Im Redaktionsteam vom Schöpfwerk Schimmel arbeiten viele engagierte Freizeiautorinnen und -autoren mit und gestalten gemeinsam ein buntes und freundliches Blatt für ihren Gemeindebau. © Wohnservice Wien/Philipp Hartberger

 

Schöpfwerk Schimmel: Eine Zeitung, die verbindet

Die Stadtteilzeitung Schöpfwerk Schimmel berichtet seit 30 Jahren über Ereignisse, Hintergründe und Veranstaltungen der Großwohnsiedlung Am Schöpfwerk. Eine Zeitung, die verbindet und vermittelt. CLUB WIEN schaute hinter die Kulissen.

Im südlichen Teil des zwölften Bezirks befindet sich eine der größten und wohl bekanntesten Wohnsiedlungen Wiens, die Gemeindebausiedlung Am Schöpfwerk. Mit 62 Stiegen, rund 1.700 Wohnungen und über 5.500 Bewohnerinnen und Bewohnern gleicht die Wohnsiedlung schon fast einer Kleinstadt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Großwohnanlage verfügt über nahezu alles, was man zum Leben braucht. So gibt es eine eigene Polizeistation, ein Postamt, drei Kindergärten, zwei Schulen und eine Kirche, eine Moschee sowie Gemeinschaftseinrichtungen wie das Bewohner*innenzentrum Bassena von wohnpartner, eine Bücherei, ein Jugendzentrum, ein Nachbarschaftszentrum und, etwas Besonderes, mit dem "Schimmel" sogar eine eigene Stadtteilzeitung. Diese feierte 2018 ihr 30-jähriges Bestehen. Die rund 28-seitige Zeitung erscheint zwei Mal im Jahr und wird von den Bewohnerinnen und Bewohnern gemeinsam mit den Institutionen am Schöpfwerk geschrieben und vom Verein "ARGE Schöpfwerk" herausgegeben. Das Nachbarschaftsservice wohnpartner unterstützt die Herstellung organisatorisch und finanziell. Dabei steht das Leben im und rund um den Gemeindebau stets im Mittelpunkt. Zwei Mal im Jahr findet auch die Redaktionssitzung statt. In einer kleinen Runde werden die zukünftigen Themen besprochen, neue Artikel vergeben und über Gott und den Gemeindebau berichtet. Wie das genau aussieht? CLUB WIEN besuchte die Gemeindebauanlage in Meidling und sprach mit den Redakteurinnen und Redakteuren der Stadtteilzeitung über ihre Arbeit in der Redaktion und dem Gemeindebau.

Eine Kleinstadt in der Großstadt

Die Großwohnanlage wurde von 1977 bis 1980 am Wienerberg, im Süden von Meidling, auf einem rund 18 Hektar großen Areal errichtet. Vorbild war der soziale Wohnbau des Roten Wien in den 1930er-Jahren. Dieser bot vielen Menschen erstmals leistbare, menschenwürdige Wohnungen mit fließendem Wasser und Toiletten. Die Innenhöfe der Wohnanlagen Am Schöpfwerk wurden mit zahlreichen Bäumen begrünt und verfügten über mehrere Spielplätze. Außerdem gab es Waschküchen, Kindergärten, Bibliotheken und auch Trafiken und Lebensmittelläden. So bot die städtische Großwohnanlage vielen eine bis dahin nicht gekannte Lebensqualität. Errichtet wurde sie von dem Wiener Architekten Viktor Hufnagl und seinem achtköpfigen Architektenteam.

 

Multikultureller Zusammenhang

Zahlreiche der in der Wohnsiedlung lebenden Menschen hat einen Migrationshintergrund. Einige haben ihre Wurzeln in Ex-Jugoslawien, der Türkei, Ägypten oder auf den Philippinen. Projekte wie "Willkommen Nachbar" von wohnpartner helfen bei der Integration. Neuankömmlinge erhalten beim Einziehen Hilfe von geschulten Alteingesessenen. Aktionen wie diese verbinden und schaffen eine Gemeinschaft in der Großwohnsiedlung. Aber auch die Möglichkeit, in ihrer Anlage mitsprechen und mitwirken zu können, wird von den Bewohnerinnen und Bewohnern sehr geschätzt. Zum Beispiel im BewohnerInnen-Zentrum Bassena. Es existiert bereits seit 1982 und ist Kommunikationszentrum und Drehscheibe der Siedlung. Ein beliebter Treffpunkt, um zwanglos Kaffee zu trinken und zu plaudern, Kunst zu betreiben, Projekte zu entwickeln oder zu feiern. Aber auch Treffpunkt der regelmäßigen Redaktionssitzungen des Schöpfwerk Schimmel. Geführt wird das Zentrum von Heidrun Habusta-Paschen und einem qualifizierten Team von wohnpartner-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern. Das Bassena Team selbst ist Teil vom wohnpartner Team 5_6_7_12 unter der Leitung von Mag. Vincent Wohinz. Heidrun Habusta-Paschen ist auch beim Schöpfwerk Schimmel tätig und betreut unter anderem die Produktion der Zeitung. Zwei Mal im Jahr treffen sich die Mitglieder der ARGE Schöpfwerk in der Bassena und besprechen die Inhalte der kommenden Zeitung. Doch wer sind die Mitwirkenden der Stadtteilzeitung und was ist die ARGE Schöpfwerk?

Die ARGE Schöpfwerk

Die ARGE Schöpfwerk ist ein Zusammenschluss mehrerer am Schöpfwerk tätigen Institutionen, die sich gemeinsam mit engagierten Bewohnerinnen und Bewohnern um das Bestehen der Stadtteilzeitung kümmern. Die zwei Mal im Jahr erscheinende Zeitung wird in erster Linie von der Volks- und der Neuen Mittelschule, dem Jugendzentrum Meidling, dem von wohnpartner betriebenen BewohnerInnen-Zentrum Bassena Am Schöpfwerk, dem Nachbarschaftszentrum des Wiener Hilfswerks, dem Juvivo Fair-Play-Team, der örtlichen katholischen Pfarre und dem Verein As Salam gestaltet. Gemeinsam organisieren sie auch Veranstaltungen wie den Schöpfwerk Kultursommer, das Schöpfwerkfest und den lokalen Volxkino-Abend.

Ein Blick hinter die Kulissen

Welche Themen interessieren und schlussendlich im Schimmeln landen, entscheidet das Redaktionsteam. Rund 20 engagierte Redakteurinnen und Redakteure gestalten in ihrer Freizeit gemeinsam die Zeitung. „Das Besondere am Schimmel ist, dass man wirklich wichtige Themen ansprechen kann. Ich habe jahrelang einen Comic für die Zeitung gestaltet. Im Comic haben wir schwierige Themen wie das fortwährende Müllproblem oder ähnliche Thematiken dargestellt“, so Mundi Lehner. Er ist seit vielen Jahren Hausbesorger in der Großwohnsiedlung und seit Beginn Mitglied der Stadtteilzeitung. „Generell hat jede Institution der ARGE Schöpfwerk die Möglichkeit, ein Thema einzubringen, das sie für die Bewohnerschaft als relevant empfindet. Zudem hat jede Bewohnerin und jeder Bewohner die Möglichkeit, in der Zeitung mitzuarbeiten, einen Artikel zu schreiben oder bei der Produktion zu helfen“, erklärt Habusta-Paschen. Das kann ein Beitrag zum Thema Sperrmüll sein, eine Meinungsumfrage oder auch eine Nachbarschaftsinitiative. Die Zeitung wird über Inserate finanziert und an alle Haushalte am Schöpfwerk und in den umliegenden Siedlungen gratis verteilt sowie an Akteurinnen und Akteure aus Politik und Verwaltung geschickt. „In der Regel drucken wir 3.500 Exemplare mit je rund 28 Seiten. Je nachdem, wie viel Inserate wir verkauft haben, wissen wir, wie viele Seiten wir bedrucken können“, so die Leiterin.

Die gedruckten Exemplare werden von den Mitgliedern der ARGE Schöpfwerk an jeden einzelnen Haushalt in der Großwohnsiedlung verteilt. „Das hat etwas sehr Positives, denn so kommen wir ganz leicht mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ins Gespräch. Erfahren, wo es Probleme gibt oder jemand Hilfe benötigt. Aber vor allem sehen die Menschen, dass was im Gemeindebau getan wird und dass jede und jeder gehört wird“, erklärt die Leiterin von der Bassena. So dient die Zeitung als Sprachrohr für die Bewohnerschaft am Schöpfwerk. Wichtige Themen, Probleme und Anliegen werden kommuniziert und auch an die Stadtverwaltung übermittelt.

Der Schimmel ist bei den Bewohnerinnen und Bewohnern sehr beliebt. Seit Jahrzehnten dient er als Sprachrohr für und von der Großwohnanlage in Wien Meidling. Welche spannenden Geschichten im nächsten Schöpfwerk Schimmel warten, lesen Sie selbst! Der Schimmel wird auf Wunsch auch versendet. Den Kontakt finden Sie hier!