Der Wiener Ruderclub Pirat an der Alten Donau bietet AnfängerInnenkurse für Jung und Alt. © Bohmann

Rudern: Ans Boot - hebt auf!

Rudern kann wie kaum eine andere Sportart von der Jugend bis ins hohe Alter ausgeübt werden. Auch in Wien erfreut sich der Ausdauersport immer größerer Beliebtheit. CLUB WIEN besuchte den Wiener Ruderclub Pirat und probierte es in einer Trainingseinheit.

Wie einfach es doch bei den Ruderprofis aussieht, wenn sie im Takt ihre Ruder ansetzen und zügig über das Wasser gleiten. Doch wer Rudern lernen will, wird schnell merken: Der Sport hat es in sich und verlangt vor allem Gleichgewichtssinn, Koordinationsfähigkeit und viel Übung. Denn hinter dem Rudersport steckt jede Menge Technik, Muskelkraft und Ausdauer. CLUB WIEN-Redakteurin Linda machte den Selbsttest und schnupperte gemeinsam mit drei weiteren Ruderbegeisterten in einen Anfängerinnen- und Anfängerkurs.

Das WRC-Pirat Clubhaus ist eines von zwei Clubhäusern und befindet sich im 22. Bezirk direkt an der Alten Donau. © Bohmann

Zuerst die Einweisung, dann die Anweisung

Der Wiener Ruderclub Pirat gehört zu Wiens ältesten Rudervereinen und wurde bereits im Jahr 1875 gegründet. Als einziger Ruderclub Wiens ist er in der glücklichen Lage, gleich zwei Bootshäuser zu besitzen: eines an der Alten Donau und eines in Langenzersdorf am Donaustrom. Trainiert wird heute im Bootshaus an der Alten Donau. Trainer Martin wartet bereits am Bootshauseingang.

Bevor es losgeht, bekommt man eine Einführung in den Rudersport. © Bohmann

Es ist 19 Uhr und die weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer treffen ein. Je nach Anmeldezahl variiert die Größe der Gruppe. Wir haben Glück, denn heute bleibt es bei einer kleinen Gruppe von vier Personen. Bevor es losgeht, erklärt uns Martin die wichtigsten Fakten über das Rudern. Dazu gehört natürlich auch, wo backbord und steuerbord sind, sowie eine Einführung in die Bootshandhabung und Materialbenutzung. Denn die hölzernen Beförderungsmittel sind teuer, da ist Vorsicht geboten.

Die Ruderboote werden in der Bootshalle des Clubhauses deponiert. Wir machen eine kleine Runde und Martin zeigt uns die verschiedenen Bootstypen. Es gibt Skull- und Riemenboote. Ein Skullboot ist ein Rennruderboot oder ein Gigruderboot, das von den Ruderinnen und Ruderern mit Skulls fortbewegt wird. Skulls sind Ruder. Gerudert wird dabei mit jeweils einem Skull auf der Steuerbord- und auf der Backbordseite, das heißt ein Ruder links und eines rechts. Bei Riemenbooten wird das Boot von den Ruderinnen und Ruderern mit nur einem Riemen auf der Backbord- oder Steuerbordseite (einem Ruder) fortbewegt. Das heißt, ein Riemenboot benötigt immer mindestens zwei Ruderinnen oder Ruderer. Wenn ein größeres Boot verwendet wird, muss es sich immer um eine gerade Anzahl an Sportlerinnen und Sportlern handeln.

Gerudert wird heute mit einem Skullboot, einem Vierer mit Steuermann. Im Bootshaus gibt es zudem Einer oder auch Skiffs, das sind Ruderboote, die nur von einer Person gefahren werden, Zweier, Vierer bis hin zu Achter. Ziel einer Ruderbootsausbildung ist, das Rudern soweit zu beherrschen, dass man selbstständig mit einem Einer ausfahren kann, ohne zu kentern.

Aufwärmen ist das A und O im Rudersport. In der Regel trainiert man 90 Minuten am Rudergerät. © Bohmann

Trockenübungen zu Beginn

Nach einem kurzen Rundgang durch das Bootshaus kommen wir zum Fitnessraum. Im Rudersport ist wichtig, sich vorweg richtig gut aufzuwärmen, da es sonst leicht zu Verletzungen kommen kann.

Ausgestattet ist der Fitnessraum mit Trainingsgeräten für Kraft- sowie Ausdauersport, denn beides wird später auf dem Wasser benötigt. Martin setzt uns in vier Rudergeräte und erklärt uns die Rudertechnik. Wie indoor gerudert wird, so soll auch auf dem Wasser gerudert werden, deshalb heißt es jetzt gut aufpassen.

Füße in die Schlaufen gesteckt, Belastungsintensität und Sitzposition eingestellt und schon kann das Training losgehen: "Drücke dich zuerst mit den Beinen ab, bis sie durchgestreckt sind, dann lehne den Oberkörper leicht nach hinten und ziehe erst danach den Griff mit den Händen zum Körper. Der Weg zurück in die Ausgangsposition geht genau umgekehrt: zuerst die Arme strecken, dann den Oberkörper leicht nach vorn legen und zuletzt mit den Beinen beziehungsweise an den Zehen kontrolliert nach vorn ziehen", erklärt Martin. Klingt einfach, doch gleichzeitig an die richtige Reihenfolge zu denken und fließende Abläufe hinzubekommen, ist doch schwerer als gedacht. Auch der Rhythmus ist entscheidend. "Ziehe den Griff zügig nach hinten zum Körper und kehre dann langsam in die Ausgangsposition zurück. Durch den langsamen Rückweg hat man nach jedem Zug Zeit, kurz durchzuatmen und die Hände auszuruhen. So hält man länger durch", erklärt Martin.

Nach 20 Minuten erlöst uns unser Trainer und wir machen uns auf zu unserem Skullboot.

Zuerst die Ruder in den Dollen befestigen, damit das Boot stabilisiert wird. © Bohmann

Fertig machen zum Einsteigen

Gut aufgewärmt geht es endlich Richtung Wasser. Unser Boot ist ein Vierer mit Steuermann, den heute Martin für uns gibt. Doch zuerst muss das Boot aus der Bootshalle transportiert werden. Dazu benötigt es an beiden Seiten gleichviel starke Hände, damit das Boot nicht kippt. Am Floss angekommen, wird das Ruderboot vorsichtig über die Oberschenkel ins Wasser gehievt.

Das Ruderboot wird kopfüber zum Floss gebracht. Erst dann wird es umgedreht und vorsichtig ins Wasser gelassen. © Bohmann

Auch das Einsteigen erfordert einiges an Geschicklichkeit. Zuerst müssen die Skulls (Ruder) in die Dollen des Ruderboots, das sind die Befestigungsriemchen für die Ruder, eingelegt werden. Das landseitige Skull wird zuerst eingelegt. So wird das Boot gleich vorweg stabilisiert. Danach ist das wasserseitige Ruder dran. Mit dem wasserseitigen Fuß auf das dafür vorgesehene Trittbrett zuerst in das Boot steigen, mit der wasserseitigen Hand beide Ruder halten. Und Achtung: Niemals loslassen! Beim Einsteigen besteht die größte Gefahr abzutauchen. 

Beim Einsteigen ist Vorsicht geboten, denn beim Tritt ins Boot fallen die meisten ins Wasser. © Bohmann

Sitzt man endlich im Boot, ohne in das Wasser gekippt zu sein, heißt es jetzt erst einmal ausbalancieren. "Blatt!", schreit Martin und wir lassen unsere Ruder glatt (horizontal) auf dem Wasser liegen. Dadurch wird das Boot stabil und kann nicht umkippen.

Der Steuermann gibt den Ton an und auch die Richtung. © Bohmann

Der Rhythmus macht das Tempo

Am Wasser versuchen wir unsere ersten Ruderschläge. Nun kommt es auf den Rhythmus an. Denn nur, wenn im gleichen Takt gerudert wird, kommt man auch voran.

"Auslage!", ruft Martin. Wir setzten an und bringen die Ruder in Auslage-Position - und "Los!". Beide Ruder werden gleichzeitig ins Wasser gesetzt, Füße drücken sich vom Stemmbrett ab, Arme ausgestreckt nachgezogen und zurück in die Ausgangsposition und wieder von vorne. "Blatt!", ruft Martin wieder. Wir stoppen, lassen die Ruder mit horizontalem Blatt auf dem Wasser liegen - unsere Synchronie lässt noch sehr zu wünschen übrig. Zum Glück hilft Martin mit dem Zwischenruf "Jetzt!", der uns verdeutlicht, wann alle die Ruder gleichzeitig für den nächsten Schlag ins Wasser geben sollen. Nach einigen missglückten Versuchen kommt die Gruppe langsam in ihren Rhythmus und wir fahren unsere ersten Runden auf der Alten Donau.

Knapp eine Stunde später kehren wir um. Es ist kurz vor neun Uhr und wir rudern dem Sonnenuntergang entgegen. Am Floss angekommen, wird das Boot ebenso achtsam wie zu Beginn aus dem Wasser gehoben, auf die Bootshalterungen, auch Böckl genannt, abgelegt, gereinigt und anschließend zurück ins Bootshaus gebracht. Die Trainingseinheit ist zu Ende.

Die Alte Donau ist Grünoase und Freizeitparadies zugleich. Deswegen haben wir in die Hände gespuckt und sind eine Runde rudern gegangen. © Stadt Wien/ Bohmann Verlag

Unser Fazit: Übung macht den Meister! Der Rudersport ist für Anfängerinnen und Anfänger eine echte Herausforderung, da man sich sowohl auf Bein- und Armkoordination als auch auf die Ruderkolleginnen und -kollegen und auf den gemeinsamen Rhythmus konzentrieren muss. Dennoch ist es ein toller Sport, um sich auszupowern, seine Fitness zu stärken und nette Leute kennenzulernen. Wer mit Rudern beginnen möchte, sollte es einfach probieren. Der Sport eignet sich für Jung und Alt. Also nichts wie rein ins Boot!

Die Trainingseinheit endet. Alle haben es trocken zurück ans Land geschafft und das Boot heil ins Bootshaus. © Bohmann

Vorteilspartner CLUB WIEN

Wiens Sagen- und Märchenerzähler Reinhard Mut "Wieny®"

Mit CLUB WIEN-Vorteilskarte erhält man 50 Prozent Ermäßigung auf alle Aktionen.

Erfahren Sie mehr 31076

Video: The Big Invisible im KUNST HAUS WIEN

Erfahren Sie mehr 31130

Video: stadtUNbekannt – Hinter den Kulissen vom Volkstheater

Alle Vorteilspartner