Otto Wagners Kirche am Steinhof gilt als erste moderne Kirche des 20. Jahrhunderts und als eines der bedeutendsten Bauwerke des Wiener Jugendstils. © Bwag/Wikimedia

Otto Wagner Superstar

Otto Wagners Bauten und Ideen prägen das Stadtbild Wiens bis heute, auch an ungeahnten Orten. Anlässlich des 100. Todestags von Wagner widmet sich das Wien Museum dem Architekten und Stadtplaner mit einer Ausstellung.

Otto Wagner starb im April 1918, sein Werk ist aber immer noch allgegenwärtig. Wer durch Wien geht, kommt nahezu zwangsläufig an seinen Bauten vorbei. Etwa an der Kirche am Steinhof, an der Postsparkasse in der Inneren Stadt, den Wienzeilenhäusern beim Naschmarkt in Mariahilf. Oder an den auf den Strecken der Linien U4 und U6 erhaltenen Stadtbahnbauten mit ihren Pavillons am Karlsplatz und in Hietzing. Sie alle und noch viele mehr sind aus dem Wiener Stadtbild nicht wegzudenken und fehlen in keinem Reiseführer für die Bundeshauptstadt.

Otto Wagner, hier porträtiert von Gottlieb Theodor Kempf von Hartenkampf, fand einst nicht nur Zustimmung. © Wien Museum

Otto Wagner spaltete Zeitgenossen

Durch seine Tätigkeiten an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde Otto Wagner zu einem Architekten und Stadtplaner von Weltrang. Seine Zeitgenossen waren sich allerdings nicht ganz einig, wie sie mit ihm und seinem Werk umgehen sollen. "Wagner wurde kontroversiell wahrgenommen", erklärt Kunsthistorikerin Eva-Maria Orosz. "Für die einen war er ein Vorreiter der Moderne, für die anderen der Zerstörer der Tradition." Gemeinsam mit ihrem Kollegen Andreas Nierhaus kuratiert Eva-Maria Orosz die große Otto-Wagner-Ausstellung im Wien Museum anlässlich seines 100. Todestags. Von 15. März bis 7. Oktober 2018 zeigt das Haus am Karlsplatz auf über 1.000 Quadratmetern Zeichnungen, Möbel und Modelle aus dem Nachlass des Architekten.

Wagners Bauten läuteten die Wiener Moderne ein. Hier der Otto-Wagner-Pavillon am Karlsplatz. © Wien Museum/Hertha Hurnaus

Die Originalbauwerke verteilen sich über die ganze Stadt. Ob die Verbauung des Wienflusses, das Nussdorfer Wehr, Brücken, Kirchen oder Wohnhäuser: Sie alle tragen Otto Wagners unverwechselbare Handschrift und zeigen ihn als Visionär seiner Zeit. Schließlich gelten seine Werke als Meilensteine auf dem Weg vom auf die Vergangenheit fixierten Historismus in die Moderne. Beim Historismus wurden ab etwa 1850 längst vergangene Baustile verwendet. In Wien wurden ganze Stadtviertel nach diesen Vorgaben entwickelt. Das berühmteste Beispiel ist freilich die Wiener Ringstraße. In seiner Schrift "Moderne Architektur von 1895" erklärt Wagner diese Ära für beendet und fordert eine Anpassung der Architektur an den technischen Fortschritt. Letztlich gelten seine für die damalige Zeit teils radikalen Entwürfe als Befreiungsschlag für die Vertreter der Wiener Moderne.

Wagner als visionärer Großstadtplaner

Dabei wollte Wagner nicht nur repräsentative und bedeutende Gebäude nach seinen Vorstellungen errichten. Er wollte eine ganze moderne Stadt planen und wurde nicht müde, seine Vorstellungen zu publizieren. Wagner kümmerte sich um jede Kleinigkeit, jeden Federstrich seiner Zeichnungen und Entwürfe persönlich. Denn er war der Auffassung, ein Architekt müsse seine Kunst erklären und dem interessierten Volk näherbringen. Seine Konzepte lassen sich heute noch nachvollziehen: "Als visionärer Großstadtplaner ist Wagner nach wie vor aktuell", erklärt Kunsthistoriker und Kurator Andreas Nierhaus.

Wagners Postsparkasse ist eines der Schlüsselwerke europäischer Architektur. Hier ein Detail des Kassensaals. © Wolfgang Thaler

Über seine wichtigsten Werke herrscht Einigkeit. Die Kirche am Steinhof etwa gilt als erste moderne Kirche des 20. Jahrhunderts und als eines der bedeutendsten Bauwerke des Wiener Jugendstils. Bei ihr gilt Funktionalität als oberstes Prinzip und eine Plattenverkleidung ersetzt eine massive Steinbauweise. Auch bei der Postsparkasse orientierte sich Wagner an der Funktion, weiß Kuratorin Orosz: "Die Ästhetik wurde ganz aus der Funktion und dem Material entwickelt. Auch das Ornament - die 'Nägel', mit denen die Fassade beschlagen ist - ist aus der Funktion und nicht aus der Historie abgeleitet." Beide, Kirche am Steinhof und Postsparkasse, sind Schlüsselwerke europäischer Architektur.

Stadtbahn als größter Auftrag Wagners

Der größte Auftrag in Otto Wagners Karriere war allerdings die Planung der Wiener Stadtbahn ab 1894: Sie konfrontierte ihn erstmals mit den technischen Anforderungen des modernen Großstadtverkehrs und sollte ihn nachhaltig beeinflussen. Außerdem war sie das erste einheitlich von einem Architekten gestaltete moderne Massenverkehrsmittel.

Die mittlerweile zerstörte Stadtbahnstation Schwedenplatz um 1902. Sie war Teil Otto Wagners größten Auftrags. © Wien Museum

Ebenfalls 1894 wurde Wagner zum Professor an der Akademie der bildenden Künste berufen. Dort entwickelte er sich im kreativen Austausch mit seinen Schülern (Frauen waren damals noch nicht zugelassen) zum "Vater" der Wiener Secession. Mit der "Wagner-Schule" bildete er Architekten nach seinen Vorstellungen aus und konnte so seine Ideen verbreiten. Das trug Früchte.

Otto Wagner im Gemeindebau

Denn Otto Wagners Ideen wirkten auch nach seinem Tod nach. Schließlich wurden die Aufträge der größten und prestigeträchtigsten Gemeindebauten des sogenannten Roten Wiens in den 1920er- und 1930er-Jahren an Schüler von Otto Wagner vergeben. 70 Prozent der Sozialbauten aus dieser Zeit gehen auf sie zurück.

Wagner-Schüler Karl Ehns Karl-Marx-Hof führt Otto Wagners Ideen im Gemeindebau fort. © Bwag/Wikimedia

Diese Gebäude stehen heute noch und führen Wagners Visionen fort: Karl Ehns Karl-Marx-Hof, Heinrich Schmids und Hermann Achingers Rabenhof, Hubert Gessners Reumannhof und Karl-Seitz-Hof sowie viele mehr. "Bei Wagner lernte man, großstädtisch und großzügig monumental zu planen. Für die 'Superblocks' des Roten Wien waren das die idealen Voraussetzungen", erklärt Andreas Nierhaus. Auch wenn die Wohnungen immer noch klein waren, so waren sie doch für die in die Gemeindebauten einziehenden Arbeiterfamilien ein enormer Gewinn. Um die Jahrhundertwende hatten 95 Prozent der Wiener Wohnungen keinen Wasseranschluss und bestanden meist aus einem Zimmer und einer Küche am Gang. Nun gab es fließendes Wasser und Toiletten, teilweise sogar Balkone. Das entsprach Wagners Idee vom Bauen für den Menschen.

Wagners große Niederlage

Trotz seines Einflusses: Nicht alles, was Wagner anpackte, gelang ihm auch. Zehn Jahre, von 1900 bis 1910, arbeitete er an Entwürfen für ein Stadtmuseum am Karlsplatz. Es sollte ein moderner Monumentalbau werden. Er bestürmte den damaligen Bürgermeister Karl Lueger, mit dem er befreundet war, mit seinen Plänen, erhielt aber eine Abfuhr. Wagners Plan mit reich verzierter, stilisierter Eisenkuppel hätte der barocken Karlskirche rein optisch Konkurrenz gemacht.

Otto Wagners nie realisierter Plan von 1907 für ein Stadtmuseum am Karlsplatz (links im Bild). © Wien Museum/Otto Wagner

Erstmals wurde Kritik an seiner radikalen, von der Tradition emanzipierten Architektur laut. Die Wiener Stadtoberen brachten das Projekt schließlich zu Fall. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurden ohnehin sämtliche Bauprojekte Wagners eingestellt. Er konzentrierte sich auf das Erstellen von Entwürfen. Nach dem Tod seiner geliebten Frau Louise verbrachte Wagner seine letzten Lebensjahre zurückgezogen. Am 11. April 1918 starb Otto Wagner im Alter von 76 Jahren.

Die große Ausstellung zu Otto Wagner findet von 15. März bis 7. Oktober 2018 im Wien Museum statt.

Der bedeutende Architekt und Stadtplaner Otto Wagner hat Wien in seiner Erscheinung nachhaltig geprägt. Wir haben uns einige Bauten von ihm angesehen. © Stadt Wien/Bohmann

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