Petra Jens ist Wiens FußgängerInnenbeauftragte. Die Kommunikation und Förderung des Zu-Fuß-Gehens in Wien ist ihr Job. © PID/Christian Fürthner

Ein Tag mit Wiens Beauftragter für FußgängerInnen: "Was wäre die Stadt ohne Menschen?"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. CLUB WIEN begleitet Petra Jens von der Mobilitätsagentur einen Tag bei der Arbeit. Petra und ihr Team sorgen dafür, dass Wien für FußgängerInnen eine der schönsten Städte der Welt bleibt.

Zur nächsten U-Bahn-Station, mit der Familie auf der Donauinsel, zum Markt ums Eck oder zur Entspannung durchs Grätzel: 99,9 Prozent der Wienerinnen und Wiener gehen täglich zu Fuß. Manche mehr, manche weniger. Alle sollen dabei beste Bedingungen, sichere Wege und frische Luft vorfinden. Das ist die Mission von Wiens Beauftragter für Fußgängerinnen und Fußgänger, Petra Jens von der Mobilitätsagentur. "Die Mobilitätsagentur ist Ansprechpartnerin für alle Bürgerinnen und Bürger in Sachen Zu-Fuß-Gehen, aber auch in Sachen Radfahren."

Zu Petras Aufgaben zählen auch die Öffentlichkeitsarbeit, das Gestalten der Wiener Fußwegekarte, die "Wien zu Fuß"-App, Veranstaltungsorganisation und vieles mehr. "Zu-Fuß-Gehen ist gesund, nachhaltig und macht glücklich. Wir wollen die Menschen dabei unterstützen, mehr zu gehen. Und wir wollen den Menschen bewusst machen, dass Wien die besten Bedingungen dafür liefert. Wir leben in einer der schönsten Städte der Welt, das sollten wir auch genießen", sagt Petra.

Der Großteil von Petras Arbeit spielt sich im Büro in der Großen Sperlgasse ab. Organisation und Planung von Veranstaltungen und anderen Aktivitäten sind zwei ihrer Hauptaufgaben. © PID/Christian Fürthner

Sprachrohr aller FußgängerInnen

Das Büro der Mobilitätsagentur befindet sich in der Großen Sperlgasse, direkt neben der Taborstraße. Nachdem Petra dort angekommen ist, natürlich zu Fuß, widmet sie sich Anfragen aus der Bevölkerung. "Die häufigsten Themen sind Wünsche zur Änderung von Ampelschaltungen, also wenn Leute die Rotphasen als zu lange empfinden. Hindernisse auf dem Gehsteig, zu schmale oder auch fehlende Gehsteige sowie Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern kommen auch oft vor." Die Mobilitätsagentur ist die Schnittstelle zwischen den Wienerinnen und Wienern und der Verwaltung.

Ein großer Teil von Petras Arbeit spielt sich im Büro ab. Organisation und Planung sind sehr umfangreich, gerade bei Großprojekten wie dem Streetlife Festival, das alljährlich im September 30.000 Besucherinnen und Besucher anlockt. Aktionismus und Events haben sich als wirksame Mittel erwiesen. "Sehr erfolgreich sind auch unsere Geh-Cafés. Heute starten wir mit dem ersten Stadtspaziergang 2018 in die neue Saison."

Petra und ihre Kollegin Kathrin Ivancsits besprechen aktuelle Projekte der Mobilitätsagentur, darunter die Fußwegekarte. © PID/Christian Fürthner

Neue Fußwegekarte kommt

Petra und ihr Team haben auch soeben die Fußwegekarte 2018 fertiggestellt. Die neueste Version wird momentan gedruckt und beim Genuss Festival Mitte Mai vorgestellt. In der Karte finden sich unter anderem Fußwege, Abkürzungen, Trinkbrunnen, Märkte, Einkaufsstraßen und öffentliche WCs. "Ich erinnere mich noch gut an die erste Karte 2015. Damals haben uns viele dafür kritisiert und sie als sinnlos abgetan. Das war auch für mich schwierig und ich hatte fast selbst Zweifel. Doch dann kam ich ins Büro und das Telefon klingelte. Eine liebe ältere Dame wollte eine Fußwegekarte bestellen. Danach hörte das Klingeln gar nicht mehr auf. Wir waren zwei Wochen lang damit ausgelastet, Bestellungen entgegenzunehmen. Dann waren alle Karten vergriffen und wir mussten nachdrucken."

In einer Besprechung mit Kollegin Kathrin Ivancsits klärt sie ein paar letzte Details zu kommenden Projekten. Im Herbst will das Team ein Pilotprojekt an den Schulen umsetzen. "Wir testen ein temporäres Fahrverbot vor Schulen, jeweils eine halbe Stunde vor Schulbeginn. So sollen die Kinder sicherer zur Schule gehen können und auch weniger Abgasen ausgesetzt sein."

Zu-Fuß-Gehen hat Zukunft

Dass Wien eine Fußgängerinnen- und Fußgängerstadt ist, steht für Petra außer Frage. "Wien ist eine der schönsten Städte der Welt und sehr gut zu Fuß zu genießen. In den Grätzeln haben wir einen guten Mix aus Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Bildung und es gibt viele Naherholungsgebiete quer durch die Stadt. Außerdem hat Wien ein tolles Öffi-Netz. Der öffentliche Verkehr und der Fußverkehr gehen Hand in Hand." Statistisch gesehen werden in Wien 28 Prozent aller Wege zu Fuß zurückgelegt, 33 Prozent der Verkehrsflächen sind Verkehrsinseln und Gehsteige.

"Für die Stadt der Zukunft wird das Thema entscheidend sein", sagt Petra, während sie sich für einen Dienstweg zur Praterstraße bereit macht. "Es ist die Verkehrsart, die am wenigsten Platz beansprucht und die wenigsten Kosten verursacht. Außerdem belebt das Zu-Fuß-Gehen den Einzelhandel und ist als Krankheitsprävention anerkannt. Nicht zuletzt ist es auch sozial wichtig. Einsamkeit wird in vielen Großstädten ein ganz großes Problem sein, Großbritannien hat sogar schon ein Ministerium für Einsamkeit. Spazierengehen wirkt dem entgegen." Petra zitiert gerne Shakespeare, der einst geschrieben hat: "What is the city, but the people?" Sinngemäß: Was ist die Stadt ohne Menschen? "Ohne Fußgängerinnen und Fußgänger wäre jede Metropole eine Geisterstadt. Und das wollen wir nicht."

Dieser Durchgang zwischen Praterstraße und Jägerzeile ist nach Initiative der Mobilitätsagentur beschriftet und leicht als Abkürzung erkennbar. © PID/Christian Fürthner

Durchgänge machen die Stadt "gehenswerter"

Petra verlässt das Büro und marschiert über die Flaniermeile eins Richtung Praterstraße. Flaniermeilen sind wichtige Wegstrecken in Wien. Deren Betitelung soll diese Strecken stärker im Bewusstsein der Menschen verankern. Ähnlich verhält es sich mit den Durchhäusern, den Durchgängen, die in Wien viele Straßen fast versteckt miteinander verbinden. Beim Zu-Fuß-Gehen sparen Durchgänge enorm viel Zeit und helfen, Umwege zu vermeiden. Petra und ihr Team arbeiten daran, diese Durchgänge zu markieren und den Leuten bekannt zu machen. "Die Durchgänge sind eine der speziellsten Fußgängerinnen- und Fußgängerinfrastrukturen überhaupt. Wir haben jetzt einen Datensatz, in dem alle verzeichnet sind, und wollen sie auch mit Beschilderungen öffentlich sichtbarer machen."

Durchgänge findet man nicht nur in der Fußwegekarte sondern auch in Online-Routenplanern und bald auch im wien.at-Stadtplan. Der Durchgang, der die Praterstraße mit der Jägerzeile verbindet, hat kürzlich ein neues Schild erhalten. Petra checkt, ob dort alles korrekt erledigt worden ist. Tatsächlich ist alles so, wie es sein muss, und der Durchgang wird auch schon häufiger genutzt. "In einem Pilotprojekt haben wir drei Durchgänge beschildert und festgestellt, dass die Menschen das sehr gut annehmen." Die beiden weiteren befinden sich im Sünnhof in der Landstraßer Hauptstraße und in der Genzgasse in Währing.

Verkehrsschilder wie dieses sollten nicht auf dem Gehweg stehen, sondern auf dem Parkstreifen. © PID/Christian Fürthner

Zu-Fuß-Gehen positiv diskutieren

Wenige Meter weiter fällt ihr ein Parkverbot ins Auge. "Das sollte hier eigentlich nicht stehen. Dass Parkverbote für Autos auf dem Gehweg stehen und Fußgängerinnen und Fußgänger behindern, ist ja wirklich bizarr und die Straßenverkehrsordnung wurde dementsprechend auch schon geändert." Egal wo Petra unterwegs ist, sie denkt immer mit, wie man die Stadt noch flanierfreundlicher machen kann.

Sich für eine bessere Stadt einzusetzen, liegt in Petras Natur. Dem Zu-Fuß-Gehen widmete sie sich erstmals während des Studiums an der Universität für Bodenkultur. "Ich hatte damals als junge Mutter sehr viele Wege zu Fuß zu erledigen und dabei bemerkt, dass Zu-Fuß-Gehen in der Öffentlichkeit überhaupt keine Aufmerksamkeit bekommt. Ich dachte mir damals, es bräuchte eine Bewegung, die das Thema positiv kommuniziert."

Petra wurde selbst aktiv und gründete die Bürgerinnen- und Bürgerinitiative "Eltern gegen Hundekot", die 157.000 Unterschriften sammelte. Das gab auch der Politik Rückenwind, gegen rücksichtslose Hundehalterinnen und Hundehalter vorzugehen. Heute hat sich die Lage dank Aktionen der Stadt wie etwa "Sackerl fürs Gackerl" stark verbessert. Als Wien dann eine Beauftragte oder einen Beauftragten für Fußgängerinnen und Fußgänger suchte, meldete sich Petra.

Petra begrüßt die TeilnehmerInnen des Geh-Cafés. © Mobilitätsagentur/Christian Fürthner

Geh-Café am Praterstern

Am Abend steht das erste Geh-Café des Jahres 2018 an, für Petra ein symbolischer Auftakt in die Saison. "Das Geh-Café ist ein Grätzelspaziergang, der sechs Mal im Jahr stattfindet. Wir führen eine Stunde lang durch ein Grätzel, erzählen Wissenswertes über die Gegend und am Ende gibt es ein Pop-up-Café im öffentlichen Raum. Dann plaudern wir gemütlich bei Kaffee und Keksen", sagt Petra.

Für Fragen und Wünsche der BürgerInnen nimmt sich Petra gerne Zeit, nicht nur bei den Geh-Cafés. © Mobilitätsagentur/Christian Fürthner

Heute ist die Gruppe am Praterstern unterwegs. Wie bei den Geh-Cafés sind pro Veranstaltung rund 80 Leute mit dabei, Partner ist diesmal die Bezirksvorstehung Leopoldstadt. Los geht's beim Tegetthoffdenkmal. In der Heinestraße zeigt Petra den Zufußgeherinnen und -gehern die mit Blumen bepflanzten Baumscheiben und besucht das Normungsinstitut. Im Anschluss führt der Weg zur U-Bahn-Station, wo man einen Vortrag über die U-Bahn-Stars der Wiener Linien kredenzt bekommt.

Grätzelpolizist Alexander Pollak erzählt den Geh-Café-TeilnehmerInnen etwas über den Praterstern. © Mobilitätsagentur/Christian Fürthner

Nach einem Besuch beim Nachtklub fluc referiert ein Grätzelpolizist über das Thema Sicherheit. "Am Praterstern sind tagtäglich 100.000 Menschen unterwegs. Das sind mehr Personen, als in Klagenfurt leben", erzählt der Grätzelpolizist. "Dabei gibt es relativ wenige Vorkommnisse. Für die hohe Frequenz ist es hier sicher."

Die Veranstaltung findet dann im Pop-up-Café mitten am Praterstern ihr Ende. Petra steht für alle Fragen zur Verfügung. "Wann kommt die neue Fußwegekarte?", will eine Dame wissen. "Ich hab' das Schild beim Durchgang Jägerzeile gesehen", sagt ein Herr. "Kann man das vielleicht überall machen?" Weitere Anfragen beantwortet Petra per E-Mail unter officeatmobilitaetsagentur.at.

Mit einem Pop-up-Café klingt die Veranstaltung aus. Die Stimmung ist gut und es gibt regen Austausch. © Mobilitätsagentur/Christian Fürthner

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