Schule kann sehr stressig werden. Das muss aber nicht sein, wie die Tipps von der MAG ELF zeigen. © PID/Votava

Schulische Anforderungen gut bewältigen

Das neue Schuljahr stellt Kinder und Jugendliche vor viele Herausforderungen. Nicht alle sind akademischer Natur. Ängste und Sorgen sind ebenso Thema. Psychologe Hannes Kolar von der MAG ELF gab CLUB WIEN Tipps, wie man Stress lindern kann.

Er steht bei der Talkbox der MAG ELF mit Rat und Tat zur Seite. Natürlich auch, wenn es um das Thema Schule geht. Uns hat Hannes Kolar verraten, wie man entspannt durch den Schulalltag kommt, welchen Stellenwert das soziale Umfeld hat und wozu die Ferien eigentlich wirklich da sind.

CLUB WIEN: Wie kann man als Elternteil helfen, Schulstress zu vermeiden? Auf welche Art und Weise lässt sich eine entspannte Atmosphäre herstellen?

Hannes Kolar: Jede Woche einen Test und eine Schularbeit schreiben sowie Referate halten und Stundenwiederholungen machen: Geht der Prüfungsstress so richtig los, können die Nerven von Eltern und ihren Kindern blank liegen. Die Eltern fürchten um die Zukunftschancen ihrer Kinder, sollten diese den schulischen Anforderungen nicht gerecht werden können. Die Kinder sehen kein Licht am Ende des Stresstunnels und verlieren an Motivation und somit auch an Leistungsfähigkeit. Achten Sie darauf, dass Schule nicht das einzige Gesprächsthema in der Familie ist. Planen Sie bewusste Zeiten ein, innerhalb derer Außerschulisches stattfinden kann. Beispielsweise Freundinnen und Freunde treffen oder persönlichen Interessen nachgehen.

Manche Jugendliche benötigen mehr Zeitmanagement, als die Eltern annehmen. Humor und gemeinsames "Wegstecken" von Misserfolgen kann ebenfalls zu einer entspannten Atmosphäre verhelfen.

Was können Eltern tun, um ihr Kind nach einem Schulwechsel optimal zu unterstützen? Fall eins: Schulwechsel in eine bestehende Gruppe

Kinder, die aus verschiedenen Gründen während des Jahres in eine andere Schule wechseln, kommen in eine bestehende Klassengemeinschaft und somit in eine bereits bestehende soziale Struktur aus informellen Cliquen. Während bei einem gemeinsamen Beginn einer neuen Klasse die Bedürfnisse der Kinder ähnlich sind, können sich diese zwischen Neuling und Alteingesessenen stark unterscheiden. Ein Neuling wird sicherlich nach dem Grund des Wechsels gefragt. Hier sollten die Eltern mit ihrem Kind bereits eine Antwort vorbereitet haben. Manche Gründe sind für die Kinder unangenehm: Mobbing, disziplinäre Schwierigkeiten, Leistungsschwächen. Hier bedarf es besonders guter Vorbereitung.

Fall zwei: Schulwechsel aus Altersgründen

Der Wechsel in einen neuen Schultyp, also etwa von einer Volks- in eine Mittelschule, ist ähnlich vorzubereiten wie der erste Schultag. Auch hier ist ein Vorabbesuch der Schule hilfreich, ebenso ein Kennenlernen des Klassenvorstandes. Eltern sollen dem Kind den Raum und die Zeit geben, Fragen zu stellen und über Hoffnungen, Erwartungen und Ängste in der neuen Schule zu sprechen.

Welche Rituale erleichtern Kindern den Schulalltag?

Der Schulalltag wird maßgeblich vom Schultyp mitbestimmt. Regelmäßige Abläufe bezüglich Mahlzeiten, Hausaufgaben und Freizeit mit Möglichkeiten für Ausnahmen helfen Kindern in der Bewältigung der vielen Anforderungen. Gleichzeitig ist auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen "verschulter" Freizeit, also dem regelmäßigen Besuch von Kursen oder Vereinen, und der selbst gestalteten Freizeit zu achten. Aufgrund der leichten Verfügbarkeit von Informationen durch die neuen Medien und die Vielfalt angebotener Kinderkurse brauchen Kinder die Unterstützung von Erwachsenen. Gerade um ihr Gehirn nicht ständig mit neuen Eindrücken zu überlasten und Erholungsphasen einzuplanen.

Wie wichtig sind gemeinsame Unternehmungen von Eltern und Kindern?

Gemeinsam verbrachte Zeit ist für die Beziehungsgestaltung zwischen Eltern und Kindern besonders wichtig. Die bei der Tätigkeit hervorgerufenen Emotionen von Freude, gegenseitiger Wertschätzung und Zuneigung sind dabei wesentlicher als der Inhalt der Unternehmung. So kann ein Spielenachmittag im Wohnzimmer an einem verregneten Sonntag als genauso schön und intensiv erlebt werden wie ein aufwendig geplanter Kurzausflug auf ein Ritterfest oder in ein Erlebnisbad. Kinder bilden ihr Selbstbild stark unter dem Einfluss, wie die Eltern mit ihnen umgehen. Somit kann gemeinsam verbrachte Zeit im besten Fall zu Selbstwert, Stolz und innerer Zufriedenheit bei Kindern beitragen.

Welche Rolle spielt der Freundeskreis eines Kindes im Alltag?

Im Kreis von gleichaltrigen Freunden kann ein Kind soziales Verhalten erproben und anhand der Reaktionen Auswirkungen erkennen. Je älter Kinder werden, desto wichtiger wird die Peergroup für die Entwicklung. Ziel ist es schließlich, sich in einer Welt ohne den geschützten Rahmen der Eltern zurechtzufinden. Freundinnen und Freunde können später zu einer wichtigen Ressource werden, sei es, um Unterstützung zu erhalten oder bei der Partnerinnen- und Partnersuche.

Was sollte in den Ferien alles erledigt werden, wozu in der Schulzeit oft die Zeit fehlt?

 Die Ferien sollen als bewusste Abwechslung zum Schulalltag gestaltet werden. Sie können somit zu einem Gefühl eines Jahresrhythmus beitragen. Ferien geben vor allem Möglichkeiten zur eigenständigen Gestaltung. Der Kopf wird frei für kreative Ideen, zu deren Umsetzung nun auch die notwendige Zeit da ist. Die Ruhe kann auch optimal für beziehungsstiftende Aktivitäten in der Familie genutzt werden.