Rugby ist der Sport für harte Frauen und Männer. © iStockphoto

Rugby: Liebe auf den ersten Dropkick

Viele Sportarten haben den Ruf, hart zu sein. Doch keine kommt ganz an die raue Reputation von Rugby ran. Wir waren bei der Rugby Union Donau Wien, um den Sport selbst zu testen. Spoiler-Alarm: Alle anfänglichen Bedenken wichen rasch der Begeisterung.

Das könnte ich sein? Der Gedanke schießt einem schon mal durch den Kopf, wenn man auf YouTube ein hartes Rugby-Tackling ansiehst. Auch, dass einen die Mutter vor dem Training anruft, um zu fragen, ob man die e-card eh mithat, hilft bei der Einstimmung nicht. Fakt ist: In Österreich ist der Rugby-Sport noch eine Randsportart. Aber die Betonung liegt auf noch, denn auch hierzulande wächst das Interesse an Rugby rasant. Die aktuelle Unbekanntheit ist aber wohl ein Hauptgrund dafür, dass viele den Sport fälschlicherweise als brutal erachten. Denn in Wirklichkeit ist Rugby ein körperbetonter, aber fairer und fordernder Wettkampf, der das beste aus Spielerinnen und Spielern rauskitzelt.

Zu Gast beim Rekordmeister

Als wir am Platz der Rugby Union Donau Wien eintreffen, sind alle unsere Sorgen im Nu verflogen. Die Stimmung bei der Union ist gut, die Spielerinnen und Spieler freundlich, und der Empfang sehr herzlich. Von grimmigen Zerstörerinnen und Zerstörern keine Spur. Sportdirektor Stiig Gabriel, Kapitän und Nationalspieler Johannes "Benne" Dachler und Mathias Dachler, ebenfalls Nationalspieler, nahmen sich viel Zeit, uns Rugby näherzubringen. Das fängt beim Passen an. Beim Rugby darf man nur zur Seite und nach hinten passen, nicht nach vorne. Der Pass funktioniert aus der Hüfte mit einer eleganten aber schwierigen Handdrehung, die dem Ball Richtung und Speed verleiht. Man fühlt sich dabei fasst wie ein Revolverheld, der scharf aus der Gürtelregion feuert. So und mit gekickten Pässen wird im Spiel kunstvoll die Gegenseite ausmanövriert. Präzision ist dabei enorm wichtig.

Hart, aber fair

Danach gibt's ein leichtes Aufwärmprogramm. Leicht natürlich nur für die Rugby-Profis. Wir vermeiden nur mit Mühe den Kollaps. Das zeigt uns eines: Rugbyspielerinnen und Rugbyspieler sind Top-Athletinnen und Top-Athleten. Auch im Vergleich mit anderen Sportarten sind die Anforderungen enorm. Nächster Programmpunkt: das gefürchtete Tackeln. Wir üben nur mit Plastikfiguren, doch schon hier schlägt das Herz höher. Wenn man sich vorstellt, man rammt seinen Alltagssorgen die Schulter rein, ist das ein tolles Gefühl. Aber selbst getackelt zu werden, wie fühlt sich das an? "Beim Rugby tackelt man nur die Spielerin oder den Spieler mit dem Ball. Man ist also vorbereitet und dadurch ist es nicht so schlimm, ehrlich gesagt. Beim Fußball von allen Seiten getreten zu werden, find ich viel ärger und gefährlicher", erzählt uns Johannes. Die Statistik gibt ihm recht. Denn die Wahrscheinlichkeit, sich beim Kicken zu verletzen, ist höher als beim Rugby.

Eine der Besonderheiten beim Rugby ist der Einwurf. Da wird eine Spielerin oder ein Spieler jedes Teams von zwei anderen an den Beinen regelrecht in die Luft katapultiert. Dort kämpfen sie dann um den hochgeworfenen Ball. Ein spektakuläres Bild, bei dem einem die Luft wegbleibt. Sieht gefährlich aus, aber man ist bei den Mannschaftskolleginnen beziehungsweise Mannschaftskollegen in den besten Händen, wie wir im Eigenversuch feststellen. Mühelos werfen uns die Rugby-Recken in die Höhe und fangen uns wieder auf. Ein im wahrsten Sinne des Wortes erhebendes Gefühl.

"Einer für alle, alle für einen"

Überhaupt: Wenn wir eines mitnehmen vom Rugby, dann das Gefühl, dass das der perfekte Sport für Musketiere wäre. Denn nirgends hat man so ein starkes Gefühl, dass eine beziehungsweise einer wirklich für alle anderen ihren oder seinen Körper reinhaut. Nur als Mannschaft ist man stark, und diese Philosophie macht aus der Rugby-Szene eine so freundliche und familiäre. Da kommt es sogar vor, dass gegnerische Fans dir für gelungene Aktionen zujubeln. "Das Allerleiwandste ist der unglaubliche Teamgeist. Es gibt keine Sportart wo man individuell weniger vorankommt als hier. Du musst immer als Team arbeiten und gemeinsam in die Schlacht ziehen. Dadurch wächst man so eng zusammen. Man kann sagen: Rugby ist ein Lifestyle", erzählt uns Mathias.

Dieses positive Gefühl und der Sportsgeist der Rugby Union haben uns längst schon angesteckt. Zum Abschluss versuchen wir uns noch beim Kicken. Sowohl vom Platz, wo der Ball ruht, als auch als Dropkick: Dabei wird der Ball kurz aus dem Spiel heraus auf den Boden geprallt und dann geschossen. Für uns ist schon längst klar: Rugby ist leiwand und wir kommen gerne wieder!

Zu Besuch bei der Rugby Union Donau Wien. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

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