Plastikmüll kann in Wien trotz der gut funktionierenden Müllentsorgung ein Problem werden. Mit ein paar einfachen Tipps kann jedoch jede und jeder Einzelne Plastikmüll vermeiden. © Felicitas Matern

 

Sag Plastik den Kampf an!

Plastiksackerln, Verpackungsfolien, Einweggeschirr: Aus der modernen Welt ist Plastik nicht mehr wegzudenken. Dennoch gibt es einfache Wege, Plastikmüll zu reduzieren. CLUB WIEN und DIE UMWELTBERATUNG zeigen, wie es geht.

Aktuell schlägt das Thema Mikroplastik und generell Plastikmüll hohe Wellen, denn hohe Wellen aus Plastik verschmutzen zunehmend unsere Meere. Tagtäglich werden weltweit Millionen Tonnen an Plastik weggeworfen, meist ohne, dass es recycelt oder thermisch verwertet wird. Die Plastikabfälle gelangen vor allem aus Ländern ohne funktionierende Abfallwirtschaft über Flüsse oder Windverfrachtungen in die Weltmeere. In Österreich gibt es ein dichtes Sammelnetz für die Entsorgung von Abfällen: öffentliche Papierkörbe, Restmüllbehälter, Mistplätze, die getrennte Sammlung und auch die Straßenreinigung leistet einen wichtigen Beitrag, um die Natur zu entlasten. Die nachfolgende thermische beziehungsweise stoffliche Verwertung verhindert den Austrag in die Natur. Dennoch ist es auch in Österreich wichtig, soweit wie möglich auf Plastikprodukte zu verzichten – sind diese doch das Symbol für unsere Wegwerfgesellschaft. Wer einen Blick auf seine umliegenden Gegenstände wirft, dem wird schnell klar, warum, denn Vieles besteht daraus. Es ist leicht, billig und vor allem hält es sehr lange. Genau darin liegt das Problem. Ein gewöhnliches Plastiksackerl braucht 30 Jahre, bis es verrottet, eine herkömmliche Plastikflasche bereits bis zu 1.000! Zudem geht man derzeit davon aus, dass Mikroorganismen nicht in der Lage sind, Plastik vollständig zu zersetzen. Bereits seit Jahren treiben riesige Müllinseln in den Ozeanen. Die größte Müllinsel im Pazifik misst eine Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern und ist somit 19 Mal größer als Österreich. Durch UV-Strahlung zersetzt, landet das Plastik im Magen der Meeresbewohner und gelangt durch den Fischverzehr wieder in unseren Organismus. Laut UN sind bereits über 88 Prozent der Meeresoberfläche mit Mikroplastik verseucht und über 140 Millionen Tonnen Kunststoff schwimmen im Meer. Neben den enormen schädlichen Auswirkungen auf unsere Umwelt und die im Meer lebenden Tiere wird angenommen, dass Plastikmüll auch für uns gesundheitliche Folgen mit sich bringt. Deshalb ist es wichtig, Plastik den Kampf anzusagen. Denn es geht auch ohne. Wie, das erklärt CLUB WIEN gemeinsam mit Sandra Papes von DIE UMWELTBERATUNG.

Verpackungsabfälle vermeiden

Beim alltäglichen Einkauf im Supermarkt ist der Griff zu einem in Plastik verpackten Produkt schnell getan. Oft wird es auch gar nicht bemerkt, denn Verpackungsfolien gehören für uns zum Alltag. Etwas mehr als 80 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle fallen jährlich in der EU an, das sind 159 Kilogramm pro Kopf. Mit ein paar Tipps kann man beim Einkauf Müll reduzieren:

  • Weniger ist mehr: Bevorzugen Sie Produkte, die auf zusätzliches Verpackungsmaterial verzichten.
  • Unverpackt: Gemüse und Obst sind am Markt, in Fachgeschäften oder häufig auch in Supermärkten unverpackt erhältlich.
  • Mehrweg statt Einweg: Immer häufiger findet man in den Supermärkten Milch und Joghurt, verpackt in Glasflaschen und -behältern. Doch der scheinbar positive Trend ist nur dann sinnvoll, wenn die Gläser auch Mehrweggläser sind. Wer Einweggläser kauft, muss diese auch ordnungsgemäß entsorgen. Generell gilt: Produkte in Mehrwegverpackungen wie Getränke in Flaschen vermeiden Abfälle. Dies gilt auch für den Einkauf selbst: Eine wiederverwendbare Tasche, zum Beispiel aus Stoff, sollte immer mit dabei sein.
  • Richtig entsorgen: Auch die richtige Entsorgung ist entscheidend. Die Gelbe Tonne in Wien ist eigens für die Entsorgung von Plastikflaschen. Doch gehören nicht nur PET-Flaschen in die Tonne, auch Duschgel, Haarshampoo oder Flaschen für Reinigungsmittel können hier entsorgt werden.

 

Plastikfrei unterwegs

Schnell ein Coffee to go in der Früh - ist doch nichts dabei, denkt man sich. Doch auch hier tappt man gerne in die Müllfalle: Wegwerfbecher und Plastikdeckel erzeugen unnötigen Abfall. So kann Müll unterwegs vermieden werden:

  • Die Stofftasche, der stetige Begleiter: Nehmen Sie stets eine Stofftasche mit. Diese kann wiederverwendet werden und spart das Plastiksackerl, aber auch das Papiersackerl, das häufig gleich nach dem Einkauf im Müll landet.
  • Verzichten Sie auf Wegwerfbecher: Mittlerweile gibt es viele bunte, stylishe To-go-Becher, die bequem überallhin mitgenommen werden können. Oft hilft auch einfach die gute alte Kaffeetasse: Trinken Sie Ihren Kaffee doch einfach vor Ort. So sparen Sie den Wegwerfbecher und können Ihren Kaffee in Ruhe genießen.
  • Strohhalme: nein, danke! Verzichten Sie auf Strohhalme. Das Getränk schmeckt auch ohne Plastik im Mund super.
  • Wenn Sie Ihr Essen mitnehmen wollen: Kramen Sie für Suppen und heiße Getränke ihre Thermoskanne hervor, wickeln Sie Brote und trockene Lebensmittel in Stoffbeutel oder saubere Geschirrtücher oder verwenden Sie für belegte Brote Dosen aus Edelstahl.

Nicht nur bei Lebensmitteln kann (Mikro-) Plastik eingespart werden. "Wer häufiger zu Fuß geht, spart auch Kunststoff. Denn der Abrieb von Autoreifen enthält Mikroplastik. Außerdem verursacht motorisierter Verkehr schädlichen Feinstaub, der Lungen- und Herzkreislauferkrankungen verursacht", so Sabine Seidl von der UMWELTBERATUNG.

Plastikfrei schenken

Weihnachten steht vor der Tür und das bedeutet für die meisten von uns: Großeinkauf. An den Feiertagen möchten wir unseren Liebsten etwas Gutes tun und sie auch mit etwas Besonderem beschenken. Doch Geschenke oder auch Mitbringsel aus dem Urlaub müssen nicht immer aus Plastik sein. Auch bei der Geschenkverpackung kann unnötiger Papier- und Plastikmüll vermieden werden.

  • Holz statt Plastik: Schenken Sie Ihrem Kind, Ihrer Cousine oder Ihrem kleinem Bruder statt einem herkömmlichen Spielzeug aus Plastik ein tolles Geschenk aus Holz. Spielzeuge für Kinder aus Holz sind nachhaltiger und haben eine tolle Haptik.
  • Reparieren statt entsorgen: Wenn einmal etwas kaputtgeht, muss es nicht sofort weggeschmissen werden. Wie wäre es, wenn Sie stattdessen eine Reparatur verschenken? 
  • Schenken Sie gewissenhaft: Überlegen Sie sich vor dem Geschenkekauf, ob die oder der Beschenkte das Geschenk überhaupt benötigt. Oft ist ein gemeinsames Essen, ein Ausflug in die Berge oder ein selbst gebasteltes Geschenk viel wertvoller als ein schnell gekauftes.
  • Die richtige Verpackung: Das Geschenk ist gefunden, nur eingepackt muss es noch werden. Verzichten Sie dabei auf aufwendige Kunststofffolien. Verwenden Sie stattdessen doch einfach eine alte Zeitung, suchen Sie sich lustige Motive heraus oder basteln Sie Papierblumen. Auch schöne Tücher und wiederverwendbare Bänder oder Stoffsackerln eigenen sich hervorragend als Verpackungsmaterial. Eine tolle Alternative bietet der Wiener Weihnachtssack der MA 48. Mit dem hübschen Sack aus Stoff in verschiedenen Größen können Geschenke umweltfreundlich verpackt und damit der Geschenkpapierberg unterm Christbaum verkleinert werden. Zudem unterstützt man mit dem Kauf eines Wiener Weihnachtssacks das Integrationshaus Wien. Erhältlich in allen BILLA-Filialen.

Plastikfrei zu Hause

Auch zu Hause wird viel zu viel Plastik benutzt. War in den letzten Jahrzehnten Tupperware voll im Trend, greift man heute besser zu Altbewährtem wie Mehrwegflaschen oder Produkten aus Holz. So klappt es auch zu Hause mit der Müllvermeidung:

Die Küche:

  • Die richtige Lagerung: Lagern Sie Lebensmittel wie Mehl, Nüsse und Getreide in Gläsern statt Plastikbehältern. Das ist nicht nur schöner, Glas gibt auch keine Schadstoffe an die eingelagerten Lebensmittel ab.
  • Mehrwegflaschen: Entscheiden Sie sich bei Getränken für regionale Mehrwegsysteme.
  • Wiener Leitungswasser: Trinken Sie Leitungswasser. Das spart nicht nur Geld, sondern vermeidet auch Müll. Das Wiener Wasser kommt über die Hochquellwasserleitungen und zählt zudem international zu den besten.
  • Sodageräte: Das lästige Kistenschleppen hat mit den Sodageräten endlich ein Ende und auch Plastikflaschen können so einfach vermieden werden.
  • Produkte aus Holz: Verwenden Sie Schneidebretter oder auch Kochlöffel aus Holz anstatt aus Plastik. Das sieht nicht nur schöner aus, das Material fühlt sich auch besser an. Wichtig: Gleich nach dem Benutzen mit warmem Wasser und Handgeschirrspülmittel abspülen und gut trockenen lassen, damit keine Bakterien entstehen. Ab und zu mit Olivenöl einreiben, dann bleibt das Schneidebrett auch noch nach häufiger Nutzung schön.

Das Badezimmer:

  • Feste Seife: Anstatt flüssige Seife aus Plastikverpackungen zu verwenden, könnten Sie auf feste Seifen umsteigen. Diese sind häufig in Papier verpackt.
  • Mikroplastik in Kosmetik: Achten Sie beim Kauf von Kosmetik auf die Inhaltsstoffe. Zahnpasta oder Peelings mit Gütezeichen von zertifizierter Natur- und Biokosmetik verzichten auf Mikroplastik und andere bedenkliche Inhaltsstoffe. Wer es ganz natürlich haben möchte, kann auch seine eigenen Produkte herstellen. Peelings oder Zahncremen können schnell selbst gemacht werden.
  • Wattestäbchen: Nutzen Sie keine Wattestäbchen, in denen Plastik verarbeitet ist. Es gibt mittlerweile ökologische Alternativen.

Der Wohnraum:

  • Keine Billig-Möbel: Hochwertige Möbelstücke können gewartet, repariert und vererbt werden. Plastikprodukte hingegen werden schnell kaputt, müssen früher ausgetauscht werden und landen rascher im Müll.
  • Massivholz: Wählen Sie Möbel aus Massivholz und ohne Lacke oder Lasuren. Sie sind offenporig, das bedeutet sie können Feuchtigkeit an die Raumluft auf- und abgeben. Das ist gut fürs Raumklima.
  • Naturfaser: Bevorzugen Sie auch bei Vorhängen, Geschirrtüchern und Bettwäsche Produkte aus Naturfasern. Beim Wäschewaschen können sich aus Kunststofftextilien kleine Kunststofffasern lösen, die dann über das Abwasser in die Gewässer gelangen.

Der Kleiderschrank:

  • Natur pur: Kaufen Sie Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle oder Leinen. Diese hilft außerdem dabei, weniger zu schwitzen. Bekleidung aus Kunststoffen wie Polyester, Polyamid oder Elasthan nimmt außerdem schlechte Gerüche viel leichter an.
  • Gute Schuhe: Schuhe aus Leder und Textilien sind besser als jene aus Kunststoff. Sie lassen sich leichter reparieren und pflegen.
  • Kein Weichspüler: Verwenden Sie beim Wäschewaschen keinen Weichspüler, da dieser beim Waschen Mikroplastik aus den Kleidungsstücken löst, welches dann schneller ins Abwasser kommt.
  • Qualität statt Quantität: Achten Sie beim Kauf auf die Qualität. Kaufen Sie lieber ein hochwertiges Produkt, mit dem Sie länger Freude haben. Damit tun Sie auch gleich etwas Gutes für die Umwelt. Achten Sie außerdem auf GOTS-Gütezeichen und Fairtrade-Produkte.

Mehr Tipps und Informationen zur Plastikvermeidung finden Sie auf der Homepage von DIE UMWELTBERATUNG.