Anton Ponweiser ist Mitarbeiter der Wiener Baupolizei. Eine seiner Aufgaben ist, sicherzustellen, dass auf Wiens Baustellen alles korrekt abläuft. © PID/Christian Jobst

Ein Tag mit der Baupolizei: "Gebäude und Baustellen in Wien sind unser Revier"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten Baupolizist Anton Ponweiser einen Tag lang bei seiner Arbeit. Auf Baustellen und in Wohnhäusern sorgt der Werkmeister für Sicherheit.

Wien schafft neuen Raum zum Wohnen. Das weiß keiner besser als Anton Ponweiser. Er ist Werkmeister bei der Baupolizei Wien (MA 37) und dafür zuständig, für sicheres und ordnungsgemäßes Bauen zu sorgen. Doch nicht nur Neubauten sind sein Revier, auch Gebrechen an Altbauten, dem sogenannten Baubestand, werden von ihm geprüft und bewertet. Eine vielfältige und wichtige Aufgabe. "Man kann sagen, dass wir einen wertvollen Beitrag für die Sicherheit der Wienerinnen und Wiener leisten", sagt Anton. Sein Arbeitstag beginnt in aller Regel in seinem Büro in der Dresdner Straße. "Manche denken, wir sind nur vor Ort unterwegs. Tatsächlich ist die Büroarbeit aber ein wichtiger Teil des Jobs." Nach dem Start des PCs checkt Anton als Erstes das baupolizeiliche Fachinformationssystem, kurz BAUFIS.

Anton überprüft seine aktuellen Projekte. Den Fortschritt des Akts kann er hier auf einen Blick erfassen. © PID/Christian Jobst

Schreibarbeit ist Teil des Jobs

Von der ersten Erhebung über laufende Aktenvermerke bis hin zur Bescheiderstellung hat er hier alle seine Projekte auf einen Blick. Wann immer er im Einsatz ist, egal ob bei einer Routinekontrolle, aufgrund eines Notfalls oder nach Anrufen einer Bürgerin oder eines Bürgers, ist es entscheidend, genau zu dokumentieren. "Ich verfasse Berichte, Bescheide und Stellungnahmen. Wenn zum Beispiel in einem Wohnhaus ein Riss entsteht oder ein Stiegenhaus schadhaft ist, müssen wir analysieren und entscheiden, welche Maßnahmen zu treffen sind." Eine große Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber.

Gemeinsam mit seinen Kollegen bespricht Anton die aktuelle Schwerpunktaktion zum Thema Statik. © PID/Christian Jobst

Sicherheit am Bau

Aktuell läuft bei der Baupolizei eine Schwerpunktaktion. In deren Rahmen begibt sich das Team auf Großbaustellen und prüft, ob die Bauführung in Ordnung ist. Wichtigstes Kriterium ist, ob bauplanmäßig gebaut wird. "Es gibt Vorschriften und Genehmigungen, an die man sich genauestens zu halten hat", erzählt Anton. "Wir prüfen die ordnungsgemäße Umsetzung der Baubewilligung. Den Auflagen muss Folge geleistet werden. Unsere Aufgabe ist zu checken, dass die Realität den genehmigten Plänen entspricht." Im Extremfall können Bauten komplett gestoppt werden, bis die Mängel behoben sind. Das dient einerseits der Sicherheit und sorgt andererseits dafür, dass Bauherrinnen und Bauherren sich nicht auf Kosten der Nachbarinnen oder Nachbarn Vorteile verschaffen, etwa durch zu hohe Gebäude. 

Überprüft wird stichprobenartig, oft schon beim Ausheben der Baugrube. Denn schon da kann es passieren, dass unsachgemäße Gruben das Fundament von Nachbarhäusern schädigen. Innerhalb der Baupolizei spezialisieren sich Dezernate auf Gebäudetypen. Kleinvolumige Bauten, also zum Beispiel Einfamilienhäuser, erfordern ein ganz anderes Know-how als großvolumige Bauten, Industriebauten oder Projekte der Stadterneuerung. "Mit unseren Schwerpunktaktionen, bei denen meist gleich mehrere Kolleginnen und Kollegen im Einsatz sind, sorgen wir für Sicherheit und bewegen Baufirmen dazu, korrekt zu arbeiten."

Auf der Baustelle zeigt der Polier Anton seine Pläne. © PID/Christian Jobst

Eine große Verantwortung

Nach der Besprechung macht sich Anton auf den Weg nach Liesing. Dort entsteht aktuell eine Wohnhausanlage. Auf der Baustelle sucht der Baupolizist als Erstes den Bauleiter auf. Da dieser nicht vor Ort ist, vertritt ihn der Polier. Auf jeder Baustelle müssen sämtliche Pläne zur Hand sein und Anton zur Verfügung gestellt werden. Im Anschluss sieht er sich die neuralgischen Punkte an. Passt die Höhe des Gebäudes? Ist das Volumen wie genehmigt? Erfüllt der Bau die statischen Voraussetzungen? Der Bau ist schon sieben Meter hoch und entspricht augenscheinlich den Plänen. Bei der Statik geht es vor allem um die Stahlbetonbewehrung. Sprich: Ist alles ausreichend verstärkt und kann die Druck- und Zugfestigkeit gegenüber sämtlichen Einflüssen standhalten? Die Einflüsse reichen von Wasser und Frost bis zu chemischen Substanzen. "Beton etwa ist gegen Zugkräfte nur wenig widerstandsfähig. Daher wird Stahl zur Aufnahme dieser Kräfte eingesetzt. Man spricht dann von Stahlbeton." Mit der Baustelle zeigt sich Anton nach der Inspektion zufrieden. "Hier entspricht alles den behördlichen Vorgaben, für uns besteht also kein Handlungsbedarf." Abschließend schießt Anton Fotos mit dem Handy, um den Baufortschritt zu dokumentieren.

Die Dokumentation, oft sind das Handyfotos, ist auf sämtlichen Baustellen sehr wichtig. © PID/Christian Jobst

So wie Baufirmen geprüft werden, stehen auch private Bauherren in der Verantwortung. Bei Kleingärten und Privathäusern wird der korrekte Bau ebenfalls kontrolliert. "Wir gehen aber nicht grundlos raus und fühlen den Leuten auf den Zahn", stellt Anton klar. "Wenn aber eine Beschwerde vorliegt oder ein Bau Auffälligkeiten aufweist, etwa bei einem zu großen Kleingartenhaus, dann ist es unsere Pflicht, tätig zu werden." Die Missachtung von behördlichen Vorschriften kann vom Baustopp bis zum Abriss unangenehme Konsequenzen haben. Bauvorschriften existieren nicht ohne Grund. Sie sorgen dafür, dass Gebäude absolut sicher sind und die Wienerinnen und Wiener keine Angst beim Betreten haben müssen. "Kompromisse kann es hier keine geben."

In diesem Stiegenhaus hat es gebrannt. Anton will wissen, wie schlimm der Schaden ist und ob er schon repariert wird. Im Dachgeschoß stößt der Werkmeister auf ein Loch in der Decke. © PID/Christian Jobst

Einsatz im Stiegenhaus

Nach dem Besuch der Baustelle steht schon der nächste Auftrag an. In einem Wohnhaus hat es im Stiegenhaus gebrannt. Eine kritische Situation. "Bei Bränden kontaktiert uns die Feuerwehr, damit wir checken, wie akut die Situation ist." Sollte die tragende Bausubstanz dabei stark in Mitleidenschaft gezogen worden sein, könnte Einsturzgefahr bestehen. "Meine Aufgabe ist es, einerseits den Schaden zu bewerten und andererseits zu überprüfen, ob die Eigentümerin oder der Eigentümer die nötigen Schritte zu Absicherung und Reparatur in die Wege geleitet hat", sagt Anton. Solche Einsätze fallen in den Zuständigkeitsbereich des Referats "Baubestand", Antons Hauptaufgabengebiet. Das Referat Baubestand überwacht den Baukonsens, also die ursprünglichen Baupläne und deren Einhaltung. Unter anderem geht es dabei um Schäden an bestehenden Gebäuden, oft Altbauten. "Wiederkehrende Themen sind Risse in Wänden, Feuchtigkeit in Keller und Erdgeschoß oder auch schadhafte Dächer. Bei älteren Bauten ohne moderne Abdichtungen tritt das durchaus öfter auf." Neben Schäden kontrolliert man auch, ob illegale Zubauten oder Abänderungen der Bausubstanz vorgenommen werden. 

Im Haus findet Anton die Brandstelle im Dachgeschoß. Wenn der Schaden dazu führt, dass die Konstruktion die Kräfte, die auf ihr lasten, nicht mehr aufnehmen kann, wäre Einsturzgefahr gegeben. "Da braucht man schon ein geschultes Auge, um einerseits Gefahren zu erkennen, aber andererseits nicht übertrieben zu reagieren." Im Stiegenhaus stellt der Baupolizist als Erstes fest, dass bereits gearbeitet wird. Ein gutes Zeichen. Der Eigentümer kommt seiner Instandhaltungspflicht nach. Wäre das nicht der Fall, könnte die Baupolizei eine Verwaltungsstrafe in die Wege leiten. Das Haus ist gut in Schuss und auch der Brandschaden kann von Anton als nicht akut gefährdend eingestuft werden. Es gibt ein Loch in der Decke, das vermutlich von der Feuerwehr geschnitten wurde, um Glutherde zu finden. Die Statik ist nicht beeinträchtigt. "Da für die Bewohnerinnen und Bewohner keine Gefährdung vorliegt und schon an der Instandsetzung gearbeitet wird, sind von uns keine weiteren Maßnahmen mehr zu treffen", lautet Antons Fazit.

Im Archiv in der Dresdner Straße bereitet sich Anton auf einen Termin beim Verwaltungsgericht Wien vor. Dazu studiert er die Baupläne des Objekts, um das es bei der Verhandlung geht. © PID/Christian Jobst

Der Arbeitstag ist für Anton damit aber noch nicht zu Ende. Ein Termin am Verwaltungsgericht Wien steht an. Vor einiger Zeit hat er einen Riss in einem Altbauwohnhaus kontrolliert und festgestellt, dass der Eigentümer seiner Pflicht zur Instandsetzung nicht nachgekommen ist. "Der Schaden trat aufgrund eines Rohrbruchs auf, wurde vom Besitzer aber ignoriert. Daraufhin wurde eine Verwaltungsstrafe verhängt, gegen die nun eine Beschwerde vorliegt", schildert Anton. Am Gericht ist er als Zeuge in dem Strafverfahren geladen. Diese Rolle nimmt er oft ein. Die Vorbereitung führt ihn ins Archiv in der Dresdner Straße. Dort lagern Tausende Baupläne, welche die Bauingenieurinnen und Bauingenieure vor dem Verfahren studieren, um fundiert aussagen zu können. "Wir müssen Rede und Antwort stehen und unser Vorgehen rechtfertigen." Andere Rollen, die von Baupolizistinnen und Baupolizisten vor Gericht eingenommen werden, sind Sachverständiger und Partei. Als Partei vertritt er die Abteilung vor dem Verwaltungsgericht Wien.

Anton ist beim Verwaltungsgericht Wien als Zeuge geladen. © PID/Christian Jobst

Mit den ursprünglichen Plänen, dem sogenannten "Konsens" des Objekts, macht sich Anton auf den Weg zum Verwaltungsgericht Wien. Da es sich um ein Strafverfahren handelt, findet die Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Danach geht es auf in den Feierabend. Morgen warten ja schon wieder einige Termine auf ihn. Solange in Wien Häuser stehen oder gebaut werden, geht der Baupolizei die Arbeit nicht aus.

Anton vor seinem Büro in der Dresdner Straße. Hier befindet sich einer der Standorte der Baupolizei. © PID/Christian Jobst

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