Wo sind jetzt die Pilze? Eine Schwammerljagd in Wiens Wäldern ist mehr als Nahrungssuche, sie macht auch Spaß und bringt uns in die Natur. © Bohmann

 

Auf Pilzjagd in Wiens Wäldern

Wien ist die grünste Metropole der Welt und auch ein ergiebiger Fundort für Pilze und Schwammerl. CLUB WIEN stellt sich dem uralten Duell 'Mensch gegen Natur' und versucht, den Wäldern seine köstlichen Schätze zu entreißen. Mit mäßigem Erfolg.

Enthusiasmus ist gut, macht aber totale Ahnungslosigkeit nicht wett. Das wird uns wieder einmal schmerzhaft bewusst, als wir nach zwei Stunden im Wienerwald mit leerem Pilzsackerl und herabhängenden Schultern Richtung Öffis spazieren. Wir haben viel gesehen, aber sicher keine Eierschwammerl. Und von den uns unbekannten Pilzen lassen wir lieber die Finger. Die erste Lektion des Pilzsuchens: Wer keinen Dunst hat, wo er suchen muss, sucht vergeblich. Da stellen wir uns die Frage: Gibt's in Wien überhaupt Schwammerl?

Wien ist eine absolute Pilzstadt

Die kurze Antwort: Ja! Das erklärt uns der Experte vom Marktamt, Alexander Hengl. "Im Wienerwald können Pilzsammlerinnen und -sammler fast alles an Pilzen finden. Sogar im 19. Bezirk habe ich schon mal Parasole gesehen. Im 21. Bezirk, am Bisamberg, sind gute Morchel- und Bovistenplätze." Die Saison ist sogar wesentlich länger, als man meinen könnte. "Bereits im Frühling können ab April, teilweise sogar schon März, Speisemorcheln zu finden sein. Im Herbst beziehungsweise ab August, bis je nach Witterung November, kommen dann die eher bekannten Pilze, wie Steinpilze, Eierschwammerl und Parasol, vor", sagt Hengl.

Die Pilzsuche sollte man gut vorbereiten. Denn wie man weiß, sind nicht alle Pilze genießbar, manche sogar giftig. "Es werden immer wieder Knollenblätterpilze mit Champignons und Täublingen, Riesenrötlinge mit Mehlräslingen oder auch Lorcheln mit Morcheln verwechselt. Knollenblätterpilze gehören sicher zu den giftigsten heimischen Pilzen", sagt Hengl. Darum würden wir auch niemals einen Pilz verspeisen, bei dem wir uns nicht zu 120 Prozent sicher sind, welcher das ist. Muss man auch gar nicht! Jeden Montag hat die Zentrale Pilzberatungsstelle am Naschmarkt geöffnet. Die Expertinnen und Experten vor Ort klären dort darüber auf, welcher Pilz ins Schwammerlgulasch darf und welcher lieber nicht.

 

Augen auf beim Pflücken

Bevor wir für die zweite Runde in den Wald aufbrechen, gibt uns Hengl noch ein paar Tipps mit: "Wichtig ist es, gesunde Pilze zu sammeln. Alte, schimmelige, durchnässte oder gefrorene Pilze sollte man erst gar nicht pflücken. Aber auch nicht umstoßen, denn sie sind für den Waldbestand von Bedeutung", so Hengl. "Fraßspuren an Pilzen sind keinesfalls ein Erkennungsmerkmal für die Genießbarkeit. Schnecken, Maden oder Wild fressen auch Pilze an, die für uns Menschen gefährlich sind."

Diesmal entscheiden wir uns dafür, in den Döblinger Wald aufzubrechen. Bewaffnet mit Sackerl, Messer und Pilzbuch stellen wir uns der Herausforderung und stellen fest, dass die Suche mindestens genauso viel Spaß machen kann wie das Finden. Mit dem Buch analysieren wir jeden Pilz, den wir sehen und versuchen zu bestimmen, was da vor uns wächst. Nicht immer mit Erfolg. Diverse Pilze lassen sich aber recht einfach zuordnen. So zum Beispiel ein Langstieliger Knoblauchschwindling, den wir ganz am Anfang direkt am Wegrand erspähen. Zum Kochen ist der nicht geeignet, größere Mengen können zu Verdauungsproblemen führen. Kennerinnen und Kenner trocknen ihn aber sehr gerne und verarbeiten ihn dann zu einem Würzpulver.

Von Trameten und Stäublingen

Wir verlassen den Weg und schlagen uns ins Dickicht. Schon nach wenigen Metern sehen wir einen seltsam aussehenden Pilz, der aus einem geknickten Baum herauswächst. Dabei handelt es sich entweder um eine Eichen- oder Birkentramete. Mit Bäumen kennen wir uns auch nicht aus. So oder so ist der Pilz nicht zum Verzehr geeignet. Weiter geht's! Unser eigentliches Ziel ist es, Eierschwammerl zu finden. Die erkennen sogar wir. Es gibt zwar einen Falschen Pfifferling, der ist aber einfach zu unterscheiden. Erstens hat er Lamellen statt Leisten unter dem Hut, zweitens ist das Fruchtfleisch durchgehend gelblich bis orange und nicht weiß mit einem gelben Rand und drittens versprüht der falsche Pilz nicht den pfeffrigen Geruch des Originals.

Wie das so ist, sind Eierschwammerl sehr beliebt und rund um Wien gibt's viele Liebhaberinnen und Liebhaber, die ihre Platzerl aus dem Effeff kennen. Zwei Mal stoßen wir auf bereits abgegraste Fundorte, die wir uns aber für das nächste Mal vormerken. Es muss aber nicht immer das Schwammerl sein. Wer sich mit der Materie auseinandersetzt, wird feststellen, dass es viele Pilze gibt, die essbar sind. Auch Alexander Hengl verrät uns einen solchen. "Ein echter Geheimtipp ist der Riesenbovist. Dieser Pilz ist sehr schmackhaft, aber nur essbar, solange er weiß ist. Er eignet sich vor allem zum Panieren oder Grillen. Der Riesenbovist ist von Juli bis September auf Weiden, in Gärten oder auf Ödland zu finden." Der Bovist ist recht leicht zu erkennen und sieht aus wie eine große, weiße Kugel.

In unserem Terrain werden wir den aber nicht finden. Stattdessen stoßen wir in Döbling auf eine große Anzahl von Birnenstäublingen. Dieser Pilz ist sehr weit verbreitet, wird aber oft nicht beachtet. Das liegt daran, dass er nicht besonders gut schmeckt und nur unreif essbar ist, sprich, wenn das Fruchtfleisch schneeweiß ist. Nährstoffreich ist er, allerdings würde man ihn wohl nur pflücken, wenn akute Gefahr des Verhungerns besteht. Wir sind schon ziemlich lange im Wald und wissen nicht mehr ganz genau wo der Weg ist, also nehmen wir ein paar mit. Das leere Sackerl ist auch ziemlich deprimierend und schon die vier Stäublinge fühlen sich gut an.

Auf dem Markt werden alle fündig

Und so streifen wir noch lange Zeit durch den Wald. Wir sehen eine wahnsinnig große Anzahl an Pilzen, allerdings keine eindeutig gut essbaren. Das frustriert uns aber kein bisschen. Wir haben einfach zu viel Spaß bei unserem kleinen Abenteuer im Wald. Wir freuen uns auch schon auf das nächste Mal, dann probieren wir es vielleicht am Bisamberg.

Bis dahin werden wir aber sicher einmal auf Pilzsuche zu den Wiener Märkten tingeln. Dort können erfolglose Sucherinnen und Sucher wie wir fündig werden und völlig bedenkenlos zugreifen. Dafür sorgen die Kontrollen des Marktamts. "Auf den Märkten Wiens findet man viele Arten von Pilzen. Diese müssen aber natürlich überall im Handel und in der Gastronomie von uns kontrolliert werden. Wir achten darauf, dass weder schimmelige, durchnässte oder auch gefrorene Pilze zum Verkauf angeboten werden. Und natürlich sind laufend Untersuchungen im Labor notwendig. Seit der Tschernobyl-Katastrophe kann es durchaus vorkommen, dass Pilze Caesium-137 beinhalten. Aus diesem Grund führt das Marktamt laufend Kontrollen bezüglich möglicher Rückstände durch", erklärt Alexander Hengl.