Die Schachfiguren im Donaupark haben einen hohen Spaßfaktor. Vergeben werden sie nach dem Motto 'Wer zuerst kommt, malt zuerst'. © Bohmann/Bubu Dujmic

 

Schachmatt im Donaupark

In den Wiener Parks kann man gratis Schach spielen. Ob mit den großen Figuren oder klassisch auf einem Picknicktisch: Die Parks sind die perfekte Kulisse. Lukas Feichtinger vom Schachclub TU Wien hat CLUB WIEN einen Crashkurs gegeben.

Duell unter der Kagraner Sonne: An einem schönen Sommertag kommen sogar die überdimensionierten Schachfiguren im Donaupark ins Schwitzen. Ein Duell nach dem anderen wird auf den beliebten Riesenbrettern ausgetragen. Egal ob Seniorinnen und Senioren, die sich schon seit Jahrzehnten matchen, oder junge Menschen, die Schach ausprobieren wollen: Schach im Park ist ein Angebot, das Freude macht. Auch im Lichtentalerpark oder im Andreaspark wird schachmatt gesetzt.

Schachspieler aus Leidenschaft

Auch Lukas Feichtinger freut sich darüber, dass Schach gespielt wird. Der Student der Wirtschaftsinformatik spielt seit seiner Kindheit und ist auch im Vereinswesen aktiv. Er spielt beim Schachclub TU Wien und war auch schon in der höchsten Schachliga Österreichs für den 1. SK Ottakring aktiv. Außerdem unterrichtet Feichtinger im Rahmen des Projekts SPIDS Schach an Schulen und bringt bei Events von wohnpartner Wien Schach in den Gemeindebau.

 

Bei so viel Einsatz für die Schachwelt stellt sich die Frage: Was macht die Faszination aus? "Ich liebe es, Rätsel zu lösen. Im Schach ist jeder einzelne Zug ein neues Rätsel. Das ist so wie ein Sudoku, das sich laufend selbst aktualisiert", sagt Feichtinger. Jede Schachspielerin und jeder Schachspieler ist permanent auf der Jagd nach dem bestmöglichen Zug. "Nach ein paar Zügen gibt es schon Millionen an weiteren Kombinationen. Die Stärke einer guten Spielerin beziehungsweise eines guten Spielers ist nicht, jeden Zug zu kennen, sondern die Züge im Auge zu haben, die entscheidend sind."

Die Grundlagen sind schnell gelernt

Auf dem großen Schachbrett zeigt Feichtinger die Grundlagen. "Nummer eins auf dem Stundenplan sind natürlich die Zugarten. Jede Figur bewegt sich auf eine ganz eigene Art und Weise, der Turm immer nur waagrecht oder senkrecht, der Läufer vertikal und so weiter. Ein Vorteil, den wir bei unserer Arbeit im Gemeindebau haben, ist, dass die meisten Leute Schach kennen und mit den Grundzügen vertraut sind."

Als Nächstes folgt die Eröffnung. Wie viele Anfängerinnen und Anfänger ziehen auch wir die Bauern im Zick-Zack-Muster nach vorne. Keine gute Wahl. "Diese Formation sieht solide aus, ist es aber nicht. Erstens hat man zahlreiche Löcher in der Formation und zweitens ist man durch zu viele Bauernzüge limitiert." Feichtinger empfiehlt, zuerst den Bauern direkt vor dem König in die Mitte zu ziehen und dann nach und nach die Leichtfiguren, sprich Läufer und Springer, ins Spiel zu bringen. So hat man mehr Optionen und schützt sich auch besser vor Angriffen.

Wien hat rege Schachszene

Neulinge sollten sich auf die Mitte des Bretts fokussieren. "Gerade am Anfang ist es auch ratsam, das Spiel simpel und übersichtlich zu halten. Gleichwertige Figurentäusche tun das und sind daher für ungeübte Spieler von Vorteil", sagt Feichtinger. Darunter versteht man zum Beispiel das Schlagen eines Bauern, das im Verlust eines eigenen Bauern endet.

Spielen kann jede und jeder. "In Wien gibt es eine rege Turnierszene mit zahlreichen Turnieren für Neulinge. Und Vereine nehmen neue Mitglieder gerne auf, man bleibt also gar nicht lange Frischling." Wer zu Hause üben möchte, kann sich Schachpuzzles, wie man sie in Zeitungen findet, widmen oder online Denkspiele und Schachaufgaben suchen. Die Auswahl ist groß. Beim Schach gilt das Motto: "Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper". Spielerinnen und Spieler betätigen sich daher auch sportlich.

Schach ist ein Sport

Die alte Frage, ob Schach ein Sport ist, beantwortet Feichtinger mit "Ja. Es ist ein Geistessport und fordert dieselbe Disziplin wie jede andere Sportart. Es braucht Training, Konzentration und Erfahrung. Nur weil man nicht einen bestimmten Muskel anspannt, sondern das Gehirn, heißt das nicht, dass es weniger anstrengend ist." Schachpartien können auch Stunden dauern und sowohl mental als auch körperlich das Limit abverlangen.

In Schulen oder im Gemeindebau macht Feichtinger immer wieder die Erfahrung, dass das Feuer beim Ausprobieren schnell entfacht wird. Im Unterricht spielt der Lehrer gerne Partien mit den Kindern, in denen er sie mit einfachen Puzzles konfrontiert. Ziel ist, dem potenziellen Schachnachwuchs das taktische Denken näherzubringen. "Die Suche nach Lösungen ist definitiv ansteckend. Auch das mentale Match mit der Gegnerin oder dem Gegner fasziniert", sagt Feichtinger. Jede und jeder hat einen Plan, doch welcher ist besser? "Ich nenne das gerne 'Den Kampf der Pläne'."

Auch bei unserem Match im Park packt uns das Schachfieber in Windeseile. Und ehe wir uns versehen, ist die Sonne ein gutes Stück nach unten gewandert. Auch wenn wir den Schachexperten geistig nicht fordern können, haben wir jede Menge Spaß am Fachsimpeln und Mitdenken. Das Fazit: Schach hat definitiv das Zeug zum Freiluftsport und an der frischen Luft rätselt es sich am besten.

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