09.JANUAR 2019 
Freizeit
Mit der passenden Kleidung und der richtigen Ausrüstung, kann man auch im Winter mit dem Rad unterwegs sein. © Mobilitätsagentur Wien/Christian Fürthner

Sattelfest durch den Winter

Für viele ist das Fahrrad auch im Winter das bevorzugte Fortbewegungsmittel. So sind in Wien rund 25 Prozent der Radfahrenden auch bei kalten Temperaturen unterwegs. Für sichere Radwege sorgt Wiens Winterdienst.

Egal ob Wind, Regen oder Schnee, Radfahren ist auch im Winter gut möglich. In Wien wagen sich immer mehr in der kalten Jahreszeit auf den Drahtesel und düsen so nicht nur den Benzinpreisen, sondern auch der Erkältung davon. Denn besonders in der kalten Jahreszeit ist Bewegung an der frischen Luft gesund und stärkt das Immunsystem. Jedoch sollte man beim Radeln bei Minusgraden auf einige wichtige Dinge achten. CLUB WIEN hat mit Martin Blum, Radverkehrsbeauftragtem der Stadt Wien über das Radfahren im Winter gesprochen.

Worauf ist beim Fahrradfahren im Winter besonders zu achten?

"Insbesondere im Winter gilt: passende Kleidung, gute Ausstattung und vorausschauendes Fahren", sagt Martin Blum.

Passende Kleidung

Die Tipps von Wiens Radfahr-Experten für eine gute Fahrt im Winter:
Nutzen Sie das Zwiebelsystem. Ziehen Sie mehrere dünne Schichten übereinander an. Das isoliert und schützt den Körper vor Kälte. Viele dünne Schichten wärmen besser als eine dicke. Um nicht zu stark zu schwitzen, sollte allerdings auf gute Entlüftung beziehungsweise auf Funktionskleidung geachtet werden. Ein Großteil der Körperwärme wird über den Kopf abgegeben. Tragen Sie daher unbedingt eine Haube. Handschuhe spenden zusätzlich Wärme. Achten Sie jedoch darauf, dass die Handschuhe Sie nicht beim Schalten oder Bremsen behindern. Gegen den beißenden Wind schützt man sich am besten mit einer zusätzlichen Windjacke oder Thermohosen. Aber auch die Sichtbarkeit ist in der dunklen Jahreszeit enorm wichtig. Helle und kräftige Farben sind besser zu sehen als dunkle Kleidung. Wer möchte, kann seine Kleidung auch zusätzlich mit Reflektoren ausstatten. Mittlerweile wird auch Alltagskleidung immer häufiger mit Rückstrahlern ausgestattet. Diese sind auch in Form von Bändern, Schleifen oder an Warnwesten erhältlich.

Gut ausgestattet durch den Winter

Sichtbarkeit: Wesentlich ist, dass das Fahrrad gut sichtbar ist. Befestigen Sie Reflektoren an Ihrem Rad und kontrollieren Sie, ob die Vorder- und Rücklichter funktionstüchtig sind. Achten Sie darauf, die Reflektoren im Winter sauber zu halten, da sie sonst nicht mehr reflektieren.
Bremssicherheit: Bei Glätte ist es vorteilhaft, dosiert bremsen zu können. Deshalb sind gut eingestellte Bremsen wichtig. Überprüfung Sie schon vorweg, ob Ihre Bremsen gut funktionieren und schmieren oder schrauben Sie wenn nötig diese noch einmal nach.
Reifen: "Tipp: Bei glatter Fahrbahn ist es besonders sicher, den Reifendruck etwas zu senken. Dadurch wird die Oberfläche der Reifen größer und der Grip auf den Straßen erhöht", erklärt die Expert.
Richtig sitzen: Um bei Rutschgefahr schnell vom Fahrrad absteigen zu können, sollte der Sattel etwas niedriger als gewöhnlich eingestellt sein. Um den Sattel vor Schnee, Eis und Feuchtigkeit zu schützen kann man einen Sattelschutz verwenden.
Fahrradkette: Im Winter wird die Fahrradkette besonders belastet. Prüfen Sie deshalb vor der Fahrt die Kette, um etwaige Unfälle zu vermeiden. Ein geschlossener Kettenkasten schützt die Kette vor Wintereinflüssen und reduziert die aufwendige Wartung.
Schutzblech: Radfahren bei Schnee kann ganz schön schmutzig sein. Damit Sie im Winter auch sauber an Ihr Ziel kommen, montieren Sie Schutzbleche an Ihr Fahrrad. Diese schützen vor Matsch und Nässe. Achten Sie beim Montieren darauf, genügend Abstand zum Reifen zu halten, damit sich kein Schmutz festsetzen kann.

Vorrausschauend fahren

Es ist kalt, nass und rutschig. Im Winter herrschen schwierigere Fahrbedingungen als in den wärmeren Monaten. Deshalb ist besonders wichtig, konzentriert und aufmerksam zu fahren. Nicht nur für sich, auch für seine Mitmenschen. "Passen Sie die Fahrweise an die unfreundlichen Witterungsbedingungen an. Wichtig ist, einen größeren Abstand zu den anderen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern zu halten, das Tempo entsprechend anzupassen und Bremsmanöver in Kurven zu meiden", rät Blum.

Mit der MA 48 sicher durch den Winter

Bei Schneefall werden nicht nur die Wiener Straßen, sondern auch die Radwege von der Magistratsabteilung 48 von Eis und Schnee befreit. So werden im Winter rund 280 Kilometer des Wiener Radnetzes intensiv betreut. Der Schwerpunkt der Winterräumung liegt bei den zentralen Radverbindungen, die besonders stark genutzt werden. Insgesamt befreit die Stadt Wien das rund 1.300 Kilometer lange Radnetz von Eis und Schnee.

Lust bekommen, eine Runde durch Wiens verschneite Straßen zu düsen? Hier finden Sie das Winterbasisradwegenetz mit Routen und betreuten Radwegen.

Schneetelefon

Wenn Sie nähere Informationen benötigen oder ein Anliegen zum Winterdienst haben, rufen Sie das Schneetelefon an. Hier können Sie auch selbst telefonisch auf verschneite oder vereiste Radwege hinweisen: telenfonisch erreichbar unter 01 546 48.

Gut eingepackt und gut geschmiert, steht einer Fahrt durch Wiens verschneite Straßen nichts mehr im Wege. Nach dem Fahrspaß benötigt das Rad in der kalten Jahreszeit besondere Pflege. Denn was nass ist, kann schnell rosten.

Wie schütze ich mein Fahrrad vor der Kälte?

Auch hier weiß Rad-Experte Martin Blum Bescheid.

  • Vor allem im Winter ist es wichtig, das Fahrrad regelmäßig zu putzen. Denn Schmutz zieht Feuchtigkeit an und fördert damit die Rostbildung. Insbesondere Kette, Felgen und Bremsen sollten gereinigt und so vor Verschleiß geschützt werden.
  • Gut geschmierte Ketten verringern die Rostgefahr. Geeignete Öle oder Schmiermittel erhalten Sie im Fachhandel.
  • Achtung: Bei niedrigen Temperaturen kann das Radschloss einfrieren. Türschloss-Enteiser helfen. Im Vorfeld kann das Schloss mit einem speziellen Öl behandelt werden.
  • Kontrollieren Sie bei niedrigen Temperaturen vor dem Losfahren noch einmal alle Seilzüge. Diese können festfrieren, was zu einem Ausfall der Bremsen führen kann.

Worauf muss ich bei der Lagerung achten?

Wenn es zum Fahrradfahren doch zu kalt geworden ist oder man sein Fahrrad für längere Zeit nicht benutzen kann, sollte man es ordentlich einwintern. Damit das Fahrrad im Frühling ohne Probleme wieder genutzt werden kann. Daher gilt:

  • Eiskalte Räder sollten besser nicht gleich in warmen oder feuchten Räumen abgestellt werden. Sonst besteht die Gefahr, dass sich Kondenswasser im Rahmen und in Naben bildet. Das kann zu Rost führen. Auch vom Kondenswasser feuchte Bremsen können bei Minusgraden einfrieren und funktionieren dann nicht mehr.
  • Vor der Lagerung sollte das Fahrrad gründlich gereinigt werden. Rückstände wie angelagertes Salz können zu Klarlackschäden oder zu Rost führen. So ist das Rad vor Verschleiß geschützt. Auch die Kette muss erst gründlich gereinigt und dann mit Kettenöl versorgt werden. Es empfiehlt sich, das Rad über den Winter nicht auf weichen Reifen stehen zu lassen. Ratsam ist, die Reifen bis zum gerade noch erlaubten Reifendruck aufzupumpen.
  • Der Raum, in dem das Fahrrad gelagert wird, sollte nicht zu kalt, feucht oder zu heiß sein und vor Nässe und Frost schützen.