Auf der Balancierstrecke kann man sich der Schwerkraft stellen und die Koordination verbessern. © Bohmann/Rinkhy

 

Das Drahteselparadies in der Donaustadt

Das Radfahren üben, die motorischen Fähigkeiten verbessern oder einfach nur Spaß haben: Der Radmotorikpark ermöglicht Kindern und Jugendlichen all das und mehr. CLUB WIEN hat es sich nicht nehmen lassen, die 17 Stationen ausgiebig zu testen.

Es war ein kalter Septembernachmittag. Schauplatz: eine Straße in der Brigittenau deren Namen wir verdrängt haben. Wir fahren ganz gemütlich mit dem Rad durch die Gegend, als das Unglück plötzlich zuschlägt. Vom Tagträumen abgelenkt, kommen wir in die Straßenbahnspur, verlieren die Kontrolle und fallen ordentlich auf die Nase. Da die Dummen ja bekanntlich immer das Glück haben, ist die öffentliche Demütigung die einzige Folge. Hätten wir als Kind oder Jugendliche beziehungsweise Jugendlicher im Radmotorikpark trainiert, wäre uns das ganze Debakel vielleicht erspart geblieben.

Denn im brandneuen Radmotorikpark an der Rudolf-Nurejew-Promenade im 22. Bezirk können Kinder und Jugendliche ihre motorischen Fähigkeiten im Speziellen und das Radfahren im Allgemeinen trainieren. 17 Stationen stehen dort zur Verfügung. Eine davon ist ein Nachbau einer Straßenbahnspur, die ideal dazu geeignet ist, den Kindern zu zeigen, wie man mit diesem Risikofaktor im Straßenverkehr umgeht.

 

Mehr Sicherheit auf dem Rad

Wir haben uns nicht nehmen lassen, den Radmotorikpark selbst zu befahren. Wir schwingen uns also auf unser schickes violettes Damenrad, cooler Einkaufskorb inklusive, und radeln Richtung Kaisermühlen. Auf dem dortigen Damm ist ein Park und in Sichtweite die Reichsbrücke. Die Anlage ist also ganz leicht und sehr angenehm über das Radnetz Wiens zu erreichen. Gleich beim Einfahren in den Park sehen wir den Erzfeind: die Straßenbahnschiene. Wir testen diverse Methoden, wie man sie am sichersten überqueren kann. Spitze Winkel sollte man beim Überfahren möglichst meiden. Fährt man entlang der Schienen, dann am besten zwischen ihnen. Ist man mal drin gefangen, wird’s haarig. Nach einigen Test finden wir, das Rad gerade zu halten und sanft aber bestimmt abzubremsen ist die beste Variante. Wieder rausfahren ist schwer bis unmöglich. das Lenken sinnlos.

Die Anlage ist übrigens kostenlos nutzbar und für alle Arten von Fahrrädern befahrbar. Realisiert wurde das Projekt von der Stadt Wien und dem Bezirk Wien-Donaustadt. Die Errichtung erfolgte durch die Fachabteilung Wiener Gewässer auf einer Fläche von 8.000 Quadratmetern. Für Kinder unter zwölf Jahren besteht Helmpflicht.

17 Stationen, die Spaß machen

Gleich neben den Schienen kann man das Fahren auf Kopfsteinpflaster üben. Auch das kann im Verkehr eine Herausforderung sein, gerade für Anfängerinnen und Anfänger. Da ist jeder Übungsmeter ein Gewinn. Die nächste Station, die wir abfahren, ist die leicht erhöhte Balancierstrecke. Auf der kann getestet werden, wie gut man auf engem Raum die Spur halten kann. Auf der Straße ist das zum Beispiel der Fall, wenn man zwischen Schiene und parkenden Autos festhängt. Das Balancieren ist richtig schwierig, vor allem, da die Strecke Kurven hat und Ecken schlägt. Wir versuchen uns mindestens zehn Mal daran, schaffen es aber nicht darüber, ohne von der Spur abzukommen. Balance? Ausbaufähig …

Spektakulär ist die ganz hohe Balancierstrecke. Auf der schwarzen vulkanförmigen Station kann man rund um einen Krater fahren. Der Streifen ist breit genug, dass man das auch locker schafft. Durch den Krater zu düsen und auf der anderen Seite wieder hoch, macht allerdings noch mehr Spaß. Definitiv ein Highlight für Wagemutige. Nach ein paar Durchläufen sind wir auch so richtig aufgewärmt.

Die Koordination testet man am besten im Stangenwald. Die Slalomstrecke durchfährt man ganz wie beim Skifahren. Zwischen blauen und roten Stangen gilt es durchzuradeln. Hier kann man sehr gut ein Gefühl für Geschwindigkeit entwickeln. Ist man zu schnell dran, geht sich der Slalom nicht aus, dosiert man zu viel, bleibt man förmlich stehen. Die goldene Mitte zu finden, ist eine nicht zu unterschätzende Übung, von der Kinder im Straßenverkehr nachhaltig profitieren werden.

Multitasking und Wellenbahnen

Bei der nächsten Übung soll man versuchen, so viele herabhängende Griffe wie möglich zu berühren. Dabei ist gefragt, mehrere Sachen gleichzeitig im Blick zu haben: wo fährt mein Rad hin, wer ist noch auf der Strecke, wo hängen die Griffe? Multitasking dieser Art bleibt einem ja im Verkehr auch nicht erspart. Im Anschluss kommt eine Station, bei der man zwischen Wänden durchfahren muss. Da ist eine gute Körper-Augen-Koordination Voraussetzung.

Die spektakulärsten Stationen im Park sind vielleicht die beiden Wellenbahnen. Eine ist ganz in Blau gehalten und verläuft bei rund fünfzehn Metern Länge ganz gerade. Über die Wellen zu radeln, macht natürlich Spaß. Fortgeschrittene legen die Strecke aber zurück, ohne nach der ersten Welle die Beine zu benützen. Mit dem eigenen Momentum und gezieltem Auf- und Absitzen schafft man das nach etwas Übung auch ganz gut. Das Ganze nennt sich dann Pumptrack, weil man die Strecke quasi zurücklegt, indem der Körper rauf- und runterpumpt wie eine Wasserpumpe.

Die zweite Pumptrack ist rot und deutlich komplizierter. Hier gilt es auch, zwei Kehren zu meistern. Dabei muss man die schräg nach oben verlaufende Bahn nutzen. Das ist schon fast wie in einer Halfpipe und eine Herausforderung, mit der auch wir uns längere Zeit beschäftigen. Erst nachdem wir ausgiebig geübt haben, schaffen wir es, die Strecke durchzupumpen, ohne von ihr abzukommen.

Apropos Pumptrack: Gleich neben dem Radmotorikpark hat am 5. Oktober eine 130 Meter lange Pumptrack eröffnet. Das ist eine künstlich errichtete Mountainbike-Strecke, die als Rundkurs angelegt ist. Funktioniert vom Prinzip her gleich wie die Wellenbahnen, ist aber schon deutlich sportlicher und etwas für Fortgeschrittene.

Fazit: Der Radmotorikpark macht Spaß und schafft es, mit sinnvollen Stationen Kindern und Jugendlichen die Feinheiten im Straßenverkehr beizubringen. Der Abwechslungsreichtum sorgt dafür, dass auch ältere Semester auf ihre Kosten kommen.