Kurt Danzinger leitet die Brandversuchshalle der MA 39. Der Atemschutz ist bei den Tests immer mit dabei. © PID/Markus Wache

 

Ein Tag im Bauphysiklabor: "Bei uns geht's heiß her"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. CLUB WIEN hat das Bauphysiklabor der MA 39 besucht. Kurt Danzinger und sein Team testen, ob Brandschutzprodukte auch halten, was sie versprechen.

Feuer und Hitze zählen zu Kurt Danzingers wichtigsten "Arbeitsinstrumenten". Kurt ist Leiter der Brandversuchshalle der Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle der Stadt Wien (MA 39), die sich im Bauphysiklabor in der Simmeringer Rinnböckstraße befindet. "Das Bauphysiklabor ist in drei große Bereiche unterteilt: Brand-, Wärme- und Schallschutz", sagt Kurt. "Unser Aufgabenbereich ist der Brandschutz und wir testen sämtliche Bauprodukte. Die Palette reicht vom Brandverhalten von Baustoffen bis zum Feuerwiderstand von Bauteilen."

Durch die Prüfungen trägt das Bauphysiklabor nachhaltig zur Sicherheit der Wienerinnen und Wiener bei; sei es im Privat- oder Berufsleben. Dank der Tests der Abteilung wird die Qualität der Bauprodukte  sichergestellt und werden Prüf- und Forschungsaufgaben der Stadt Wien wahrgenommen. "Brandschutz ist ein Thema das viele Menschen betrifft, auch wenn das nicht immer bewusst ist. Das wir einen Beitrag zur allgemeinen Sicherheit leisten ist ein gutes Gefühl und gleichzeitig eine große Verantwortung", sagt Kurt.

Brandschutz kann Leben retten

Die moderne Brandversuchshalle befindet sich im Hof des Gebäudekomplexes. Dass hier mit Feuer gearbeitet wird, lässt sich nicht verleugnen. Schon beim Eintreten tritt ein leichter Aschegeruch in die Nase, der etwa an ein kürzlich verloschenes Lagerfeuer erinnert. "Hier testen wir alles, was bei einem Brandabschnitt eingebaut wird, von Brandschutztüren über Decken bis hin zu ganzen Wänden", sagt Kurt. Ein Brandabschnitt meint sämtliche Einrichtungen, die verhindern sollen, dass ein Feuer von einem Gebäudeteil in den nächsten kommt. Ganz wichtig ist der Feuerwiderstand, also wie lange etwa eine Tür einem Feuer widerstehen kann. "Wir testen aber auch Luftleitungen, Durchführungen und andere Installationen." Fenster zum Beispiel sind weniger interessant. "Die führen ja nach außen. Wir prüfen vor allem Konstruktionen, die verhindern, dass sich das Feuer im Gebäudeinneren ausweitet."

 

Getestet wird aber auch in Sachen Brandentstehung. "Sie wissen, ein Brand bricht nicht gleich voll aus. Zuerst glimmt und raucht es, dann erst kommt es zu einer Entzündung. Wir testen Baustoffe wie Fußböden und Wandbekleidungen darauf, ob sie überhaupt und, wenn ja, wie stark brennbar sind." Heute steht aber ein Vollbrandszenario auf dem Programm. "Bei jedem Brand gibt es den Flashover. Das heißt, die Rauchgase werden so heiß, dass sie sich an der Decke selbst explosionsartig entzünden. Ab diesem Punkt herrscht ein Vollbrand und es geht nur noch darum, Personen außerhalb des Brandabschnitts sowie die Gebäudemasse selbst zu schützen."

Bis zu 1.000 Grad

Gerade eben überwacht Kurt die letzten Vorbereitungen für den heutigen Test. Gemeinsam mit den drei Mitarbeitern der Brandversuchshalle wird er heute ein großes Brandschutztor testen. Die Türe wurde vom Kunden selbst eingebaut. "Wir bauen die Testobjekte niemals selbst ein. So kann uns keiner vorwerfen, dass wir beim Einbauen einen Fehler gemacht haben. Die Ausrede gilt nicht", sagt Kurt. Generell haben alle Prüfungen das Ziel, das Produkt als brandschutztechnisch geeignet einzustufen. "Wir zünden nichts an, weil wir so gerne zündeln", stellt Kurt klar. "Wir richten uns da ganz streng nach den geltenden Normen und stellen einfach fest, ob die Produkte sicher sind oder nicht."

Das Tor ist fünf mal fünf Meter groß und passt damit haargenau in den größten Ofen der Brandversuchshalle. Das Objekt zeichnet sich dadurch aus, dass es sich waagrecht öffnet und wie ein Teleskop zusammenzieht. "So ein Tor haben sogar wir noch nicht getestet und sind dementsprechend gespannt", sagt Kurt. Das Tor wurde direkt in den Ofen eingebaut. "Von außen wird man nicht viel zu sehen bekommen, drinnen wird es aber richtig heiß", sagt Kurt. 16 Gasbrenner werden das Innere des Versuchsofens auf knappe 1.000 Grad aufheizen. Simuliert wird auch das Druckverhältnis eines echten Feuers. Das Verhältnis von Unter- zu Oberdruck muss stimmen, damit der Test auch realistisch ist. Der Ofen wird insgesamt 90 Minuten lang laufen. "Das ist die Zeit, die das Tor überstehen muss."

Neben diesem Ofen gibt es noch weitere - einen für Decken, einen weiteren für belastete Bauteile wie Wände und kleinere Brandversuchseinrichtungen für die Prüfungen an Baustoffen.

Rauch ist ständiger Begleiter

"Doch eines gleich vorweg: Es wird rauchen und stinken", warnt Kurt. Auf das Testergebnis hat das keinen Einfluss. "Wir testen nicht darauf, ob das Tor Rauch und Geruch durchlässt. Uns interessieren zwei Dinge: Bleibt die Temperatur auf der feuerabgewandten Seite unter 180 Grad und arbeiten sich die Flammen nicht durch das Tor?", sagt Kurt. Nach 90 Minuten gilt der Test als bestanden. Der Überdruck im Ofen drückt jede Menge Rauch nach draußen und darum hat das Team auch immer Atemschutzmasken mit dabei. Der Geruch lässt sich natürlich nicht vermeiden. "Unseren Platz in der Straßenbahn auf dem Nachhauseweg haben wir nach so einem Test in der Regel für uns allein", sagt Kurt mit einem Augenzwinkern.

Kurt montiert noch mehrere Sensoren auf der Tür. Die messen die Temperatur und geben Rückmeldung, die auf den Computerbildschirmen im Kontrollraum zu sehen ist. Vor dem Tor steht eine große Digitalanzeige, die den Countdown, diesmal also 90 Minuten, anzeigt. Auch Kollege Bernhard Ludwig ist schon gespannt. "Bei diesem Job weiß man wirklich nie, was passiert. Ich finde es auch spannend zu sehen, wozu so ein Feuer in der Lage ist. Die Kraft solcher Temperaturen ist schon verheerend", sagt Bernhard. Für Zartbesaitete ist der Job jedenfalls nichts. "Der Rauch und die Hitze können schon anstrengend sein, gerade im Sommer. Jede beziehungsweise jeder ist für diese Arbeit sicher nicht geeignet."

90 Minuten Vollbrand

Noch befindet sich der Ofen in der Aufwärmphase. Die Abgase, die bei dem Test entstehen, werden gründlich gereinigt. In einer Nachverbrennungsanlage werden die Rußpartikel bei 1.200 Grad verbrannt. Im Anschluss erfolgt eine Rauchgaswäsche, nach der die gereinigte Luft durch den 22 Meter hohen Schornstein ausgestoßen wird. "Das Verfahren wird laufend kontrolliert und ist auf dem höchsten europäischen Niveau", sagt Kurt. "Wir sind ja hier direkt im bewohnten Gebiet und gehen darum auf Nummer sicher, dass auch nur saubere Luft ausgestoßen wird."

Jetzt ist es so weit, der Ofen wird gestartet, der Countdown läuft. Durch ein Guckloch in der Hinterwand der Anlage kann man den Brandvorgang mitverfolgen. Schon nach wenigen Minuten sieht man außer glutroter Hitze aber nichts mehr. "Nach 30 Minuten bewegen wir uns temperaturtechnisch bei rund 800 Grad, am Ende dann schon bei 1.000 Grad", sagt Kurt.

Auf der Vorderseite tut sich zunächst wenig. Der Countdown tickt dahin, das Tor lässt sich die Belastung nicht anmerken. Dann beginnt es zu rauchen. Zuerst ganz wenig, bald schon mehr. Nach zehn Minuten füllt der Rauch den ganzen Raum. Die Kollegenschaft schnappt sich ihre Atemschutzgeräte und legt sie an. Abgesehen von der Rauchentwicklung verläuft der Test ruhig. Kurt verfolgt das Geschehen im Kontrollraum und hat ein Auge auf die Anzeigen. Ganz wichtig: 180 Grad dürfen nicht überschritten werden. "Jetzt heißt es warten", sagt Kurt.

Test bestanden, Tor leicht verzogen

Während der Wartezeit erzählt Kurt, dass sein Job ihn auch in diverse Gebäude führt. "Wir kontrollieren auch die Gebäude der Stadt Wien, vor allem nach Umbauten. Dazu sind wir vor Ort und stellen sicher, dass die Vorgaben des baulichen Brandschutzes eingehalten worden sind", sagt Kurt.

Nach 90 Minuten herrscht dann Gewissheit: Der Test war ein Erfolg. Für Kurt bleibt damit nur noch eines zu tun. "Ich schreibe jetzt natürlich noch einen Prüfbericht." Die Tür soll später ausgebaut werden. "Wir warten mal eine Stunde, dann dürfte sie ausreichend abgekühlt sein." Nach einer Stunde stellt das Team jedoch fest, dass sich das Tor verzogen hat und heute nicht ausgebaut werden kann. "Auf das Testergebnis hat das keinen Einfluss", sagt Kurt.

Manche mögen's heiß, Kurt auf jeden Fall. "Ich liebe meinen Job. Er ist abwechslungsreich, immer spannend und auch herausfordernd." Morgen steht schon die nächste Materialprüfung auf dem Programm.