Baustellen-Koordinator Peter Lenz am Südtiroler Platz. Wo auf Wiens Straßen aufgegraben wird, sorgt er dafür, dass der Verkehr trotz Baustelle weiter fließt. © PID/Christian Jobst

Ein Tag mit Baustellen-Koordinator Peter Lenz: "Ich bin nicht der Feind der Autofahrer."

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. CLUB WIEN war mit Baustellen-Koordinator Peter Lenz im Baustellensommer unterwegs. Er sorgt dafür, dass der Verkehr in der Stadt trotz notwendiger Straßenbaustellen weiter fließt.

Der Verkehr rollt am Gürtel am Hauptbahnhof vorbei. Mitten drin Peter Lenz auf seiner Kawasaki. Er biegt mit seiner 800-Kubik-Maschine auf den Südtiroler Platz ab, dreht den Motor ab, bockt das Motorrad am Straßenrand auf und nimmt den Helm ab. Statt Lederjacke mit Fransen trägt Lenz eine gelbe Warnweste mit dem Logo der Baustellenkoordination. Der Umbau des Südtiroler Platzes und der Kreuzung zwischen Favoritenstraße und Gürtel ist eines der "Highlights" des Baustellensommers 2017 – und eine von insgesamt vier Baustellen, die Lenz an diesem Tag mit seiner Kawasaki ansteuert. Das Motorrad ist das Markenzeichen des Wiener Baustellen-Koordinators: "Damit komme ich gut in der Stadt voran und ich kann es oft auch direkt bei der Baustelle abstellen."

Easy Rider im Dienst der Stadt. Das Motorrad ist nicht nur das Markenzeichen des Baustellen-Koordinators, mit der Kawasaki kommt er auch rascher durch die Stadt. © PID/Christian Jobst

Am Südtiroler Platz werden Gehsteige und Fahrspuren erneuert, außerdem entsteht ein neuer Radweg. Während der Arbeiten ist die Fahrtrichtung stadteinwärts gesperrt – für Autos, Fahrräder, Fußgängerinnen und Fußgänger gibt es Umleitungen. Der Kontrollbesuch des Baustellen-Koordinators gilt neben der Einhaltung des Zeitplans der Baustelle und Situation zur Rush-Hour insbesondere auch den Schildern, die den Verkehr regeln und ihn an der Baustelle vorbeilotsen. "Die Umleitung muss für alle Verkehrsteilnehmer klar und verständlich ausgeschildert sein. Man muss einfach den Tafeln nachfahren können und dort hinkommen, wo man hinwill", sagt Lenz.

Bei der Baustelle warten schon der Polier der Straßenbaufirma und zwei Mitarbeiter der MA 46 (Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten) und MA 28 (Straßenverwaltung und Straßenbau). Gemeinsam gehen sie die Umleitungsstrecke ab und kontrollieren Info-Tafeln, temporäre Verkehrszeichen und Umleitungsschilder.

Bevor auf Wiens Straßen aufgegraben wird, geht einiges an Planung voran. Dabei laufen alle Fäden bei Baustellen-Koordinator Lenz zusammen. Der Baustellensommer beginnt für ihn bereits im Herbst davor. Dann liegen die ersten Meldungen über sogenannte "verkehrsrelevante Bauvorhaben" vor. Magistratsabteilungen und stadteigene Betriebe, die für Baustellen auf den Straßen der Stadt verantwortlich sind, melden ihre Baustellen bei Lenz. Dann gilt es, sie mit den Technikerinnen und Technikern der Straßenbauabteilung, der Wasserwerke (MA 31), der Brückenbauabteilung (MA 29), Wien Leuchtet (MA 33), den Wiener Linien und Stadtwerken abzustimmen: Wann kann welche Baustelle starten? Wo sind Sperren notwendig und welche Auswirkungen haben sie auf den Verkehr in den umliegenden Straßen? Ziel ist, dass trotz der Arbeiten die wichtigen Verkehrsrouten frei bleiben oder es jedenfalls baustellenfreie Alternativrouten gibt und der Verkehr möglichst ungehindert fließen kann.

Bei der Kontrolle überprüft Lenz mit dem Baustellen-Verantwortlichen und Polier die Einrichtung der Baustelle. Danach wird die Umleitung mit Kollegen der MA 28 (Straßenbau) und der MA 46 (Verkehrsorganisation) abgegangen. © PID/Christian Jobst

Ob die Umleitung in der Praxis auch funktioniert, überprüft Lenz, indem er die Umleitung Gasse für Gasse mit einer Checkliste abgeht. Die Planung der Umleitung wird von der zuständigen MA 46 vorgenommen, die MA 28 stellt die notwendigen temporären Straßentafeln auf. "Bei dieser Tafel müssen wir nachbessern", sagt Lenz und zeigt auf ein Umleitungsschild am Gürtel Ecke Argentinierstraße. "Das ist mir schon selbst beim Herfahren aufgefallen, das sieht man bei der Ampel vorne zu spät." Gemeinsam mit dem Kollegen der MA 28 packt Lenz gleich an und bugsiert das Schild samt Betonblöcken, die der Beschwerung dienen, einige Meter  weiter vor.

Damit es besser sichtbar ist, muss das Schild verschoben werden. Peter Lenz packt mit dem Kollegen der MA 28 gleich an. Im Hintergrund eine verdeckte Einbahn-Tafel. Während der Baustelle gilt sie nicht – hier führt die Umleitung durch. © PID/Christian Jobst

12.837 Baustellen werden 2017 laut Plan auf Wiens Straßen abgewickelt – 714 davon im höherrangigen Straßennetz, also auf Hauptstraßen oder wichtigen Verkehrsverbindungen. Von diesen sind 423 verkehrsrelevant, machen also eine Sperre einer Fahrspur oder eine Umleitung notwendig. Besonders aufwendig sind rund 90 Baustellen, die deshalb in der verkehrsärmeren Zeit zwischen Anfang Juli und Ende August - im sogenannten Baustellensommer - erledigt werden.  

"Meine Arbeit ist ein bisschen wie Tetris oder Jenga spielen", sagt Lenz. "Bei der Planung muss alles zusammenpassen. Wenn   irgendwo etwas weggenommen wird, hat das Auswirkungen auf die Teile rundum." Während einer Baustelle können Einbahnen umgedreht werden, Tempolimits geändert und sogar Ampel-Taktungen verändert werden. Alles, damit Autos, Fahrräder, Fußgängerinnen und Fußgänger bestmöglich an der Baustelle vorbeigelotst werden.

"Ob eine Umleitung funktioniert, sieht man in den ersten Tagen", sagt Lenz. Erfahrungsgemäß braucht es bei jeder Baustelle eine kurze Eingewöhnungsphase. "Wenn es dann noch Probleme gibt, ist es auch mein Job zu schauen, dass nachgebessert wird", sagt Lenz. Jeder kann sich mit Hinweisen oder Beschwerden bei der Infoline Straße und Verkehr (+43 1 955 59, täglich 7 bis 18 Uhr) melden. "Wichtige Partner sind auch Autofahrerclubs, die viele Hinweise über ihre Mitglieder bekommen", sagt Lenz.

Peter Lenz mit dem Gütesiegel des Baustellenmanagements. Der Aufkleber kommt auf die Baustellen-Tafel. Alle Baustellen, die positiv überprüft wurden, bekommen die Auszeichnung. © PID/Christian Jobst

Am Ende der Kontrolle bekommt die Baustelle ein Gütesiegel in Form eines Aufklebers. Die Baustellen-Plakette soll einerseits die Prüfung sichtbar machen. "Es geht aber auch darum, die gute Leistung zu würdigen", sagt Lenz. Der Job des Baustellen-Koordinators wurde 2015 geschaffen und ist in der Baudirektion der Stadt angesiedelt. Eine Job-Anforderung ist auch, eine dicke Haut zu haben: In den Medien werden Baustellen schnell für Staus verantwortlich gemacht – und auch so manche Autorfahrerin und mancher Autofahrer schimpft schnell einmal über die Baustellen der Stadt. "Ich bin nicht der Feind der Autofahrer. Im Gegenteil: Die Infrastruktur der Stadt muss in Stand gehalten werden", sagt Lenz. "Das geht leider nicht ohne Baustellen. Wer kurz darüber nachdenkt, versteht, dass das eben wie ein Service beim Auto ist – das ist ein Mal im Jahr notwendig, damit man möglichst lange ohne gröbere Probleme unterwegs sein kann."

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