Die Upcycling-Werkstatt "reStart" befindet sich im 16. Bezirk. Die Produkte können direkt vor Ort erworben werden. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Wie aus Müll Meisterwerke werden

Alte Werbeplanen, gebrauchte Kaffeepads, leere Weinflaschen: Für die einen ist das Müll, für die Upcycling-Werkstatt "reStart" sind das wertvolle Materialien für ihre neuen Produkte.

Aus Alt mach Neu! Getreu diesem Motto werden in der Upcycling-Werkstatt alte Materialien von Jugendlichen neu aufbereitet. So entstehen aus alten Fahrradschläuchen Laptoptaschen, aus Tetra Paks Einkaufstaschen oder aus Dosen und Kaffeekapseln Modeschmuck. CLUB WIEN besuchte die  von der Caritas Wien betriebene Upcycling-Werkstatt und ließ sich vor Ort zeigen, wie aus alten Planen, Kletterseilen und Stoffvorhängen ein origineller Turnbeutel wird.

DIY: Wie wird ein Turnbeutel gemacht?

Hannah und Richard arbeiten beide in dem Beschäftigungsprojekt für Jugendliche. Hannah als Fachanleitung und Richard ist Sozialarbeiter sowie der Leiter der Einrichtung. Gemeinsam zeigen sie Schritt für Schritt, wie auch Sie zu Hause aus alten Materialien einen tollen Turnbeutel machen können. Denn wegschmeißen war gestern!

1. Schritt: Materialsuche © Bohmann/Andrew Rinkhy

1. Schritt: Materialsuche

Für den Boden beziehungsweise für den unteren Teil des Turnbeutels benötigen Sie einen robusten Stoff wie etwa eine alte Plane. Sie haben keine Plane? Fragen Sie in Geschäften, auf Messen oder auf Veranstaltungen nach alten Werbematerialien. Hier lässt sich oft etwas Tolles finden. Sie können aber auch eine alte Autoabdeckung oder Markise verwenden. Die Hauptsache ist, dass es ein festes Material mit einem tollen Aufdruck ist. Weiters benötigen Sie einen festen Baumwollstoff für den oberen Teil des Turnbeutels sowie ein längeres Seil für die Träger.

2. Schritt: Maß nehmen und ausschneiden © Bohmann/Andrew Rinkhy

2. Schritt: Maß nehmen und ausschneiden

Plane (Boden): 40 Zentimeter breit und 40 Zentimeter hoch
Stoff (oben): zwei Mal 40 Zentimeter breit und 40 Zentimeter hoch
Träger: zwei Mal 160 Zentimeter lang

Tipp: Verwenden Sie für die Schnittmarkierung eine durchsichtige Platte, so sehen Sie genau, welches Muster auf den Beutel kommt. Für die Träger am Beutel eigenen sich alte Kletterseile oder Kordeln. Kletterseile müssen zuerst von ihrem Kern befreit werden, da sie sonst zu hart sind.

3. Schritt: Das Nähen kann losgehen. © Bohmann/Andrew Rinkhy

3. Schritt: Das Nähen kann losgehen

Wenn Sie die drei Teile ausgeschnitten haben, können Sie mit dem Nähen starten. Achten Sie dabei darauf, dass Sie eine möglichst dicke Nähnadel verwenden, die problemlos durch die Plane kommt.
Nähen Sie alle drei Teile zusammen, sodass sich der Planenteil zwischen den zwei Stoffteilen befindet. Das heißt: Nähen Sie an die Plane oben und unten je einen Stoffteil an. Es entsteht ein langes Rechteck. 

4. Schritt: Rand säumen und Tunnelzug nähen © Bohmann/Andrew Rinkhy

4. Schritt: Rand säumen und Tunnelzug nähen

Im nächsten Schritt wird der Rand eingesäumt. Falten Sie dafür den Rand des Stoffes ungefähr einen Zentimeter und nähen Sie die Abschlusskanten des Stoffes ein. Einfach oder doppelt umgeschlagen und genäht, schützt das Säumen die Kanten vor dem Ausfransen.

Weiter geht es mit den zwei Tunnelzügen, durch die später das Seil oder die Kordeln laufen. Falten Sie dafür die gerade eben eingesäumten Abschlusskanten ungefähr fünf Zentimeter nach unten, nähen Sie entlang der Kanten. Achten Sie darauf, dass Sie in den Innenteil umschlagen, sodass man später den Tunnel von außen nicht sieht. Machen Sie dies auch am zweiten oberen Beutelteil. Anschließend sollte das Seil problemlos durch den Tunnelzug passen.

5. Schritt: Ecken zusammennähen © Bohmann/Andrew Rinkhy

5. Schritt: Ecken zusammennähen

Falten Sie die drei zusammengenähten Teile mit der Rückseite nach außen zusammen, sodass sich die zwei oberen Enden treffen. Nähen Sie die Teile auf beiden Seiten zusammen. Achten Sie darauf, dass Sie am unteren Ende der Tasche und oben vor dem Tunnelzug jeweils zwei Zentimeter offen lassen. Sonst kann das Seil für die Träger später nicht eingefädelt werden.

6. Schritt: Träger einfädeln © Bohmann/Andrew Rinkhy

6. Schritt: Träger einfädeln

Die Seiten sind zusammengenäht, der Beutel ist so gut wie fertig. Damit Sie den Beutel auch tragen können, werden jetzt die Träger gemacht. Dafür nehmen Sie Ihre zwei Kletterseile oder Ihre Kordeln und kleben deren Enden mit einem Klebeband ab. Dies schützt das Seil vor dem Ausfransen.

Um das Seil durch den Tunnelzug zu bekommen, befestigen Sie ein Ende des Seils an einer längeren Sicherheitsnadel. Ziehen Sie jedes Seil mithilfe der Sicherheitsnadel gegenläufig durch beide Tunnelzüge, sodass auf jeder Seite das Seil eine Schlaufe bildet. Nun müssen die beiden Seile nur noch durch die Öffnung am Beutelboden gesteckt werden. Verschließen Sie die Öffnung und nähen Sie über das hineingesteckte Seil, damit alles befestigt ist. Jetzt müssen Sie den Beutel nur noch umdrehen und fertig ist Ihr selbst genähter Turnbeutel.

Der Beutel ist fertig! © Bohmann/Andrew Rinkhy

Die Produkte, die während der Schicht gefertigt wurden, können im "reStart"-Shop erworben werden. Auch auf verschiedenen Veranstaltungen, wie dem Bike Festival, ist "reStart" vertreten.

Das Projekt "reStart"

Das Projekt "reStart" der Caritas Wien richtet sich an Jugendliche, die momentan keiner Beschäftigung nachgehen. Das heißt, sie sind weder schulpflichtig noch befinden sie sich in einer Ausbildung oder einer Kursmaßnahme oder machen in einem Arbeitsprojekt mit. Quasi "Jugendliche, die momentan nichts anderes haben", wie Richard es umgangssprachlich gerne ausdrückt. Um Jugendlichen aus ihrer Perspektivlosigkeit heraus zu helfen und sie auf ihrem Weg in einen geregelten Alltag zu unterstützen, wurde "reStart" ins Leben gerufen. Das Beschäftigungsprojekt bietet Jugendlichen einen geschützten Raum, wo sie (wieder) lernen, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen, und bei Problemen jederzeit eine Ansprechperson finden. Mitmachen kann jede und jeder von 15 bis 19 Jahren. Voranmeldung braucht es keine.

Wie läuft es in der Werkstatt ab?

"reStart" gibt es seit 2012. Es ist ein vom Sozialministerium gefördertes Projekt und bietet in sechs Öffnungsschichten pro Woche Platz für 48 Jugendliche. In einer Schicht können acht bis neun Mädchen und Jungen teilnehmen. Wer dran kommt, das entscheiden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Werkstatt nach einem gut durchdachten Vergabe-System.

"Um 8.30 Uhr beginnt unsere Schicht. Meistens warten die Jugendlichen dann auch schon vor der Tür. Wir versuchen die Plätze dann möglichst gerecht zu verteilen, sodass auch wirklich alle einmal bei uns in der Werkstatt arbeiten können", erzählt Hannah. Dazu wurden von "reStart" entsprechende Bedingungen geschaffen. So darf jede und jeder pro Monat nicht öfter als fünf Mal kommen. Zudem gibt es eine Vorrangregel für Jugendliche, die noch nie da waren, um den Zugang für Neulinge zu vereinfachen. Für junge Frauen gibt es auch eine Vorrangregel. "Frei zugängliche Angebote wie unseres werden in der Regel von mehr Burschen als Mädchen in Anspruch genommen – auch in der offenen Jugendarbeit beträgt der Burschenanteil oft 70 bis 80. Mit der Vorrangregel für junge Frauen wollen wir den Mädchen den Einstieg erleichtern. Für viele ist es aus familiären Gründen, schwierig an solchen Kursen teilzunehmen. Wenn sie sich dann doch trauen, wollen wir ihnen gewährleisten, auch wirklich einen Platz zu bekommen. Außerdem sind auch Mädchen und junge Frauen, die mangels Alternativen ihre Freizeit im öffentlichen Raum verbringen, anderen Gefährdungen als Jungs ausgesetzt“, erzählt Richard.

Was wird produziert?

Je nach Wunsch können sich die Jugendlichen in ihrer Schicht aussuchen, woran sie arbeiten wollen. So können sie an der Nähmaschine aus alten Planen, Stoffen oder Tetra Paks Rucksäcke, Handtaschen oder auch Handytaschen fertigen. Aus Glasflaschen werden Vasen, Lampen oder kleine Kunstwerke und aus alten Kaffeekapseln, Kabeln oder Seilen wird Modeschmuck entworfen. Vorkenntnisse braucht hier niemand. "Wir lehren den Jugendlichen die gesamten Produktionsschritte. Das heißt, wer noch nie an der Nähmaschine gesessen ist oder Glas geschnitten hat, bekommt von uns eine Einführung. Wir zeigen ihnen, wie alles funktioniert, und stehen ihnen natürlich auch immer zur Seite. Man muss sich einfach nur trauen und seiner Kreativität freien Lauf lassen. Und oft benötigen die Jugendlichen nur ein kleinen Erfolgserlebnis, wie das Fertigstellen einer Laptoptasche, um den Mut für größere Projekte, wie beispielsweise ein Vorstellungsgespräch, aufzubringen", so Hannah. Die Jugendlichen erhalten von "reSart" als pädagogische Maßnahme ein Taschengeld von 4,50 Euro pro Stunde, um sie zusätzlich anzuspornen.

Woher kommt das Material für die Produkte?

"Wir bekommen die Spenden von Unternehmen und Firmen wie auch von der Stadt Wien. In den letzten Jahren hat sich 'reStart' gut in Wien etabliert. Man kennt uns, da kommt es oft vor, dass die Unternehmen auf uns zukommen und uns gerne ihre alten Materialien überlassen", erzählt Richard.

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