Josef Steiner und Günther Schneemayer sind zwei der Mitarbeiter des Wiener-Netze-Störungsnotdienstes. © PID/Christian Fürthner

Ein Tag mit dem Störungsnotdienst: "Hochspannung ist unser täglicher Begleiter"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen in Unternehmen der Stadt Wien. Wir begleiten Josef Steiner und Günther Schneemayer vom Wiener-Netze-Störungsnotdienst einen Tag lang bei ihrer Arbeit. Dabei gilt: Achtung, Hochspannung!

Jede Sekunde zählt. Josef Steiner und Günther Schneemayer schnappen sich ihre Jacken und laufen zu ihrem Einsatzwagen. Ein Notruf ist Augenblicke zuvor bei der Zentrale der Wiener Netze im Smart Campus in der Simmeringer Nussbaumallee eingegangen. Bei einer Trafostation in Favoriten hat ein Passant Brandgeruch wahrgenommen. Die beiden Monteure springen in den weißen Kastenwagen und werfen das Blaulicht an. Wenn der Trafo brennt, besteht unter Umständen Lebensgefahr am Einsatzort.

Wenn ein potenzieller Notruf die Zentrale erreicht, wird keine Sekunde gezögert. Der Dienstwagen ist rund um die Uhr einsatzbereit. © PID/Christian Fürthner

Was sie vor Ort vorfinden werden, ist ungewiss. "Es kann ein großer Notfall sein, möglich ist aber auch, dass jemand eine Zigarette in einen Schacht geworfen hat und so Rauch ausgelöst wurde."

Rauchbildung gibt es in der Trafostation keine. Josef nimmt die Kästen trotzdem mit Vorsicht unter die Lupe. Der Zugang zu Trafostationen ist aufgrund der Hochspannung Privatpersonen strengstens untersagt. © PID/Christian Fürthner

Gefahr in der Trafostation

Josef steuert den Wagen gekonnt über Kreuzungen und durch enge Straßen. Privat ist er bei der Freiwilligen Feuerwehr Wolfsgraben und hat daher Übung mit Fahrten mit Blaulicht. Josef hat die nötige Erfahrung und auch die Umsicht dafür. "Wir sind dabei an strenge Vorschriften gebunden. Eine Fahrt mit Blaulicht ist kein Freibrief, sondern eine große Verantwortung." Nach Ankunft schnappen sich Josef und Günther zuerst die Sicherheitsausrüstung samt Helm und Handschuhen. "Bei einem Brand in der Trafostation kann sich massiver Rauch bilden. Plastik kann brennen, jeder Atemzug könnte lebensgefährlich sein. Wäre es ganz schlimm und wir könnten nicht in die Station, würden wir die Feuerwehr rufen."

Günther testet die Kabel mit dem Hochspannungsprüfgerät. Das rote Licht zeigt ihm, dass Strom fließt. © PID/Christian Fürthner

Günther öffnet die Tür der Trafostation in der Neilreichgasse. Keine Flammen, kein Rauch. Dennoch holen sie den Hochspannungsprüfer und testen die Kabel und Leitungen. Vorsichtig legt Günther das Gerät an ein Kabel an, worauf das Hochspannungsprüfgerät rot leuchtet. Das heißt, das Kabel steht unter Spannung. Danach testet er das Gerät an einem weiteren Kabel. "Wir machen immer eine Sicherheitskontrolle des Geräts. Wäre es fehlerhaft und wir greifen etwas an, wäre das sehr unangenehm." Nach wenigen Minuten geben die beiden grünes Licht und informieren die Zentrale.

Im Dienstwagen finden Josef und Günther alles, was sie brauchen. Links sieht man Schaufel oder Erdungsstange, rechts unten Deckel für Trafokästen. © PID/Christian Fürthner

Ein eingespieltes Team

Erst jetzt ist Zeit durchzuatmen. Günther verstaut das Gerät im Kofferraum des Wagens, zwischen Bohrmaschinen, einer Flex, die im Notfall Türen öffnet, einem Feuerlöscher und zahlreichen Sicherungen. Auch ein paar Abdeckungen für Sicherungskästen haben sie immer mit dabei. Josef und Günther sind oft gemeinsam im Zwölf-Stunden-Schichtdienst aktiv. Sie wissen, dass sie sich blind aufeinander verlassen können. "Im Einsatz ist das eine Grundvoraussetzung", sagt Josef. "Das Zwei-Mann-Prinzip ist für uns essenziell. Theoretisch könnte ja einer von uns in einen Stromkreis kommen - ohne einen Partner, der sichert, wäre er verloren." Die Zweierteams sind sehr gut eingespielt, kein Wunder bei rund 5.000 Einsätzen, die der Störungsnotdienst pro Jahr absolviert.

Ihr wichtigstes Werkzeug im Einsatz ist Erfahrung. Josef ist seit 27 Jahren bei den Wiener Netzen, Günther seit über 30 - und sie arbeiten jeden Tag mit Hochspannung. "In all den Jahren gab es in unserer Abteilung keinen einzigen tödlichen Arbeitsunfall. Darauf sind wir stolz", sagt Günther.

Gefährliche Einsätze unter Hochspannung sind aber keine Seltenheit. Als sie bei der Rückkehr an einem Park vorbeifahren, erinnert sich Josef beim Anblick der Bäume an einen Einsatz im April. Damals, er war in Kaltenleutgeben am Stadtrand, gab es einen Stromausfall aufgrund eines Unwetters. Plötzlich stürzte der Wind Bäume um und die lösten Hochspannungskabel vom Hochmast, die daraufhin peitschenartig durch die glücklicherweise verlassene Gegend schlugen. Eine potenziell lebensgefährliche Situation - die zwei Techniker sind aber trotzdem ausgerückt und haben ihren Job gemacht. "Wir sind Profis und gut geschützt, aber da denkt man sich danach schon: Das war nicht ohne. Während des Einsatzes gibt es keine Zeit für Zweifel." Angst haben die beiden gar keine, Respekt schon.

Dieses Kabel nennen Experten "Peitsche", da es bei einer Spannungsüberladung wie eine solche umherschlagen kann. Josef entfernt und verstaut es fachmännisch. © PID/Christian Fürthner

Gefahr in Verzug

Ihr nächster Einsatz ist eher Routine, jedoch nicht minder kritisch. Bei einer Baustelle brauchen Elektriker Strom. Die Trafostation muss dafür "enterdet" werden. Erdung bezeichnet das Ableiten der Ströme in den Erdboden beziehungsweise das Erdreich. Leitet man diese Ströme wieder in die Trafostation, entsteht möglicherweise Gefahr. Und darum braucht es die erfahrenen Mitarbeiter der Wiener Netze. Als die beiden in Simmering ankommen, bereiten sie sich erst einmal vor. Günther schlüpft in den Helm mit Gesichtsschutz und holt die Erdungsstange aus dem Kofferraum.

"Das Gefährliche an der Sache ist die Aufhebung der Erdung", sagt Günther. "Wird die Erdung wieder hergestellt, entsteht ein Funken. Der kann einige tausend Volt haben und zu einer potenziellen Gefahr werden." Die Erdungsstange wird dazu genutzt, den ganzen Bereich abzutupfen und damit den Funken wegzuleiten, bevor Gefahr entsteht.

Mit der Erdungsstange tupft Günther den Funken ab, um die Erdung sicher wiederherstellen zu können. © PID/Christian Fürthner

Josef öffnet die Trafostation. Solche Räume betreten die Kollegen oft mit den Händen in der Hosentasche. "Das machen wir, um nicht reflexartig etwas anzugreifen. Hier kann alles unter Strom stehen." Günther begibt sich zum Trafo. Mit der Stange erdet er den Trafo und sorgt dafür, dass es keinen Funkenflug gibt. Nach wenigen Minuten ist er fertig. Der Strom ist wieder da. Josef und Günther arbeiten täglich mit dem Wissen, dass jeder Fehler weitreichende oder sogar lebensbedrohliche Konsequenzen haben kann.

24 Stunden, sieben Tage die Woche bereit

"Die Menschen vergessen oft, dass ohne Strom eigentlich gar nichts mehr geht. Es gibt kein Wasser, kein Telefon, nichts", sagt Josef auf dem Rückweg in die Zentrale. "So gesehen sind Wiens Netze die Lebensadern der Stadt. Uns motiviert das. Wir sorgen dafür, dass die Stadt läuft und dass alle Wienerinnen und Wiener ungestört durch den Tag kommen. Das gibt mir schon ein schönes Gefühl."

Die Einsätze wurden erfolgreich absolviert. Josef und Günther fahren nun zurück in die Zentrale. © PID/Christian Fürthner

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