Vom offenen Feld bis zum abgeschiedenen Wanderweg: Im Regionalpark DreiAnger ist man der Natur ganz nah. © Bohmann

 

Der Norden Wiens in all seiner Pracht

Mit dem Regionalpark DreiAnger entsteht im Norden Wiens ein großer Erlebnisraum. Rund um Stammersdorf, Gerasdorf und Süßenbrunn gibt es viel zu sehen und zu tun. Wir haben ein paar Impressionen.

Die drei Ortschaften Stammersdorf, Gerasdorf und Süßenbrunn geben dem Regionalpark DreiAnger auch seinen Namen. Alle sind Angerdörfer, sprich Dörfer, die um einen zentralen Platz, den sogenannten Anger, angelegt sind. Der Park erstreckt sich jedoch ein gutes Stück über die Namensgeber hinaus und verbindet den Bisamberg mit dem zukünftigen Norbert-Scheed-Wald. Insgesamt wird der DreiAnger rund 3.000 Hektar umfassen.

Das Besondere am Regionalpark DreiAnger ist, dass sich hier nicht nur Besucherinnen und Besucher wohlfühlen sollen. Auch Flora, Fauna sowie die landwirtschaftlichen Betriebe der Region sollen aufblühen. Die Idee eines Grüngürtels rund um Wien wird umgesetzt. Um das Ziel zu erreichen, werden nicht nur neue Wege entstehen, sondern auch Bäume gepflanzt, Lagerwiesen angelegt, die Artenvielfalt gefördert und Gewässer für die Badenutzung geöffnet.

Wenn Sie mehr über das Projekt und die Natur im Regionalpark erfahren möchten, dann empfehlen wir die Führungen, die regelmäßig stattfinden. Im Juni zum Beispiel gibt’s unter anderem den Event „Natur im Wandel - Fotoworkshop mit dem Fahrrad“. Alle Infos und Termine finden Sie unter diesem Link.

Die beste Möglichkeit, den Regionalpark zu genießen, sind die Touren und Wanderungen, die es schon jetzt zu begehen gibt. So kann man direkt in die Natur eintauchen. Und die gestaltet sich unglaublich vielfältig. Zwischen schier endlosen Feldern, sanften Wäldern und entspannten Schotterteichen entpuppt sich der Regionalpark als Landschaftsgebiet, das perfekt dazu geeignet ist, die Batterien aufzuladen. Spazieren, Laufen, Radfahren oder Baden im Sommer: Die Möglichkeiten sind vielfältig.

 

Ein Mal rund um Süßenbrunn

Wir haben uns zu Testzwecken zur Runde Süßenbrunner Teiche aufgemacht. Die 3,5 Kilometer lange Tour ist übrigens recht bequem mit den Öffis erreichbar. Die Bus-Station "Süßenbrunner Platz" der Linien 25A und 511 macht den Einstieg simpel. Von der Station aus kommen wir in wenigen Marschminuten zum Badeteich Süßenbrunn. Der ist im Sommer ganz klar ein Highlight der Region. Jetzt, Ende Mai, herrscht hier noch Ruhe. Auf der riesigen Wiese, die im Juli zu einem Großteil von Handtüchern bedeckt sein wird, tummeln sich derzeit nur ein paar Hundehalterinnen und Hundehalter, die Fido und Rex ein wenig Auslauf gönnen. Der Badeteich Süßenbrunn ist allerdings nicht der einzige im Regionalpark, es gibt noch einen in Gerasdorf. Der ist auch schön und hat noch dazu einen kostenfreien Motorikpark gleich nebenan.

Zum Schwimmen ist uns der Teich noch zu kalt, ein Umstand, den ein einsamer Schwan, der lässig seine Runden zieht, offensichtlich genießt. Wem die Temperatur nichts ausmacht, der hat den Teich für sich. Vom Teich aus kann man direkt auf die Runde abbiegen. An einem Hundetrainingsplatz vorbei spazieren wir durch recht enge und dicht bewachsene Wege, die fast ein wenig Dschungelgefühl aufkommen lassen.

Dann weitet sich das Areal aber sehr rasch und man genießt einen schönen Weitblick bis nach Wien hinein. An einem ruhigen Morgen begegnen uns außer den gelegentlichen Hundebesitzerinnen und -besitzern nur ein paar Pferdehalter, die einen prächtigen Schimmel ausführen. Ein Höhepunkt der Route ist die Meiergrube. Eingebettet in einen zarten Wald, findet man hier ein wahres Naturjuwel vor, das vor allem mit wunderschönen Schmetterlingen beeindruckt.

Gerasdorf und Stammersdorf

Weil uns die Runde Süßenbrunn so gut gefallen hat, beschließen wir auch gleich, den Weg rund um Gerasdorf zu testen. Hier kann man von Süßenbrunn aus direkt zu Fuß hinspazieren. Beeindruckend sind die schier endlosen Felder, die uns vor Augen führen, wie viel Landwirtschaft rund um Wien eigentlich betrieben wird. Ein persönliches Highlight ist, durch den Stadtkern von Gerasdorf zu flanieren. Hier gibt es nicht nur einige Sehenswürdigkeiten, etwa die Pfarrkirche, sondern auch diverse Cafés, in denen man eine angenehme Pause verbringen kann.

Wer nach einer Runde durch den Ortskern noch immer Lust auf mehr hat, dem können wir einen Abstecher in das dritte Angerdorf herzlichst empfehlen. Stammersdorf hat viel zu bieten. Die Runde Stammersdorfer Friedhof ist eine fünf Kilometer lange Wanderung, auf der man viele der schönsten Seiten von Stammersdorf sehen kann. Wie auch in Gerasdorf geben Felder den Ton an. In Stammersdorf mischen sich aber hier und dort ein paar Weinberge darunter, die sich für ein besonders malerisches Foto eignen.

Der Friedhof selbst ist auch ein beliebtes Ausflugsziel. Einerseits liegt das an der mystischen Stimmung, andererseits aber auch an der interessanten Architektur des Friedhofs, von der Aufbahrungshalle bis zu den kunstvoll gestalteten Grabsteinen. Die Stammersdorfer Runde führt auch zu einer der Hauptattraktionen des Regionalparks: dem Marchfeldkanal. Der 18 Kilometer lange Kanal ist so etwas wie die Lebensader der Region, schließlich ist er für die vielen Gemüsebäuerinnen und -bauern ein wichtiger Wasserlieferant. Die Wienerinnen und Wiener schätzen ihn eher als Naherholungsgebiet. Gerade Radfahrerinnen und Radfahrer lieben den Kanal für seine begleitenden Radwege und so ist es auch keine Überraschung, dass uns auf der Route Stammersdorf zahlreiche Drahtesel entgegenkommen.

Fazit: Der Regionalpark DreiAnger ist ein ambitioniertes Projekt. Der Einklang von Natur, Landwirtschaft und Naherholung wird hier mustergültig vorgelebt und so soll ein Park entstehen, der für alle ein Gewinn ist. Es gibt viel zu tun, viel zu sehen und wir wurden wieder einmal daran erinnert, wie vielfältig und artenreich die Natur rund um Wien ist. Wer ein Ausflugsziel für ein frühsommerliches Wochenende sucht, liegt bei diesem Regionalpark definitiv goldrichtig.