So schön kann Skateboard sein: Roman Hackl zeigt einen "blunt to fakie", ein sehr fortgeschrittener Trick. © Bohmann/Dujmic

 

Wir lassen die Bretter rollen!

Vom Kultsport für Eingeweihte zum Lifestyle-Phänomen: Skateboarden hat eine beachtliche Entwicklung hinter sich. Das zeigt sich etwa am riesigen Angebot in Wien. Nahezu in jedem Bezirk gibt’s eine kostenlose Skateanlage. CLUB WIEN hat den Sport getestet.

Als Roman Hackl mit dem Skateboarden begann, war die Welt eine andere. Asphaltsurferinnen und -surfer wurden damals allzu oft kritisch beäugt und das Angebot an Skateanlagen war mehr als überschaubar. Dank Masterminds sowie Pionierinnen und Pionieren wie Hackl hat sich seit damals einiges getan. Und es gibt nicht nur feine Hallen wie die Skatearea23, die Hackl betreibt, sondern auch ein breites Angebot in den Wiener Parks. In fast jedem Bezirk kann man eine Anlage finden, eine Übersicht gibt’s auf der Website der Stadt Wien.

Ganz neu ist die Anlage im Arne-Carlsson-Park in Alsergrund. Leidenschaftliche Mitglieder der Wiener Skateszene waren daran maßgeblich beteiligt und das Ergebnis spricht für sich. Eine coole Halfpipe gibt’s ebenso wie diverse solide gebaute Stationen, auf denen man nach Belieben rutschen und springen kann. Als wir dort ankommen, wartet Roman Hackl schon. Auch er findet die Anlage sehr gelungen. „Im Outdoor-Bereich hat die Stadt Wien wirklich viel gemacht, auch gemeinsam mit den Kids. Indoor könnte man schon noch mehr Fläche brauchen“, sagt Hackl. Er selbst fährt seit 30 Jahren und war früher Profi. Nach der aktiven Karriere hat er sich in Wien stark engagiert und sich unter anderem an einem ehrenamtlichen Prozess der Stadt Wien beteiligt, in dessen Rahmen ein Skatepark in Hütteldorf entwickelt worden ist. „Danach habe ich mich selbst organisiert und einen Verein gegründet. All das hat schließlich zur Skatearea23 geführt.“

 

Die ersten Schritte

Die Faszination für das Asphaltsurfen entsprang bei Hackl wie bei vielen anderen aus dem Wunsch, etwas Sportliches abseits der Norm zu machen. Ein Stück weit waren Skateboarderinnen und -boarder immer Rebellen auf vier Rädern, die ihre ganz eigene Mode, Musik und allgemeinen Lifestyle pflegen. An uns ist das in der Kindheit vorübergegangen. Das Interesse war zwar da, aber die Angst, auf die Nase zu fallen, war einfach zu groß. Allzu mutig sind wir auch heute noch nicht, dementsprechend sind wir sehr gespannt auf die ersten Skateboard-Schritte.

Wer mit dem Skateboarden anfängt, braucht nicht viel. Ein Skateboard und flache Schuhe sind Pflicht, Schutzausrüstung ist bei Anfängerinnen und Anfängern sehr empfehlenswert, bei Kindern absolut unerlässlich. Worauf muss man beim Skateboard-Kauf achten? „Das Wichtigste ist nicht das Muster, sondern was sich darunter befindet. Ein Skateboard muss in erster Linie gut zu lenken sein und gut rollen“, sagt Hackl. Als Neuling erkennt man oft schwer, wie gut ein Board rollt und darum greifen gerade Eltern beim Kauf auch oft daneben. Ein guter Shop und Beratung sind eine große Hilfe.

Die ersten Schritte auf dem Board kann man im Groben als Annäherungsprozess beschreiben. Denn bevor man irgendwelche Tricks angeht, sollte man die Basics meistern. Dazu zählt die richtige Position auf dem Board. Wir achten beim ersten Besteigen darauf, dass die Füße sich auf den Achsen befinden und parallel zueinander ausgerichtet sind. Das erhöht die Stabilität. Ein schulterbreiter Stand und leicht gebeugte Knie sind die zu empfehlende Technik. Jetzt bewegen wir uns leicht nach links und rechts, vorne und hinten. Nur durch Verlagerung des Körpergewichts kann man schon ein wenig rollen. Ganz klar ist: Wer Skateboardfahren lernen will, braucht Geduld.

Rollen, dann springen

Da das Stehen halbwegs klappt und wir den Asphalt noch nicht geküsst haben, tasten wir uns an das Rollen heran. Der vordere, nicht dominante, Fuß dreht sich dabei um 90 Grad, so dass die Spitze nach vorne zeigt. Der hintere Fuß schiebt an. Beim ersten Versuch haben wir zu viel Gewicht auf dem Vorderfuß und das Brett bricht sofort nach hinten aus. Außer einem hochschnellenden Herzschlag läuft das aber glimpflich ab, wir finden die Balance, bevor es zu Boden geht. Wir holen unser Bord ein und probieren es gleich noch einmal. Es dauert ein wenig, bis man ein leichtes Gefühl dafür entwickelt. Wenn man einmal die Körpermitte gefunden hat und es schafft, zentral über dem Board zu stehen, kommt eine gewisse Sicherheit. Das Anschieben klappt ganz gut, den zweiten Fuß stellen wir danach wieder quer auf das Brett und rollen ein paar Meter nach vorne.

„Es ist wirklich wichtig, dass man sich beim Rollen gut fühlt, bevor man Tricks probiert. Es ist nicht immer leicht, das den Kids zu erklären, weil die natürlich Sprünge machen wollen. Aber hört bitte auf Leute wie mich, die oft auf die Nase gefallen sind: zuerst fahren, dann springen“, sagt Hackl. In der Anlage im Arne-Carlsson-Park kann man ganz gut testen, wie weit man ist. Auf den einzelnen Stationen kann man kleine Rampen rauf- und runterfahren. Wer das sehr gut beherrscht, kann sich neue Herausforderungen suchen.

Übung macht den Meister

Für uns kommt das viel zu früh. Wir plagen uns einstweilen mit den Richtungswechseln. Durch Verlagerung des Gewichts kann man die Achse des Skateboards in eine neue Bahn lenken. Das ist gar nicht so schwer. Allerdings ist die Kurve sehr ausladend und man braucht sehr viel Platz, um etwa umzudrehen. Darum gibt’s den leichtesten aller Tricks: den Kickturn. Dabei geht man mit dem Gewicht kurz auf den hinteren Teil des Boards, Tail genannt. Dadurch hebt sich der vordere Teil, Nose, in die Luft. Mit einer ruckartigen Bewegung versucht man dann, die Nose in eine neue Richtung zu schwingen. So kann man in einer kürzeren Zeit engere Radien fahren. Klingt leichter, als es ist. Wir schaffen es, die Nose anzuheben, aber mit dem Bewegen wir nicht viel Erfolg. Ein paar Millimeter in die eine oder andere Richtung klappen, mehr aber nicht. Alles in allem: ziemlich schwach!

Unser letztes Projekt ist ein sogenannter „Drop in“. Dabei stellt man sich auf die Spitze einer Rampe und klemmt das Board mit dem hinteren Ende an der Kante fest. Dann bringt man das Vorderbein dazu, kippt das Board gen Abgrund und düst runter. Schon bei kleinen Rampen beschleunigt man da ziemlich schnell, man sollte also vorher das Bremsen üben. Wir stellen fest, dass wir nicht bremsen können, und springen darum einfach ab. Sehr unelegant, aber wir sind verletzungsfrei geblieben. Das ist ein Erfolg.

Der Weg zu spektakulären Tricks und Sprüngen ist ein langer und schwerer. Dass sich der Einsatz und die harte Arbeit auszahlen, zeigt uns Roman dann noch mit ein paar seiner Tricks. Bei einem „Grind“ gleitet er eine Kante entlang. Beim „Blunt to fakie“ fährt er eine Rampe rauf, stoppt oben ab und klemmt das Brett bei den Hinterrädern fest, während die Nose gerade nach oben zeigt. Dann löst er das Skateboard wieder und gleitet sanft nach unten. Wir sind sehr beeindruckt und nehmen uns vor, wieder im Park vorbeizukommen, um wenigstens das Fahren zu meistern. Man sieht halt einfach cool aus auf dem Skateboard.