Die MitarbeiterInnen der Schulkooperationsteams unterstützen bei Konflikten in der Schule und sind Ansprechpersonen für Lehrkräfte. © Adobe Stock

 

Probleme in der Schule gemeinsam angehen

Das Leben in der Schule folgt eigenen Gesetzen. Probleme lassen sich dabei kaum vermeiden. Um sie zu lösen und LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern zur Seite zu stehen, wurden Schulkooperationsteams ins Leben gerufen. CLUB WIEN stellt sie vor.

Schulen sind kleine Universen. Hier dreht sich die Welt anders. Doch jede Schülerin und jeder Schüler bringt Einflüsse von außerhalb mit - aus dem Elternhaus, der Familie, dem Freundinnen-, Freundes- und Bekanntenkreis. Das sorgt zusammen mit den Lehrerinnen und Lehrern, die selbst unterschiedlichste Hintergründe haben, für eine bunte Mischung. Gerade diese Mischung kann Bildungseinrichtungen aber vor allem in Großstädten wie Wien vor soziale Herausforderungen stellen. Die daraus resultierenden Probleme können verschiedene Ursachen haben, eines haben sie aber gemein: Mit Hilfe lassen sie sich leichter lösen als ohne. Nicht zuletzt deshalb wurden mit Anfang des Jahres von der Kinder- und Jugendhilfe, MAG ELF, die Schulkooperationsteams gegründet.

20 Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen kommen nun zum Einsatz, wenn in der Schule Probleme auftauchen. Aufgeteilt sind sie auf sechs Regionalteams, bestehend aus drei bis fünf Personen. Das hat ganz praktische Gründe, ist doch die Kinder- und Jugendhilfe in sechs Regionen organisiert. "Unser Angebot richtet sich an Lehrerinnen und Lehrer genauso wie an die Kinder und Jugendlichen sowie an deren Familien", erklärt Christian Oswald, Projektleiter der Schulkooperationsteams der MAG ELF. Zugeschnitten ist das Programm dabei auf alle von den Wiener Schulen (MA 56) verwalteten Einrichtungen. Darunter fallen alle Pflichtschulen, also Volksschulen, Hauptschulen, Neue Mittelschulen, Polytechnische Schulen und Sonderschulen.

Verschiedenartige Probleme

Die Schulkooperationsteams selbst sind multiprofessionell, viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügen über Zusatzausbildungen. "Es gibt einen sehr großen Erfahrungsschatz. Wir haben darauf geachtet, dass die Teams gut durchmischt sind, sowohl was die Professionen betrifft als auch Geschlecht, Arbeitserfahrung und Dienstalter", so Oswald. Wichtig für die Schulkooperationsteams: Sie nehmen jede Herausforderung ernst, können diese doch sehr unterschiedlich ausfallen. "Wir haben ganz bewusst keine spezifischen Probleme niedergeschrieben, umgekehrt auch keine ausgelassen", so Oswald. Oft ist es so, dass Kinder in der Schule Probleme schildern, die sie zu Hause oder im Freundinnen- und Freundeskreis haben. Oder aber die Lehrkraft stellt fest, dass das Kind in Sorge ist und immer stiller und trauriger wird. Die Probleme können in der Schule selbst liegen und in der Klassengemeinschaft als Störung wahrgenommen werden. Zu guter Letzt kann die Lehrerin oder der Lehrer an den Punkt gelangen, an dem sie beziehungsweise er Unterstützung bei bestimmten Kindern und Jugendlichen benötigt. Schließlich sollen Probleme am Ansatz gepackt und sanft abgefedert werden, bevor sie ausarten können.

 

Ist es so weit, dass Hilfe vom Schulkooperationsteam benötigt wird, kann dieses per E-Mail oder Telefon kontaktiert werden, wobei jede Region eine eigene Klappe hat. Innerhalb von drei Tagen wird ein Termin für ein sogenanntes Clearing-Gespräch ausgemacht, ein vertrauliches Gespräch unter vier Augen. Begonnen wird der Prozess immer mit der Lehrerin oder dem Lehrer, so Projektleiter Oswald: "Es darf jede und jeder anregen, das Schulkooperationsteam dazuzuschalten oder anzufragen, aber uns ist ganz wichtig, dass das Erstgespräch mit der Lehrkraft stattfindet." Dabei soll aus persönlicher Sicht das jeweilige Problem dargelegt werden. Außerdem wird bereits in diesem Stadium überlegt, mit welchen Bereichen man sich außerhalb der MAG ELF vernetzen kann. Dazu gehören Schulpsychologinnen und -psychologen genauso wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bildungsombudsstelle, von der Kinder- und Jugendanwaltschaft oder von der Wiener Polizei.

Begleitpersonen für SkeptikerInnen

Unmittelbar danach wird mit dem betroffenen Kind, der oder dem betroffenen Jugendlichen Kontakt aufgenommen, um ihre oder seine Sichtweise des Problems in Erfahrung zu bringen. Entscheidend ist, dass immer nur mit einem Kind gesprochen wird. "Ich hatte unlängst eine Anfrage von einer Direktorin, die gleich vier Kinder zum Clearing-Gespräch anmelden wollte", verrät Oswald. "Aber jedes Kind braucht für sich alleine ein solches Gespräch, damit wir auch die Qualität wahren können." Das bedeutet nicht, dass die Kinder und Jugendlichen komplett auf sich allein gestellt sind. Wenn sie skeptisch sind, können sie jemanden als Begleitperson mitnehmen, etwa die beste Freundin oder den besten Freund. Natürlich werden auch die Eltern oder andere Obsorgeberechtigte hinzugezogen. Schließlich sollen alle an Bord sein, wenn es um das Lösen vorhandener Probleme geht.

Danach geht es in die nächste Phase, die Kurzzeitberatung. Innerhalb von acht Wochen werden acht Termine mit dem Kind, der oder dem Jugendlichen, den Eltern oder anderen Bezugspersonen wahrgenommen. Der Aufbau einer Beziehung zum jeweiligen Kind spielt dabei eine tragende Rolle. Die Treffen können in der Schule, in den Familienzentren der MAG ELF oder aber an neutralen Orten stattfinden. "Man kann in ein Kaffeehaus gehen, man kann sich in einem Park treffen, man kann auch Hausbesuche wahrnehmen, natürlich nur mit dem Einverständnis der Eltern", erklärt Christian Oswald.

In kurzer Zeit an Lösung arbeiten

Letztlich geht es darum, in relativ kurzer Zeit konzentriert und fokussiert an der Lösung des jeweiligen Problems zu arbeiten. Wer könnte was besser machen? Wie könnte man mit kleinen Schritten dafür sorgen, dass sich die Situation entschärft? Das kann Allgemeines wie Unterricht oder Freizeit, aber auch Konkretes wie Lernen, Pünktlichkeit oder eine bestimmte Ordnungsstruktur betreffen. Nach Ablauf der acht Wochen gibt es ein Bilanzgespräch zwischen Schulkooperationsteam, Kind oder Jugendlicher beziehungsweise Jugendlichem, Lehrerin oder Lehrer und Eltern oder anderer Bezugspersonen. Das Ziel ist klar: "Wir arbeiten daran, dass es allen Beteiligten im und um das System Schule besser geht."

Kontakt für Lehrpersonen zu den Schulkooperationsteams

E-Mail: schulkooperation(at)ma11.wien.gv.at

Telefon:

  • Region Mitte-Ost – Bezirke 1, 3, 4, 5, 11: 01 4000-90931
  • Region Ost – Bezirke 2, 22: 01 4000-90932
  • Region Nord-West – Bezirke 6, 7, 8, 9, 16, 17, 18, 19: 01 4000-90933
  • Region Süd – Bezirke 10, 23: 01 4000-90934
  • Region West – Bezirke 12, 13, 14, 15: 01 4000-90935
  • Region Nord – Bezirke 20, 21: 01 4000-90936