Der Marienkäfer ist der Albtraum aller Blattläuse. Wer ihm im Garten Lebensraum bietet kann Schädlinge ohne Chemikalien regulieren. © iStockphoto

Mit Marienkäfer und Schlupfwespe gegen Schädlinge

Egal ob im Haus oder im Garten: Es gibt keinen Grund, Chemikalien gegen Schädlinge einzusetzen. Lieber sollten Sie Nützlinge wie den Igel bei der Arbeit unterstützen. CLUB WIEN war bei wohnpartner Wien zu Gast und holte Tipps ein.

Liebhaberinnen und Liebhaber gepflegter Gärten und Beete kennen das: Es ist Anfang Juni und die Blattlaus treibt einen trotz grünen Daumens zur Weißglut. Allzu oft wird dann zu Chemikalien gegriffen um die Schädlinge loszuwerden. Doch auch wenn damit das Ziel erreicht wird, belastet man die Umwelt und bringt das Ökosystem aus dem Gleichgewicht. Wenn man stattdessen die Natur bei der Arbeit unterstützt, lässt sich das Problem nachhaltig regeln.

Mach der Blattlaus den Garaus

Anfang Juni organisierte wohnpartner Wien im wohnpartner-Lokal im Gemeindebau Engerthstraße 230 eine Gartenwerkstatt zu dem Thema. "Viele Bewohnerinnen und Bewohner haben in den letzten Jahren mit Unterstützung von wohnpartner begonnen, in den Gemeindebauhöfen gemeinschaftlich zu garteln. Außerdem hat das Bewusstsein für die Umwelt und Natur deutlich zugenommen - so kommt zum Beispiel der Einsatz von Pestiziden nicht infrage", berichtet Jan Mayrhofer, Mitarbeiter bei wohnpartner und einer der Organisatoren der Gartenwerkstatt. Der Gemeindebau in der Leopoldstadt hat einen wunderbaren Innenhof mit mehreren mobilen Beeten und vielen Hobbygärtnerinnen und -gärtnern. Dementsprechend gut besucht war die Veranstaltung auch.

Zu Gast war Anna Weißenböck von der Firma biohelp Garten & Bienen, die über Nützlinge aufklärte. Nützlinge sind Räuber und Parasiten, die Schädlinge wie Blattläuse, Motten oder auch Milben fressen. Eine Möglichkeit, sie einzusetzen, ist, sie zu kaufen. Der beliebteste zu erwerbende Nützling ist die Florfliegenlarve. "Das liegt daran, dass die Florfliegenlarve nicht nur im Haus und Glashaus, sondern auch im Garten einsetzbar ist", sagt Weißenböck. Die meisten vergleichbaren Nützlinge sind für den Garten schlicht zu anspruchsvoll. Die Larve frisst alles, was sie überwältigen kann, gerne die Blattlaus.

Kampf dem Buchsbaumzünsler

Die Larven haben gegenüber Chemikalien einen großen Vorteil: Sie belasten die Umwelt nicht. "Es besteht keine Gefahr der Überdosierung und dem eigenen Garten zu schaden. Alle Nützlinge, die es käuflich zu erwerben gibt, unterliegen strengen Vorschriften des Pflanzenschutzgesetzes", sagt Weißenböck.

Ebenfalls gartentauglich ist der Einsatz von Mikroorganismen, Bakterien. In den letzten Jahren erlangte vor allem der Bacillus thuringiensis Bekanntheit. Er greift ganz gezielt Schmetterlingsraupen dort an, wo sie unerwünscht sind, und hat an anderen Tieren, wie etwa Bienen, kein Interesse. Vor allem im Kampf gegen einen der größten Gartenunholde der letzten Jahre, den berüchtigten Buchsbaumzünsler, kommt er zum Einsatz.

Lass uns Motten ausrotten

Auch im Haus werden Nützlinge verwendet. Die Schlupfwespe ist ein probates Mittel, Motten zu beseitigen, und sie belastet im Gegensatz zu chemischen Keule nicht das Raumklima. Schlupfwespe klingt übrigens gefährlicher, als sie ist. Die Tiere sind sehr klein und man bemerkt sie im Eigenheim so gut wie gar nicht. Zu kaufen gibt es sie auf kleinen Kärtchen, die man zu Hause verteilen kann. Die Wespe parasitiert Motteneier. Das heißt, sie spürt sie auf und legt ihre Eier darin ab. In acht bis zwölf Wochen können sie alle Motten im Haus erledigen.

Doch Nützlinge muss man nicht kaufen. Es gibt in der freien Natur genug davon. Sollen diese im Garten Sheriff spielen, muss man sie nur ein bisschen unterstützen. "Chemikalien wirken nicht nur gegen Schädlinge, sie halten auch Nützlinge fern", sagt Weißenböck. Wer ein ausgeglichenes Ökosystem möchte, sollte also dringlichst auf künstliche Mittel verzichten.

"Nützlinge brauchen eigentlich nur eines: einen Lebensraum", sagt Weißenböck. Die Expertin empfiehlt im Garten wilde Ecken stehen zu lassen. "Man muss nicht immer alles auf Englisch schneiden. Ein paar ungemähte Ecken, abgeblühte Pflanzen, hier und dort ein Stock und natürliche Strukturen reichen schon aus, Nützlingen zu helfen."

Diese Tiere fressen Schädlinge

So kann man sich etwa den Marienkäfer in den Garten holen und der ist der natürliche Feind der Blattlaus. Auch Igel profitieren von diesen Maßnahmen. Die stacheligen Vierbeiner sind bekannt dafür, Käferlarven zu vernaschen. So können sie den Bestand vom Gartenlaubkäfer, der im Juli und August der Albtraum der rasenpflegenden Bevölkerung ist, kontrollieren. Auch Vögel fressen die Larven und haben zusätzlich auch Gelsen auf dem Speiseplan. Spinnennester sollte man ebenfalls nicht entfernen, da auch Spinnen Jagd auf Schädlinge machen. Selbiges gilt für den Ohrwurm.

Ameisen melken Blattläuse

Ameisen sind wiederum ein Grenzfall. Sie sind nützlich im Garten, haben aber ein exzentrisches Verhältnis zur Blattlaus. "Ameisen gehen mit Blattläusen eine symbiotische Beziehung ein. Sie melken den Honigtau von Blattläusen und halten diese wie Milchkühe", sagt Weißenböck. Ameisen, die Blattläuse auf Rosenbüschen rauf- und runtertragen, sind daher für viele Gärtnerinnen und Gärtner eher kontrovers.

Auch beim Vortrag wird viel diskutiert. Sehr zur Freude von wohnpartner Wien. Die vielen leidenschaftlichen Gärtnerinnen und Gärtner im Gemeindebau bringen nicht nur Leben und die Schönheit der Natur in Wiens Innenhöfe. Sie machen aus Nachbarschaften Gemeinschaften. Und genau das ist das Ziel von wohnpartner Wien.

"Das Garteln ist eine eigene Wissenschaft, aber das Lernen in der Praxis mit all seinen Erfolgen und Misserfolgen macht Freude. Mit den Gartenwerkstätten will wohnpartner den Erfahrungsaustausch zwischen Gärtnerinnen und Gärtnern sowie Fachleuten ermöglichen", denkt Jan Mayrhofer bereits an die nächsten Veranstaltungen.

Die nächste Gartenwerkstatt ist übrigens auch schon fixiert: Am 27. September dreht sich im BewohnerInnen-Zentrum Bassena Am Schöpfwerk alles um das Thema "Konservieren". Interessierte sind herzlich willkommen. Wenn Sie Fragen haben oder sich anmelden wollen, dann erreichen Sie wohnpartner unter Telefon 01 245 03-20094.

Insektenschutz, aber natürlich!