Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, dass man sowohl auf seine körperliche, als auch auf seine seelische Gesundheit achtet. Mehr dazu verraten wir Ihnen hier! © Getty Images

 

Resilienz: So stärken Sie Ihre Widerstandskraft

Die Pandemie hat uns alle fest in Griff. Doch während die einen mit der aktuellen Lage nur schwer zurechtkommen, bleiben andere auch unter Druck emotional stabil und wachsen sogar über sich hinaus. Woran liegt das?

Laut meteorologischem Kalender hat am 1. März der Frühling begonnen und das war in den letzten Tagen auch spürbar. Die ersten warmen Sonnenstrahlen ließen die Temperatur auf 18 Grad steigen, die Vöglein zwitscherten und auch die ersten Frühlingsblumen zeigten sich. Das perfekte Wetter für den ersten Besuch im Schanigarten, ein geselliges Gläschen Wein im Freien oder um sich mit Freundinnen und Freunden zum Shoppen und Co zu verabreden - wären wir nicht noch immer mitten in einem Lockdown, mitten in der Pandemie. Wann wird wieder die gewohnte Normalität herrschen?

Neben vielen körperlichen Folgen, die das Virus mit sich bringt, schlägt auch diese Ungewissheit auf unsere Psyche. Sich nicht einfach unter einer Decke zu vergraben und der Außenwelt eine Zeit lang Lebewohl zu sagen, das ist für viele aktuell daher nicht so leicht, denn wo ist der Lichtblick? Was da helfen kann, ist, seine Resilienz zu stärken. Das heißt, seine psychische Widerstandskraft aufzubauen, damit man mit Krisen besser umgehen kann. Doch was ist das genau? Der Vorteilsclub der Stadt Wien ist der psychischen Widerstandskraft auf den Grund gegangen und hat Liane Hanifl von der Wiener Gesundheitsförderung gefragt, wie man die eigene Resilienz stärken kann, um bestmöglich durch die Krise zu kommen.

Liane Hanifl ist in der Wiener Gesundheitsförderung für die seelische Gesundheit zuständig und Expertin auf diesem Gebiet. Im Interview erzählt sie uns mehr über das Thema Resilienz und verrät ein paar Tipps und Tricks, die uns helfen, unsere Lebenskraft und -freude zu festigen. 

 

Vorteilsclub der Stadt Wien:Was versteht man unter Resilienz bzw. was ist das?

Liane Hanifl: Der Begriff Resilienz stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt "Spannkraft, Strapazierfähigkeit, Elastizität". In der Psychologie wird darunter "psychische Widerstandsfähigkeit" verstanden.

Es geht um die zentrale Frage: Wie gelingt es Menschen, trotz widriger Umstände, belastender Lebensbedingungen und kritischer Lebensereignisse ihr Leben gut zu gestalten und sich zu entfalten? 

Die Forschung zu Resilienz hat bei Kindern begonnen. Dabei wurde versucht, Eigenschaften und Fähigkeiten von "resilienten Kindern" zu filtern und Resilienzfaktoren ausfindig zu machen. Die Forschung der letzten Jahre zeigt außerdem, dass die Fähigkeit zur Resilienz nicht angeboren ist, sondern sich in Interaktion zwischen Menschen und ihrer Umwelt entwickelt. Resilienz ist keine stabile Persönlichkeitseigenschaft. Sie ist situationsabhängig, wird von Umweltbedingungen mitbestimmt und verändert sich im Laufe des Lebens.

Wofür ist Resilienz gut?

Gerade in schwierigen und belastenden Lebenssituationen kann es hilfreich sein, die Aufmerksamkeit auf die Ressourcen und Schutzfaktoren von Menschen zu lenken. Und genau das passiert, wenn wir uns mit Resilienz auseinandersetzen. Wir richten unseren Blick auf schützende Faktoren, die sich stärkend auf die seelische (und körperliche) Gesundheit auswirken. So können wir uns zum Beispiel mit der gelungenen Bewältigung einer Krise beschäftigen. Die Strategien, die eingesetzt wurden, wie es uns gelungen ist, gut aus der Krise zu kommen, werden dabei deutlich und sichtbar. Und das kann uns auch in späteren Situationen helfen.

Wie kann ich meine psychische Widerstandskraft stärken?

  • Bringen Sie mehr Ruhe in Ihr Leben. Durch Auszeiten, Spaziergänge, Naturerlebnisse oder auch Musik tragen Sie aktiv zur Stressreduktion bei.
  • Stellen Sie eine Verbundenheit zu nahen Personen her. Das heißt, fördern Sie Ihre sozialen Netze, beispielsweise durch Anrufe, SMS, Online-Kontakte oder physische Treffen, und finden Sie Gemeinsamkeit, helfen Sie anderen oder engagieren Sie sich ehrenamtlich.
  • Überprüfen Sie auch immer wieder die Sicht auf das eigene Leben: Behandeln Sie sich selbst wohlwollend, korrigieren Sie Ihre eigenen Ansprüche und Erwartungen öfters, finden Sie einen guten Umgang mit den inneren Antreibern (Sei stark, sei perfekt, sei gefällig, sei schnell und streng dich an!)
  • Selbstwertstärkung ist ebenfalls ein wichtiger Schlüsselfaktor: Worauf bin ich stolz, was gelingt mir gut, was sagen andere Positives zu mir/über mich? Erstellen Sie sich dazu eine Liste von positiven Eigenschaften und Stärken und lesen Sie sich diese öfters durch oder lesen Sie sie laut vor.

Warum ist es gerade heutzutage so wichtig, seine Resilienz zu stärken?

Wir erleben heutzutage vor allem durch die Corona-Pandemie sehr herausfordernde Zeiten, wir sind oftmals mit Problemen, Schwierigkeiten oder Krisen konfrontiert; sei es persönlich oder auch durch die Medien. Das kann viele Reaktionen hervorrufen: Unsicherheiten, Ängste, Sorgen, Ungewissheiten und vieles mehr.

Wenn wir unsere Resilienz stärken, hilft uns das, besser mit der Situation zurechtzukommen. Wir können bestimmte Schutzfaktoren stärken, die für eine stabile Resilienz sorgen. Das sind beispielsweise positive Emotionen, Selbstwertstärkung, Hoffnung und Optimismus oder das Aufrechterhalten von soziale Kontakten.

Was kann man im akuten Fall gegen zu viel Stress machen? Haben Sie einen Notfallplan?

Die Konzentration auf die eigene Atmung kann ein hilfreicher Notfallplan sein, denn sie kann überall angewandt werden, etwa in der Bahn, zu Hause oder im Supermarkt, und hilft beim Entspannen.

  • Atemübung: Das kann folgendermaßen aussehen: ein Einatmen und ein bewusstes und langes Ausatmen oder beim Einatmen die Schultern heben, beim Ausatmen die Schultern fallen lassen oder beim Einatmen langsam bis fünf zählen, beim Ausatmen langsam bis acht zählen.
  • Gesichtsgymnastik:  Gesichtsgymnastik ist eine gute Übung, um in stressigen Situationen zu entspannen. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf die Gymnastik, lässt uns kurz zur Ruhe kommen und unser Gesicht entspannen. So funktioniert es: Ziehen Sie die Augenbrauen hoch und runzeln Sie die Stirn. Rümpfen Sie die Nase. Lächeln Sie und ziehen Sie dabei die Mundwinkel hoch. Wiederholen Sie diese Übungen mehrmals nacheinander.
  • Nacken und Schultern entspannen: Ziehen Sie beim Einatmen die Schultern nach oben und beim Ausatmen lassen Sie die Schultern fallen. Wiederholen Sie auch diese Übung mehrmals nacheinander.
  • Finden Sie Ihren Weg zur Entspannung: Die Strategien im Umgang mit Stress können recht vielfältig sein. Wichtig ist, etwas zu finden, dass Ihnen Freude bereitet und wodurch Sie für kurze Zeit den Kopf abschalten und zur inneren Mitte finden können. Machen Sie kurze Spaziergänge, gehen Sie an die frische Luft oder starten Sie mit regelmäßigen Sporteinheiten wie Laufen oder Schwimmen. Manche Menschen brauchen Musik, ein Gespräch mit einer vertrauten Person oder ein entspanntes Schaumbad.

Mehr Informationen zum Thema "Seelische Gesundheit" finden Sie auf der Homepage von der Wiener Gesundheitsförderung und hier.