Die neuen smarten Ampelanlagen erkennen von selbst, ob jemand die Straße queren will oder nicht. © Bohmann/Bubu Dujmic

 

Denkende Ampeln können mehr

Rund 1.300 Ampelanlagen sorgen in Wien dafür, dass der Verkehr fließt. 200 davon werden nun Stück für Stück ersetzt - mit Ampeln, die selbst erkennen, ob jemand die Straße queren will oder nicht. CLUB WIEN hat sie in Augenschein genommen.

Ampeln regeln still und diskret den Verkehr. Obwohl wir tagtäglich darauf achten, ob sie Rot oder Grün signalisieren und wir somit die Fahrbahn queren können oder nicht, bemerken wir sie erst dann, wenn sie ausgefallen sind. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben und passiert glücklicherweise selten. Fest steht: Rund 1.300 Ampelanlagen sind in Wien im Einsatz, 200 davon mit Druckknopf versehen. Diese reagieren in der Regel erst, wenn sie aktiviert werden und sind bei stark befahrenen Straßen in Betrieb. Das gilt vor allem dann, wenn wenig Fußgängerinnen- und Fußgängeraufkommen herrscht oder aber die nächste Möglichkeit, die Straßenseite zu wechseln, nicht weit entfernt ist.

Missverständnisse beseitigen

Ist der Knopf gedrückt und wird mit Leuchtbuchstaben "Warten" angezeigt, dauert es nicht mehr lange, und Passantinnen und Passanten können die Straße queren. Manchen ist aber auch das nicht schnell genug: Sie gehen dann über die Straße, wenn für sie Rot und dem Fahrzeugverkehr Grün geboten ist. Schaltet dann die Ampel um und die Fahrerinnen und Fahrer sehen niemanden über die Fahrbahn gehen, ist das ärgerlich. Ein Grund, warum diese Art der Ampeln bald Geschichte ist, so Daniel Pratl von der Abteilung Wien leuchtet: "Das führt zu Missverständnissen und wir bekommen laufend Beschwerden. Wir erhoffen uns von unserem neuen System, dass es wirklich besser wird: dass wirklich nur dann, wenn Personen da sind, umgeschaltet wird und man die Straße queren kann."

 

Dieses System erkennt nämlich von selbst, ob ein sogenannter Querungswunsch besteht oder nicht. An einer Kreuzung am Rande des 10. Bezirks wurde es auf Herz und Nieren geprüft und für gut befunden. Ab 2020 werden dann nach und nach die Druckknopfampeln bewertet, dann wird entschieden, wo das neue System zum Einsatz kommen kann. Erkannt wird über ein Bildverarbeitungsprogramm, ob jemand über die Straße gehen will oder sich einfach nur die Schuhbänder bindet.

Unterschied zwischen Menschen und Tieren

Die von einer kleinen Kamera in etwa vier Metern Höhe aufgenommenen Bewegungen werden von einem in einem Schaltkasten untergebrachten Mini-PC innerhalb von ein bis zwei Sekunden verarbeitet. So wird berechnet, in welche Richtung sich die Fußgängerin oder der Fußgänger bewegen wird. Passantinnen und Passanten müssen danach nicht mehr den Knopf drücken, stattdessen schaltet das Ampelsystem selbstständig um. Dabei weiß die Ampel sehr wohl Menschen von Tieren zu unterscheiden. "Diese Kamera hat über den Mini-PC einen Algorithmus hinterlegt, der ständig dazulernt", erklärt Pratl. "Am Anfang des Testbetriebs war es so, dass auch Vögel oder andere Objekte erkannt wurden. Aber im Laufe der Zeit hat sich das Programm selbstständig weiterentwickelt."

Die smarte Ampelschaltung ist dabei mehr als ein bloßer Bewegungsmelder. Würde sie so funktionieren, würde sie das Signal unabhängig davon wechseln, ob jemand die Straße queren will oder nicht. Technisch gesprochen: "Ein Bewegungsmelder erkennt die Infrarotwärmestrahlung einer Person. Unser System erkennt über das Bildverarbeitungsprogramm die Objekte mit Hilfe mehrerer Bilder", so Pratl. Entwickelt wurde das Ampelsystem von der TU Graz im Auftrag der Stadt Wien. Die erste Testphase hat 2016 mit einem Prototypen begonnen und soll 2019 abgeschlossen sein.

Ampeln lernen immer weiter

Dabei werden die intelligenten Ampeln immer wieder Neues lernen und sich weiterentwickelt. So sollen sie etwa erkennen, wenn sich größere Gruppen ab circa zehn Personen nähern, erläutert Pratl: "Da kann man die Ampelschaltung dahingehend optimieren, dass die Grünzeit länger wird. Das bietet sich bei Kindergärten und Schulen an, bei Veranstaltungszentren oder Touristenzentren wie Schönbrunn."

Wer nun befürchtet, dass mit dem neuen Ampelsystem die Datensicherheit nicht mehr gewährleistet ist, kann beruhigt werden: "Die Kamera verwendet die Bilder lokal und verarbeitet sie vor Ort. Die Bilder verlassen die Kamera nicht", so Pratl. Auch für die Zukunft ist man gewappnet, damit das Zusammenleben aller Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer sicher abläuft. "Wir schalten grüne Wellen und haben die dreißig Hauptrouten in Wien definiert. Es gibt Radfahrerinnen- und Radfahrerprojekte sowie Fußgängerinnen- und Fußgängerprojekte. Es tut sich viel im Ampelgeschäft und wir sind immer daran interessiert, etwas verbessern zu können."