Sozial und fair

Im Gespräch mit der neuen Frauen- und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal über zukünftige Pläne und Maßnahmen in ihrem Verantwortungsbereich und was ihr besonders am Herzen liegt.

Wie wollen Sie den sozialen Wohnbau zum öffentlichen Wohle sichern?

StR Gaal: Der soziale Wohnbau ist eine Wiener Erfolgsgeschichte, um die uns die ganze Welt beneidet. Anders als viele europäische Städte haben wir unsere Gemeindebauten nicht verkauft. Dieser grundsätzliche Zugang macht sich heute bezahlt. Wir werden den Gemeindebau auch in Zukunft vor Geschäftemacherei und Spekulation schützen!

Was planen Sie, damit Wohnen für alle auch weiterhin leistbar bleibt?

StR Gaal: Dort, wo es uns als Stadt möglich ist, positiv auf die Mietpreise einzuwirken, tun wir das. Im Rahmen unserer Wohnbauoffensive bringen wir Tausende neue geförderte Wohnungen auf Schiene. Gleichzeitig braucht es ein neues Mietrechtsgesetz für Private. Die heutigen Zuschläge sind völlig undurchsichtig. Außerdem ist es nicht zu verstehen, dass nur mehr jede fünfte Wohnung unbefristet vermietet wird. Die Bundesregierung ist gefordert!

Wien wächst rasant. Wo sehen Sie die größte Herausforderung für den Bereich Wohnen?

StR Gaal: Das ist, sicherzustellen, dass das Wohnen für alle leistbar bleibt. Auch sind infrastrukturelle Maßnahmen von Nöten. Es geht um die funktionelle Durchmischung der Grätzel. Ein gutes Beispiel dafür ist die Seestadt Aspern, wo wir bewusst darauf achten, dass es direkt im Wohnumfeld Arbeitsplätze, Sportmöglichkeiten und Bildungseinrichtungen gibt.

Bis 2020 sollen 4.000 neue Gemeindewohnungen entstehen. Wo werden die nächsten stehen?

StR Gaal: Als Favoritnerin freut mich, dass wir die allerersten neuen Gemeindewohnungen in Oberlaa übergeben werden. Im Winter 2017 war dort Spatenstich. Weit vorangeschritten ist ein Projekt am Leopoldstädter Handelskai 214, wo wir sogar Wohnungen mit Donaublick anbieten können. Dazu kommen Gemeindebauten in neuen Grätzeln, etwa im Meidlinger Wohnquartier Wolfganggasse oder auch in der Seestadt Aspern.

Wie wichtig ist die soziale Durchmischung im Wohnbereich für Sie?

StR Gaal: Enorm wichtig. Sie ist Voraussetzung für den sozialen Frieden. Das betrifft die Stadt genauso wie das Grätzel und das Wohnhaus selbst. Anders als in Metropolen wie Paris oder London kennen wir in Wien keine Ghettobildung. Das ist nur möglich, wenn man den Zugang zum sozialen Wohnbau der Mittelschicht ermöglicht. Diesen Weg werden wir auf alle Fälle fortsetzen.

Wo und wie überschneiden sich Frauen-Familienpolitik und leistbares Wohnen?

StR Gaal: Frauen- beziehungsweise Familienpolitik betrifft alle Bereiche der Stadt, natürlich auch das Wohnen. Die Sicherheit im Wohnumfeld ist beispielsweise ein großes Thema für Frauen. Ich denke auch an Fragen der Barrierefreiheit - sehr wichtig für Mütter beziehungsweise Eltern mit Kinderwägen.

Welche Themen sind besonders wichtig?

StR Gaal: Alles, was Frauen den Alltag erleichtert, ist für mich wesentlich. Dazu ein Beispiel: In der Meidlinger Wolfganggasse haben wir vor Kurzem ein Wohnprojekt mit einem Stockwerk speziell für Alleinerziehende auf den Weg gebracht. Neben einem Gemeinschaftsraum wird es auch einen Verein vor Ort geben. Als Mutter einer zwölfjährigen Tochter ist mir sehr bewusst, was Vereinbarkeit heißt und wie wichtig unterstützende Angebote, etwa für die Kinderbetreuung, sind.