Monika Fuchs-Brantl (M.), Daniela Jagsch-Budschedl (r. ) von der Heilstättenschule Wien und Lehrerin Sylvia Wulz. © Bohmann/Bubu Dujmic

 

Roboter vertritt Schüler

In Österreich gibt es Tausende Kinder, die wegen schwerer Erkrankungen nicht regelmäßig zur Schule gehen können. Damit sie den Kontakt zur Klasse halten können, springt ein kleiner Roboter für sie ein.

Er hat eine Kamera im Kopf und einen Lautsprecher im Bauch. Seine Augen leuchten ­freundlich und er blinkt in ­unterschiedlichen Farben. Die Kinder nennen ihn Dominik, so wie ihren Mitschüler, für den der kleine Roboter im Klassenzimmer sitzt. Der achtjährige Bub ist an Krebs erkrankt und kann deshalb nicht zum Unterricht kommen. Wenn er zu müde ist, verbindet er sich vom Krankenhaus oder von zu Hause aus mit dem ­Avatar. Durch ihn kann er reden, sehen, aufzeigen oder nur zuhören. 

Kommunikation über Avatar 

Ob und wie lange Dominik am Unterricht teilnehmen möchte, entscheidet er selbst, erzählt Klassenlehrerin Sylvia Wulz. „Beginnen die Augen des Roboters zu leuchten, wissen wir, dass er da ist.“ Blinken die Lämpchen am Kopf blau, hört er nur zu. Blinken sie gelb, möchte er etwas sagen. Werden die Augen schmal, ist er verwirrt.

Damit Dominik den Roboter nach seinen Bedürfnissen steuern kann, braucht er ein Tablet mit entsprechendem Programm. Über Lautsprecher kann er mit den Kindern reden, durch ein eingebautes Mikrofon hören, was sie sagen. Ein Flüstermodus erlaubt sogar Tratschen mit SitznachbarInnen. Die Kommunikation ist verschlüsselt und funktioniert nur nach Eingabe eines Passworts. Entwickelt wurde der AV1, so der offizielle Name des kleinen Roboters, vom norwegischen Start-up No Isolation. Das Unternehmen will Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen schwer am öffentlichen Leben teilnehmen können, wieder ein soziales Leben ermöglichen. Derzeit sind bereits rund 850 Avatare im Einsatz, vorwiegend in Skandinavien. Für Wien hat Monika Fuchs-Brantl den AV1 entdeckt, bei einem Austausch in den Niederlanden. Sie ­gehört zum mobilen Team der Heilstättenschule Wien, einer Einrichtung der ­Bildungsdirektion Wien, und holte den Roboter dank einer EU-Förderung an die Volksschule Neilreichgasse in Favoriten.

Soziale Kontakte aufrechterhalten

Die dreimonatige Pilotphase ist mittlerweile beendet, eine Fortsetzung ist geplant. Potenzial gebe es viel, ist Fuchs-Brantl überzeugt. „Nicht nur bei Kindern, die aufgrund einer akuten Krankheit nicht in die Schule gehen können, sondern auch bei Kindern mit chronischen Krankheiten oder Schulangst. Mit dem AV1 ­verlieren sie ihre sozialen Kontakte nicht. Das macht eine Rückkehr viel einfacher.“

Der innereuropäische Erfahrungsaustausch zum Thema Einsatz unterschiedlicher Telepräsenzsysteme für chronisch kranke Kinder hat begonnen, unter anderem mit den Ländern Luxemburg und Deutschland, und soll intensiviert werden. Erste Evaluierungen dazu sind in Arbeit. Sogar bis Australien reichen die Kontakte. Die Heilstättenschule wird mit einem Gymnasium in Aachen kooperieren, die ein Digi-learning-EU-Projekt zum Avatareinsatz beginnen möchte. Das AKH mit dem Psychologen Dr.Pletschko als Projektleiter startet im Oktober ein Forschungsprojekt unter dem Namen „life happens wherever you are“ mit drei von Elterngruppen finanzierten Geräten. Die Heilstättenschule Wien arbeitet an diesem Projekt mit.

Im Rahmen der „digistreet“ der digital days der Stadt Wien Anfang November im 1.Campus kann man am 4. November. an einer speziell eingerichteten Station die Funktion des AV1 selbst ausprobieren.