05.AUGUST 2019 
Freizeit
Pilates, Boxing, Tanz: Piloxing ist ein Kombi-Workout das den ganzen Körper aktiviert. © Bohmann

In der VHS die Hüften schwingen

Beim Piloxing trifft Pilates auf Tanzmoves und Boxen. Das Workout kombiniert Kardiotraining mit Stretching und Dehnen. CLUB WIEN hat einen Kurs in der VHS Meidling besucht und sich der Herausforderung Piloxing gestellt.

Achtung: Wir haben jetzt den schwarzen Gürtel in Piloxing! Spaß beiseite: Obwohl der Trendsport Elemente des Boxens nutzt, ist Piloxing natürlich keine Kampfsportart und auch zur Selbstverteidigung ungeeignet. Außer man schafft es vielleicht, Angreiferinnen oder Angreifer mit den spektakulären Tanzmoves in die Flucht zu schlagen. Die wirkliche Stärke des Workouts liegt in der Fusion von Aerobic, Step- und Dance-Elementen, Boxbewegungen sowie der ganzheitlichen Wirkung von Pilates. Piloxing ist ein echtes Allround-Workout.

Die VHS macht Wien fit

Ein guter Ort, um den Sport kennenzulernen, sind die Wiener Volkshochschulen. Dort zeigen geschulte Trainerinnen und Trainer, wie der Hase läuft. Und auch die Preise sind schwer in Ordnung. Um Piloxing kennenzulernen, besuchen wir die VHS Meidling, die nicht nur Piloxing, sondern auch viele andere Kurse anbietet. "Bei uns spielt Sport eine große Rolle, da Kurse wie Piloxing gut in unser modernes Programm passen und unsere Stammkundinnen und -kunden solche Angebote sehr gut annehmen. Wir haben auch Zumba, Zirkeltraining oder diverse Konditionstrainings", sagt Beatrix Binder, Programm-Managerin der VHS Meidling. "Wir wollen die Menschen bewegen und einen Beitrag dazu leisten, dass Wien fit und gesund bleibt."

Dafür hat man gute Voraussetzungen geschaffen. Im Keller befinden sich zwei Trainingsräume, die mit schmucker Wandverspiegelung an ein Tanzstudio erinnern. Das ist beim Piloxing wichtig, denn im Spiegel kann man selbst sehen, welche Bewegungen man korrekt ausführt und welche noch einen Feinschliff brauchen. Die Teilnehmerinnen des Kurses sind eine bunte Mischung, von der jungen Studentin bis zur rüstigen Seniorin, von der Anfängerin bis zur erfahrenen Piloxerin. Piloxing ist für alle, betont Kursleiterin Hulda Malai. „Dieses Programm kann sehr gut an alle Bedürfnisse angepasst werden“, sagt sie.

Sie selbst kam durch die Tochter dazu. "Wir haben das gemeinsam gemacht und hatten viel Spaß. Doch irgendwann haben uns die Kurse, die wir besuchten, nicht mehr gefallen, das war für mich nicht mehr Piloxing." Also machte Malai kurzerhand einen Lehrgang und wurde Piloxing-Trainerin. Am Spaß hat das nichts geändert. "Mir macht es nach wie vor noch so viel Freude wie am ersten Tag." Um mitzumachen, braucht man nichts außer Sportkleidung und ein Handtuch. Matten stellt die VHS zur Verfügung und die Handschuhe hat Malai mit dabei. "Die Piloxing-Handschuhe wiegen 250 Gramm und sorgen dafür, dass man ein bisschen mehr arbeiten muss und dass die Handgelenke gerade bleiben."

Die Fäuste fliegen

Sind die Handschuhe angezogen, geht's auch schon los. Beim Piloxing startet man mit lockeren Aufwärmübungen. Mit leichten Schritten und Handbewegungen werden die Muskeln auf Betriebstemperatur gebracht, um Verletzungen vorzubeugen. Sind alle aufgewärmt, startet das Kardiotraining. Zuerst wird in hohem Tempo geboxt. Bei den Boxbewegungen achtet man darauf, dass alles aus der Schulter kommt und dass man die Arme schön hoch hält und gerade führt. "Piloxing ist kein Kampfsport, wir legen aber schon Wert darauf, dass die Bewegungen technisch richtig sind", sagt Malai. Piloxing-Gründerin Viveca Jensen hat selbst einen Boxhintergrund und kam so auf die Idee zu dem Programm.

Geboxt wird nach vorne, zur Seite und nach oben. Dabei ist auch wichtig, dass sich der Unterkörper mitbewegt. Der Bauch ist immer angespannt, die Brust auch. "Bei diesen Übungen soll der ganze Körper mitarbeiten", sagt Malai. Und das tut er auch. Schon nach ein paar Minuten breitet sich eine wohlige Wärme im ganzen Körper aus und die Schweißperlen lassen nicht lange auf sich warten. Zeit zum Ausrasten gibt es nicht. Dieser Trainingsteil soll erschöpfen und die Ausdauer verbessern. Dazu kombiniert Malai das Boxen mit Tanzelementen. Vergleichen kann man das am ehesten mit Jazzdance. Die Arme werden hin- und hergeschwungen, gleichzeitig machen die Beine leichte Tanzschritte und die Hüften werden geschwungen. Taktgefühl hilft, ist aber, zu unserem Glück, keine Voraussetzung.

Nachholbedarf in Sachen Dehnbarkeit

Im zweiten Teil des Workouts stehen langsamere Übungen im Vordergrund. Mit den Beinen ganz zusammen geht es in die Kniebeuge, gleichzeitig werden die Arme ausgestreckt ... wenn es denn geht. Denn jetzt zeigen sich zum ersten Mal unsere Schwächen: die Dehnung. Ausstrecken und halten - das klingt leicht, ist aber ziemlich schwierig, wenn man es sonst nie macht. Pilates fordert die Tiefenmuskulatur, die allzu oft sträflich vernachlässigt wird. Ganz ohne Geräte und sonstige Hilfsmittel werden die Muskelausdauer und die Körperkontrolle gefordert. Ein Blick auf die Spiegelwand zeigt: Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Dank unserer Verrenkungen, die mit dem eleganten Pilates wenig gemein haben, machen wir neben den anderen Teilnehmerinnen keine gute Figur.

Der Trend setzt sich im letzten Teil des Trainings fort. Jetzt geht es auf die Matte. Beine nach oben und ganz ausstrecken, gleichzeitig den Rumpf belasten? Vergiss es! Keine Überraschung für Malai. "Gerade Männer sind oft sehr schlecht gedehnt, da sie eher dazu neigen, Verkürzungen zu entwickeln." Stimmt leider. Wie schwer es ist die Beine ausgestreckt zu halten, schockiert uns, motiviert aber auch, künftig mehr Zeit für Stretching und Pilates zu reservieren.

Am Ende folgt noch ein kurzes Cooldown, bei dem die Entspannung im Vordergrund steht. Wir liegen auf der Matte und lassen die Muskeln runterkommen. Ein kurzer Applaus für die Trainerin und das war es auch schon. "Pilates macht stärker, selbstbewusster und die Körperhaltung wird viel besser. Man sieht besser aus und fühlt sich wie neu geboren", sagt Malai. Wer regelmäßig vorbeischaut, kann schon nach wenigen Wochen Resultate sehen. Wir sind vom Training überzeugt. Vor allem das Ziel, an der Körperhaltung zu arbeiten, wird uns sicher wieder in die VHS Meidling bringen.