführend an der Gründung der WasteWatcher beteiligt. Die sind mittlerweile aber einem anderen Bereich zugeordnet. "Meine Arbeit ist sehr spannend, und das Schöne ist, dass ich wirklich meinen Teil zum Leben in Wien beitragen und etwas bewirken kann", sagt Roland. "Unsere Arbeit trägt definitiv zur Lebensqualität in der Stadt bei." Roland geht seinem Job mit der Gelassenheit eines erfahrenen Mitarbeiters nach. Unruhe oder Hektik gibt's bei ihm nicht. Stets gut vorbereitet, führt er sein Team stressfrei durch den Tag.

"Wann trifft der ohne Nummerntafel ein?" Roland holt sich bei Disponent Gerhard Gaida den aktuellen Zeitplan. © PID/Christian Jobst

Der Wagen vom Hernalser Gürtel parkt mittlerweile auf dem Platz der Abschleppgruppe. Rolands nächster Weg führt ihn in die Dispozentrale. Hier arbeiten die Kolleginnen und Kollegen mit einer Software, die direkt mit der Polizei verbunden ist. Sie sehen gleich, wo man ein Auto abschleppen muss und welcher Abschlepp-Lkw am schnellsten beim Einsatzort ist. Mit Gerhard Gaida bespricht Roland, welche Wagen als nächste reinkommen sollen. Für später ist ein Auto ohne Kennzeichen eingetragen, dann wird Roland als Ermittler tätig werden. Sein nächster Weg führt Roland zur Kassa. Dort bezahlen die Besitzerinnen und Besitzer der Autos die Abschleppkosten. Außerdem werden hier Identitäten geprüft. Der Posten ist rund um die Uhr besetzt. Hier sind auch gute kommunikative Fähigkeiten gefragt. "Viele, die ihr Auto bei uns abholen, sind erstmal sauer. Das Wichtigste ist Aufklärung. Wenn wir den Leuten ganz simpel und genau erklären, warum wir ihr Auto abgeschleppt haben, beruhigen sich fast alle ganz schnell wieder."

"Schau, da ist die Fahrgestellnummer!" Roland und Andreas Strobl sind der Lenkerin oder dem Lenker des nummerntafellosen Vehikels einen Schritt näher. © PID/Christian Jobst

CSI Abschleppgruppe

Mittlerweile ist auch der Wagen ohne Nummerntafel abgeliefert worden. Roland und sein Kollege Andreas Strobl haben nun die Aufgabe, die Besitzerin oder den Besitzer zu ermitteln. Der gelbe Flitzer hat schon bessere Zeiten erlebt. "Viele der Autos ohne Kennzeichen sind einfach zurückgelassen worden", sagt Roland. Andreas schafft es, die Motorhaube zu öffnen. In solchen Fällen sucht das Team die Fahrgestellnummer und forscht mit Hilfe der Zulassungsdatenbank nach dem letzten Eigentümer. "Es ist nicht immer leicht, alle Infos zu finden, aber wir haben ja doch schon einige Erfahrung auf dem Gebiet", sagt Roland.

Generell gilt: Wer sein Automobil nicht innerhalb einer Woche abholt, wird kontaktiert. Nach sechs Monaten gehen Wagen mit Kennzeichen in den Besitz der Stadt über. Jene ohne Kennzeichen werden nach zwei Monaten Eigentum der Stadt. "Wir ermitteln dann, ob der Wagen noch brauchbar ist. Falls ja, wird er versteigert. Andernfalls schicken wir ihn zur Verschrottung." Nachdem die Fahrgestellnummer gefunden ist, wird Roland die Behörden kontaktieren, um die Zulassung zu eruieren.

Stilvoll von A nach B. Bei einer Spritztour mit dem hauseigenen Kleinwagen kann sich Roland ein Lächeln nicht verkneifen. © PID/Christian Jobst

Auffangstation für vereinsamte Einkaufswagen

Bevor es zurück ins Büro geht, düst Roland mit dem Abschleppgruppenbuggy zu den Einkaufswagen. "Wir kümmern uns auch um Gegenstände im öffentlichen Raum. Neben Zeitungsboxen und Werbeplakaten sind das vor allem Einkaufswagen, die einfach auf der Straße 'geparkt' wurden." Hunderte stehen hier, ordentlich nach Supermarkt-Kette sortiert, und warten auf die Abholung durch die Supermarkt-Betreiber.

Einmal pro Woche werden die Einkaufswagen von den Supermärkten abgeholt. Angeliefert werden sie von der Straßenreinigung. © PID/Christian Jobst

Hinter den Wagerln stehen die Fahrräder. "Meistens schleppen wir sogenannte Fahrradleichen ab", erklärt Roland. "Das Stadtservice informiert uns, wenn eine solche irgendwo Platz wegnimmt. Dann bringen wir eine Infoschleife an, auf der steht, dass der Drahtesel in zwei bis drei Wochen geholt wird." Steht das Rad dann immer noch an derselben Stelle, steht ihm ein Umzug nach Simmering bevor. Manchmal werden Räder auch abgeschleppt, weil sie den Verkehr behindern. Oft betrifft das barrierefreie Zugänge wie etwa Rollstuhlrampen. Lenkerinnen und Lenker auszuforschen, ist nahezu unmöglich, schließlich gibt es ja keine Zulassung. Wer nach zwei Monaten sein Rad noch immer nicht abgeholt hat, verliert sein Eigentumsrecht. Im Gegensatz zu den Pkw ist die Zahl der abgeschleppten Räder leicht steigend.

Roland geht mit Christian Jurkovits, dem Leiter der Abschleppgruppe, den Tagesablauf durch. © PID/Christian Jobst

Wenn die Arbeit am Abschleppplatz getan ist, steht eine Besprechung mit dem Leiter der Gruppe, Christian Jurkovits, an. Neben dem Tagesgeschehen widmet man sich dabei unter anderem neuen Bestimmungen und Dienstplänen. Gute Planung ist für die Abschleppgruppe sehr wichtig. "Bei uns muss alles reibungslos laufen. Schließlich wollen wir ermöglichen, dass alle ihr Auto zeitnah wieder abholen können. Abgeschleppt zu werden, ist Strafe genug, da braucht es keine unnötigen Wartezeiten", sagt Roland. 

Das Meeting schließt den Arbeitstag ab. Bevor Roland nach Hause geht, erledigt er noch den Papierkram im Büro und bereitet alles für morgen vor. Die Abschleppgruppe ist rund um die Uhr im Einsatz.

"Bis morgen, Peter!" Am Weg nach draußen ist noch für einen kurzen Plausch mit dem Portier Zeit. © PID/Christian Jobst

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