27.SEPTEMBER 2021 
Lifestyle
Ilse Amon (links) legt im Kurs Wert darauf, Balance und eine gute Körperhaltung zu vermitteln. © Bohmann/Rinkhy

Durch Selbstverteidigung ordentlich Selbstvertrauen tanken

Wie kann man einer Bedrohung ohne große Kraftausübung begegnen? Darum geht es im Kurs „Selbstverteidigung kompakt nach Krav Maga“. Wir waren bei der Trainingseinheit als Gast mit dabei.

Vor fast 20 Jahren gab Ilse Amon ihren ersten Kurs an den Wiener Volkshochschulen. Bis heute folgten etliche weitere Einheiten und damals wie heute schafft es die Kursleiterin, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Einstieg in die Welt der Selbstverteidigung zu zeigen. Ein sensibles Thema, wie sich auch in jedem Kurs wieder zeigt. „Mein Ziel ist, den Menschen Selbstvertrauen zu geben. Wir alle haben Ängste. Dass die Leute bei mir Sicherheit gewinnen, sehe ich, wenn sie nach einiger Zeit anfangen, mit persönlichen Problemen und Ängsten herauszurücken“, sagt Amon.

Ilse Amon hatte schon immer ein reges Interesse an Karate und Kung-Fu und kam eher zufällig zum Thema Selbstverteidigung. In diesem Kurs, der in der VHS Landstraße stattfindet, zeigt sie in sechs Einheiten erste Schritte für Anfängerinnen und Anfänger. Das System basiert auf der israelischen Kampfsportkunst Krav Maga. Die Technik ist dabei besonders realitätsnah und arbeitet mit zahlreichen Szenarien, die aus dem Alltag stammen könnten.

Übrigens, in den Wiener Volkshochschulen gibt es ein breites Aktiv- und Sportprogramm. Da ist sicher auf für Sie der richtige Kurs dabei. Einen Überblick finden Sie unter diesem Link.

Alle sind willkommen

Ganz wichtig für Amon ist dabei, sich für alle im Kurs Zeit zu nehmen und auf jede und jeden individuell einzugehen. Willkommen sind übrigens alle Interessierten, Voraussetzungen für die Teilnahme gibt es keine und man braucht auch keinerlei Ausrüstung. „Persönlich finde ich bequeme Alltagskleidung am allerbesten. Es ist auch angenehm für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, nach dem Job zum Kurs zu kommen und sich nicht lange umziehen zu müssen“, sagt Amon.

Wie bei den meisten Sportarten startet Amon mit einem Aufwärmprogramm. Doch weil ihr klassische Übungen zu fad sind, steigt sie mit einem Ballspiel ein, bei dem man im Kreis sitzend den Ball zu den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wirft. Das steigert gleich die Konzentration und sorgt dafür, dass alle direkt in das Geschehen gezogen werden.

Richtiges Verhalten in extremen Situationen

Im Kurs zeigt Amon die grundlegenden Techniken, die man im Falle einer Attacke auf der Straße kennen sollte. Da ist Blocken sehr wichtig; der offene Handschlag, der Kniestoß und der Schnapptritt sind die ersten Aktionen, die man lernt. Große Kraft braucht man dazu nicht. Im Kurs geht es nicht darum, aggressiv zu handeln, es geht darum, körperliche Auseinandersetzungen zu vermeiden oder abzuwehren. Dabei spielt auch die Körpersprache eine wichtige Rolle, wie Amon im Kurs erklärt. Eine gute Körperspannung ist von Vorteil, Balance ist besonders wichtig. Aufmerksamkeit kann in Extremsituationen entscheidend sein, ebenso ein entschlossenes Auftreten. So empfiehlt Amon auch, dem Gegenüber immer in die Augen zu schauen.

Ilse Amon nimmt sich auch Zeit, auf bestimmte Szenarien einzugehen. Dabei hält sie aber nichts von Kursen, die sich spezifisch an Frauen oder Mädchen richten. „Männer sind kein Feindbild. Und wenn, dann gehen die auch auf Männer los. Und ich freue mich immer, wenn Männer in der Gruppe sind, sie haben mehr körperliche Kraft, können aber viel von Frauen lernen und Frauen können von den Männern lernen. Ganz super. Ich mag absolut keine therapeutischen Kurse halten.“

Mit mehr Sicherheit nach Hause

Zwischen Knien in den Unterleib und dem Einsatz von Handflächen bleibt auch immer Zeit sich auszutauschen, zu plaudern und, ganz wichtig, zu lachen. „Für mich ist es schön, dass man lachen kann. Eine Einheit, wo nicht gelacht wird – na, da habe ich irgendwas falsch gemacht. Lachen, Humor, das ist gerade bei Übungen wie Würgen total wichtig. Wenn das mit Bierernst gelehrt wird, das ist nicht gut. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dürfen sich nicht vor dem Training fürchten oder ein ungutes Gefühl haben.“

Am Ende haben alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Idee davon, wie Ausweich-, Abwehr- und Befreiungsübungen im Alltag funktionieren. Und alle sind sich einig: Der Kurs hilft, das Sicherheitsgefühl zu steigern oder überhaupt eines aufzubauen. Amon schafft es, mit viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen auf jede und jeden einzugehen. Auf die weiteren Einheiten sind alle gespannt und die Kursgruppe verabschiedet sich mit einem Hochgefühl in den Wiener Abend.