Techniker Martin Dürrer und Produktmanagerin Dorothea Holzschuh im Kuppelsaal des Planetariums Wien. In der Mitte das Universarium Modell IX von Carl Zeiss Jena, der modernste Sternenprojektor der Welt. © Bohmann/Bubu Dujmic

 

Sternenhimmel in der Kuppel

Auch bei strahlendem Sonnenschein: Im Planetarium Wien funkeln seit über fünfzig Jahren die Sterne. Dafür sorgen der modernste Sternenprojektor der Welt und gleichsam atemberaubende wie lehrreiche Shows. CLUB WIEN hat hinter die Kulissen geschaut.

Betritt man den Kuppelsaal des Planetariums Wien, ist es bereits schummrig. Während einer Vorführung ist es dann so dunkel, dass man die Hand vor Augen nicht sieht. "Wir arbeiten mit Licht und wollen deshalb so gut wie kein anderes in der Kuppel haben", erklärt Martin Dürrer, Techniker im Planetarium Wien. "Bis auf Reinigungs- oder Wartungseinsätze brauchen wir es nicht besonders hell. Wenn wir das Licht ausschalten und die Sterne einblenden, die vom Sternenprojektor kommen, dann ist es in der Kuppel komplett finster und man sieht nur die Sterne." Und das ist ein beeindruckender Anblick. Mehr als 9.000 Sterne werden dargestellt, was der Anzahl entspricht, die das menschliche Auge unter besten Bedingungen am freien Himmel sehen kann. Gerade in einer Großstadt wie Wien sind diese aber selten gegeben. Nicht zuletzt deshalb erfreut sich das Planetarium der Wiener Volkshochschulen am Praterstern seit 1964 großer Beliebtheit. Sterne schauen kann man hier nämlich unabhängig von Wetterlage und Tageszeit.

Vom Maria-Theresien-Platz zum Praterstern

Die Geschichte des Planetariums Wien reicht aber noch weiter zurück, wie Dürrer weiß: "Der erste Sternenprojektor wurde in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts in Deutschland von der Firma Carl Zeiss gebaut. Der erste außerhalb Deutschlands wurde 1927 in Wien installiert. Das war schon damals ein Planetarium, allerdings kein kuppel-, sondern ein pyramidenförmiges Gebäude. Es hat sich auch nicht am Praterstern, sondern am Maria-Theresien-Platz zwischen Naturhistorischem und Kunsthistorischem Museum befunden." In den Dreißigerjahren wurde es dann zum Praterstern verlegt, allerdings nicht an den heutigen Standort zwischen Riesenrad und Hauptallee. Es befand sich ungefähr dort, wo heute die S-Bahn-Stationen sind. 1945 wurde das Planetarium während der Schlacht um Wien Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört. Bis zur Wiedereröffnung hatte die Donaumetropole fast zwei Jahrzehnte lang kein Planetarium.

 

Gemeinsam mit der Kuffner Sternwarte und der Urania Sternwarte gehört das Planetarium als spezialisierte Einrichtung zu den Wiener Volkshochschulen. "Deshalb haben wir einen volksbildnerischen Auftrag, den erfüllen wir mit Freude und Enthusiasmus", so Dürrer. Auch aus diesem Grund wird ein Großteil der Shows selbst gestaltet. Astronomie soll für alle verständlich vermittelt werden, unabhängig von Alter und Vorkenntnissen. Produktmanagerin Dorothea Holzschuh: "Das beginnt mit Kindershows, bei denen erklärt wird: Was ist unser Sonnensystem, was sind Planeten, was können wir alles am Nachthimmel sehen? Es geht weiter mit Shows für Oberstufenschülerinnen und -schüler, in denen Sternenentstehung und Sternenleben behandelt werden. Bis hin zur Südhimmelshow, die als Unterhaltung mit Lerneffekt konzipiert ist." Auf das Thema Lichtverschmutzung wird schon in den Shows für die Kleinsten aufmerksam gemacht. "Wir bringen schon jungen Generationen bei, dass nicht jedes Licht notwendig ist."

Live moderierte Shows

Neben modernster Technik, die für den volksbildnerischen Auftrag eingesetzt wird, macht auch ein anderer Umstand das Planetarium am Praterstern so besonders: "Was uns auch von anderen Planetarien unterscheidet: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter moderieren live", so Holzschuh. "Sie erklären dem Publikum, was man an der Kuppel gerade sieht. Damit haben sie auch die Möglichkeit, auf die Besucherinnen und Besucher einzugehen. Wenn man merkt, da besteht wenig Vorwissen, knüpft man früher an und erklärt entsprechend mehr." "Man kann die Show über ein spezielles Computerprogramm jederzeit live steuern", ergänzt Martin Dürrer: "Ich habe zwar schon eine vorgefertigte Show mit einem roten Faden. Wenn aber eine Frage zu einem bestimmten Objekt kommt, das gerade zu sehen ist, dann kann die Kursleiterin oder der Kursleiter das Objekt spontan vergrößern und näherbringen."

An die Kuppel projiziert werden die Himmelskörper mittels des optomechanischen Universariums Modell IX von Carl Zeiss Jena, dem modernsten Sternenprojektor der Welt. Im Planetarium Wien ist dieser seit 2001 im Einsatz und stellt Himmelskörper in größter Präzision dar. "Bei unseren Kindershows sagen wir gerne, dass das ein Überraschungsei ist. Darin befinden sich insgesamt drei starke Lampen, die das Licht liefern, um in weiterer Folge die Sterne an die Kuppel zu projizieren", erläutert Martin Dürrer. "Zwei befinden sich im Sternenprojektor selbst: eine für den Nordhimmel, eine für den Südhimmel. Eine dritte Lampe befindet sich unterhalb der Planetenprojektoren. Alle Lampen sind in einem sogenannten Dimmkarussell, in dem ich die Sterne ein- und ausschalten kann. Das ist ein relativ komplizierter Vorgang, bei dem sich im Projektor Dimmscheiben in den Strahlengang schieben. Das Licht wird über Glasfasern an der Innenseite zu den großen Bullaugen weitergeleitet. Das sind sogenannte Sternfelder, optische Systeme, die das Licht, das von den Glasfasern weitergeleitet wird, tatsächlich an der Kuppel abbilden."

88 Sternbilder dank moderner Technik

Jedes dieser 30 Sternfelder stellt einen bestimmten Teil des Sternenhimmels dar. Der komplette Sternenhimmel ist aus diesen Sternfeldern zusammengesetzt, sowohl der Nordhimmel als auch der Südhimmel. Der Übergang ist dabei fließend und nicht erkennbar. Sternbilder werden zum besseren Verständnis als Figuren dargestellt. Davon gibt es 88. "Mit unserem Sternenprojektor können wir nicht alle einblenden, weil der Platz in diesem Überraschungsei zu klein ist. Da helfen wir uns mit unseren Velvet-Projektoren", so Dürrer. "Das sind Bildabbildungsgeräte, für den Laien vergleichbar mit Beamern." Während herkömmliche Beamer einen leichten Grauschleier erzeugen, liefern die Velvet-Projektoren einen komplett schwarzen Hintergrund. Damit lassen sich auch Videos und Animationen, darunter zusätzliche Sternenbilder wie etwa das Einhorn, der kleine Hund und der Luchs sowie die Internationale Raumstation ISS, in 3-D darstellen. 

Die Kuppel selbst hat einen Durchmesser von etwa 20 Metern, Sitzplätze finden 188 Besucherinnen und Besucher. In einem zweiten Raum können 100 Personen Vorträgen im Rahmen des Science Programms der Wiener Volkshochschulen beiwohnen, dessen naturwissenschaftlicher Teil hier im Haus konzipiert wird. Hier können auch Firmenevents oder Kindergeburtstage abgehalten werden. Bei Letzteren gibt es neben einer Tafel mit Torte, Essen und Trinken sowie einer Kinderdisco auch Experimente und eine Show in der Kuppel. Das Planetarium Wien ist also für alle ein Ort des Erlebens, des Lernens und auch der Unterhaltung. Und das seit über 50 Jahren.