Bibliothekar Christian Schneider liest auch in seiner Freizeit gerne. © PID/Ismail Gökmen

Ein Tag unter BibliothekarInnen: "Ein Ort für alle"

Wer hält die Stadt am Laufen? Die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Wir begleiten Christian durch die Bücherei Schwendermarkt. Hier ist der Bibliothekar für mehr als 23.000 Medien zuständig. Er sorgt dafür, dass jeder Lese-Fan zu seinem Buch kommt.

Wenn er in der Früh um 8.30 Uhr seinen Arbeitsplatz betritt, herrscht noch Stille. Christian dreht das Licht auf und entschärft die Alarmanlage. Im Büroraum der 400 Quadratmeter großen Büchereizweigstelle in Rudolfsheim-Fünfhaus schnappt er sich einen schnellen Kaffee, setzt sich an seinen Arbeitsplatz und checkt erst einmal seine E-Mails. "Der Computer ist auch in der Bibliothek das zentrale Arbeitswerkzeug, sei es das Bibliotheksystem, mit dem alles verwaltet wird, oder eben in der Kommunikation mit den Kundinnen, Kunden und den Kolleginnen und Kollegen an anderen Standorten", sagt Christian.

Video: Büchereien Wien - Lesofantenfest

Beim Lesofantenfest laden die Büchereien Wien zu Spiel und Spaß. Kostenlos von Lesung über Theater bis Kino. Das ideale Herbstprogramm für die ganze Familie. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

Christian Schneider, 37, hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Er hat bereits an verschiedenen Standorten der Büchereien Wien gearbeitet, erfolgreich seine Ausbildung zum Bibliothekar absolviert und ist nun Leiter der Bücherei Schwendermarkt. "Das Lesen eines Buches vermittelt Ruhe und Entschleunigung. Jeden Morgen weiß ich: Hier bin ich gut aufgehoben." Danach dreht Christian einen Rundgang durch die Bücherregale und schaut, ob alles in Ordnung ist. "Unsere Nutzerinnen und Nutzer gehen in der Regel sehr sorgsam mit unseren Medien um. Aber bei 23.200 Büchern, Zeitschriften, CDs, DVDs, Sprachkursen oder CD-ROMs kann das eine oder andere schon mal falsch abgelegt worden sein", sagt er. 

Wenn Christian das Bilderbuchkino vorbereitet, verteilt er Sitzpölster für die Kleineren und Hocker für die etwas Größeren vor der Leinwand. © PID/Ismail Gökmen

Besuch von Volksschulklassen

Zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen bespricht Christian kurz die Herausforderungen des Tages und teilt die Arbeit auf. Christian startet mit den Vorbereitungen für das Bilderbuchkino. Heute Vormittag haben nämlich zwei Volksschulklassen ihren Besuch angekündigt. "Beamer und Leinwand müssen aufgestellt, die Sitzpolster und Hocker hergerichtet, das ausgewählte Buch zur Präsentation an seine Position gelegt werden. Und das ist in allen Zweigstellen der Büchereien Wien so, jeden Vormittag leisten die Bibliothekarinnen und Bibliothekare einen wichtigen Beitrag in der Leseförderung. Und die Kinder wissen das und wollen gleich nach dem Kommen was erleben und nicht erst lange warten müssen bis es losgeht", sagt Christian. 

Christian: "Mit Kindern zu arbeiten, ist eine Grundvoraussetzung in einer öffentlichen Bibliothek. Die sind immerhin unsere größte Nutzerinnen- und Nutzergruppe." © PID/Ismail Gökmen

Zielgruppe Kinder

Schließlich zeigt der kleine Zeiger der Bibliotheksuhr auf zehn und die Zweigstelle öffnet ihre Türen für Neugierige, Bücherwürmer, Stammklientel und alle, die an Buch, DVD & Co Interesse haben. Auch die erste Volksschulklasse stürmt mehr oder weniger leise herein. Während sich einige Kinder alleine umsehen, wird Christian mit Fragen "überfallen". Wo denn der neueste Band der "Baumhaus"-Buchreihe zu finden sei, möchte ein Mädchen wissen, oder ob es auch ein Buch in Farsi gäbe, interessiert sich zeitgleich ein Bub. Trotz des Trubels kommt Christian nicht ins Strudeln. "Ich bin das gewohnt, immerhin bin ich jetzt schon 13 Jahre mit an Bord. Außerdem kann ich gut mit Kindern. Ich mag sie einfach, selbst wenn ich noch keine eigenen zu Hause habe", sagt er. "Ich denke, gerne mit Kindern zu arbeiten, ist eine Grundvoraussetzung in einer öffentlichen Bibliothek. Die sind immerhin unsere größte Nutzerinnen- und Nutzergruppe, bei der wir gerne behilflich sind, den Grundstein für einen erfolgreichen Bildungsweg zu legen."

"Der lange Gang über die Stationen" ist eines der Lieblingsbücher von Christian. © PID/Ismail Gökmen

Zusammenarbeit der Zweigstellen 

Während Christians Kollegin das Bilderbuchkino startet, kümmert er sich um seinen nächsten Tagespunkt. Mehrere Kisten voller Medien, die zwar in dieser Büchereizweigstelle ausgeliehen, aber in andere zurückgebracht und schließlich über das interne Liefersystem wieder an ihren Ursprungsort "verschifft" wurden, sind geliefert worden. "Die Nutzerinnen und Nutzer schätzen diese praktische und vollkommen kostenlose Möglichkeit, Medien an jedem der 39 Standorte der Büchereien Wien retournieren zu können. Da kommt der neueste 'Metzger'-Band von Autor Thomas Raab wieder zu den Krimis und Rainer Kaiser-Mühleckers 'Der lange Gang über die Stationen' zur Belletristik. Das ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher", erzählt Christian. "Das empfehle ich immer wieder gerne, wenn ich nach einem gefühlvollen, aber nicht kitschigen Buch gefragt werde." Und so mag es auch nicht verwundern, dass nur wenig später ebendieses Werk wieder die Zweigstelle in der Handtasche einer Stammklientin verlässt. Auch einem anderen Kunden kann Christian rasch behilflich sein. Dieser fragt nach einem Konsolenspiel, das es vor Ort nicht gibt. Per Mausklick ordert er das gewünschte Medium einfach aus einer anderen Zweigstelle und der Kunde kann es eine Woche später am Schwendermarkt abholen.

Nach kürzester Zeit hat Christian mit seinem Kollegen alle Bücher an ihren Platz gebracht. Beziehungsweise fast alle. Denn ein Buch ist Christian ins Auge gefallen, das er selbst ausborgen wird: "Eines von Adalbert Stifter. Ich bin eben auch ein Freund der Klassiker. Auch Thomas Bernhard kann ich immer wieder lesen." 

Gerne gönnt sich Christian am Schwendermarkt mittags vietnamesisches Essen. © PID/Ismail Gökmen

Vernetzung im Grätzel

"Wir denken über die Büchereimauern hinaus", sagt Christian. Die Liste der Veranstaltungen und Kooperationen zeigt das. "Mehrsprachige Lesungen oder intergenerative Projekte mit dem Bezirksmuseum zeigen, dass wir einer der vielfältigsten Bezirke von Wien sind. Da wird man schon als einer der Bibliothekare der Bücherei erkannt: Auf dem Markt kennt man uns schon. Da plaudert man auch mal ein paar Minütchen, während man aufs Essen wartet. Zudem gibt es rund um den Schwendermarkt vielerorts nette Cafés und witzige Läden." Nicht um viel Geld würde daher Christian sein Grätzel verlassen. Er ist ein richtiger Rudolfsheim-Fünfhauser und wohnt nur fünf Minuten von seinem Arbeitsplatz entfernt. Es gefällt ihm hier total. 

Beim Eingeben eines neuen Buches in das System blättert Christian auch gerne darin herum, um einen Eindruck zu bekommen. © PID/Ismail Gökmen

Neue Bestellungen

Kaum zurück im Büro, widmet sich Christian einem Herzstück der bibliothekarischen Arbeit: der Bestandspflege. Für die Bestellung neuer Werke ist ein breites Wissen über den Medienmarkt vonnöten. Dazu zählen Neuerscheinungen, Bestseller und Fachmedien aller Art. Ohne profunde Kenntnisse der Literatur- und Mediengeschichte geht sowieso nichts. Darüber hinaus müssen alle gelieferten Titel katalogisiert und der systematischen Aufstellung entsprechend zugeordnet werden. "Die thematische Aufstellung der Medien ist eines der Erfolgsrezepte einer öffentlichen Bibliothek. Man kann thematisch sortiert stöbern und findet auch einmal etwas, was man nicht gezielt gesucht hat", meint Christian. Alle zwei Wochen wächst so der Bestand der Bücherei um rund 40 Titel, die das Team gemeinsam auswählt. Fix mit dabei sind immer wieder Krimis, Kinderbücher und mehrsprachige Werke, da darauf auch die Schwerpunkte der Zweigstelle liegen. Ob Türkisch oder Paschtu, das man unter anderem in Afghanistan spricht: „Es ist immer wieder schön, ein Kind mit einem Kinderbuch in der eigenen Sprache zum Strahlen zu bringen. Vor allem Flüchtlingskinder, die bei uns viel Zeit verbringen, während die Eltern in der benachbarten Volkshochschulen-Zweigstelle einen Deutschkurs besuchen."

Gutes Betriebsklima

Wir sind gewohnt, uns den unterschiedlichen Nutzerinnen- und Nutzergruppen anzupassen. "Spaß muss dabei sein, nicht immer ist alles so ernst." Was er jedoch ernst nimmt, ist sein Auftrag als Mitarbeiter einer Volksbildungseinrichtung. "Wir sind ein öffentlicher Raum ohne Konsumzwang. Bei uns ist jede und jeder willkommen. Ob zum Lesen, Ausborgen, WLANnutzen oder Hausübungmachen. Wir helfen auch bei kniffligen Anfragen, wenn jemand bestimmte Literatur sucht oder sich zu einem speziellen Thema schlaumachen will", sagt Christian. "In solchen Gesprächen habe ich schon einiges über fremde Kulturen erfahren, das wirklich spannend ist." 

Spätestens um 18 Uhr verlässt der letzte Bücherwurm die Bücherei, denn um diese Zeit schließt sie. Christian und seine Kolleginnen und Kollegen drehen eine Abschlussrunde durch die Bücherei und stellen die letzten Bücher zurück. "Wir sind ein tolles Team und verstehen uns blendend. Ab und zu gehen wir auch einmal nach der Arbeit zusammen im Grätzel essen. Das gehört dazu!"

Video: Knigge für die Büchereien Wien

Vorteilspartner CLUB WIEN

Video: Erlebnis für die Sinne

Erfahren Sie mehr 31098

WINDOBONA Wien

Mit der CLUB WIEN-Vorteilskarte erhalten Sie 10 Prozent Ermäßigung auf ein Flugpaket fly4two oder fly4friends.

Erfahren Sie mehr 43474

Kunsthalle Wien

Hier hat zeitgenössiche Kunst ein Zuhause. CLUB WIEN-Mitglieder erhalten 25 Prozent Ermäßigung auf Ausstellungstickets.

Erfahren Sie mehr 43744

Mit BLAGUSS um die Welt

Bei Buchung in einem Wiener BLAGUSS-Reisebüro ersparen sich CLUB WIEN-Mitglieder die Buchungsgebühr.

Alle Vorteilspartner