Beim Forschungsprojekt RemiHub dienen Bus- und Bimgaragen der Wiener Linien als Umschlagplatz. Die sogenannte letzte Meile wird per Lastenfahrrad zurückgelegt. © Wiener Linien/Manfred Helmer

 

Wenn die Öffis beim Ausliefern von Paketen helfen

Online bestellt wird so viel wie selten zuvor. Doch der Transport ist nicht immer besonders umweltfreundlich. Es geht auch anders: Für das Projekt RemiHub stellen die Wiener Linien Bus- und Bimgaragen als Umschlagplätze zur Paketzustellung zur Verfügung.

Je mehr online bestellt wird , desto mehr Kastenwägen und Lkws sind unterwegs, um die zahlreichen Packerl zuzustellen. Für das Klima ist das natürlich alles andere als förderlich. Das Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel gilt hingegen als besonders umweltfreundlich. Was liegt also näher, als Öffis und Paketzustellerinnen beziehungsweise -zusteller zusammenzubringen? Beim Forschungsprojekt RemiHub werden Bus- und Straßenbahngaragen für innerstädtische Logistik genutzt. Genauer gesagt: Sie dienen als Umschlagplätze für Paketzustellerinnen und -zusteller. Bewerkstelligt wird das auf dem letzten Teil des Zustellwegs mit Lastenfahrrädern.

Schließlich stehen die Remisen und Garagen der Wiener Linien tagsüber leer, während Busse und Bims ihre Runden drehen. Die grundlegende Idee dabei ist die Verkürzung der sogenannten "last mile", also des letzten Stücks des Gütertransportwegs. Denn derzeit befinden sich die meisten Logistikzentren außerhalb Wiens. Grund dafür ist der Mangel an dafür geeigneten innerstädtischen Flächen. Das Ergebnis: erhöhter Güterverkehr in der Stadt, in der Regel durch Kleintransporter und Kastenwägen.

Auslieferung mit Lastenfahrrädern schwierig

Seinen Anfang nahm RemiHub in der Straßenbahn-Remise Kagran in der Attemsgasse im November 2019. Die allgemeine Aufgabenstellung: Wie können zentrale Öffi-Flächen künftig für die städtische Paketzustellung genutzt werden? Das Problem der meisten Umschlagplätze besteht eben darin, dass sie am Stadtrand oder außerhalb der Donaumetropole angesiedelt sind und sich die Auslieferung mit Lastenfahrrädern schwierig gestaltet.

 

Im ersten Testlauf wurde von einer Bim-Remise aus Essen an Kindergärten und Schulen ausgeliefert. Im einem zweiten werden nun Pakete von der Busgarage Spetterbrücke in Ottakring aus gemeinsam mit dem Zustelldienst DPD und Heavy Pedals verteilt, einem Fahrradbotendienst via Lastenrad. "Derzeit arbeiten wir auch an einem dritten Testlauf, um möglichst viele unterschiedliche Szenarien zu testen", so Lisa Schmid, Pressesprecherin der Wiener Linien. "Im Verlauf dieser Tests sollen vertiefte Erkenntnisse zur Verfeinerung des Konzepts gewonnen werden."

Schneller und umweltfreundlicher als Autos

Die Idee wurde ursprünglich von tbw research und der TU Wien geboren. Weiterentwickelt wurde sie anschließend gemeinsam mit den Wiener Linien und Heavy Pedals. "Unsere Stärke mit dem Rad: Über einen Radius von ungefähr drei Kilometern gewinnen wir gegenüber dem Auto", erklärt Florian Weber, Geschäftsführer von Heavy Pedals. "Wir sind schneller, wir suchen keine Parkplätze. Wir können gegen Einbahnen fahren, wo sie für den Radverkehr geöffnet sind. Da ist das Rad klar im Vorteil." Außerdem verursachen die Transportdrahtesel keinen Lärm, stoßen kein klimaschädliches CO2 aus und benötigen wenig Platz im Stadtverkehr.

Und so gestaltet sich der Ablauf: In der Früh liefert DPD die Packerl an die Busgarage Spetterbrücke in Ottakring. Eine Fahrerin oder ein Fahrer von Heavy Pedals holt daraufhin die Pakete mit einem Lastenfahrrad ab, sortiert sie nach der geplanten Route gleich im Radcontainer und liefert sie schließlich an die Endkundinnen und -kunden aus. "Ich finde es schön, dass die Wiener Linien zeigen, dass sie nicht nur Personen umweltfreundlich befördern", so Miriam Olof, Projektleiterin der Wiener Linien für RemiHub. "Sondern dass sie auch einen Beitrag dazu leisten, dass in Zukunft Gütermobilität auf umweltfreundliche Art und Weise abgewickelt werden kann."

Die schwierige letzte Meile

Das ist durchaus ein Vorteil für die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt. Denn die letzte Meile gilt als die schwierigste. Mit dem neuen Projekt werden nun nicht nur das Klima geschont und CO2 eingespart, auch die Kundinnen und Kunden können besser beliefert werden. In naher Zukunft könnten also bereits mehr Lastenfahrräder als Kleintransporter in Wiens Straßen unterwegs sein, um Pakete auszuliefern.