Das Projekt "Raus aus dem Asphalt" bricht Asphaltböden auf und bringt so mehr grün in die Innenstadt. © message.at/Shutterstock/Lukas Bast

 

Es grünt so grün in Wien

Asphalt trifft auf Pflanzen - oder besser gesagt, Asphalt weicht Pflanzen. Denn im Rahmen der unzähligen Maßnahmen für die Klimamusterstadt startet ein weiteres, von der Stadt Wien gefördertes Begrünungsmodul. CLUB WIEN schaute sich das grüne Projekt an.

Wien ist nicht nur die lebenswerteste Stadt der Welt, sondern wurde kürzlich auch zur "Greenest City" weltweit gekürt. Grund dafür ist der hohe Anteil an Grünflächen in und rund um die Stadt. Kaum eine Großstadt hat so viel Natur zu bieten wie unsere. Die Millionenmetropole hat einen rekordverdächtigen Grünraumanteil von 53 Prozent, 1.000 Parks und unzählige Grünflächen im Stadtgebiet. Es gibt rund 500.000 Stadtbäume und jedes Jahr werden rund 4.500 neu gepflanzt. Neben Grünflächen gibt es viele Wälder, Weinberge und Naturschutzgebiete. So grün unsere Hauptstadt auch ist, gibt es vor allem in der Innenstadt viele Straßen, an denen weit und breit kein Pflänzchen wachst. Gerade im Sommer mit den Hitzetemperaturen ist das ein großes Problem. Vergleicht man in den heißen Monaten die Temperaturen einer Großstadt mit den Temperaturen rund um die Stadt, kann der Temperaturunterschied bis zu sechs Grad betragen. Gründe dafür sind die Speicherung von Hitze durch den Asphalt und die fehlende Verdunstungskälte von Bäumen und Pflanzen. Das ist nicht nur schlecht für die Baustruktur der Gebäude, sondern auch für die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt selbst. Denn zu hohe Temperaturen können gesundheitliche Folgen wie Hitzeschocks, Herzinfarkte und vieles mehr haben. Um die Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner vor der Sommerhitze zu schützen, wurden im Zuge der Klimamusterstadt mehrere Maßnahmen zur Begrünung der Stadt getroffen. Ein neues Projekt ist das Begrünungsmodul von Umweltstadträtin Ulli Sima "Raus aus dem Asphalt". Was das genau ist, CLUB WIEN klärt auf.

 

Mehr Grün für unsere Hauptstadt

Das neue Begrünungsmodul von Umweltstadträtin Ulli Sima sieht vor, dass überall dort, wo Bäume wegen der Unterkonstruktion nicht gepflanzt werden können, der Asphalt aufgebrochen werden soll und Grünbeete entstehen sollen. Kurz gesagt, heißt das, dass mit Abstimmung der Bezirke auf bestimmten Straßen der Asphalt aufgebrochen wird und stattdessen Pflanzenmodule, allen voran Sträucher und Grünbeete, gepflanzt werden. Die Aktion "Raus aus dem Asphalt" ist Teil des Maßnahmenkatalogs für die Bezirke und wird mit Geldern aus dem auf 4,6 Millionen Euro verdoppelten Fördertopf für "Coole Bezirke" der Stadt Wien unterstützt. "Angesichts der zunehmenden Temperaturen in der Stadt wollen wir versiegelte Flächen reduzieren und mit einfachen Mitteln begrünen. Damit werten wir Grätzl auf und schaffen auch in stark verbauten Gebieten kleine, blühende Grünoasen. Oft sind es kleine Akzente, die Straßenzüge ein wenig bunter machen und auch Insekten und Schmetterlinge erfreuen", so Umweltstadträtin Sima.

Die Aktion startete am Sonntag, 16. August, im 4. Bezirk in der Margaretenstraße, wo aufgrund von unterirdischen Rohren und Leitungen eine Baumpflanzung von tief wurzelnden Bäumen nur sehr schwer möglich und vor allem sehr teuer wäre. Stattdessen werden dort sowie auch in der Operngasse und vor der Technischen Universität, Blumenbeete aufgestellt.

Solche Beete sollen in ganz Wien entstehen. Die Umsetzung wird von der Stadt unterstützt. "Ich hoffe, dass möglichst viele Grünflächen entstehen, an Orten, wo früher Parkplätze oder andere Dinge waren", so Sima. Die Aktion kommt auch bei den Bewohnerinnen und Bewohnern gut an. So erzählt Maria, die mit ihrem kleinen Kind im 4. Bezirk wohnt: "Ich finde die Maßnahmen sehr gut. Auch wenn dafür ein paar Parkplätze weichen mussten, aber dafür wird unser Bezirk etwas grüner und es schaut auch sehr hübsch aus."

Dort, wo Baumbepflanzungen oder Begrünungen möglich sind, werden natürlich weiterhin Bäume als Schattenspender gepflanzt. Für dieses Vorhaben gab es von der Stadt acht Millionen Euro Sonderbudget. Wie in jeder großen Stadt sind Bepflanzungen leider nicht überall möglich, weshalb man mit dem neuen Modell eine Alternative gesucht und gefunden hat, um die Stadt im Sommer vor der extremen Hitze zu schützen. So sieht das auch Herr Krawoski, Besitzer eines kleinen Cafés im 4. Bezirk. "Vor allem in der Innenstadt gibt es viele Straßen, die gar keine Bäume oder Pflanzen haben. Auch vor meinem Café ist das so. Das Blumenbeet frischt das ganze Umfeld etwas auf und bringt eine tolle sommerliche Atmosphäre in die Margaretenstraße. Von mir aus könnte die Stadt noch viele weitere Beete aufstellen."

Drei Modelle der Wiener Stadtgärten

Aufgrund der Vielzahl von Einbauten unter der Straße sind dort tief wurzelnde Bäume nur schwer zu pflanzen. Für solche Straßen haben die Wiener Stadtgärten deshalb drei verschiedene Modelle entwickelt, die sich für die unterschiedlichsten Standorte, wie schattig oder sonnig, eignen. So wurde in der Margaretenstraße, Ecke Operngasse eine optisch ansprechende und sonnenverträgliche Gräser-Sträucher-Mischung gesetzt.

Neben dem Aufbrechen versiegelter Flächen sind auch Gebäudebegrünungen überall dort, wo herkömmliche Begrünungsmaßnahmen nicht möglich sind, eine ideale Alternative. Als natürliche Klimaanlagen bringen sie deutliche Kühlung im Gebäudeinneren, wirken sich positiv aufs Mikroklima aus und binden CO2.

Begrünung so günstig wie nie

Dank der neuen Sonderförderung der Stadt Wien gibt es diese natürlichen Klimaanlagen jetzt so günstig wie noch nie: Für Dachbegrünungen gibt es bis zu 20.200 Euro, für Fassadenbegrünungen bis zu 5.200 Euro und für Innenhofbegrünungen bis zu 3.200 Euro Fördergeld. Die Stadt Wien fördert nicht nur private grüne Fassaden, sondern geht auch selbst mit gutem Beispiel voran und begrünt pro Jahr zehn städtische Fassaden. Wie beispielsweise die Fassade der MA 48 am Gürtel oder wie aktuell das U-Bahn-Stationsgebäude in der Spittelau. Ein besonders einfacher und kostengünstiger Weg zur Fassadenbegrünung ist, die mit der Stadt Wien entwickelte BeRTA All-in-One-Lösung. Dank Förderung gibt es ein BeRTA-Modul für weniger als 1.120 Euro. Erfahren Sie hier mehr dazu: www.berta-modul.at.