Bei der Auswahl der Früchte entschied man sich vorwiegend für ältere und robuste Obstsorten, die auch bei heftigeren Unwettern standhaft bleiben. © Elisabeth Pollak

 

Ein Projekt, das Früchte trägt

Lust auf eine gesunde Jause? Apfel, Birne, Zwetschken und Co können künftig auf der Donauinsel direkt vom Baum gepflückt und vernascht werden. Gepflegt werden die Obstbäume von ObstbaumpatInnen. CLUB WIEN besuchte das fruchtige Projekt.

An einem sonnigen Samstagnachmittag im Herbst vergangenen Jahres pflanzten freiwillige Obstbaumpatinnen und -paten auf der Donauinsel gemeinsam mit fachkundigen Expertinnen und Experten 30 Obstbäume. Denn genau dort entstand vor 30 Jahren unsere beliebte Donauinsel. Anlässlich dieses Jubiläums machten 30 Obstbaumpatinnen und -paten der Donauinsel und ihren Besucherinnen und Besuchern ein fruchtiges Geschenk.

Gesundes Obst in der Stadt für alle

Auf einem etwa 2.000 Quadratmeter großen Gelände auf der Donauinsel wurden 30 Obstbäume eingesetzt. So entstand von Baum zu Baum ein kleiner Obsthain mitten auf der Insel. Zu finden sind die Bäume nahe der U2-Station Donaustadtbrücke. Ziel des Projekts ist, dass künftig Besucherinnen und Besucher der Insel Äpfel, Birnen, Marillen, Zwetschken, Pflaumen, Ringlotten, Mirabellen, Kirschen und Pfirsiche frei ernten und vernaschen können. Ausgewählt wurden dabei vorwiegend alte und (klima-)robuste Sorten. Das fruchtige Projekt ist gemeinsam mit der AgendaDonaustadt, dem Ökosozialen Forum Wien, der Magistratsabteilung 45 - Wiener Gewässer und dem Verein Obststadt Wien aufgestellt und umgesetzt worden. Doch wie kam es zu diesem fruchtigen Projekt? CLUB WIEN hat mit Vicki Matejka von der Lokalen Agenda Donaustadt und mit Martin Mollay vom Verein Obststadt Wien über das neue Obstprojekt gesprochen.

Gemeinschaftsprojekt Obsthain

"Die Idee der Obststadt auf der Donauinsel stammt ursprünglich aus Wiener Neustadt", so Vicki Matejka von der AgendaDonaustadt. Dort pflanzte man bereits vor über sieben Jahren den ersten Obstbaum. "Mittlerweile gibt es dort über 400 Bäume, die von freiwilligen Obstbaumpatinnen und -paten gepflegt und versorgt werden." Ins Leben gerufen wurde das fruchtige Projekt von Martin Mollay. "Meine Vision ist, dass Nahrung ein freies Gut wird, von dem Menschen gesund leben können. Die Obstbäume, die wir pflanzen, sind für jeden Menschen, aber vor allem für die kommenden Generationen. Wir können nur im Jetzt beginnen Dinge zu verändern und nicht im Morgen. Alle, die mitmachen, lernen dabei, mit den eigenen Händen Verantwortung für das große Ganze zu übernehmen", so Obststadt-Initiator Mollay. Wie funktioniert diese Patenschaft und können alle mitmachen?

 

Die Obstbaumpatinnen und Obstbaumpaten

Zu Beginn des Projekts übernahm die AgendaDonaustadt die Koordination und die Suche nach den Obstbaumpatinnen und -paten. Ziel der Patenschaft ist, die Wienerinnen und Wiener in den Prozess des Baumpflanzens miteinzubeziehen und ihnen die Möglichkeit zu bieten, ihr Umfeld aktiv mitzugestalten. "Es haben sich gleich viele interessierte Menschen gemeldet, die gerne eine Patenschaft übernehmen wollten", erzählt Matejka. Die Obstbaumpatinnen und -paten sind interessierte Menschen aller Generationen aus der Nachbarschaft, aber auch von weiter her. Ihre Gründe fürs Mitmachen sind dabei ganz unterschiedlich: "Viele Baumpatinnen und -paten möchten entweder ihr Umfeld mitgestalten, ihren Familien etwas Nachhaltiges widmen, mehr über Obstbau lernen oder ganz einfach ein zukunftsreiches Projekt unterstützen."

Gemeinsam pflanzen, gemeinsam ernten

Für jeden Baum braucht es eine Baumpatin oder einen Baumpaten. "Die Patinnen und Paten pflanzen und kümmern sich um ihre Bäumchen. Sie pflegen die Baumscheiben, das heißt den Boden und gießen die Bäume - besonders in den heißen Monaten", erklärt Matejka. Unterstützt werden sie unter anderen von Martin Mollay und seinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Verein Obststadt Wien. "Zudem kommen die Patinnen und Paten mehrmals jährlich zu Obstbau und -pflegetreffen zusammen, bei denen sie sich fachkundiges Wissen zu Obstbäumen aneignen", so Matejka. So lernen die Patinnen und Paten bei den Treffen unter anderem, wie der richtige Winterschnitt aussieht, wie die Baumscheibe am besten gepflegt wird oder welche Pflanzen gegen Schädlinge helfen. Ein grüner Daumen ist daher nicht unbedingt notwendig, nur Freude und Spaß am Garteln.

Geerntet wird nach dem Fair-Use-Prinzip

Bis die ersten Früchte dann endlich geerntet werden dürfen, dauert es noch ein wenig. So brauchen Kirsche, Apfel und Birne drei bis fünf Jahre. Pfirsichbäume können hingegen bereits nach einem Jahr Früchte tragen. Wenn es dann so weit ist, dürfen die Früchte von allen geerntet werden. Allerdings gilt das Fair-Use-Prinzip. Das heißt, man erntet nur so viel, wie man in den eigenen Händen tragen kann.

Damit man auch alle Bäume findet, entwickelte Martin Mollay die App "Fruitmap". Eine digitale Karte, die Interessierten verrät, wo die Bäume der Obststadt in ganz Wien zu finden sind. Zudem zeigt die App, wann das Obst reif ist und wer die kostenlose Patenschaft für den Baum übernommen hat. Mittlerweile gibt es schon den zweiten Obstpark in Wien. Neben dem Obstpark auf der Donauinsel wurde im Mai ein Park am Drygalskiweg im 22. Bezirk eröffnet.

Werden Sie Obstbaumpatin oder -pate

Wollen auch Sie Obstbaumpatin oder -pate werden? Im Herbst 2019 werden bereits die nächsten Obstparks errichtet und viele weitere Obstbäume gepflanzt. Dafür benötigt es wieder die fleißige Mitarbeit der Obstbaumpatinnen und -paten. Melden Sie sich gleich an (info@obststadt.at) und helfen Sie mit, die Stadt fruchtig zu machen.

CLUB WIEN wünscht viel Spaß beim Naschen.