In der Polsterwerkstatt wird geschraubt, gestemmt und geklebt um Möbel wieder auf Vordermann zu bringen. © © Werksalon Co-Making Space

 

Lass es polstern!

Heimwerken ist voll im Trend. Alljährlich machen sich immer mehr Hobby-HandwerkerInnen daran, Projekte zu realisieren. Möglich machen den nachhaltigen Trend diverse Kursangebote, etwa zum Polstern. CLUB WIEN war beim Werksalon Co-Making Space zu Gast.

Orte, an denen Menschen gemeinsam werken, waren noch vor wenigen Jahren Zukunftsmusik. Antoinette Rhomberg und Martin Papouschek, seines Zeichens spätberufener Tischler, wollten das ändern. „Auf einer Weltreise wurde uns klar, dass in vielen Ländern Arbeitsraum geteilt wird. In Singapur zum Beispiel gab es Bäckereien, die von mehreren Menschen geteilt wurden und die prächtig funktionierten“, sagt Rhomberg. Davon und von damals neuen Carsharing-Angeboten inspiriert entschloss sich das Duo im Jahr 2013, das erste „Co-Making Space“ weltweit, als Raum gemeinsamen Schaffens, den Werksalon Co-Making Space zu gründen.

In Stadlau die Ärmel hochkrempeln

Eine Halle in Stadlau wurde gemietet, umgewidmet und umgebaut, damit sich selbstständige Handwerkerinnen und Handwerker einquartieren und mit ihren Unternehmen durchstarten konnten. Nach und nach kamen aber auch immer mehr Anfragen von Privatpersonen rein. „Die Leute wollten Hilfe beim Aufbau des Gartenmöbels oder bei diversen Reparaturen. So kamen wir auf die Idee, auch eine offene Werkstatt anzubieten“, erinnert sich Rhomberg. Ein Angebot, das den „Do it yourself“-Zeitgeist treffen sollte. Immer mehr Menschen mit Bereitschaft zu fortgeschrittenem Handwerk suchen nach Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Gründe dafür sind vielfältig: aus Spaß an der Freude, um individuelle Bedürfnisse befriedigen zu können, um der Umwelt etwas Gutes zu tun.

 

Eines eint alle im Werksalon: die Freude am Machen. „Egal ob Hobby oder Beruf, alle, die hierherkommen, lieben es zu gestalten, zu machen, umzusetzen“, sagt Rhomberg. Im Werksalon sind erwerbstätige Handwerkerinnen und Handwerker, wie zum Beispiel Tischlerinnen und Tischler, Prototypenbauerinnen und -bauer, Schneiderinnen und Schneider oder Strickwarenproduzentinnen und Strickwarenproduzenten, ebenso zu finden wie Hobby- und Freizeitnutzerinnen und -nutzer. Ab Donnerstag bis zum Wochenende gibt es auch die offene Tischlerei-Werkstätte, die jeweils von einem Profi betreut wird. „Da können alle ihre privaten Projekte vorantreiben, zum Beispiel ein Kinderbett bauen.“ Außerdem gibt es diverse Kursangebote. In Tischlereikursen lernt man den Umgang mit Maschinen und arbeitet an Projekten, die vielfältiger nicht sein könnten, vom Schachbrett über die Gitarre bis zum Möbel.

Die Polsterung ist die Krone der Möbel?

Doch es gibt auch ein anderes Handwerk, das momentan in der Hobby-Gemeinde boomt: das Polstern. In den monatlich zwei bis drei Mal stattfindenden Polster-Werkstatt-Tagen, oft am Samstag, trifft sich ein breiter Mix an Bedürfnissen. Die einen haben von der Oma ein altes Möbel geerbt, an dem der Zahn der Zeit nagt. „Das kommt ganz oft vor. Es sind lieb gewonnene Erbstücke, die halt leider in die Jahre gekommen sind“, sagt die Werksalon-Gründerin. Andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollen den Holzsessel neu polstern oder nur neu beziehen, bei jungen Leuten kommt es auch gerne mal vor, dass der Schaumstoff sich vom sehr alten Vintage-Fauteuil verabschiedet hat. „Vor einem Kurs werden uns Fotos gemailt, um das Projekt kurz telefonisch zu besprechen. Dann klären wir folgende Fragen gemeinsam ab: Wie lange wird es wahrscheinlich dauern? Ein-Tages- oder Mehr-Tages-Projekt? Welche Materialien werden verwendet und gerne vom Werksalon besorgt? Wo besorgt man den neuen Bezugsstoff selbst und worauf ist zu achten? Was wird es ungefähr kosten. “

Gearbeitet wird in kleinen Gruppen, unbedingt mitzubringen sind Zeit und Ausdauer. „Polstern ist manuelle Arbeit und geht darum einfach nicht schnell. Die meisten Polsterprojekte bei uns dauern zumindest einen ganzen Tag“, meint Rhomberg. Wie lange eine Polsterung dauert, hat aber wesentlich damit zu tun, wie groß das Möbel ist, welche Methode angewendet wird und welches Material zum Einsatz kommt. Methode und Material können wir entscheiden.

Besonders lange beispielsweise dauern Polsterungen, die traditionell mit Sprungfedern geschnürt werden. „Wenn eine klassische Sprungfeder gebrochen ist und wir gemeinsam entscheiden, die Reparatur in diesem „alten Stil“ zu machen, dann kann das schon einige Tage dauern. Zuerst muss alles abgestemmt werden, bis runter zum Holzrahmen, um dann von Grund auf alles neu aufzubauen. Inzwischen gibt es aber viele Alternativen zur klassischen Federschnürung. Es kommt darum immer darauf an, wie viel Freude, Zeit und Geld man in das alte Möbel investieren will und was man lernen will.

Aus alt und grau wird hübsch & zauberhaft

Im Kurs geht es ans Eingemachte. Ein Sessel wird neu bepolstert und mit einem stylischen Stoff bezogen. Zuerst wird der alte Bezug abgestemmt. Allzu schwierig ist das nicht, aber es dauert wesentlich länger, als man vermuten möchte. Die Polsterung hält gut und trennt sich ungern vom Sessel. Wird mit Naturmaterialien gearbeitet, dann folgen auf die Gurte meist Kokos, Afrik, Jute, Nesselstoff und Baumwollwatte, als Weichmacher zum Schluss. „Wird mit Schaumstoff gearbeitet, dann wird dieser zugeschnitten, geklebt und mit Wattefließ vollendet“, sagt Rhomberg.

„Für eine schöne Formensprache des Möbels zeichnen schöne Linien und exakte Ecken verantwortlich. Hier lässt man sich Zeit, denn darauf kommt es an. Damit das Ganze aber nicht zum Kraftakt wird, wird mit einer Klammerpistole geklammert und nicht händisch genagelt“, meint Rhomberg. Jetzt ist der fesche neue Bezugsstoff dran. Der wird darüber gelegt, abgemessen und dann zugeschnitten. Hier kommen dann doch kurz die Polsternägel zum Einsatz. Mit denen wird der Stoff ganz sanft eingeschlagen, um zu sehen, ob alles dort sitzt, wo es soll. Dann sorgt die Klammerpistole dafür, dass es für den Stoff kein Entrinnen mehr gibt. Voilà, fertig!

Wenn ein Projekt fertig ist, kommt der schönste Teil: feiern! Die Stimmung in der Polsterwerkstatt ist konzentriert, aber ekstatisch. „Es ist immer eine Glückshormonausschüttung, sobald die Möbel fertig werden, unglaublich“, sagt Rhomberg. „Bei jedem Workshop ist es eine Reise. Das Abstemmen macht die Möbel eher hässlicher, als sie vorher waren, dann arbeitet man viele Stunden und sieht nur Teilergebnisse und zum Schluss kann man nicht fassen, wie wunderschön es geworden ist. Es ist wirklich eine emotionale Reise, die wir hier gemeinsam erleben.“

Wer gerne die Freude am Machen erleben will, aber kein passendes Objekt im Eigenheim hat, kann trotzdem zum Werksalon kommen. Dort gibt es ein kleines Bankerl, liebevoll Paula genannt, an dem alle Arbeitsschritte und Materialien geübt werden können.

Alle Infos zum Werksalon und künftigen Terminen finden Sie direkt auf der Website.

Ihr Polster-Urlaub

Ganz neu ist ein Angebot für alle, die zu Hause Urlaub machen: Der Polster-Urlaub. Alle Infos dazu finden Sie ebenfalls direkt auf der Website.